Analysen zur Wahl Bolsonaros in Brasilien

Elke Schenk
globalcisis/globalchange NEWS 30.10.2018
Im Folgenden in Auszügen einige Analysen zu den Hintergründen und Folgen der Wahl von Jair Bolsonaro zum brasilianischen Präsidenten. Die vollständigen Artikel können unter den angegebenen urls abgerufen werden.

(1)
https://www.nachdenkseiten.de/?p=46809
Brasilien – Mit Wahlsieger Jair Bolsonaro ergreift US-freundliches Militär die Macht und befeuert die rechtsradikale Weltszene – Teil 1: die Wahlnacht

Datum: 30. Oktober 2018 um 10:00 Uhr

Die Chronik des angekündigten Desasters schrieb an diesem 28. Oktober ihren Epilog: Mit 55:45 Prozent der gültigen Stimmen wurde Fernando Haddad von Jair Bolsonaro besiegt und zum neuen Präsidenten Brasiliens gewählt. Der zahlenmäßige Vorsprung Bolsonaros überstieg 10 Millionen Stimmen. Ein Bericht von Frederico Füllgraf.

Grob zusammengefasst: Gegen den Willen von 46,13 Millionen Wählern für Demokratie, Grundfreiheiten und Sozialstaat besiegelten 57 Millionen Brasilianer umgekehrt eine Entscheidung für die Einschränkung der Demokratie, die grenzenlose Volksbewaffnung, die Rückkehr der Militärs an die Staatsmacht und die Unterwerfung des Staates unter einen makabren und verlogenen religiösen Fundamentalismus.

[…] Trotz aller Anwerbungsversuche enthielten sich nach Angaben des Obersten Wahlgerichts (TSE) mehr als 21,2 Prozent – in Zahlen: gewaltige 30,1 Millionen – Wähler der Stimme. Unausgefüllte (2,16 Prozent) und ungültige Stimmzettel (7,44 Prozent) summierten sich auf weitere 8,3 Millionen verlorene Stimmen. […]
Jair Bolsonaro, der bereits 2016 seine Kandidatur angekündigt hatte, gewann zwar die Wahl, doch der Gigant dieser schmutzigsten und betrügerischsten Wahl aller Zeiten – deren kybernetischer Krieg der rechtsradikalen Szene um den Ex- Hauptmann des Heeres längst nicht aufgeklärt ist und bisher von der Justiz hintertrieben wird – heißt Fernando Haddad. Der Ex-Bildungsminister Lulas, vielfacher Buchautor und Hochschulprofessor brachte es fertig, in kaum sechs Wochen seine Wählerpräferenz von 5 Prozent auf 45 Prozent in nahezu geometrischer Progression um das Achtfache zu katapultieren. […] Von den kleineren Parteien, namentlich der kommunistischen PCdoB und der sozialistischen PSOL abgesehen, kam es nicht zur angekündigten Bildung der “Breiten Demokratischen Wählerfront”, womit Haddad notgedrungen allein die von feindlicher Propaganda verseuchte Wahlszenerie durchkämpfen musste.

Übergeordneter und entscheidender Grund für die Niederlage Haddads war jedoch eine fatale und unverzeihbare Fehleinschätzung Lula da Silvas. Die manchenorts gehörte Ausrede, weder Lula noch der Vorstand der Arbeiterpartei hätten ahnen können, dass der mit der Amtsenthebung Dilma Rousseffs 2016 eingeleitete Putsch in seiner eigenen Verhaftung gipfeln würde, ist unredlich. Selbstverständlich hätten die PT und Lula mit einer Eskalierung – im Klartext: mit seiner Kandidatur-Verhinderung durch die rechtsradikal unterwanderte Justiz – rechnen und für einen Ersatz sorgen müssen. Das stand nicht etwa in den Sternen, sondern war tausendfach angekündigt und hunderte Male selbst von Dilma Rousseff vorgewarnt worden.
[…]

