Der einsame Kontinent – Europa und die Last seiner Verteidigung – Franziska BRANTNER


14.05.2026
(…)Lassen Sie mich daher mit einem Satz beginnen, den ich vor zehn Jahren nicht geschrieben hätte und den ich vor fünf Jahren nur mit Verlegenheit geschrieben hätte.

Europa ist allein.

Nicht vollständig, nicht unwiderruflich. Aber einsamer als jemals zuvor seit 1945. Allein in einer Weise, die die Architekten unserer Nachkriegsordnung – Monnet, Schuman, Adenauer, Bevin, Spinelli und Churchill, aber auch de Gaulle in seinen gereiztesten Momenten – als erstaunlich empfunden hätten. Wir sind zum ersten Mal seit drei Generationen ein Kontinent, der ernsthaft über die Verteidigung seines eigenen Territoriums, die Sicherheit seiner eigenen Nachbarschaft und die Glaubwürdigkeit seiner eigenen Abschreckung nachdenken muss, ohne davon auszugehen, dass die Kavallerie von woanders her kommt.

Das ist das Thema meines Vortrags heute Abend. Ich möchte vier Punkte ansprechen.

Erstens, dass die Frage der strategischen Autonomie Europas lange Zeit eine französische Obsession, eine deutsche Peinlichkeit und ein britischer Ärgernis war – und dass sie heute, ob man will oder nicht, zu einer europäischen Notwendigkeit geworden ist. Nicht, weil die Debatte gewonnen wurde, sondern weil die heutigen Alternativen inakzeptabel sind.

Zweitens, dass wir reagieren – mit beispiellosen Geldsummen, neuen Institutionen, einem Tempo der Entscheidungsfindung, das 2019 noch unvorstellbar gewesen wäre –, aber dass Geld und Abkürzungen noch keine Strategie sind. Wir haben ein Budget. Wir haben noch keine Doktrin.

Drittens – und darauf möchte ich heute Abend den größten Teil meiner Zeit verwenden – muss die Antwort eine genuin europäische Antwort sein, in deren Mittelpunkt eine bestimmte Frage steht: die Frage nach Deutschland. Der Ausbau der deutschen Militärmacht ist eine der folgenreichsten Entwicklungen in der europäischen Sicherheit seit dem Fall des Eisernen Vorhangs. Ob dies ein Segen oder ein Problem ist, hängt fast ausschließlich davon ab, ob es in der Tat und nicht nur in Worten in Europa verankert ist. Ich werde darlegen, dass Deutschland für diese neue Ära ein neues Leitprinzip braucht.

Und schließlich mein vierter Punkt: Die europäische Einsamkeit in dieser neuen Ära ist nicht nur militärischer Natur – sie ist von Natur aus auch eine Frage der Verantwortung. Wir sind zu Hütern von etwas geworden, das größer ist als unser Territorium – einer politischen Tradition, deren anderer Hüter in Schwierigkeiten steckt.

Lassen Sie mich diese Punkte nacheinander behandeln. (…)

(Übersetzt mit DeepL)

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