Rede von Volker Lösch, Theaterregisseur, auf der 510. Montagsdemo (1) am 27.4.2020 Dem Virus folgt Erkenntnis

Hallo mitnand,
Volker Lösch hat auf der 510. Montagsdemo eine große, ermutigende Rede gehalten, die auf das Wesentliche, auf die historische Möglichkeit und die Handlungspunkte hinweist.

“ … in der großen Corona-Pause haben wir die unerwartete Möglichkeit bekommen,

unsere wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Systeme zu reformieren und umzubauen.“

Grüße,
Martin Zeis
Dokumentiert (Auszug)
Rede von Volker Lösch, Theaterregisseur, auf der 510. Montagsdemo (1) am 27.4.2020

Dem Virus folgt Erkenntnis

Liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter,

niemand von uns hat so etwas jemals erlebt.

Wir leben ganz wortwörtlich in außer-gewöhnlichen Zeiten.

Was wird es mit uns machen, dass unser Leben auf nicht absehbare Zeit

durch ein Mindestabstand-Gebot bestimmt sein wird?

Wird es jemals ein Zurück in die Zeit vor Corona geben?

 

Diese Krise wird irgendwann beendet sein. Aber was ist danach?

Ich glaube, dass die Zeit nach Corona die politischste sein wird, die wir je erlebt haben werden.

Denn es werden fundamentale Entscheidungen anstehen und gefällt werden.

Diese Krise lässt wie unter einem Brennglas politische Beschlüsse,

die in den letzten Jahrzehnten falsch getroffen wurden,

durch ihre fatalen Auswirkungen nun überdeutlich zu Tage treten.

Corona konkretisiert, macht sichtbar und verklart –

führt so zu Erkenntnis und fordert zum Widerstand auf.

 

Und welcher Ort wäre geeigneter als unsere Montagsdemonstration,

die seit über 10 Jahren zu allen großen politischen Themen Stellung bezieht,

darüber zu debattieren, was verändert werden muss.

Das nur profitorientierte System, welches mehr denn je in Frage steht,

hat hier einen ganz eigenen Namen: „Prinzip Stuttgart 21“.

 

Es spricht vieles dafür, dass uns harte, konfliktreiche Zeiten bevorstehen.

Man hört ja bereits, dass alles dafür getan werden soll,

unser altes System unverändert wieder hochzufahren.

Wie nach dem Bankenfiasko 2008 scheint man nichts kapiert zu haben.

 

Doch es gibt auch Grund zur Hoffnung.

Denn der sogenannte Mainstream wird derzeit mit der Nase auf Themen gestoßen,

die für die meisten bisher nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben.

An drei Beispielen möchte ich das beschreiben.

An der Gesundheit, der Ungleichheit und der Destruktivität von „Stuttgart 21“

 

 

(…)

 

4

Liebe Freundinnen und Freunde,

in der großen Corona-Pause haben wir die unerwartete Möglichkeit bekommen

,unsere wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Systeme zu reformieren und umzubauen.

Aber Vorsicht – um diesen kleinen Bewusstseins-Vorsprung, den wir nun errungen haben,

müssen wir kämpfen.

Wir müssen noch klarer, noch entschiedener und noch positionierter für das Andere streiten.

Es stehen eher ungemütliche Zeiten bevor. Nach der Krise ist vor der Krise.

 

Kämpfen wir gegen das blinde „Weiter so wie bisher“.

Für die Reduktion des wirtschaftlichen Lebens.

Gegen das zerstörerische „Wachstum über alles“.

Für eine nachhaltige Wirtschaftsweise.

Gegen Milliardenhilfen für Konzerne und Hilfen für die Finanzbranche.

Für öffentliche Kontrolle und Umwandlung von Rüstungsindustrie, Autoindustrie und Flugzeug-bau.

Gegen Abwrackprämien.

Für solidarische Hilfsprogramme in ganz Europa.

Gegen Austeritätspolitik.

Für die hohe Besteuerung von großen Vermögen, großen Gewinnen und großen Einkommen.

Gegen Niedriglöhne, Privatisierungen, Vermögensanhäufung.

Für ein öffentliches Gesundheitssystem und eine einheitliche Krankenversicherung.

Gegen private Krankenhäuser, Fallpauschalen und das Geldverdienen mit Gesundheit.