(2)
https://amerika21.de/analyse/216390/bolsonaro-instrument-militaers 27.10.2018
Rechtsextremer Bolsonaro – Zögling des Militärs in Brasilien Seit 2014 bauen brasilianische Militärs den rechten Präsidentschaftskandidaten auf. Datensätze des jüngsten WhatsApp-Skandal stammen aus Quellen der Armee. Von Mario Schenk [1]
[…]
Laut Informationen aus brasilianischen Militärkreisen arbeiten ranghohe Militärs seit Jahren an einem Plan, ihren Einfluss auf die Regierung zu sichern. Der Sieg eines rechts-nationalistischen Kandidaten ist Teil davon und der Präsidentschaftsanwärter Jair Bolsonaro dabei ihr Vehikel. Die im jüngsten WhatsApp-Skandal verwendeten Datensätze zur Diffamierung des linksgerichteten Konkurrenten, Fernando Haddad, waren illegal vom Militär bereitgestellt worden, wie Amerika21 erfahren hat.
[…]
Wie die argentinische Zeitung Ámbito Financiero Anfang Oktober berichtete, planen Offiziere des brasilianischen Militärs seit Längerem, wieder die Rolle eines Protagonisten in der Gesellschaft einzunehmen. Ziel sei es, eine Art „neue Demokratie“ anzustoßen, die durch das aktuelle System verhindert werde. Ihre Grundanschauungen seien der politische Konservatismus, der ökonomische Liberalismus, eine aktive Rolle der Militärs im politischen Geschehen und die Mission, die politische Linke mit der Wurzel auszureißen.1 Die Zeitung beruft sich dabei auf einen ranghohen Offizier der Streitkräfte, der seit Jahren aktiv an einem „minutiösen Prozess des politischen Aufbaus“ beteiligt sei. […]
Bolsonaros Vize ist der pensionierte Armeegeneral Hamilton Mourão. Dieser drohte Anfang September mit einem Putsch des Präsidenten „von innen“ mithilfe der Streitkräfte, einem Staatsstreich von höchster Stelle. In einem Interview für den TV-Sender Globo betonte Mourão, dass „seine Kameraden im Oberkommando der Streitkräfte“ der Ansicht seien, dass eine „Militärintervention angebracht ist, sollte die Justiz das politische Problem nicht lösen.“5 Gemeint waren das politisch-juristische Hin und Her um die Verhaftung und die mögliche Kandidatur Luiz Inácio Lula da Silva, dem bis dahin aussichtsreichsten Präsidentschaftskandidaten.

(3)
https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/7768/ 30.10.2018 Der Chicago Boy und sein Präsident
BERLIN/BRASÍLIA (Eigener Bericht) – Deutsche Wirtschaftskreise geben sich mit Blick auf den künftigen brasilianischen Präsidenten Jair Messias Bolsonaro hoffnungsfroh und verweisen dazu auf das Wirtschaftsprogramm seines Superministers in spe, Paulo Guedes. Guedes wirkte zur Zeit des Militärregimes von Augusto Pinochet als Dozent an der Universidad de Chile; seine Pläne ähneln der Wirtschaftspolitik der chilenischen Militärdiktatur. Bolsonaro, der sich seit rund einem Jahr von Guedes beraten lässt, wird von der brasilianischen Wirtschaft bejubelt, nicht zuletzt vom brasilianischen Partnerverband des BDI, der Confederação Nacional da Indústria (CNI), in der deutsche Unternehmen eine starke Stellung innehaben. Deutsche Konzerne hatten bereits mit der brasilianischen Militärdiktatur kooperiert. Bolsonaros Sieg versetzt der Politik einer vorsichtigen Umverteilung zugunsten verarmter Bevölkerungsschichten den Todesstoß, für die die Präsidenten Lula da Silva und Rousseff standen und die im Kern schon mit dem kalten Putsch vom Mai 2016 beendet wurde – unter dem Beifall deutscher Unternehmer.
„Kein Flirt mit dem Sozialismus“
[…] Bereits im Wahlkampf hatte er angekündigt, soziale Bewegungen wie die Landlosenbewegung (Movimento dos Trabalhadores Rurais Sem Terra, MST) sowie die Wohnungslosenbewegung (Movimento dos Trabalhadores Sem Teto, MTST) als „terroristische Vereinigungen“ verfolgen zu wollen.[3] Seinen Wahlerfolg stützte Bolsonaro vor allem auf die meist weißen herrschenden Kreise des Landes, auf die weißen Segmente der Mittelschichten und auf ultrarechte evangelikale Pfingstkirchen, deren Anhängerzahl in Brasilien mittlere zweistellige Millionenhöhe erreicht.
[…]

