Rainer MAUSFELD: „Wir leben in einer Zeit der Gegenaufklärung“ – Interview mit Paul SCHREYER, TP 02.10.2018

Liebe Leute,

in einem Interview mit Paul SCHREYER skizziert Rainer MAUSFELD wesentliche Inhalte seines eben erschienenen Buchs: Warum schweigen die Lämmer? Wie Elitendemokratie und Neoliberalismus unsere Gesellschaft und unsere Lebensgrundlagen zerstören, (Westend-Verlag, 304 S. 24 Euro).

Grüße,
Martin Zeis

– A u s z u g –

02.10.2018 — http://www.heise.de/tp/features/Wir-leben-in-einer-Zeit-der-Gegenaufklaerung-4178715.html?view=print

„Wir leben in einer Zeit der Gegenaufklärung“

02. Oktober 2018 Paul Schreyer

Der Psychologe Rainer Mausfeld über die Illusion des Informiertseins, eine „Verachtung des Volkes“ und Journalisten und Intellektuelle, „die sich wie Eisenspäne in den Kraftfeldern der Macht ausrichten“

Herr Mausfeld, Sie sind vor allem bekannt für Ihre Vorträge [1], in denen es um die ver-deckte Rolle von Machteliten in unserer Gesellschaft geht. Dafür werden Sie von vielen Seiten angegriffen. Der ehemalige ARD-Journalist Hans Jessen wirft [2] Ihnen im Podcast von Tilo Jung ein „geschlossenes Weltbild“ vor, der Amerikanistik-Professor Michael Butter entdeckt in Ihrer Arbeit „verschwörungstheoretische Züge“ – was umgehend in den Wikipe-dia-Artikel zu Ihrer Person eingearbeitet [3] wurde. Überrascht Sie die Vehemenz solcher Kritik?

Rainer Mausfeld: Wir müssen natürlich Kritik und Diffamierung unterscheiden. Kritik zielt auf die Sache, Diffamierung auf die Person. Kritik beruht auf Argumenten, Diffamierung arbeitet mit einem Diffamierungsvokabular. Worum geht es mir in meinen politischen Beiträgen in der Sache? In meinen Vorträgen geht es mir weniger um Vermittlungen konkreter Inhalte und Positionen. Denn hier gibt es wie stets bei der Betrachtung komplexer Systeme einen großen Spielraum für unterschiedliche Perspektiven; ich lege jedoch in meinen Beiträgen stets offen, dass meine Perspektive durch die radikaldemokratische Tradition der Aufklärung geprägt ist.

Mir geht es in meinen Vorträgen vor allem um die Vermittlung einer Denkmethodologie, also gleichsam um das Handwerk des Denkens, mit der wir unsere alltäglichen politischen Erfahrungen wieder in einen Sinnzusammenhang einordnen können. Denn nur so können wir wieder ein Stück Autonomie gewinnen und angemessene Handlungskonsequenzen aus unseren Erfahrungen ziehen.

Was meinen Sie mit „Handwerk des Denkens“?

Rainer Mausfeld: Zum Handwerkszeug des Denkens gehören auch die in der Aufklärung verfeinerten Methoden, durch die sich unbewusste und oftmals tief verborgene politische Vorurteile aufdecken lassen. Somit gehört auch die Ideologiekritik zur Denkmethodologie. Politische Indoktrination zielt ja gerade darauf, in uns die Art von Vorurteilen zu erzeugen, die dazu beitragen, den Status der Machtausübenden zu stabilisieren. Da also Ideologiekritik stets Machtkritik ist, kann man nicht erwarten, dass dies bei den jeweils Mächtigen auf Begeisterung stößt.

Nun ist, wie der große Demokratietheoretiker Sheldon Wolin treffend feststellte, in unseren kapitalistischen Demokratien jede Form von Dissens erlaubt oder als Revolutionsprophylaxe sogar erwünscht, solange der Dissens politisch unwirksam bleibt. Zur Eingrenzung, Neutralisierung und Ächtung von unerwünschtem Dissens gibt es ein großes Spektrum an erprobten Möglichkeiten eines Dissensmanagements.

