Studie: Der Propaganda-Multiplikator: Wie globale Nachrichtenagenturen und westliche Me dien über Geopolitik berichten


globalcrisis/globalchange NEWS
Martin Zeis, 28.01.2017

Guten Abend zusammen,

das Forschungsprojekt zu Propaganda in Schweizer Medien hat dankenswerterweise in knapper Form (22 S.) die Rolle der drei marktbeherrschenden internationalen Agenturen Associated Press (AP), Agence France Press (AFP) und Reuters bei der internationalen „Berichterstattung“ der westlichen (Massen-)Medien beleuchtet – inklusive der Primär-Lieferanten des Contents.

Die Gleichförmigkeit der Themensetzung, der Inhalte, der sprachlichen Form/Formulierungen wird abseits direkter Zensureingriffe von „oben“, der Chefredaktionen (die es gibt) konkret nachvollziehbar.

https://swisspropaganda.wordpress.com/der-propaganda-multiplikator

Der Propaganda-Multiplikator

Es ist einer der wichtigsten Aspekte unseres Mediensystems – und dennoch in der Öffentlichkeit nahezu unbekannt: Der größte Teil der internationalen Nachrichten in all unseren Medien stammt von nur drei globalen Nachrichtenagenturen aus New York, London und Paris.

Die Schlüsselrolle dieser Agenturen hat zur Folge, dass unsere Medien zumeist über dieselben Themen berichten und dabei sogar oftmals dieselben Formulierungen verwenden. Zudem nutzen Regierungen, Militärs und Geheimdienste die globalen Agenturen als Multiplikator für die weltweite Verbreitung ihrer Botschaften. Die transatlantische Vernetzung der etablierten Medien gewährleistet dabei, dass die gewünschte Sichtweise kaum hinterfragt wird.

Eine Untersuchung der Syrien-Berichterstattung von je drei führenden Tageszeitungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz illustriert diese Effekte deutlich: 78% aller Artikel basieren ganz oder teilweise auf Agenturmeldungen, jedoch 0% auf investigativer Recherche. Zudem sind 82% aller Kommentare und Interviews USA/NATO-freundlich, während Propaganda ausschließlich auf der Gegenseite verortet wird.

Die gesamte Studie (pdf, 22 S.) ist unter folgendem Link herunterzuladen:

https://swisspropaganda.files.wordpress.com/2016/11/studie-der-propaganda-multiplikator-2016-mk.pdf

Der Propaganda-Multiplikator: Wie globale Nachrichtenagenturen und westliche Medien über Geopolitik berichten
Ein Beitrag des Forschungsprojekts zu Propaganda in Schweizer Medien Juni 2016
„Man muss sich deshalb immer fragen: Weshalb kommt jetzt gerade diese Information in dieser Form auf mich zu? Letztlich stecken immer Machtfragen dahinter.“ (*) Dr. Konrad Hummler, ehemaliger NZZ-Präsident
Inhalt

Zusammenfassung ………………………………………………1
Teil 1: Der Propaganda-Multiplikator ………………………. 2
Teil 2: Fallstudie zur Syrien-Berichterstattung …………. 16
Anmerkungen und Literatur …………………………………22

Einleitung: »Etwas Eigenartiges«
»Woher weiß die Zeitung, was sie weiß?« Die Antwort auf diese Frage dürfte manchen Zei- tungsleser überraschen: »In der Hauptsache bezieht sie ihr Wissen von Nachrichtenagenturen. Die nahezu anonym arbeitenden Nachrichtenagenturen sind gewissermaßen der Schlüssel zu den Geschehnissen in der Welt. Wer also sind die Nachrichtenagenturen, wie arbeiten sie und wer finanziert diese Unternehmen? All dies sollte man wissen, um sich ein Bild machen zu können, ob man auch wirklich über die Ereignisse in Ost und West zutreffend unterrichtet wird.« (Höhne 1977)

Ein Schweizer Medienforscher gibt deshalb zu bedenken: »Die Nachrichtenagenturen sind die «AktualiTäter», sind die wichtigsten Stofflieferanten der Massenmedien. Kein tagesaktuelles Medium kommt ohne sie aus. () So beeinflussen die Nachrichtenagenturen unser Bild von der Welt; wir erfahren vor allem das, was sie ausgewählt haben.« (Blum 1995)