Für solidarische Verhaltens- und Lebensweisen.

Gegen weitere Klimaerwärmung.

Für radikale Arbeitszeitverkürzungen bei vollem Lohnausgleich.

Gegen Sozialabbau und Einkommenseinbußen.

Für eine angemessene Bezahlung von Menschen in Sozialberufen.

Gegen die menschenfeindliche Arbeitssituation auf der Stuttgarter Baustelle.

Für einen sofortigen Baustopp und für „Umstieg21“.

Gegen „Stuttgart 21“.

Für die Vernunft.

 

Liebe Freundinnen und Freunde,

Ich grüße euch herzlich aus Berlin und freue mich darauf,

mit euch allen irgendwann wieder live vor dem Stuttgarter Kopfbahnhof protestieren zu können.

Wenn wir diese Krise gut hinter uns bringen,

dann sollte „Stuttgart 21“ erst recht zu bezwingen sein.

Gesund bleiben, rebellisch bleiben und – OBEN BLEIBEN

 

Quelle: https://beobachternews.de/wp-content/uploads/2020/04/Rede-von-Volker-Lösch.pdf

Filmempfehlung: „Der marktgerechte Mensch“

Aufruf zur Unterstützung des Filmprojekts  

Der marktgerechte Mensch

Ein „FILM VON UNTEN“ von Leslie Franke und Herdolor Lorenz, 99 Min.

Machen Sie den Donnerstag, den 16.Januar 2020, zum Tag Ihrer Premiere des Films „Der Marktgerechte Mensch“ !

Der 16.01.2020 soll ein weithin hörbares Signal werden! Deshalb: Organisieren Sie an diesem Tag in allen Ecken der Republik eine Filmveranstaltung. Nun steht alles zur Verfügung für Ihre eigene Premiere: Flyer, Plakate A1 und A3, Pressephotos, Pressetext und die Onlinekarte, auf der auch Ihre Veranstaltung erscheinen soll. Alle UnterstützerInnen werden rechtzeitig spätestens bis 12.01.2020  eine DVD erhalten, um möglichst an vielen Orten gleichzeitig einen Premierenabend am 16.01.2020 zu organisieren.

Für eine rechtzeitige Terminplanung können Sie/Ihr die Verantwortlichen von potentiellen Kinos und anderen Vorführorten ansprechen und interessieren. Diesen großen Tag können Sie gemeinsam mit uns jetzt schon planen, jetzt schon vorbereiten!

Der Marktgerechte Mensch“ ist ein Film von unten. Ein Film der uns alle angeht:  „Wenn der Mensch zur Ware wird“ geht seine Menschenwürde verloren. Noch vor 20 Jahren waren in Deutschland knapp zwei Drittel der Beschäftigten in einem Vollzeitjob mit Sozialversicherungspflicht. 38% sind es nur noch heute.

Die Filmemacher  gehen an die Arbeitsplätze der neuen Modelle des Kapitalismus wie der Gig-Economie,  wie der Arbeit auf Abruf. Sie  treffen auf Menschen in bisher sicher geglaubten Arbeitstrukturen an Universitäten  oder in langjährigen  Arbeitsverhältnissen mittlerer- und oberer Leitungspositionen. Und beobachten wie sich die  Verschärfung des Wettbewerbs immer stärker auf den Einzelnen verlagert, was Solidarisierung tragbaren sozialen Beziehungen nur sehr schwer Raum lässt.  Depression und Burnout machen Menschen, die an dieser Last und Unsicherheit zerbrechen, das Leben zur Hölle. Selbst dann noch  glauben viele, an ihrem Schicksal schuld und ein Einzelfall zu sein.

Doch dieser Wahnsinn ist nicht alternativlos. Der Film stellt Betriebe vor, die nach dem Prinzip des Gemeinwohls wirtschaften, Beschäftigte von Lieferdiensten, die einen Betriebsrat gründen und die Kraft der Solidarität von jungen Menschen, die für einen Systemwandel eintreten. „Der marktgerechte Mensch“ ist ein Film, der die Situation hinterfragt, Mut machen will, sich einzumischen und zusammenzuschließen. Denn ein anderes Leben ist möglich.

Deshalb sollten den Film auch möglichst viele Leute möglichst bald an möglichst vielen Orten sehen und diskutieren können.