Methoden und Funktionsweisen eines Dissensmanagements können wir besser verstehen, wenn wir statt auf Personen auf seine strukturellen Eigenschaften fokussieren. Zu diesen gut untersuchten und seit langem bekannten strukturellen Eigenschaften gehört es, dass in allen Machtstrukturen besonders Journalisten, Intellektuelle und Wissenschaftler, die in gesellschaftsrelevanten Bereichen arbeiten, eine Tendenz aufweisen, sich wie Eisenspäne in den Kraftfeldern der Macht auszurichten.

Folglich finden sich in allen Machtstrukturen gerade unter Personen, die über besondere Möglichkeiten verfügen, sich in eine öffentliche Debatte einzubringen, bereitwillige Vertreter, die gleichsam als Bannwarte der Macht agieren und in vorauseilendem Opportunismus alles, was sie für einen unzulässigen Dissens halten, mit Diffamierungsbegriffen belegen.

Da sie auf diese Weise den in Politik und Medien Mächtigen bezeugen, dass sie die herrschende Ideologie tief internalisiert haben, werden sie dafür vor allem im journalistischen und akademischen Bereich oft mit entsprechenden Karrierechancen belohnt. Diese Mechanismen eines Dissensmanagements in kapitalistischen Demokratien sind seit langem wohlbekannt.

Das heißt, Vorwürfe wie „geschlossenes Weltbild“ oder „Verschwörungstheorie“ kommen für Sie nicht gerade unerwartet?

Rainer Mausfeld: Da meine Vorträge darauf zielen, Denkmethoden aufzuzeigen, mit denen sich die Diskrepanz zwischen Ideologie und Realität besser sichtbar machen lässt, und da die Machtausübenden gerade darauf angewiesen sind, politischen Dissens in Bahnen zu halten, die für sie risikofrei sind, überrascht es mich nicht, zum Ziel von Diffamierungsbemühungen zu werden.

Da sich ihre Urheber in den von Ihnen genannten Fällen nicht einmal die Mühe machen, etwas anzuführen, das sie als Argumente oder Belege ansehen, haben diese Anwürfe mit mir und den Inhalten, die ich zu vermitteln suche, nichts zu tun. Das ist eigentlich für jeden, der sich ernsthaft mit meinen Beiträgen beschäftigt, klar erkennbar. Wer nun dennoch meint, eine ernsthafte Auseinandersetzung durch ein paar hingeworfene Schmähwörter ersetzen zu können, wird mit einer solchen intellektuellen Selbstauskunft leben müssen.

Sprache als Herrschaftsinstrument

Damit sind wir schon mitten im Thema – die Rolle der Sprache. Sie sagen: „Wer die Sprache beherrscht, also die Begrifflichkeiten und Kategorien, in denen wir über gesellschaftlich-politische Phänomene nachdenken und sprechen, hat wenig Mühe, auch uns zu beherrschen.“ Da fallen einem schnell beliebte Vokabeln wie „Populismus“ oder eben „Verschwörungstheorie“ ein – Worte, die das Denken beschränken und mit denen bestimmte Ansichten für indiskutabel erklärt werden. Was zur Frage führt: Kann eine Gesellschaft, die ihr eigenes Denken zunehmend beschränkt, überhaupt noch kluge Entscheidungen treffen?

Rainer Mausfeld: Politischer Kampf bedeutet stets Kampf um Definitionsmacht und um die Aneignung von Wörtern. Daher ist Sprache in der Tat neben Panzern das wichtigste Herrschaftsinstrument. Da Demokratien die Möglichkeiten eines Einsatzes physischer Gewalt begrenzen, sind die Machtausübenden darauf angewiesen, die Stabilität von Machtverhältnissen auf anderen Wegen zu sichern. Über die Sprache lässt sich dies besonders wirkungsvoll bewerkstelligen. Beispielsweise über eine orwellsche [5] Neubestimmung sehr grundlegender Begriffe wie Freiheit und Demokratie oder auch durch das riesige Vokabular von neoliberalen Falschwörtern wie Liberalisierung, Globalisierung, Deregulierung oder Reform.

