Rubikon – Magazin für die kritische Masse | Professionelle Heuchelei (3/4)

Professionelle Heuchelei (3/4)

Der Blick hinter die Fassade offenbart: Das Journalistenbüro Correctiv ist alles andere als unabhängig, aufklärerisch und investigativ.

Redaktionelle Vorbemerkung: Die Recherche von Elke Schenk zu Correctiv erscheint als Vierteiler. Den ersten Teil lesen Sie hier, den zweiten hier. Beim hier vorliegenden Text handelt es sich um den dritten Teil.

Correctiv als Kalte Krieger 2: „Flug MH17 Die Suche nach der Wahrheit“

Am 17. Juli 2014 wurde über der Ukraine in einer Höhe von über 9000 Metern das malaysische Verkehrsflugzeug MH 17 abgeschossen mit fast 300 Toten. Da es in dem von Separatisten kontrollierten Gebiet der Ostukraine niederging, wurden von westlicher und ukrainischer Seite die gegen das Kiewer-Putsch-Regime und für eine Föderalisierung der Ukraine kämpfenden „prorussischen Separatisten“ dafür verantwortlich gemacht, schon wenige Stunden nach dem Absturz. Als Waffe wurde eine Boden-Luft-Rakete (BUK) genannt. Die Separatisten verfügten aber nicht über ein Gerät, das eine solche Flughöhe erreichen konnte. Darüber verfügen nur die ukrainische Armee und Russland. Da die Täter schon feststanden, konnten es – dieser Logik folgend – nur eine russische BUK und russische Soldaten sein, die die Maschine von ostukrainischem Gebiet aus abgeschossen hatten. Die russische Seite warf der ukrainischen Regierung vor, die Zivilmaschine mit einem Kampfjet abgeschossen zu haben und die Schuld den Separatisten bzw. Russland in die Schuhe zu schieben.

(Eine fundierte Aufarbeitung bieten Stephan BEST und Martin ZEIS in ihrem Vortrag: Malaysian Airlines Flug MH-17 – Beispiel eines macht- und medienpolitischen „Ereignisses“; 29.01.2015, Vortragstext und Folien abrufbar unter:
https://steven25.files.wordpress.com/2015/02/mh17-aufsatz150130.pdf
https://steven25.files.wordpress.com/2015/01/mh17_f3_folien150130.pdf
https://steven25.files.wordpress.com/2015/10/mh17-nachtrag151012.pdf)

Es wurde eine Untersuchungskommission eingerichtet unter niederländischem Vorsitz, (engl. Dutch Safety Board, DSB). Mitglied waren darüber hinaus die ukrainische Regierung (als potentielle Täter) und Australien. Malaysia als Opfernation blieb monatelang von der Kommission ausgeschlossen und erhielt erst nach längeren Protesten im Dezember 2014 Zugang. Die Separatisten übergaben dem Vertreter der malaysischen Regierung die unversehrten Flugdatenschreiber und Voice recorder. Diese wanderten zum DSB in die Niederlande und von dort nach Großbritannien zur Auswertung. Im September 2014 legte das DSB seinen Zwischenbericht vor, in dem als Absturzursache der Einschlag von „Objekten von hoher Energie“ genannt wurde. Weitere Konkretisierungen wurden nicht vorgenommen. Insbesondere klärte der Zwischenbericht nicht, ob MH 17 von einer BUK oder einem Kampfjet aus der Luft abgeschossen worden war. Die westlichen Medien und Politiker beschuldigen bis heute Russland, hinter dem Verbrechen zu stehen, ohne Beweise vorzulegen, und verschärften die Sanktionen gegen Russland. (…)

Quelle: Rubikon – Magazin für die kritische Masse | Professionelle Heuchelei

Correctiv als Kalte Krieger 1: Enthüllungen zum „System Putin“

Elke Schenk

globalcrisis/globalchange NEWS

https://www.rubikon.news/artikel/professionelle-heuchelei-2-4

Professionelle Heuchelei (2/4)

[…]

Die erste Folge führte in die Herkunft der Redakteure, die Finanzierungsquellen und das Selbstverständnis von Correctiv ein. In diesem Teil werden Correctiv-Enthüllungen zur beruflichen Vergangenheit des russischen Präsidenten Putin und den vermeintlich kriminellen Praktiken während seines Aufstiegs inhaltlich und rhetorisch untersucht. Die großspurig als Enthüllungen präsentierten Vorwürfe erweisen sich nach genauer Analyse als substanzlose oder unbewiesene Unterstellungen, die das Journalistenbüro als mediale ‚Kalte Krieger‘ entlarven.