Was Sie dazu tun müssen? Sprechen Sie möglichst bald Verantwortliche von Veranstaltungsorten und vor allem Kinos an. Dabei können wir Hilfestellung leisten.

Alle, die geholfen haben, dass dieser Film Wirklichkeit wird, bekommen rechtzeitig eine DVD zugesandt von „Gemeinwohl in Bürger*innenhand“. Damit kann jede*r eine Premiere veranstalten. Weitere hilfreiche Informationen rund um die Film-Veranstaltung haben wir für Sie in unserem Veranstaltungsleitfaden zusammengestellt. Oder sprechen Sie uns direkt an:  Stefan kampagne@der-marktgerechte-mensch.org

Mit der Edition Salzgeber haben wir auch einen professionellen Kinoverleih mit im Boot. Er wird „Der Marktgerechte Mensch“ in den deutschen Kinos verbreiten, auch in „Ihrem“ Kino, wenn Sie wollen! Sprechen Sie Ihr Wunschkino an. Den Rest erledigt Salzgeber.

Und nicht vergessen: Sagen Sie uns Bescheid, wo und wann Sie die (Premieren-) Vorführung(en) organisieren wollen – am Premierentag oder auch in der Zeit danach. Je schneller und weitläufiger sich unsere Online-Premierenkarte füllt, je länger die Liste der Vorführungen auf unserer Webseite wird, desto mehr Schwung bekommt die Diskussion und motiviert noch mehr Menschen, sich auch zu engagieren! Verbreiten Sie den Aufruf anbei!

Helfen Sie mit, dass der Film „Der marktgerechte Mensch“ entstehen und ab 16. Januar 2020 in die Kinos kommen kann.

  • Setzen Sie unseren Teaser auf Ihre Webseite oder verbreiten Sie das Material über ihre Mailinglisten, Facebook, Instagram
  • Wenn Sie Kontakt zu Medien haben, initiieren Sie eine Filmrezension.
  • Mit jeder Spende sind Sie Förderer/in der Filme.
  • ab 20€ erhalten Sie eine DVD-Kopie des Films „Der marktgerechte Mensch“ mit der Lizenz zu zwei nichtkommerziellen Vorführungen
  • ab 35€ erhalten Sie die DVD-Kopien der Filme „Der marktgerechte Patient“ und „Der marktgerechte Mensch“   mit der Lizenz zu zwei nichtkommerziellen Vorführungen

Zahlungen bitte auf das Konto: Empfänger: Der marktgerechte Mensch, GLS Bank, IBAN: DE49430609672020346200, BIC: GENODEM1GLS oder auch per PayPal (lesen Sie unsere Datenschutzerklärung )

 

Von uns, den Filmemachern erhalten Sie dafür keine geldwerte Gegenleistung. Aber der VereinGemeingut in BürgerInnenhand ist so freundlich, Ihnen eine DVD  zukommen zu lassen.

Michael Hudson: „Das Projekt der Aufklärung wird begraben“

Paul Schreyer

Michael Hudson a9. September 2019   —   Michael Hudsons Buch „Der Sektor – Warum die globale Finanzwirtschaft uns zerstört“ steht schon seit mehreren Jahren auf meiner Leseliste. Als im August der WDR bei mir anfragte, ob ich im Rahmen einer Büchersendung über die kürzlich erschienene Taschenbuchausgabe des 600-Seiten-Opus sprechen wolle, sagte ich daher gern zu und holte die Lektüre umgehend nach. Das hat sich gelohnt. Das Werk des mittlerweile 80 Jahre alten amerikanischen Ökonomen, der selbst eine Art Legende ist (Patensohn Trotzkis, Ex-Wall-Street-Banker, Kapitalismuskritiker), besticht durch klare Logik und verständliche Schilderung.