Angesichts ihrer essentiellen Bedeutung erstaunt es umso mehr, dass diese Agenturen in der Öffentlichkeit kaum bekannt sind: »Einem Großteil der Gesellschaft ist nicht klar, dass es Nachrichtenagenturen überhaupt gibt … Dabei nehmen sie tatsächlich eine enorm wichtige Rolle auf dem Medienmarkt ein. Doch trotz dieser großen Bedeutung wurde ihnen in der Ver- gangenheit nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt.« (Schulten-Jaspers 2013)

Selbst der Vorsitzende einer Nachrichtenagentur wunderte sich: »Es ist etwas Eigenartiges um die Nachrichtenagenturen. Sie sind in der großen Öffentlichkeit wenig bekannt. Im Gegensatz beispielsweise zu einer Zeitung vollzieht sich ihre Tätigkeit nicht so stark im Scheinwerferlicht, obwohl sie doch immer an der Quelle der Nachricht zu finden sind.« (Segbers 2007)

»Das unsichtbare Nervenzentrum des Mediensystems«
Wer also sind diese Agenturen, die »immer an der Quelle der Nachricht« zu finden sind? Glo- bale Agenturen gibt es inzwischen nur noch drei:

  1. Die amerikanische Associated Press (AP) mit weltweit über 4000 Mitarbeitern. Die AP gehört US-Medienunternehmen und hat ihre Hauptredaktion in New York. AP- Nachrichten werden von rund 12 000 Medien genutzt und erreichen dadurch täglich mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung.
  2. Die quasi-staatliche französische Agence France-Presse (AFP) mit Sitz in Paris und ebenfalls rund 4000 Mitarbeitern. Die AFP versendet pro Tag über 3000 Meldungen und 2500 Fotos an Medien in aller Welt.
  3. Die britische Reuters in London, die privatwirtschaftlich organisiert ist und etwas über 3000 Mitarbeiter beschäftigt. Reuters wurde 2008 vom kanadischen Medienunterneh- mer Thomson – einer der 25 reichsten Menschen der Welt – gekauft und zu Thomson- Reuters mit Sitz in New York fusioniert.

(…)

Kleines Kürzel, große Wirkung
Es gibt jedoch einen einfachen Grund, warum die globalen Agenturen trotz ihrer Bedeutung dem breiten Publikum so gut wie unbekannt sind, denn: »Radio und Fernsehen nennen ihre Quellen in der Regel nicht, und die Quellenangaben in Zeitschriften entziffern nur Spezialis- ten.« (Blum 1995)

Das Motiv für diese Zurückhaltung dürfte indes klar sein: Unsere Medien sind nicht besonders stolz darauf, dass sie viele ihrer Beiträge in Wirklichkeit gar nicht selbst recherchiert haben, sondern aus den immer gleichen Quellen beziehen.
Die folgende Abbildung zeigt einige Beispiele zur Quellenkennzeichnung in bekannten deutschsprachigen Zeitungen. Neben den Agenturkürzeln finden sich die Kürzel von Redak- teuren, die den jeweiligen Agenturbericht bearbeitet haben.

(…)

Das Projekt – Kontakt über: https://swisspropaganda.wordpress.com/kontakt/

Swiss Propaganda Research ist ein Forschungs- und Informations­­projekt zu geo­po­li­tischer Pro­pa­ganda in Schwei­zer Medien. Alle Studien und Bei­trä­ge wurden von einer politisch und publi­zistisch unab­hängigen, wissenschaftlichen Forschungsgruppe ohne Beauftragung oder Fremdfinanzierung er­stellt.

Das Forschungsprojekt wurde im Frühjahr 2016 als erstes seiner Art lanciert und zählt unterdessen zu den bekanntesten medien­kritischen Publi­ka­tionen der Schweiz.

Die Mitglieder der Forschungsgruppe möchten persönliche Diffa­mie­rungen und berufliche Sanktionen vermeiden und haben sich deshalb entschieden, nicht namentlich aufzutreten. Wir bitten um Verständnis und sind zuversichtlich, dass die präsen­tierten Infor­ma­tionen für sich selbst sprechen können.

“Das Großartige an der Aufklärung bestand ja von Anfang an darin, dass
rationale Argumente ihren Wert unabhängig davon haben, wer sie äußert.”

— Philosoph Slavoj Žižek in der NZZ vom 30. Januar 2016 (*) —

Rückmeldungen und Anfragen sind willkommen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s