[…]

Correctiv als Kalte Krieger 1

Enthüllungen zum „System Putin“

Seine Recherche zum „System Putin“ in Zusammenarbeit mit RTL, zu Erpressungen, Korruption, Ausschaltung der unabhängigen Justiz durch Putin bietet Correctiv in drei Versionen. Zwei Beiträge werden im Folgenden genauer analysiert.

Zunächst dokumentiere ich einen Auszug aus dem Artikel „CORRECTIV und ‚RTL Nachtjournal‘ decken auf: Schmiergeld des US-Computerkonzerns Hewlett Packard begünstigte Aufstieg von Putin“ vom 25.07.15, der die zentrale Argumentation wiedergibt:

„Loyalität der Moskauer Generalstaatsanwaltschaft erkauft
Der russische Präsident Wladimir Putin hat im Jahr 1999 als damaliger Premierminister einen Schmiergeld-Deal ermöglicht, mit dem der US-Computerhersteller Hewlett Packard (HP) überteuerte Computertechnik nach Russland verkaufen konnte. […]
Hewlett Packard hatte demnach keineswegs das günstigste Angebot für den Auftrag abgegeben, aber dennoch den Zuschlag erhalten. Die Firma zeigte sich erkenntlich und zahlte mindestens 7,6 Millionen Euro Schmiergeld. Das Geld landete unter anderem bei russischen Staatsanwälten und Agenten des Geheimdienstes FSB. Mit dem Deal soll sich Präsident Putin womöglich die Loyalität der Moskauer Generalstaatsanwaltschaft erkauft haben. Seit dieser Zeit hat jedenfalls nie wieder ein russischer Generalstaatsanwalt gegen einen russischen Präsidenten ermittelt. […]
Im Jahr 2014 wurde Hewlett Packard bereits von einem US-Gericht zur Zahlung von 108 Millionen US-Dollar verurteilt wegen Korruption und Schmiergeldzahlungen in Russland, Polen und Mexiko, wobei das russische Geschäft besonders schwer wog. […]“

Der Korruptionsskandal um HP-Geschäfte war Gegenstand der Berichterstattung seit mindestens 2010. Über den Vergleich mit der US-Börsenaufsicht wurde im Frühjahr und Herbst 2014 berichtet. Insofern bietet der Artikel keine neuen Informationen. Neu ist der von Correctiv im Jahr 2015 hergestellte Zusammenhang, Putin sei in die Korruptionsaffäre verwickelt, um für loyale Gefolgsleute im Justizsystem und in den Geheimdiensten zu sorgen und seinen Aufstieg abzusichern. Für diesen zentralen Vorwurf, auf den die gesamte „Enthüllung“ abzielt, gibt es in dem Beitrag keinerlei Beweise, nur die Unterstellung „soll sich Präsident Putin womöglich die Loyalität der Moskauer Generalstaatsanwaltschaft erkauft haben“ (Hervorh. E.S.).

[…]

Forts. unter der o.a. url

Correctiv: „Professionelle Heuchelei“ von Elke Schenk

https://www.rubikon.news/artikel/heuchler-und-hochstapler-1-4

Donnerstag, 04. Mai 2017, 12:53 Uhr
~17 Minuten Lesezeit

Professionelle Heuchelei (1/4)

Der Blick hinter die Fassade offenbart: Das Journalistenbüro Correctiv ist alles andere als unabhängig, aufklärerisch und investigativ.

von Elke Schenk

In einer Zeit, in der Fakten, Quellencheck und Hintergrundrecherche in etablierten Medien immer weniger gefragt sind, investigative, herrschaftskritische Journalisten und Wissenschaftler aus Redaktionen und Universitäten gedrängt werden und bestenfalls unter sehr prekären Bedingungen ihre Aufklärungsarbeit fortsetzen können, in einer Zeit, in der kritische Geister durch Querfront-Vorwürfe mundtot gemacht werden (sollen), taucht im Sommer 2014 ein sich „CORRECT!V“ nennendes Recherchebüro auf, das a) innerhalb kürzester Zeit aufwändige Rechercheprojekte abschließt, die es b) kostenfrei den Redaktionen zur Verfügung stellt, die c) in den Mainstreammedien breit und unkritisch rezipiert werden und das d) innerhalb weniger Monate renommierte Journalistenpreise erhält, wie zum Beispiel den Grimme Online-Award für die Webreportage zum Abschuss des Malaysischen Verkehrsflugzeugs MH17 über der Ukraine. Zuletzt war Correctiv Gegenstand der Berichterstattung, nachdem Facebook angekündigt hat, in Deutschland Correctiv mit der Markierung von Fake-News zu beauftragen. Dieses an sich schon fragwürdige und von Paul Schreyer als „Privatisierung der Zensur“ bezeichnete Vorhaben steht und fällt vollends mit der Seriosität der beauftragten Kontrollstelle.