Über die Sprache lassen sich auch ganze ideologische Denk- und Erklärungsrahmen vermitteln, die wir dann meist unbewusst zur Einbettung unserer täglichen politischen Erfahrungen verwenden. Etwa die Rahmenerzählung einer „westlichen Wertegemeinschaft“ – ein für ihre Millionen Opfer besonders folgenschweres Beispiel. Diese ideologischen Rahmenerzählungen werden durch ein breites Spektrum an politischem Kampfvokabular gegen Einwände abgesichert. Gegenwärtig haben dabei vor allem die Begriffe Populismus und Verschwörungstheorie Hochkonjunktur, mit denen sich der neoliberale „Fanatismus der Mitte“ – übrigens ein Begriff, den der bedeutende Verfassungsrechtler Helmut Ridder schon 1979 verwendete – als alternativlos zu deklarieren sucht.

Wie schätzen Sie die heutige Verwendung des Begriffes „Populismus“ denn ein?

Rainer Mausfeld: Man muss sich nur die Wahlplakate der jeweiligen Regierungsparteien der vergangenen, sagen wir, 40 Jahre ansehen, um den Beitrag zu erkennen, der hier zur Komplexitätsvermittlung geleistet wurde. Die heute mit dem Populismusvorwurf belegten politischen Erscheinungsformen kann man wohl als eine Art Nemesis – also sozusagen als ausgleichende Gerechtigkeit – für die grundlegende Verachtung des Volkes verstehen, die kennzeichnend für alle Eliten westlicher Demokratien ist.

Diese Verachtung des Volkes entlädt sich nun mit populistischer Wucht und Unberechenbarkeit, oft auf der Basis von Affekten, die zu den dunklen Seiten der menschlichen Natur gehören. Bei diesen Affekten handelt es sich oft um Abwehraffekte gegen die eigenen Gefühle politischer Ohnmacht, die sich nun vor allem gegen die sozial Schwächsten entladen. Diese Gefühle politischer Ohnmacht, das sollten wir nicht vergessen, wurden und werden seit Jahrzehnten in sehr systematischer Weise erzeugt, um das Volk von einer politischen Partizipation fernzuhalten.

Können Sie das erläutern?

Rainer Mausfeld: Die neoliberale Phantom-Mitte betreibt seit Jahrzehnten ein Umverteilungsprojekt, das gegen die Mehrheit der Bevölkerung gerichtet ist. Dieses neoliberale Projekt ist nur möglich, wenn zuvor die in langen Jahrzehnten mühsam gewonnene demokratische Substanz abgebaut oder zumindest neutralisiert wird. Die Entmachtung der Legislative, also des Parlaments, durch die Exekutive ist nur ein, wenn auch ein besonders folgenschwerer Aspekt. Eine so massiv gegen die Interessen der Mehrzahl der Bevölkerung gerichtete Politik kann der Bevölkerung auf die Dauer trotz massiver Indoktrinationsbemühungen nicht verborgen bleiben.

Es ist also wenig überraschend, dass immer mehr Menschen die Brüche zwischen Ideologie und Realität erkennen. Entsprechend erhöhen sich in der Bevölkerung das Misstrauen in die politischen Institutionen, das Empörungspotential und damit das Veränderungsbedürfnis. Die neoliberale Phantom-Mitte benötigt daher zur Sicherung ihrer Macht den von ihr wesentlich mithervorgebrachten Rechtspopulismus. Ja, sie ist mittlerweile geradezu symbiotisch auf ihn angewiesen, weil sie ihn als Mittel zur Angsterzeugung benötigt, um mit dieser Drohkulisse das wachsende Veränderungsbedürfnis der Bevölkerung in „alternativlosen“ Bahnen zu halten. So geben sich also de facto die Täter als Retter aus.

Und wie sieht es mit den allgegenwärtigen „Verschwörungstheorien“ aus?

(…)

Volltext über obige URL und als pdf-Datei im Anhang (14 S.).
MAUSFELD-Wir-leben-in-Zeit-der-Gegenaufklärung181002

