Hallo zusammen,
der Schriftsteller Wolfgang BITTNER hat – wie schon an anderer Stelle besprochen – einen prägnanten Essay zur Ukraine-Krise vorgelegt:
Wolfgang Bittner
Die Eroberung Europas durch die USA.
Eine Strategie der Destabilisierung, Eskalation und Militarisierung
am Beispiel der Ereignisse in der Ukraine
Flugschrift (Verlag André Thiele, Mainz Okt. 2014)
148 Seiten, Taschenbuch, 12,90 Euro
ISBN 978-3-95518-029-4
Bittner äußert sich nun in einem längeren Interview mit dem Online-Magazin Telepolis zu seinem Buch. Der Anfang und Schluss des Interviews werden im Folgenden wiedergegeben, der gesamte Text ist im Anhang und unter http://www.heise.de/tp/druck/mb/artikel/43/43462/1.html verfügbar.
Viel Spaß bei der Lektüre,
Martin Zeis
————————————————————————
http://www.heise.de/tp/druck/mb/artikel/43/43462/1.html
Extensive Feindpropaganda.
Interview mit dem Schriftsteller Wolfgang BITTNER über MH-17, Faschisten in der Ukraine und das Versagen der westlichen Medien
Interviewer: Thomas Barth Telepolis, 30.11.2014
T.B.: Herr Bittner, Sie begleiten die (west-)deutsche Zeitgeschichte seit den 1970er Jahren mit politischen Romanen und Sachbüchern und haben gerade das Buch „Die Eroberung Europas durch die USA“ vorgelegt, in dem es um die Ukraine-Krise geht. Müsste das Buch nicht eher „Die Spaltung Europas durch die USA“ heißen?
Wolfgang Bittner: Bezogen auf das aktuelle Ergebnis der US-Politik hätte das Buch auch so heißen können. Mir geht es hier aber vor allem um die mediale Eroberung Westeuropas durch die erschreckend einseitige und verzerrende Berichterstattung in den deutschen Mainstream-Medien und um die wirtschaftliche Okkupation.
Die USA sind auch seit langem ein bestimmender Faktor der politischen Entwicklung im Osten Europas. Sie bereiten dort mit geheimdienstlichen Mitteln Umstürze vor und beeinflussen die zentralen Medien. Damit untergraben sie die Souveränität der europäischen Staaten. Anhand der Ukraine-Krise zeige ich die Strategie der USA auf, die in weiten Teilen Europas rücksichtslos und ohne jede Abwägung US-Interessen durchsetzt.
(…)
T.B.: Wir haben jetzt Bürgerkrieg in der Ukraine, an den Grenzen Russlands marschiert die Nato auf und die Gefahr eines dritten Weltkriegs ist nicht von der Hand zu wiesen. Sehen Sie einen Ausweg aus dieser brandgefährlichen Situation?
Wolfgang Bittner: Das ist eine schwer zu beantwortende Frage. Die USA haben es geschafft, aufgrund der von ihnen in der Ukraine inszenierten Krise Russland durch einen neuen Eisernen Vorhang von Westeuropa zu trennen, wobei die Gefahr eines dritten Weltkriegs in Kauf genommen wurde und wird.
Nach meiner Einschätzung zielt die Strategie der US-Regierung darauf hin, Russland durch Wirtschaftssanktionen, Beeinflussung der Kapitalmärkte und die aufgezwungenen immensen Aufwendungen für die Nachrüstung zu destabilisieren und Wladimir Putin niederzumachen, um sich den Wirtschaftsraum Europa einschließlich Russlands unterzuordnen und Russland als machtpolitischen Faktor in der internationalen Politik auszuschalten.
Kiew sei sozusagen die Generalprobe für Moskau, also für einen „Regime Change“ in Russland, so war schon in Washingtoner Politikerkreisen zu vernehmen. Aber die Kritik an dieser aggressiven Imperialpolitik nimmt zu. Viele Menschen, nicht nur in Europa, haben diesen Irrsinn allmählich satt. Und auch in der Politik gibt es in letzter Zeit deutliche Anzeichen einer Ernüchterung. Wirtschaftsminister Gabriel hat kürzlich vor einem „Säbelrasseln an den Außengrenzen der NATO“ gewarnt, weitere Sanktionen gegen Russland abgelehnt und an die seinerzeit von Willy Brandt eingeleitete Entspannungspolitik erinnert.
Und der ehemalige Ministerpräsident Brandenburgs, Matthias Platzeck, hat sogar um Verständnis für die Politik Wladimir Putins geworben. Er hat die zentrale Frage gestellt, was denn in Russland nach Putin kommen würde. Mit ziemlicher Sicherheit kein pro-europäischer Nachfolger.
Platzeck warnt vor den Folgen, wenn Russland als zweitgrößte Nuklearmacht der Welt politisch instabil würde. Das deutet einen Bewusstseinswandel in der Politik an und nährt die vage Hoffnung, dass es einen Ausweg aus der augenblicklichen gefährlichen Konfrontationspolitik geben könnte.
———-
Martin Zeis
globalcrisis/globalchange News
martin.zeis@gmxpro.net
Hinterlasse einen Kommentar