Im Folgenden möchte ich das Selbstbild von Correctiv kritisch befragen. Dazu erscheint eine mehrteilige Serie bei Rubikon.

Forts. unter o. a. Link

The Great Pretender! Journalistenbüro Correctiv dechiffriert – unabhängig, aufklärerisch, investigativ

von Elke SCHENK,
globalcrisis/globalchange NEWS,
Mai 2017

The Great Pretender! Journalistenbüro Correctiv dechiffriert – unabhängig, aufklärerisch, investigativ?

In einer Zeit, in der Fakten, Quellencheck und Hintergrundrecherche in etablierten Medien immer weniger gefragt sind, investigative, herrschaftskritische Journalisten und Wissenschaftler aus Redaktionen und Universitäten gedrängt werden und bestenfalls unter sehr prekären Bedingungen ihre Aufklärungsarbeit fortsetzen können, in einer Zeit, in der kritische Geister durch QuerfrontVorwürfe mundtot gemacht werden (sollen), taucht im Sommer 2014 plötzlich ein sich „CORRECT!V“ nennendes Recherchebüro auf, das a) innerhalb kürzester Zeit aufwändige Rechercheprojekte abschließt, die es b) kostenfrei den Redaktionen zur Verfügung stellt, die c) in den Mainstreammedien breit und unkritisch rezipiert werden und das d) innerhalb weniger Monate renommierte Journalistenpreise erhält. Durch seinen Namen und sein Auftreten stellt sich Correctiv als alternatives, investigatives Internetmedium dar und gewinnt so die Sympathien einer nach Hintergrundwissen, Fakten und Aufklärung dürstenden Zivilgesellschaft. Correctiv wurde mit seiner multimedial aufbereiteten Darstellung zum Abschuss der malaysischen Verkehrsmaschine MH 17 über der Ukraine bekannt. In jüngster Zeit ist Correctiv mit Artikeln und Leaks zum Freihandelsabkommen TTIP aufgefallen. Unter anderem über den großen TTIP unfairhandelbar EMailVerteiler warb Correctiv dann zahlende Mitglieder für seine neue „Correctiv Community“. Zuletzt war Correctiv Gegenstand der Berichterstattung, nachdem Facebook angekündigt hat, in Deutschland Correctiv mit der Markierung von FakeNews zu beauftragen. Dieses an sich schon fragwürdige und von Paul Schreyer als „Privatisierung der Zensur“ bezeichnete Vorhaben steht und fällt vollends mit der Seriosität der beauftragten Kontrollstelle. (…)

Der vollständige Artikel als PDF- Datei:

Correctiv-dechiffriert-2017_05[3]

Troubling Gaps in the New MH-17 ReportBy Robert PARRY

28.09.2016 –https://consortiumnews.com/2016/09/28/troubling-gaps-in-the-new-mh-17-report 

Troubling Gaps in the New MH-17 Report

By Robert PARRY

 

Investigative reporter Robert Parry broke many of the Iran-Contra stories for The Associated Press and Newsweek in the 1980s. You can buy his latest book, America’s Stolen Narrative, either in print here or as an e-book (from barnesandnoble.com).

 

Exclusive: The new accusation of Russian complicity in 2014 Malaysia Airlines shootdown was based on Ukrainian intelligence intercepts that were selectively interpreted while contrary information was ignored, writes Robert Parry.

 

The key conclusion of the Dutch-led criminal inquiry implicating Russia in the 2014 shootdown of Malaysia Airlines Flight 17 relied heavily on cryptic telephone intercepts that were supplied by the Ukrainian intelligence service and were given incriminating meaning not clearly supported by the words.