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Rainer Mausfeld: Angst und Macht — Paul Schreyer – Buchbesprechung

2. Juli 2019 — Heute erscheint ein neues Buch von Rainer Mausfeld: „Angst und Macht: Herrschaftstechniken der Angsterzeugung in kapitalistischen Demokratien“. In dem schmalen, gut 120 Seiten umfassenden Band gelingt es dem Autor erneut, wie nur wenigen sonst, die Grenzen des öffentlichen Denkens zu beleuchten. Mausfeld erklärt und analysiert Ideologien, die vielen als unhinterfragbare Naturgesetze […]

über Rainer Mausfeld: Angst und Macht — Paul Schreyer

KenFM-Positionen 11: Der globale Marshallplan – Konzepte für eine Welt von morgen KenFM

Die elfte Ausgabe von Ken Jebsens Gesprächsrunde „Positionen“ ist seit Sonntag online und widmet sich möglichen Konzepten für eine Welt von morgen:

Globaler Marshallplan – Konzepte für eine Welt von morgen

Gäste der elften Ausgabe von Positionen sind:

  • Heinz-Josef Bontrup
  • Günter Grzega
  • Erwin Thoma
  • Dennis Hack
Veröffentlicht am 06.08.2017

„Man schafft niemals Veränderung, indem man das Bestehende bekämpft. Um etwas zu verändern, baut man Modelle, die das Alte überflüssig machen.“

Dieser Ausspruch wird dem US-amerikanischen Architekten, Konstrukteur und Schriftsteller Richard Buckminster Fuller zugeschrieben. Der Kern der Aussage ist von zentraler Bedeutung, will man, dass sich die Zukunft wesentlich von der Gegenwart unterscheidet.

KenFM hat sich seit seinem Bestehen vor allem um die Analyse des Status quo bemüht. Diese Analyse war nötig, denn nur wer die „Ungereimtheiten“ unserer Gegenwart bis ins Detail beleuchtet und damit entzaubert hat, kann eine Wiederholung alter Strukturen vermeiden bzw. alles dafür tun, dass sie nach einem Change nicht nur neuverpackt wieder aufgelegt werden.

Fakt ist, die menschliche Gesellschaft hatte trotz der recht verfahrenen Gesamtsituation noch nie die Chance, sich mit eigenen Medien fernab der lancierten Eliten-Propaganda eine wirklich eigenständige Meinung zu bilden. Eine ungeschönte Bestandsaufnahme der Gesamtsituation.

Was aber kommt dann? Wie wollen wir als Gesellschaft die Veränderung gestalten? Was können wir tun? Wie wollen wir es tun? Sind wir, über Jahrtausende an Führung gewöhnt, überhaupt in der Lage, untereinander solidarisch zu sein und an einem Strang zu ziehen?

Wer glaubt, die Antwort auf diese Frage könnte nur „Ja“ lauten, erlebt in der 11. Ausgabe von Positionen, dass selbst Menschen, die alle im selben Boot sitzen, sich nicht automatisch als Teammitglieder verstehen. So fliegen auch die Fetzen.

Dieser Prozess ist wichtig, denn er zeigt, dass selbst die Pioniere einer neuen Zivilgesellschaft noch mit massiven Synchronisationsproblemen zu kämpfen haben. Hier besteht ein Spalt, der von der Spitze der Pyramide längst erkannt wurde und ausgenutzt wird.

Wenn die Basis sich in der Sache nicht einigt, nicht zusammenrauft, rückt das Ziel in immer weitere Ferne.

Das Ziel lautet Dezentralisierung und De-Globalisierung, wenn es um die bestehenden Machtstrukturen geht, aber es ist gerade deshalb nur im Team erreichbar.

Inhaltsübersicht:

00:55:39 Die Rolle des Staates in Zeiten eines neoliberalen Paradigmas

01:05:56 Das System des Waldes: Was es uns voraushat

01:20:51 Das System unserer Politik: zwischen Innovationsfeindlichkeit und Konsumismus

01:36:27 Energiewende: Wer für die Liberalisierung der Energiemärkte bezahlt

01:45:33 Nachhaltigkeit, Reichtumsverteilung, faire Besteuerung und die Rolle des Unternehmers

02:09:10 Vom starken Staat, Feindbildern und Solidarität

02:19:16 Bekämpfung der Arbeitslosigkeit

02:40:32 Politische Modelle für die Zukunft: Direkte Demokratie, Geld als öffentliches Gut und Demokratie-fördernde Medien

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Dir gefällt unser Programm? Informationen zu Unterstützungsmöglichkeiten hier: https://kenfm.de/support/kenfm-unters…

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Dokument: Banken zu Pflugscharen — Gemeinsam wider die Herrschaft der Finanzmärkte – 95 Thesen; perestroika.de, 23.04.2017

globalcrisis/globalchange NEWS
Martin Zeis

Hallo mitnand,

unter dem Titel Banken zu Pflugscharen – Gemeinsam wider die Herrschaft der Finanzmärkte haben Michael Brie, Peter Wahl, Rudolf Hickel, Ulrich Duchrow, Gregor Gysi, Ingrid Mattern und André Brie in Anlehnung an Luthers Thesen vor 500 Jahren 95 Thesen formuliert, welche die Auswüchse der Macht der weltweiten Finanzmärkte auf Menschen und Gesellschaften thematisieren.