Texte zu Hintergründen/-männern des vorläufig gescheiterten Militärputsches in der Türkei

globalcrisis/globalchange NEWS
Martin Zeis, 20.07.2016

Hallo mitnand,

in den letzten Tagen prasselten eine Unmenge von Meldungen, Nachrichten, Einschätzungen, Vermutungen über den Vorlauf, den Ablauf, die Hintergründe und die bereits sichtbaren und absehbaren Folgen des gescheiterten Militärputsches gegen die Regierung Erdogan auf uns nieder.

Relativ früh kam auf n-tv der auf dieser Liste bekannte Michael Lüders zu Wort, der die von vielen „Experten“ im deutschen Mainstream verbreitete Spekulation, bei dem gescheiterten Putsch handle es sich um eine Inszenierung von Erdogan selbst, um das schon weit fortgeschrittene staatsautoritäre System weiter auf eine de-facto-Präsidialdiktatur zuzuschneiden, als „wenig plausibel“ bezeichnete. vgl. n-tv, 16.07.2016, Video 05:48 min – URL: http://www.n-tv.de/mediathek/videos/politik/Inszenierung-erscheint-mir-wenig-plausibel-article18209491.html

Lüders wies in dem Beitrag dabei wie einige im Bereich Geopolitik publizierende Autoren darauf hin, dass ein solcher Putsch eine mehrmonatige, intensive Vorbereitungsphase benötige und nach den am 16.07.2016 bekannten Ablauf große Putsch-Zellen innnerhalb des türkischen Militärs am Werke gewesen sein mussten, jedoch die weiteren „Hintermänner“ unbekannt seien und vielleicht auch blieben.

Was die Frage der „weiteren Hintermänner“ anbelangt hat heute der mehrheitlich der schwedischen Verlagsgruppe Bonnier Business Press gehörende Nachrichtendienst DWN einige Hinweise, Indizien zusammengetragen, welche auf eine Verwicklung der USA hindeuten.

Von diesem selbst in einer schweren ökonomischen, sozialen, politischen und kulturellen Krise befindlichen Land ist aus der Vergangenheit bekannt, dass es mit jeder/m blutigen Militärdiktatur/Regime kooperiert (z.T. nachdem dieses mit seiner Hilfe installiert worden ist), solange sie/es nach seiner Pfeife tanzt und nicht aus der geopolitischen US-Gesamtstrategie ausbricht (politisch, Rohstoff-Ströme, US-Dollar-Finanzsystem etc.).

Im Folgenden ein Hinweis auf drei geopolitische Texte und ein Auszug aus dem erwähnten DWN-Artikel, der im Anhang vollständig dokumentiert wird.

Grüße,
Martin Zeis

Michael LÜDERS: „Die Türkei spielt ein doppeltes Spiel“; Deutschlandfunk, 13.01.2016 URL: http://www.deutschlandfunk.de/nahost-experte-michael-lueders-die-tuerkei-spielt-ein.694.de.html?dram:article_id=342309

Andrew KORYBKO: Why The Failed Turkish Coup Attempt Wasn’t A “False Flag” Power Grab By Erdogan; Global Research, July 18, 2016 – URL: http://www.globalresearch.ca/why-the-failed-turkish-coup-attempt-wasnt-a-false-flag-power-grab-by-erdogan/5536341

F. William ENGDAHL: Behind The CIA Desperate Turkey Coup Attempt; New Eastern Outlook, 18.07.2016 – URL:
http://journal-neo.org/2016/07/18/behind-the-cia-desperate-turkey-coup-attempt

20.07.2016 — http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/07/20/tuerkei-sammelt-hinweise-auf-us-verbindungen-zum-putsch

Türkei sammelt Hinweise auf US-Verbindungen zum Putsch

In der Türkei werden Hinweise ausgewertet, die auf US-Verwicklungen in den Putsch hindeuten sollen. So hatte die US-Botschaft ihre Bürger zunächst von einer „Erhebung“ informiert – ein eindeutig wohlwollender Begriff für einen Militärputsch. Präsident Erdogan hat für Mittwoch eine Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats mit wichtigen Entscheidungen angekündigt. (…)