The investigators also seemed to ignore other intercepts that conflicted with their conclusions, including one conversation that appeared to be referring to a Ukrainian convoy, not one commanded by ethnic Russian rebels, that was closing in on the Luhansk airport, placing Ukrainian troops deep inside rebel territory.

That conversation was among five that the Joint Investigation Team (JIT) released in seeking the public’s help in identifying persons of interest in the MH-17 shootdown. The callers seemed to discussing information from Moscow regarding the movement of a convoy, but they describe it as a “Ukrops” or Ukrainian troop convoy.

“B: I am saying about the confirmation of the convoy that is going in the direction of the airport… Moscow/Moskva has confirmed… they see it. Is it err… whatsit… Ukrops convoy?

“A: The convoy that is going in the direction of the airport? Yes.

“B: And how did it go through?

“A: Most likely through Sabovka,” which the JIT interprets to be the town of Sabivka, about five miles west of Luhansk and about 92 miles northeast of Donetsk, the two rebel capitals. The Luhansk airport is about 20 miles south of the city center.

In other words, if this intercept from JIT is correct, the Ukrainian military was operating near the highway routes that the alleged Russian Buk missile battery would have been using. The conversation then picks up, referring to a possible battle for the airport:

“B: So, the convoy was confirmed. Where the convoy can be from?

“C: I don’t know where it is going from. It’s from west, isn’t it?

“B: It’s somehow going from west. From west. Fucking one and a half kilometres from the airdrome.

“C: From the airdrome?

“B: Yes.

“C: It can’t be one and a half kilometres from the airdrome because there is a populated locality there, there are positions there. Probably… I don’t know. Will now try to do something. … I think we will be receiving information soon… our groups have left.

“B: Uh-huh.

“C: Ok. Well, if they come in the airport, will fight at the airport. What else can we do?

“B: Ok. I got you.”

Although it’s difficult to know precisely what these callers are discussing, the conversation seems to refer to a potential battle for an airport, not the deployment of a Buk missile system.

Also, if Ukrainian forces had penetrated that deep into rebel territory, it is difficult to exclude that a Ukrainian Buk battery might have traveled along the southerly route H-21, which skirts Donetsk and then heads east toward the JIT’s claimed firing site in a field near the town of Pervomaiskyi. H-21 then bends north toward Luhansk airport and the city of Luhansk.

The Ukrainian Buks

MH-17 – „Der BGH bringt mich in Lebensgefahr“ 14. Sep 2016, Jens Brambusch 

Hinweis von Robert Schenk  

http://www.capital.de/themen/mh-17-der-bgh-bringt-mich-in-lebensgefahr.html

MH-17 – „Der BGH bringt mich in Lebensgefahr“ 

14. Sep 2016, Jens Brambusch 
Der Bundesgerichtshof droht MH-17-Ermittler Josef Resch mit Ordnungshaft, sollte er sein Wissen zum Abschuss der Maschine nicht verraten. Doch Resch schweigt. Er fürchtet um sein Leben. 
Die Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof drängen MH17-Privatermittler Josef Resch und seine Mitarbeiter zu einer Zeugenaussage – und drohen mit Ordnungshaft. Bereits mehrmals wurde Resch vorgeladen. Doch Resch und seine Partner weigern sich, Details zu ihren Ermittlungsergebnissen über den Abschuss der Passagiermaschine MH-17 an die Behörden weiterzuleiten. Sie fürchten um ihr Leben. Bei dem Absturz am 17. Juni 2014 über der Ost-Ukraine waren alle 298 Insassen ums Leben gekommen, darunter vier Deutsche.
Resch hatte im September 2014 zunächst 30 Mio. Euro Belohnung im Namen anonymer Auftraggeber für Belege, die zu den Verantwortlichen des Abschusses der Maschine führen, ausgelobt. Später erhöhte er die Summe um weitere 17 Mio. Euro für Hinweise darauf, wer die Tat vertuscht. Für Resch steht fest: Niemand sei ernsthaft an einer Aufklärung interessiert. Deshalb seien Staaten und Geheimdienste bemüht, dass niemand die Täter identifiziere. So sollen politische Implikationen verhindert werden. Angeblich hatte Resch einen Informanten aufgetan, der genau das detailliert ausgesagt habe. Und an diesem Wissen ist die Generalbundesanwaltschaft interessiert. Die Behörde ermittelt gegen „Unbekannt“ wegen des Verdachts eines Kriegsverbrechens. Resch und zwei seiner Mitarbeiter werden als Zeugen geführt. Sie berufen sich aber auf ihr Aussageverweigerungsrecht. Gegenüber Capital sagte Resch, dass er sich um sein Wohlergehen und das seiner Familie sorge, würde er Details über seinen Kenntnisstand nennen. Der BGH erkennt das jedoch nicht an, da Resch bereits in mehreren Zeitungsartikeln und einem Buch über seine Ermittlungen gesprochen habe. 
Herr Resch, Ihre Autobiografie haben Sie „Gefahr ist mein Beruf“ genannt. Und jetzt haben Sie plötzlich Angst? 