Die Thesen sind in vier Bereiche untergliedert:-

– Zeit für eine neue Reformation (Thesen 1–15)
– Der Finanzkapitalismus übernimmt die Vorherrschaft (Thesen 16–49)
– Das Finanzsystem unter demokratische Kontrolle bringen. Prinzipien der Neuordnung (Thesen 50–72)
– Eine neue Reformation und eine andere Welt sind möglich (Thesen 73–95)

Diese Thesen sind bereits von zahlreichen Politikerinnen, Politikern unterschiedlicher Parteien, von Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftlern, Theologinnen und Theologen, Künstlerinnen und Künstlern unterstützt worden

Über den Link http://www.perestroika.de/95-thesen gelangt man zu den Thesen, der Unterstützerliste und zur Unterzeichnung.

Im Folgenden wird der Beginn und Schluss des Thesenpapiers dokumentiert gesamte Fassung siehe Anhang —

Gemeinsam für eine neue und solidarische Reformation wider die Herrschaft der Finanzmärkte über Demokratie, Gesellschaften, Europa und die globalen Verhältnisse

95 Thesen

Zeit für eine neue Reformation

1.
Was zu Luthers Zeiten begann, hat heute einen neuen Höhepunkt: das Monopol des Geldes. Die Demokratie ist in Gefahr. Der innere und äußere Frieden sind bedroht. Der soziale Zusammen- halt ist gestört. Die Vorherrschaft eines neoliberalen Mainstreams ließ die Politik sich weltweit an den Vorgaben der Finanzmärkte und den Interessen des oberen, reichen einen Prozents der Bevölkerung ausrichten. Die 8 reichsten Männer der Erde besitzen ebenso viel wie die 3,6 Milliarden der armen Hälfte der Menschheit. Eine Umkehr, eine Reformation ist nötig.

2.
War es vor 500 Jahren die Käuflichkeit des Seelenheils der Gläubigen durch den Ablasshandel, die Ausdruck einer großen Krise war, ist es heute die Unterordnung der Politik unter die Vorgaben der Finanzmärkte. Gott oder Mammon – du kannst nicht beiden dienen, hieß es zu Zeiten von Jesus und vor 500 Jahren. Demokratie oder Finanzmarkt-Kapitalismus – dies ist die Frage unserer Zeit.

3.
Andauernde Unterentwicklung, 800 Millionen Menschen, die Hunger leiden, Hunderttausende Tote in Kriegen, Millionen Flüchtlinge und Binnenvertriebene, und der dramatische Klimawandel haben sich verhängnisvoll verknüpft. Ihre Kehrseite sind exorbitanter Reichtum und Luxus. Dass die EU-Kommission stattdessen ausgerechnet die Finanzmarkt-Richtlinie des Parlaments, mit der die exzessive Spekulation mit Nahrungsmitteln gestoppt werden sollten, so verändert hat, dass sie praktisch wirkungs- los wird, kann nur empören. Die von der EZB, dem IWF, Angela Merkel und Wolfgang Schäuble durchgesetzte Austeritätspolitik hat zudem dazu geführt, dass Jugendarbeitslosigkeit und Armut im Süden der Europäischen Union dra- matische Dimensionen angenommen haben.

4.
Wurden mit dem Ablasshandel die globalen Imperien von Karl V. und Papst Leo X. sowie das Wuchersystem der Peruzzi und Bardi, der Fugger und Welser und ihr System von Kolonialismus, Völkervernichtung und Sklavenhandel finanziert, sind es heute der globale Finanzmarkt-Kapitalismus und seine Anhäufung von Vermögensansprüchen, die aus der Produktion des globalen Bruttosozialprodukts finanziert werden müssen.