Die türkische Regierung ist offenbar nicht von der Aussage von Außenminister John Kerry überzeugt, dass die USA nichts mit dem Putsch-Versuch zu tun haben. Die regierungsnahe Zeitung Daily Sabah berichtet von mehreren Vorfallen, die „bei der Öffentlichkeit der Verdacht erwecken, dass Washington hinter dem Militärputsch der Gülenisten“ stecken könnte. So schrieb die US-Botschaft in Ankara in einem vom US-Außenministerium verbreiteten Tweet nach dem Beginn des Putsches:

„Emergency Message for U.S. Citizens: Turkish Uprising“ – nannte den also Putsch eine „Erhebung“, was eindeutig ein positiv besetzter Begriff ist, der vor allem während des sogenannten Arabischen Frühlings verwendet wurde.

US Embassy Turkey

‪@USEmbassyTurkey
*Updated* emergency message for U.S. citizens affected by the situation in ‪#Turkey:
http://
goo.gl/9Gr0zz

1:53 AM – 16 Jul 2016
406 406 Retweets
183 183 likes

Der Tweet befand sich am Dienstagabend immer noch auf der Twitter-Website des Außenministeriums, während er von der Website der Botschaft entfernt wurde. Die US-Botschaft sagte der Zeitung Daily Sabah, dass man sich auf die türkischen Nach-richten bezogen habe, und türkische Offizielle hätten das Wort „Erhebung“ verwendet.

Auch die publizistische Tätigkeit des privaten US-Sicherheitsdienstes Stratfor wird als merkwürdig eingeordnet: So habe Stratfor in der Nacht die Flugroute von Erdogans Flugzeug gepostet:

Stratfor ‪@Stratfor
Tracking ‪#Turkish President Erdogan’s airplane, now over Sea of Marmara.
http://
social.stratfor.com/jyBW302iAIS
2:12 AM – 16 Jul 2016
447 447 Retweets
278 278 likes

Anm. m.z. : die interessante Karte ist in obigem Tweet und im Anhang dokumentiert

Außerdem habe Stratfor die Falschmeldung verbreitet, Erdogan befinde sich auf der Flucht nach Deutschland. MSNBC bezog sich auf nicht genannte US-Regierungskreise:

Stratfor ‪@Stratfor
‪#Turkey‪ Erdogan in airplane, refused landing at #Istanbul, now trying to seek asylum in Germany, US defense officials say, @MSNBC
11:32 PM – 15 Jul 2016

Tatsächlich haben auch andere US-Sicherheitsdienste in der Nacht eindeutig freund-lich über den Putsch berichtet: So sagte der frühere Stratfor-Chef George Friedman in einem Interview für Mauldin Economics – vgl. YouTube-Video unten –, dass der Putsch von den säkularen türkischen Militärs ausgeführt worden und von langer Hand geplant sei. Friedman, der laut Moderator auf „Informanten in der Türkei“ zurückgreifen könne, sagte, dass die Militärführung die Unterstützung des IS durch die Türkei abgelehnt habe und sich an der „Entfremdung“ gestoßen habe, die Erdogan gegenüber den USA eingeleitet habe. Die Armee sei an guten Beziehungen zu den USA interessiert – und habe deshalb geputscht. Die Tatsache, dass Erdogan der gewählte Präsident der Türkei ist, fand keine Erwähnung. Die Aussage ist auch deshalb interessant, weil Friedman erstmals – und das „en passant“ – offen sagte, dass die Türkei die Terror-Miliz IS unterstütze. Bisher wurde dies nur von den Russen behauptet, deren Belege allerdings bei den US-„Vordenkern“ nicht weiterverbreitet wurden. (…)

Türkei-Putsch-Hinweise-auf-US-Aktivitäten160720.pdf

Telefonleak: Hoher PMDB-Politiker plante mit Erdölmanagern den Sturz von Präsidentin Rousseff

globalcrisis/globalchange NEWS
Andre Nikolai  27.05.2016

Der Putsch gegen Präsidentin Dilma Rousseff soll Ermittlungen gegen Politiker und Manager beenden. In den Plan scheinen auch die Richter am Obersten Gerichtshof eingeweiht zu sein. Veröffentlichte Abhörprotokolle belegen den Putsch in Brasilien.