Resch: Ja! Ich war nie ängstlich und auch nicht zimperlich im Umgang mit Kriminellen. Ich habe dem Rechtsstaat immer geholfen. Und glaubte, er steht auch hinter mir. Aber jetzt ist es ausgerechnet der Bundesgerichtshof, der mein Leib und Leben gefährdet. Und nicht nur meines, sondern auch das meiner Mitarbeiter und meiner Familie. Der Rechtsstaat bringt uns akut in Lebensgefahr. 
Inwiefern? 
Die Ermittlungsrichter am BGH verlangen von uns, dass wir unsere Erkenntnisse zu dem Abschuss von MH-17 preisgeben. Tun wir das, sind wir aber geliefert. Das wäre reiner Selbstmord. 
„Der ganze Fall MH-17 ist hochpolitisch“ 
Vor wem haben Sie Angst? 
Als ich den Auftrag angenommen habe, habe ich die Situation unterschätzt. Der ganze Fall MH-17 ist hochpolitisch. Ich bin davon überzeugt, dass niemand an einer Aufklärung interessiert ist, wer auch immer hinter dem Abschuss steckt. Es steht viel auf dem Spiel. Das Verhältnis Europas zu Russland und der Ukraine. Bis heute weiß ich auch nicht, wer meine Auftraggeber waren. Wir haben ja nur mit einem Schweizer Mittelsmann gesprochen. Stecken dahinter die Russen, die Ukrainer? Oder Nachrichtendienste aus dem Westen? War das ganze eine Falle, um zu sehen, ob es irgendwo einen Maulwurf gibt? 
Sie haben also Angst vor Ihren ehemaligen Auftraggebern? 
Natürlich. Gleich zu Beginn hat man uns klargemacht, dass keinerlei Details an die Öffentlichkeit gelangen dürfen. Halte ich mich nicht daran, hätte ich ein massives Problem. Das war ein klarer Hinweis an mich. 
Und trotzdem haben Sie in Ihrem Buch über den Fall geschrieben… 
Das war abgesprochen. Die Auftraggeber wussten, dass ich das Buch schreibe. Aber dort finden Sie keine Details. 
Die Sie aber haben? 
Ja. Oder sagen wir so: Ich habe ein Dreiviertelwissen. Wir haben hunderte Hinweise gesichtet, etliche Treffen gehabt. In einem Fall waren wir sicher: Bingo! Das ist der Mann, nach dem wir suchen. Und den haben wir mit dem Schweizer Mittelsmann in Verbindung gebracht. In meinem Haus. Wir waren bei dem Gespräch nicht direkt anwesend, haben aber mitgehört. Das war im Nachhinein vielleicht ein Fehler. Aber wir wollten sicher gehen, nicht über den Tisch gezogen zu werden. 
Wie das? 
Unser Honorar lief auf Erfolgsbasis. Es hätte ja sein können, dass der Auftraggeber sagt, der Informant war ein Bluff. 
War er aber nicht…. 
Nein. Das ist meine Meinung. Und die der Auftraggeber. Nach dem Treffen war unser Auftrag beendet. Wir wurden bezahlt und gut war es. Dachten wir. 
Der Informant war ein Deutscher. Vermutlich Mitarbeiter eines Geheimdienstes… 
Er sprach jedenfalls akzentfreies Hochdeutsch.