5.
Zu Recht fasst der US-Ökonom Michael Hudson zusammen, dass ein Prozent der Bevölkerung mit ihrem Finanzvermögen und anderem Reichtum „die restlichen 99 Prozent, aber auch Unternehmen und ganze Staaten, in permanenter Verschuldung … halten.“ Dies macht eine demokratische Politik der Solidarität, der Erhaltung der Natur und des Friedens unmöglich.

6.
Vor 500 Jahren entstand das System des globalen Kapitalismus. Heute müssen wir ihm endlich wieder Zügel anlegen. Nicht zuletzt ist die Krise seit 2008 ein weiterer Warnschuss.

(…)

90.
So wie Luther die Gläubigen in seinen Thesen 94 und 95 ermutigte, so benötigen die Menschen in Deutschland, in Europa und der Welt eine eigene realistische Zuversicht, dass die geballten und schwierigen Herausforderungen für ihre soziale Situation sowie durch Kriege, Not und Klimawandel gelöst werden können.

91.
Ohne Hoffnung, so Salomon, werden die Menschen wüst und wild. Menschen, die lediglich auf Lösungen von Oben oder Außen warten, werden sie jedoch nicht bekommen.

92.
Dort werden sie nur die Vorherrschaft der Finanzmärkte und ihrer Interessen vorfinden.

93.
Es geht um nicht weniger als um die Vormacht von Demokratie und Menschenrechten, die Unantastbarkeit der Würde jedes Menschen durch
solidarisches Handeln auch gegen die Finanzmärkte.

94.
Doch anders als selbstbewusst und selbstverantwortlich wird eine solche Reformation der Gesellschaft von den Menschen nicht erreicht werden.

95.
Nur durch den Druck aus der Gesellschaft und bürgerschaftliches Engagement wird es möglich sein, die Reformblockade im politischen und gesellschaftlichen System zu überwinden.

Hier stehen wir. Wir können nicht anders. Für eine andere Welt.

95Thesen-wider-Herrschaft-Finanzmärkte170425.pdf

Videos | Das Ende der Megamaschine

„Risse in der Megamaschine und Wege zu einer neuen Friedensordnung“: Vortrag zur Eröffnung der 15. Internationalen Münchner Friedenskonferenz, Altes Rathaus München, 17.02.2017

Ein Buch von Fabian Scheidler

Quelle: Videos | Das Ende der Megamaschine

Die Grenzen der Megamaschine: Globale Krisen und der Kampf um echte Demokratie – Kontext TV

Die Grenzen der Megamaschine: Globale Krisen und der Kampf um echte Demokratie   19.03.2015  Langfassung

Fabian Scheidler, Mitbegründer von Kontext TV, Buchautor („Das Ende der Megamaschine“), Theater- und Opernautor

„In seinem Buch „Das Ende der Megamaschine. Geschichte einer scheiternden Zivilisation“ geht Fabian Scheidler den Wurzeln der Zerstörungskräfte nach, die heute die menschliche Zukunft infrage stellen. In einer historischen Spurensuche erzählt er die Vorgeschichte und Genese des kapitalistischen Weltsystems, das vor etwa 500 Jahren in Europa entstand und Mensch und Natur einer radikalen Ausbeutung unterworfen hat. Dieses System sei nicht, wie es der Mythos der Moderne will, aus dem Pioniergeist von Entdeckern und Händlern hervorgegangen, sondern aus einer engen Verflechtung von Kriegswirtschaft, Staatsmacht und Finanziers. Die tiefgreifende Verflechtung von Staaten und Großunternehmen sei bis heute eines der zentralen Hindernisse für die notwendige sozial-ökologische Transformation. Angesichts von Klimachaos, Finanzcrashs und der sich verschärfenden sozialen Spaltung stoße heute ein ganzes Zivilisationsmodell an seine Grenzen.“


			

Zum Tod des politischen Ökonomen Herbert Schui (1940-2016)

Jasminrevolution

herbert-schui Herbert Schui (1940-2016)

Theodor Marloth

Am 15.August wurde sein Tod bekannt: Herbert Schui war Ökonomie-Professor und einer der bekanntesten Kämpfer gegen den Neoliberalismus in Deutschland. Als Mitgründer der WASG verließ er die SPD und zog für die Linkspartei in den Bundestag ein, wo er gegen die neoliberale Entwürdigung des Menschen durch FDP, Union, Grüne und New-Labour-SPD kämpfte. Sein Tod reißt eine Lücke in die linke politische Szene: Schui war 1975 Mitbegründer der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik und Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat von Attac.