28. Pleisweiler Gespräch mit Professor MAUSFELD – 22. Oktober 2017

Am 03.11.2017 veröffentlicht

 
Wie sich die „verwirrte Herde“ auf Kurs halten lässt – Rainer Mausfelds Vortrag zu den Pleisweiler Gesprächen als Video Der Vortrag ist mit gut zwei Stunden recht lang geraten. Aber er war spannend und Rainer Mausfeld präsentierte viel Material, viele Anregungen, viele Daten, viele Zitate, viele Hinweise auf Literatur – der Vortrag enthält ein Bündel von nützlichen Informationen. Sie können dann, wenn Sie sich für eine der vielen benutzten Abbildungen und Folien besonders interessieren das Video anhalten, nachlesen und notieren. Was mir beim Noch-mal-anschauen besonders auffiel: Rainer Mausfeld und mit ihm viele NachDenkSeiten-Leserinnen und -Leser leben in einer anderen Welt als die Mehrheit der in unserem Land dominierenden Personen in Politik und Medienwelt. Wer das Geschehen kritisch betrachtet, ist weit weg von jenen, die in unserer Gesellschaft das Sagen haben. Sie unterscheiden sich vor allem im Blick auf das, was bei uns Demokratie genannt und als solche tagaus tagein gerühmt wird. Da gießt Rainer Mausfeld kübelweise Wasser in den üblichen politischen Bildungswein. Er beschreibt und belegt, wie alt und wie geplant die neoliberal geprägte Zerstörung demokratischen Zusammenlebens ist. Der historische Abriss ist ganz und gar nicht langweilig.
Am Schluss kommt die große Frage: Was tun? Selbst aktiv werden. Das vollständige Thema des Vortrags lautete: Wie sich die „verwirrte Herde“ auf Kurs halten lässt: Neue Wege der „Stabilitätssicherung“ im autoritären Neoliberalismus Nachzutragen bleibt noch eine Bitte an Sie. Unterstützen Sie uns, falls Sie sich das finanziell leisten können, bei der Finanzierung der entstandenen Kosten für Veranstaltung und Videoaufnahmen. Nutzen Sie bitte dazu das Konto des Fördervereins der NachDenkSeiten: http://www.nachdenkseiten.de/?page_id…
Die im Votrag verwendeten Folien lassen sich als PDF öffnen:

Die Masken fallen. Hintergründe des Machtwechsels in Paris – drei Texte zu MACRONS Unterstützern

Globalcrisis/globalchange NEWS

Stephan Best

14.05.2017

Hallo an die Listen.

Während die französischen Parlamentswahlen näher rücken, nimmt auch eine kritischere Sichtweise der Bewegung En Marche zu, die Emmanuel MACRON zum Präsidentensessel verholfen haben. Trotz weitgehend eingehaltenem Schweigegebot für die Medien die knapp vor den Wahlen aufgetauchten Leaks nicht zu veröffentlichen scheint das öffentliche Interesse an einer Berichterstattung über die Unterstützerkreise des Kandidaten wieder zuzunehmen. Die folgenden drei Artikel (a. b. c.) beschäftigen sich mit dem von deutschen Medien meist bejubelten und gerne mit seinen EU-Visionen begründeten kometenhaften Aufstieg.

(Der letzte Text wurde bereits über unsere englischen Listen verteilt.)

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a) Frankreich

Die Masken fallen

Macron-Leaks enthüllen: Machtwechsel in Paris von langer Hand geplant

er künftige französische Präsident Emmanuel Macron (r) und der schei

Der künftige französische Präsident Emmanuel Macron (r) und der scheidende Amtsinhaber Francois Hollande (M) begrüßen am 08.05.2017 in Paris den Chef des französischen Generalstabs, Pierre de Villiers. (Foto: dpa)

Deutsche Wirtschafts Nachrichten | 14. Mai 2017, 0:52 Uhr

dwn-machtwechsel-geplant-20170514

b) Von der Stiftung Saint-Simon zu Emmanuel Macron

von Thierry Meyssan

Das plötzliche Erscheinen von „En Marche“ (Übersetzt: Vorwärts!) einer neuen politischen Partei auf der französischen Wahlbühne und die Kandidatur ihres Präsidenten, Emmanuel Macron ist keinem Zufall geschuldet. Es ist nicht der erste Versuch der Anhänger einer aus französischer Regierungskaste und den USA bestehenden Allianz.

Voltaire Netzwerk | Damaskus (Syrien) | 28. April 2017

http://www.voltairenet.org/article196126.html

c) Pepe ESCOBAR: Emmanuel Clinton and the revolt of the elites; Asia Times 08.05.2017

Dear all,

below an analysis by Pepe ESCOBAR about Macron’s movement „En Marche!“ – set up for him by a network of powerful players and think tanks.

Below an excerpt – full text attached.

