Ohne den Dollar auskommen


Ohne den Dollar auskommen

Pessimismus war früher etwas für Währungsspinner; jetzt warnt sogar Goldman Sachs, dass der Dollar den Weg des Pfunds gehen wird

von David P. GOLDMAN

13. April 2022

NEW YORK – Die schwindelerregende Summe von 18 Billionen US-Dollar – fast so viel wie das Bruttoinlandsprodukt (BIP) eines Jahres – ist der Betrag, den die Vereinigten Staaten seit der großen Finanzkrise von 2008 von Ausländern eingenommen haben.

Die Vorstellung, dass die Vorherrschaft des Dollars in der Weltfinanzwelt zu Ende gehen könnte, war noch vor fünf Jahren eine Randerscheinung, als Amerikas Nettoauslandsvermögen gerade einmal 8 Billionen US-Dollar betrug. Heute liest man in Forschungsberichten von Goldman Sachs und Credit Suisse Prognosen über das Ende der Dollar-Ära.

Washingtons Beschlagnahmung der russischen Devisenreserven scheint angesichts der enormen und zunehmenden Abhängigkeit Amerikas von ausländischen Krediten eine selbstzerstörerische Maßnahme zu sein. Paradoxerweise liegt die Stärke der USA in ihrer Schwäche: Ein plötzliches Ende der führenden Rolle des Dollars im Weltfinanzwesen hätte verheerende Folgen für die US-Wirtschaft wie auch für die Volkswirtschaften ihrer Handelspartner.

Zusätzlich zu den ausländischen Nettoinvestitionen in den USA in Höhe von 18 Billionen Dollar halten Ausländer etwa 16 Billionen Dollar in Bankeinlagen im Ausland, um internationale Transaktionen zu finanzieren. Das sind 34 Billionen Dollar Auslandsfinanzierung bei einem US-BIP von nicht ganz 23 Billionen Dollar. Ausländer sind auch stark in den US-Aktien- und Immobilienmärkten engagiert.

Niemand – am allerwenigsten China mit seinen 3 Billionen Dollar an Reserven – will einen Ansturm auf den Dollar und Dollaranlagen. Aber die Zentralbanken der Welt bauen ihr Dollar-Engagement vorsichtig, aber stetig ab.

Das Rinnsal der Diversifizierung aus dem Dollar könnte sich in eine Flut verwandeln. Was der Internationale Währungsfonds am 22. März als „die schleichende Erosion der Dollar-Dominanz“ bezeichnete, deutet auf einen nicht ganz so schleichenden Ausstieg aus dem Dollar hin. Im Gegensatz zu Nebukadnezars Handschrift an der Wand können die Wahrsager des Königs die Botschaft klar und deutlich lesen.

So hat die russische Zentralbank den Anteil des US-Dollars an ihren Reserven von 21 % vor einem Jahr auf nur noch 11 % im Januar gesenkt, während der Anteil des RMB von 13 % vor einem Jahr auf 17 % gestiegen ist. Die russische Zentralbank hat in den letzten Jahren auch mehr Gold gekauft als jede andere Institution.

Mit einem Anteil von nur 8 % am weltweiten Exportvolumen gegenüber 15 % in China spiegelt die Reserveposition des US-Dollars nicht mehr die Stärke der amerikanischen Wirtschaft wider. Sie ergibt sich perverserweise aus dem Wunsch des Rests der Welt, zu sparen.

Die Bevölkerung in den Ländern mit hohem Einkommen altert schnell. Im Jahr 2001 waren 28 % der Menschen in diesen Ländern 50 Jahre oder älter; im Jahr 2040 wird dieser Anteil 45 % erreichen. Die alternden Bevölkerungen sparen für den Ruhestand. Die Deutschen und Japaner sparen fast 30 % des BIP, die Chinesen 44 %; die Amerikaner sparen nur 18 % des BIP.

In den letzten 15 Jahren haben die amerikanischen Verbraucher jedes Jahr etwa eine Billion Dollar mehr für Waren ausgegeben, als sie durch amerikanische Exporte einbrachten. (…)

Die vollständige Übersetzung ins Dt.:

Originaltext in Engl.:

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