Herbert Schui zu Armut und Menschenwürde

Wer Armut anderer Leute empörend findet, kann für sich in Anspruch nehmen, ein moralischer Mensch zu sein. Aber wenn Moral da stehen bleibt, wo sie eine Art Kritik ist, „welche die Gegenwart zu be- oder verurteilen, aber nicht zu begreifen vermag“, wird sie eher ein Motiv sein, der Armut mit Almosen zu begegnen. Erst das Begreifen öffnet den Weg dahin, über…

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Wie Eliten Macht organisieren. Bilderberg & Co, Lobbying, Think Tanks und Mediennetzwerke; Wernicke-Interview, NDS 30.05.2016

globalcrisis/globalchange NEWS
Martin Zeis, 31.05.2016

Hallo zusammen,

Das spannende, viele Elemente der Herrschaftsforschung der letzten Jahrzehnte in den Blick nehmende Interview von Jens Wernicke mit dem Soziologen Markus Klöckner ist „Pflichtlektüre“ (inklusive der filmischen Teile zur Medienkrititk, der Vorträge von Rainer Mausfeld oder des Interviews mit dem „Alpha“-Journalisten Stefan Cornelius und der inzwischen oft zitierten Forschungen/Beiträge des leider viel zu früh verstorbenen französischen Soziologen Pierre Bourdieu. (u.a. maßgeblicher Autor des Grundlagenwerks: Das Elend der Welt. Zeugnisse und Diagnosen alltäglichen Leidens an der Gesellschaft; dt. Ausgabe: Universitätsverlag Konstanz 1997, 848 S.; frz. Originalausgabe : La misère du monde, Editions du Seuil, 1993.)

„Nicht bemitleiden, nicht auslachen, nicht verabscheuen, sondern verstehen“: Diese Anweisung Spinozas sich zu eigen zu machen wäre für den Soziologen nutzlos, könnte er nicht auch die Mittel an die Hand geben, um sie zu befolgen. Wie aber lassen sich die Mittel des Verstehens, die es ermöglichen, die Menschen so zu nehmen wie sie sind, anders weitergeben als dadurch, dass er die Instrumente anbietet, die notwendig sind, um sie als notwendige zu erfassen, um sie notwendig zu machen, indem er sie methodisch auf die Ursachen und Gründe zurückführt, derentwegen sie sind, was sie sind?“ (Pierre Bourdieu: An den Leser, a.a.O. S. 13)

Der deutsche Soziologe, der frühzeitig die Forschungen der „Power Structure Research“ – zurückgehend auf den Soziologen Charles Wright Mills – hierzulande versuchte publik und fruchtbar zu machen, ist Hans Jürgen Krysmanski. Er lehrte bis 2001 an der Universität Münster.

In seinem letzten Buch „0,1% – Das Imperium der Milliardäre“, das „Teil eines offenen Projekts (ist), keine abgeschlossene Analyse oder gar ein fertiges Theoriestück. Es soll anregen, sich weiter mit diesem Thema zu beschäftigen – auch im Internet“ / S.9) entwickelt Krysmanski u.a. „das Schema einer ‚Ringburg’, () das meine Überlegungen zu einem Imperium der Milliardäre wesentlich bestimmt hat. Dieses Modell versucht die Wege anzudeuten, die von den 99 Prozent zu den 0,1 Prozent und den 0,01 Prozent führen, von denen dieses Buch handelt. Die konzentrischen Ringe verweisen auf den Zusammenhang, der für das Funktionieren des gegenwärtigen Kapitalismus existentiellen Eliten: der superreichen Geldelite einerseits, der verschiedenen Funktionseliten andererseits. Die mit dem Namen Ringburg verbundenen feudalistischen Konnotationen sind nicht unbeabsichtigt. Im übrigen hat dieses Ringmodell der Eliten inzwischen sogar eine ‚Protest Rock Opera’ angeregt“ / S. 37, 40, 63, 103) – zit.a. H.J. Krysmanski: 0,1% – Das Imperium der Milliardäre; Westend-Verlag 2012, 287 S.