Die erste Frau im Präsidentenamt ist vom Dienst suspendiert
Der aktuelle Planungsminister in Brasilien, Romero Jucá, und ein hoher Angestellter des Erdölkonzerns Petrobras haben sich abgesprochen, mithilfe eines Amtsenthebungsverfahrens gegen Präsidentin Dilma Rousseff laufende Korruptionsermittlungen gegen führende Mitglieder der nun regierenden Partei zu beenden. Das geht aus vertraulichen Gesprächen hervor, die in Brasilien veröffentlicht wurden.

Bisher wurde von politischen Analysten bereits gemutmaßt, dass dies ein Motiv für den Ausstieg des Koalitionspartners Demokratische Bewegung Brasiliens (PMDB) sein könnte. So verwies Flavio Aguiar bei RT Deutsch darauf, dass Dilma Rousseff deshalb gestürzt wird, weil sie die Ermittlungen gegen andere Politiker hatte laufen lassen. Die Politiker, die sie jetzt stürzen wollen, hätten verlangt, dass die Präsidentin die Ermittlungen behindert.

„Sie haben natürlich die geheime Hoffnung, dass die Ermittlungen beendet werden, wenn Roussef nicht mehr an der Regierung ist“, so Flavio Aguiar bei RT Deutsch.

Die jetzt veröffentlichten Aufnahmen belegen ein informelles Abkommen zwischen den Richtern des Obersten Gerichtshofs und konservativen Politikern sowie führenden Militärs. Am Dienstag trat der PMDB-Politiker Jucá wegen der Veröffentlichung zurück.


Absetzung von Rousseff: Wie die brasilianischen Medien den Machtwechsel einleiteten

Die Tageszeitung Folha de São Paulo hatte am Wochenende Aufnahmen aus Kreisen der Bundesstaatsanwaltschaft erhalten. Die Gespräche datieren aus dem März diesen Jahres. In den Aufnahmen diskutierten der damalige Senator Jucá und der ehemalige Präsident der Transpetro, einer Tochtergesellschaft von Petrobras, Sérgio Machado, in mehreren Telefonaten die Notwendigkeit und die Möglichkeiten eines „Wechsels in der Bundesregierung“.

Sie erhofften sich, den „politischen Aderlass“ zu stoppen, welcher durch Ermittlungen und Verhaftungen von Politikern mehrerer Regierungsparteien und Funktionären der Petrobras ausgelöst wurde. In den Ermittlungen ging es um Schmiergeldzahlungen und Preisabsprachen bei Aufträgen. Bisher verurteilte die brasilianische Justiz im Rahmen der Operation Lava Jato mehr als 100 Personen. Gegen weitere 100 Politiker und Manager laufen Verfahren. Wie die Aufnahmen belegen, war der Auslöser für den Putschplan, dass die Beteiligten sich vor weiteren belastenden Aussagen fürchteten.


Wer ist Brasiliens Übergangspräsident Temer? – Neoliberaler Schock-Therapeut von Washingtons Gnaden

In einem der Telefonate soll Machado zu Jucá gesagt haben, dass „der Generalstaatsanwalt Rodrigo Janot kurz davorsteht, euch dranzukriegen. Und er denkt, dass ich der Weg bin.“ Machado musste seinen Vorstandsposten bei Transpetro auf Druck der PMDB räumen. Dabei ging es um den Verdacht, dass er Schmiergeld an PMDB-Politiker gezahlt hatte. Angesichts der gegen ihn laufenden Ermittlungen habe Machado dem PMDB-Politiker Jucá gedroht und gefordert, dass eine „Struktur geschaffen wird, um ihn zu schützen“, wie die Folha schreibt.

Laut Machado würden weitere Zeugenaussagen im Rahmen der Ermittlungen „keinen Stein auf dem anderen“ lassen. Jucá soll daraufhin bestätigt haben, dass der Fall Machado „nicht in Händen von Ermittlungsrichter Moro landen darf“. Der bisherige Planungsminister der De-facto-Regierung unter Michel Temer soll daraufhin auf eine „schnelle politische Lösung“ gedrungen haben. „Dieser Mist muss gelöst werden. Man muss die Regierung ändern, um diesen Aderlass zu stoppen“, so Jucá in den Aufnahmen.