„Was ist nach dem Abschuss geschehen?“ 
Und er hat Informationen geliefert, wer was vertuscht hat? 
Ja, es ging nicht darum, wer den Abzug gedrückt hat. Das weiß ich auch nicht. Sondern darum, was nach dem Abschuss geschehen ist. 
Verständlich, dass auch der BGH daran Interesse hat. 
Sicher, aber auf unsere Kosten? Das kann doch nicht sein. Bei meiner ersten Vernehmung habe ich bereits gefragt: „Was habt Ihr denn die letzten zwei Jahre gemacht? Was sind Eure Erkenntnisse?“ Wir haben von den Behörden nichts gehört, bis im März plötzlich eine Hausdurchsuchung bei mir stattgefunden hat, nachdem die niederländischen Ermittler ein Rechtshilfegesuchen gestellt hatten. Auch in meinem Schweizer Schließfach, das die Ermittler haben öffnen lassen, war nichts Verwertbares. Für wie blöd halten die mich? 
Sie sagen, niemand habe ein Interesse an der Aufklärung. Wie verstehen Sie dann das starke Engagement der Ermittlungsrichter? 
Für Ende September haben die internationalen Ermittler in Den Haag einen Bericht angekündigt, der sich mit den strafrechtlichen Konsequenzen des Abschusses auseinandersetzt. Keine Ahnung, was da drin steht. Aber nur mal angenommen: Der Bericht präsentiert einen Täter. Und plötzlich tauchen die Informationen auf, die wir besorgt haben. Und die widerlegen den Bericht. Das könnte sehr peinlich sein. Das wäre eine Erklärung. 
Das wäre peinlich für die Niederländer, doch nicht aber für die deutschen Behörden? 
Ich glaube auch nicht, dass die deutschen Behörden ein ureigenes Interesse an dem Fall haben. Mir scheint es, sie werden getrieben. Von außen. Anders kann ich mir nicht erklären, dass mich die Staatsanwälte und und Ermittlungsrichter zu einer Falschaussage animieren wollten. So jedenfalls habe ich das wahrgenommen.

Wie bitte? 
Sowohl „Mossi“ als auch mir wurde bei der letzten Vernehmung am 6. September nahegelegt zu erklären, dass die ganze Nummer nur ein Werbegag für mein Buch gewesen wäre. Damit sei die Kuh vom Eis. Die Behörden könnten damit den Niederländern melden, alles sei nur erfunden gewesen wäre. Und wir könnten gehen. Es würde auch kein juristisches Nachspiel für uns geben. Geht’s noch? Das wäre in meinen Augen eine klare Falschaussage. 

Und wie geht es jetzt weiter? 
Wir lassen uns auf dieses Angebot natürlich nicht ein. Damit wäre meine gesamte Reputation zerstört. Es ist ja auch totaler Blödsinn. Die Anfrage von dem Verlag, ob ich Interesse an einem Buch hätte, kam bereits kurz nachdem wir den Auftrag angenommen hatten. Das war Monate bevor sich der Informant bei uns gemeldet hatte. Das ist alles belegbar. Wir werden weiterhin schweigen. Lieber gehe ich in Beugehaft, als meine Familie zu gefährden. 

Man hat Ihnen mit Beugehaft gedroht? 
Bislang geht es um Ordnungshaft oder ein Ordnungsgeld. Der Beschluss dazu ist bei „Mossi“ und mir bereits eingegangen. Wir haben dagegen Beschwerde eingelegt. Bei „Mossi“ ist die Beschwerde bereits abgelehnt worden. Ich denke, es wird noch weiter gehen. Aber dann gehe ich eben ein paar Monate hinter Gitter, wenn der BGH unsere Gefährdungslage nicht anerkennt. 
Vielleicht hat der BGH ja Recht und es besteht gar keine Gefahr.

Das ist Blödsinn und das weiß auch der BGH. Sollen wir warten, bis wir Einschusslöcher am Haus haben? „Mossi“ wurde sogar die Aufnahme in ein Zeugenschutzprogramm angeboten. Das geht auch aus einem Beschluss des BGH hervor (Anm. d. Red.: Capital liegt das Dokument vor). Würde man das machen, wenn keine Gefahr besteht? Von meinem anderen Mitarbeiter, einem ehemaligen Kripo-Mann, wollten die Ermittlungsrichter wissen, warum er sich auf das Unterfangen eingelassen habe. Schließlich habe er sich in Lebensgefahr begeben. 

Wäre es dann nicht besser, Sie würden auch in der Öffentlichkeit zu dem Fall schweigen? 
Wir haben lange darüber diskutiert. Ich mit meinen Kollegen. Und wir mit unseren Familien. Wir sind zu dem Schluss gekommen: Wir müssen öffentlich klar stellen, dass wir nicht aussagen werden. Damit wir sicher sind. 
 

Viele Grüße

Elke Schenk

globalcrisis/globalchange NEWS