Martin Zeis
globalcrisis/change News

Emmanuel Clinton and the revolt of the elites

By Pepe Escobar May 8, 2017 9:31 PM (UTC+8)

So in the end the West was saved by the election of Emmanuel Macron as President of France: relief in Brussels, a buoyant eurozone, rallies in Asian markets.

That was always a no-brainer. After all, Macron was endorsed by the EU, Goddess of the Market, and Barack Obama. And he was fully backed by the French ruling class.

This was a referendum on the EU – and the EU, in its current set up, won.

(…)

An Orwellian shock of the new

Contrary to global perceptions, the biggest issue in this election was not immigration, it was actually deep resentment toward the French deep state (police, justice, administration) – perceived as oppressive, corrupt and even violent.

Even before the vote, the always sharp and delightfully provocative philosopher Michel Onfray, author of Decadence, the best book of the year and founder of the Popular University of Caen, identified some of the main players behind the Macron bandwagon: the “bellicose” philosopher Bernard-Henri Levy; Le Monde’s Pierre Bergé; Jacques Attali – who almost single-handedly turned the Soclalists into hardcore neoliberals; eminence grise Alain Minc; former MSF head Bernard Kouchner; and former May 1968 stalwart Daniel Cohn-Bendit – “In other words, the feral promoters of a liberal policy that allowed Marine Le Pen to hit her highest score ever.”

All of the above are faithful servants of the French deep state. I have outlined in Asia Times how the Macron hologram was manufactured. But to see how the deep state managed to sell him, it’s essential to refer to philosopher Jean-Claude Michea, a disciple of George Orwell and Christopher Lasch, and author of the recently published Notre Ennemi, Le Capital.

http://www.atimes.com/article/emmanuel-clinton-revolt-elites

Ciao Stephan Best

KenFM-Spotlight: Ausschnitt aus dem Gespräch mit Prof. Rainer Mausfeld

Veröffentlicht am 03.03.2017
KenFM-Spotlight: Ausschnitt aus dem Gespräch mit Prof. Rainer Mausfeld – in voller Länge hier zu sehen: https://kenfm.de/rainer-mausfeld/

Wenn es einer sehr kleinen und übersichtlichen Gruppe von Menschen gelingt, die Massen global und über Jahrzehnte für die eigenen Ziele arbeiten zu lassen, kann das nur dann erfolgreich bewerkstelligt werden, wenn diese Eliten die Techniken der Gehirnwäsche auf allen Ebenen konsequent zur Anwendung bringen. Schon der Umstand, dass Völker sich für Krieg begeistern lassen, zeigt die Macht dieser Technik.

Seit dem römischen Prinzip „Teile und Herrsche“ haben sich die Werkzeuge der Gehirnwäsche extrem verfeinert. Ein großer Teil der sogenannten Sozialforschung wurde im Auftrag der Eliten finanziert, um den Menschen als Wesen, das nur im Kollektiv überleben kann, im Anschluss in seine Bestandteile zerlegen zu können, ihn gefügig zu machen.

Der Grad der Manipulation ist viel größer, als die meisten von uns auch nur ahnen. Aber gerade darin liegt die Macht dieser Elitentechnik. Massenmedien sind dabei eines der wichtigsten Werkzeuge, um die Realität zu verschleiern und unsichtbar zu machen. Wer darauf aufmerksam macht, wird vom System gnadenlos attackiert, lächerlich gemacht und ausgegrenzt. Das finale Ziel ist immer die Vernichtung derer, die die Tarnung der Eliten auffliegen lassen.

Der Soziologe Prof. Rainer Mausfeld hat sich intensiv mit den Techniken der Verschleierung und des Gefügigmachens auseinandergesetzt. Seine auch im Netz veröffentlichen Vorträge, u. a. mit dem Titel „Warum schweigen die Lämmer“, wurden zu Blockbustern in Netz.

KenFM sprach mit Rainer Mausfeld über den Status Quo einer auf den neoliberalen Kurs eingeschworenen Gesellschaft, die sich in gegenseitigen Lagerkämpfen an die Gurgel geht, während die Geldeliten weiter die Strippen ziehen. Die Manipulation ist extrem perfide, denn sie beleidigt den Menschen an sich, der nicht wahrhaben will, dass er wie Vieh zur Schlachtbank geführt werden kann und wird, indem man ihn mit den pervertierten Techniken der Demokratie davon abhält zu sehen, in welcher Situation er sich tatsächlich befindet.