In einem späteren Telefonat berichtet Jucá von Gesprächen mit „Richtern des Obersten Gerichtshofs“, die sich ein Ende des Drucks erhofften, der von den Lava-Jato-Ermittlungen ausging. Die Veröffentlichung vom Montag sorgte für den umgehenden Rücktritt von Planungsminister Jucá. Die Regierung Temer fürchtet offensichtlich weitere Veröffentlichungen. Gegen fünf Mitglieder der neuen Interimsregierung laufen Ermittlungen.

„Diese seltsame Situation gipfelt nun in einem bizarren Vorgang“, kommentierte Flavio Aguiar bei RT Deutsch. Präsidentin Dilma, gegen die überhaupt keine Korruptionsklage vorliegt, werde von einem Parlament aus dem Amt gedrängt, in dem mindestens die Hälfte der Abgeordneten mit Verfahren wegen der Annahme von Schmiergeldern, wegen Bestechung, wegen Steuerhinterziehung oder sogar Verbrechen gegen die Menschenrechte konfrontiert ist.

http://deutsch.rt.com/amerika/38554-minister-plante-mit-erdolmanagern-sturz/

Fakten und Hintergründe zum Staatsstreich in Brasilien – Texte von Harald NEUBER und Pepe ESCOBAR

globalcrisis/globalchange NEWS
Martin Zeis, 14.05.2015

Hallo zusammen,

Harald Neuber zeigt in seinem heute auf telepolis veröffentlichten Text die soziale Herkunft, die (kriminelle) Vita, die politischen Vorstellungen und den unbedingten Herrschaftswillen der alten Kompradoren-Oligarchie Brasiliens auf, die in enger Koordination mit den zuständigen US-Stellen einen Staatsstreich gegen die gewählte PT-Regierung orchestrierte.

Wikileaks enthüllte vorgestern, dass der neue „Interims“-Präsident Temer ein Informant für US-Geheimdienste und das Pentagon war/ist. In zwei Depeschen vom 11. Januar und 21. Juni 2006, die von Sao Paolo an das US Southern Command in Miami übermittelt wurden, erörterte Temer die politische Situation/Entwicklung unter der Präsidentschaft Luiz Inácio Lula da Silva und die Aussichten seiner Partei, falls sie die anstehenden Wahlen gewinnen sollte. (vgl. zerohedge, 13.05.2015: „Another US-Sponsored Coup? Brazil’s New President Was An Embassy Informant For US Intelligence“; URL: www.zerohedge.com/news/2016-05-13/another-us-sponsored-spnosred-coup-brazils-new-president-was-embassy-informant-us-in )

Dem „Empire of Chaos“ geht es bei dem Staatsstreich darum, Brasilien als bedeutendstes Land Süd- und Mittelamerikas

a. aus dem Bündnis der BRICS-Länder und damit aus dem dort vertretenen Konzept eines vom US-Dollar-System unabhängigen Wegs der infrastrukturellen, ökonomischen, politischen Entwicklung herauszubrechen;

b. damit des Weiteren die eigenständigen Bündnisse der süd- und mittelamerikanischen Staaten entscheidend zu schwächen;

c. den gesamten früheren kolonialen US-„Vorhof“ – wie parallel den EU-Raum (über die NATO, TTIP, CETA) – den US-Konzernen und dem Wallstreet-IWF-Weltbank-Plünderungs-Komplex zu unterwerfen.

In einem auf zerohedge am 08.05.2016 geposteten Artikel „The New Normal: Cold War 2.0″ schreibt Pepe ESCOBAR zu diesem „Roll-Back“-Projekt der USA u.a.:

Das imperiale Projekt der U.S. besteht darin, die NATO, welche bereits zu einem global agierenden Weltpolizisten (Robocop) mutierte, in eine integrierte politische, ökonomische, Handel treibende, militärische Allianz umzuformen – und zwar unter dem Kommando Washingtons, wobei zentrale Vasallen/contributors wie die Ölmonarchien am Golf und Israel einbezogen werden.