Viel Spaß bei den Lektüren,
Martin Zeis

NDS, 30.05.2016 – http://www.nachdenkseiten.de/?p=33580

Wie Eliten Macht organisieren. Bilderberg & Co, Lobbying, Think Tanks und Mediennetzwerke

„Die Eliten im Lande diskutieren bereits seit Jahren über Sinn und Unsinn, die Vor- und Nachteile der Demokratie. Die Fesseln der Demokratie werden ihnen zuneh-mend lästig. Wer aber sind diese „Eliten“? Wie organisieren und exekutieren sie ihre Macht? Und wie erreichen sie es, dass es so wenig Gegenwehr gegen immer weite-ren Sozialabbau, Entsolidarisierung und Entdemokratisierung gibt?“ (zit.a. Vorwort von Jens Berger)

Jens Wernicke im Gespräch mit dem Autor Markus Klöckner

Herr Klöckner, wir verdanken Ihnen nicht nur wunderbare Telepolis-Artikel zum Vertrauensverlust in die Medien und den Gründen hierfür; gerade erschien auch noch das Buch „Wie Eliten Macht organisieren: Bilderberg & Co.: Lobby-ing, Think Tanks und Mediennetzwerke“, dessen Mitherausgeber Sie sind. Warum dieses Buch? Was treibt Sie an?

Da gibt es mehrere Gründe. Der Aufhänger für das Buch ist, dass es in diesem Jahr genau 60 Jahre her ist, seitdem die Soziologie mit der Theorie der Machtelite berei-chert wurde. Es war nämlich im Jahr 1956, als der Soziologe Charles Wright Mills ein Buch mit dem bezeichnenden Titel „The Power Elite“, das in Deutschland zu Beginn der 60er Jahre unter dem Titel „Die amerikanische Machtelite“ veröffentlicht wurde, herausbrachte.
In dem Buch hat Mills etwas getan, was ein guter Soziologe geradezu tun muss und was leider ziemlich selten geworden ist: Er hat ganz grundlegende „Wahrheiten“ kri-tisch hinterfragt und ist nicht davor zurückgeschreckt, Antworten zu geben, die fest an dem politischen Wirklichkeitsverständnis von so manchem Zeitgenossen gerüttelt haben.
Sein besonderes Interesse galt dabei der Frage, ob die demokratischen Strukturen in den USA auch tatsächlich in der Praxis, also faktisch funktionieren, oder ob es nicht vielmehr so ist, dass es zwar eine demokratische Oberfläche gibt, sich hinter dieser aber längst Netzwerke gebildet haben, denen es gelingt, den demokratischen Ge-danken immer weiter zu unterlaufen.
Das Ergebnis von Mills‘ Forschung war die bereits erwähnte Machtelitentheorie. Demnach geht Mills davon aus, dass es Akteure gibt, die unterschiedlichen politi-schen, wirtschaftlichen und militärischen Gruppen angehören und zusammen ein komplexes Gebilde formen.

Mills erkannte: Diese Akteure, die aufgrund ihres Status und ihrer Vernetzung eine Machtelite bilden, sind in der Lage, Entscheidungen zu treffen, die sich mindestens auf nationaler Ebene bewegen. Anders gesagt: Der Soziologe hat herausgearbeitet, dass es in der amerikanischen Gesellschaft Akteure gibt, die sich quasi von den „nor-malen“ Reichen und Mächtigen noch weiter abgesetzt haben und über eine enorme Struktursetzungsmacht verfügen.
Da die Machtstrukturforschung insbesondere innerhalb der Soziologie in Deutsch-land eher am Rande vegetiert, haben wir uns entschlossen, dieses Buch herauszu-geben: Eine kritische Machtstrukturforschung ist für eine Demokratie sehr wichtig, da sie in der Lage ist, Bruchstellen im demokratischen Gefüge aufzuzeigen und die Ur-sachen für diese zu benennen. Wenn Sie so wollen, ist der Antrieb für das Buch also ein sehr demokratischer.

Was verstehen Sie denn unter „Eliten“ und warum ist ein Blick auf diese und ihre Macht wichtig in einer parlamentarischen Demokratie? (…)

Wernicke_KLÖCKNER-Interview_Wie-Eliten-Macht-organisieren160530.pdf