Erfreulich: BT-Abgeordnete und/oder Leute aus der Bundestagsverwaltung beliefern Wikileaks


DWN *, 13.05.2015 — http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/05/13/wikileaks-bundeskanzleramt-draengte-deutsche-telekom-zur-ueberwachung

Wikileaks: Bundeskanzleramt drängte Deutsche Telekom zur Überwachung

Aus einem von Wikileaks zugänglich gemachten Dokument geht hervor, dass das Bundeskanzleramt offenbar die Deutsche Telekom gedrängt haben soll, die Massenüberwachung der Deutschen durch die US-Geheimdienste am Knoten Frankfurt zuzulassen. Der Präsident des Verfassungsschutzes fordert die strafrechtliche Verfolgung der Whistleblower. Politische Verantwortung hat für den Skandal bis dato noch niemand übernommen.

Die Whistleblower-Plattform WikiLeaks hat die Protokolle aus zehn Monaten des laufenden 1. Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestag zu den NSA-Aktivitäten in Deutschland veröffentlicht. Die Dokumente enthalten brisante Details, die einiges über die offenbar sehr enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit der Bundesregierung mit den Geheimdiensten aussagen.

So stellte sich in der 26. Sitzung heraus, dass vom Bundeskanzleramt ein Brief direkt an Kai-Uwe Ricke, den damaligen Vorstandsvorsitzenden der Deutsche Telekom AG, geschickt wurde. (1) In diesem Schreiben wurde die Deutsche Telekom AG dazu angehalten, fortlaufende Massenüberwachung deutscher und internationaler Internet- und Telekommunikationsdaten am Frankfurter Knotenpunkt der Deutschen Telekom AG zuzulassen und zu unterstützen. Im Rahmen dieser Operation, Codename “Eikonal”, wurden abgehörte Daten dann vom BND an die NSA weitergegeben. Der Brief war an Ricke adressiert und trug den Vermerk “persönlich”. Während der Vernehmung im Untersuchungsausschuss gab Ricke an, er habe solch einen Brief nie gesehen. Nachdem dieser Brief versendet worden war, wurde dem BND der geforderte Zugang ermöglicht. Der entsprechende Brief durfte im Untersuchungsausschuss öffentlich weder verlesen noch sein Inhalt diskutiert werden, da er als geheim eingestuft ist. Nichtsdestotrotz kamen die vorher nicht bekannte Existenz des Briefes sowie die Umstände der Beihilfe zur Kooperation durch den Prozess der Untersuchung ans Licht.

Die veröffentlichten Transkriptionen dokumentieren, wie die Abwesenheit einer vollständigen öffentlichen Dokumentation dazu geführt hat, dass Zeugen den Untersuchungsprozess missbrauchen. Mindestens drei Mal widersprechen die öffentlichen Aussagen eines Zeugen denen, die er in geheimen Sitzungen macht. Die Transkriptionen zeigen außerdem, dass die Möglichkeiten der Untersuchungskommission, Zeugen sorgfältig und gewissenhaft zu befragen, beschnitten werden durch umfangreiche Schwärzungen. In einem Fall wurde die Sitzung unterbrochen, weil der Zeugen ungeschwärzte Dokumente zur Vorbereitung erhalten hatte, während den parlamentarischen Mitgliedern des Ausschusses nur eine geschwärzte Version zur Verfügung gestellt worden war.
WikiLeaks hat zu jeder Sitzung sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch eine Zusammenfassung erstellt. (2) Die Dokumente können mit einer Suchfunktion bearbeitet werden. (…)

Anmerkungen
(1) NSA Untersuchungsausschuss, 26. Sitzung des 1. Untersuchungsausschusses, 04. Dezember 2014 – Vorläufiges Stenografisches Protokoll 18/26 — 1. Untersuchungsausschuss / Nur zur dienstlichen Verwendung; URL: https://wikileaks.org/bnd-nsa/sitzungen/26_01/page-93.html
(2) vgl. https://wikileaks.org/bnd-nsa/press/index.de.html

*Die Deutschen Wirtschafts Nachrichten gehören zu 51 Prozent zur schwedischen Verlagsgruppe Bonnier Business Press. 49 Prozent hält die in Berlin ansässige Blogform Verlags Gesellschaft mbH. Bonnier Business Press zählt zu den führenden Wirtschaftsverlagen in Europa und gibt unter anderem die schwedische Zeitung Dagens Industri heraus. Zum Verlagshaus Bonnier AB gehören unter anderem die Zeitung Expressen und Dagens Nyheter. In Deutschland gehören unter anderem die Buchverlage Ullstein, Piper und Carlsen zu Bonnier.

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Martin Zeis
globalcrisis/globalchange NEWS
martin.zeis

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