Der „Feind“ des Imperiums ist das einzige authentische, selbstbestimmte Projekt des 21. Jahrhunderts: die Eurasische Integration, welche von den durch China konzipierten Neuen Seidensstraßen über die von Russland geführte Eurasische Wirtschaftsunion (EEU) bis zu den BRICS reicht mit deren Neuer Entwicklungsbank im Tandem mit der Asian Infrastructure Investment Bank (AIIB) – plus dem wiedererstarkten, noch unabhängigen, mit Eurasien verbundenen Iran sowie den anderen Zentren der blockfreien Länder.“ (zit.a. www.zerohedge.com/news/2016-05-08/new-normal-cold-war-20eigene Übers.)

NEUBER-Brasilien-Rechts-Putsch+Folgen160514.pdf

NATO-Terroristen im Untergrund

NATO-Terroristen im Untergrund

Verantwortlich:

Im Kalten Krieg existierten in Westeuropa zahlreiche Untergrundorganisationen, die im Fall eines sowjetischen Überfalls hinter der Front als Partisanen Sabotageaktionen ausführen sollten. Dazu wurden Kämpfer geschult und geheime Erddepots mit Waffen, Sprengstoff und Funkgeräten angelegt. In der Bundesrepublik unterstand diese Stay-Behind-Truppe dem Auslandsnachrichtendienst BND, der eigentlich im Inland gar nicht aktiv werden sollte. Das alles geschah hinter dem Rücken der dafür zuständigen parlamentarischen Kontrollgremien, denn auch ein möglicher Putsch gegen gewählte Politiker wurde erwogen. Erst Anfang der 1990er Jahre flogen die illegalen Netzwerke auf und es dauerte mehr als 20 Jahre, bis der BND Akten zu diesen freigab. (…)

Jens Wernicke

Im Kalten Krieg existierten in Westeuropa zahlreiche Untergrundorganisationen, die im Fall eines sowjetischen Überfalls hinter der Front als Partisanen Sabotageaktionen ausführen sollten. Dazu wurden Kämpfer geschult und geheime Erddepots mit Waffen, Sprengstoff und Funkgeräten angelegt. In der Bundesrepublik unterstand diese Stay-Behind-Truppe dem Auslandsnachrichtendienst BND, der eigentlich im Inland gar nicht aktiv werden sollte. Das alles geschah hinter dem Rücken der dafür zuständigen parlamentarischen Kontrollgremien, denn auch ein möglicher Putsch gegen gewählte Politiker wurde erwogen. Erst Anfang der 1990er Jahre flogen die illegalen Netzwerke auf und es dauerte mehr als 20 Jahre, bis der BND Akten zu diesen freigab. Über den aktuellen Forschungsstand zum Thema sprach Jens Wernicke mit dem Filmemacher und Journalisten Ulrich Stoll, der gemeinsam mit dem Geheimdienstexperten Erich Schmidt-Eenboom soeben ein Buch zum Thema veröffentlicht hat.

Weiterlesen: http://www.nachdenkseiten.de/?p=29105

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Zukunftswerkstatt Griechenland | Telepolis

Zukunftswerkstatt Griechenland | Telepolis.

Zukunftswerkstatt Griechenland

Gabriela Simon 26.07.2015

Im Konflikt mit der griechischen Regierung testete die Eurogruppe ihre Strategie des Finanzkriegs und kreierte das EU-Modell einer kontrollierten Demokratie

Vor etwa vier Jahren nahm die europäische Öffentlichkeit entsetzt zur Kenntnis, in welchem Ausmaß die Finanzmärkte das Handeln demokratischer Regierungen beeinflussen. Damals war viel davon die Rede, dass Finanzmarktakteure die Regierungen der Eurozone vor sich her trieben. Inzwischen ist der Finanzkrieg auf einer anderen Ebene angekommen. Menschen verschiedener europäischer Länder lassen sich gegeneinander aufhetzen. Deutsche Steuerzahler gegen griechische Rentner und Arbeitslose. Die Treibjagd wird von europäischen Politikern selbst veranstaltet – gegen eine demokratische Regierung eines europäischen Landes, die nicht bereit war, die Kosten der von den Finanzmärkten verursachten Krise noch länger auf den Rücken der einfachen Leute abzuladen. Dabei gibt es längst ein für Schuldnerländer und Steuerzahler gleichermaßen geniales Lösungskonzept.(…)