Die Zeit des Erwachens steht unmittelbar bevor. Sie wird nicht ohne Schmerzen zu haben sein. Die Medienrevolution ist wie eine Geburt. Wir müssen da durch, um ein autarkes Leben wirklich beginnen zu können.

+++

Inhaltsverzeichnis in Stichworten:

ab 00:03:24 Die Natur des Neoliberalismus

ab 00:11:40 Das Verschwinden des Elitenspektrums

ab 00:14:20 Vom Selbstbild des Menschen

ab 00:19:26 Demokratie als Herrschaftsinstrument der Eliten

ab 00:30:50 Die Atomisierung des Selbst: seine Zerlegung in ein Bündel von
Kompetenzen https://youtu.be/OwRNpeWj5Cs?t=30m50s
ab 00:41:01 Lügenpresse, Querfront, Antiamerikanismus – die Pervertierung
von Begriffen https://youtu.be/OwRNpeWj5Cs?t=41m1s
ab 00:50:04 Die Asymmetrie in der Deutsch-Amerikanischen Beziehung

ab 00:56:12 Feudalismus oder: als der Gegner noch sichtbar war

ab 01:02:21 Folgenloses Aufaddieren von Empörungsfällen, um
Widerstandspotential zu schwächen https://youtu.be/OwRNpeWj5Cs?t=1h2m21s
ab 01:03:43 Das Menschenbild des Neoliberalismus und seine Nähe zum
Behaviorismus https://youtu.be/OwRNpeWj5Cs?t=1h3m43s
ab 01:14:49 Wahlen im Kontext einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung

ab 01:16:36 Von Orwell und Huxley: „Wir amüsieren uns zu Tode“

ab 01:19:17 Bargeldabschaffung und die Aufrechterhaltung unsers
Mikrokosmos https://youtu.be/OwRNpeWj5Cs?t=1h19m17s
ab 01:35:53 Fehlinterpretationen der Aufklärung: Selbstbild-Rhetorik

ab 01:41:36 Wie der Neoliberalismus unsere „dunkle“ Seite nährt und die
„helle“ verleugnet https://youtu.be/OwRNpeWj5Cs?t=1h41m36s

 

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KenFM im Gespräch mit: Hermann Ploppa (Die Macher hinter den Kulissen)

Veröffentlicht am 28.07.2015

Wir leben in einem System, das sich „Der Westen“ nennt und vorgibt, demokratisch organisiert zu sein. Eine Gesellschaft, die den Anschein erweckt, durch das Volk regiert zu werden. Die Realität sieht jedoch völlig anders aus. In Wirklichkeit ist das, was man uns als Demokratie verkauft, ein gigantisches Täuschungsmanöver, um einer sehr kleinen Geldelite die Möglichkeit zu geben, global ihren Willen durchzusetzen.

Damit das möglichst ohne großen Widerstand geschieht, werden alle Entscheidungsträger in allen Bereichen der Gesellschaft über entsprechende Think-Tanks, Stiftungen oder Kaderschmieden auf Linie gebracht. Nur wer hier besteht, wird in eine Führungsposition durchgereicht. Diese subtile Gehirnwäsche durch das System selbst ist derart geschickt gemacht, dass selbst diejenigen, die in den bekanntesten Think-Tanks mitmischen, permanent bestreiten, dass es einen solchen Einfluss gibt.

Fakt ist: Wer den Eliten auch nur ansatzweise die Macht streitig macht, wird zeitnah aussortiert. Sollte er es dennoch zu gesellschaftlichem Einfluss bringen, sieht er sich einer durch die Bank embeddeten Pressemaschine gegenüber, die ihn wann immer es nötig ist, diffamiert, jobbt und ins völlige gesellschaftliche wie finanzielle Abseits bugsiert. Isolation als Strafe für nicht geleistete Unterwürfigkeit. Das größte Tabu-Thema in dieser gelenkten Demokratie ist das Hinterfragen der tatsächlichen Machtstrukturen.

Hermann Ploppa erläutert in seinem Buch „Die Macher hinter den Kulissen“ die einzelnen Think-Tanks und Kaderschmieden en detail und legt offen, was die Elite am liebsten weiterhin verschleiern würde. Dass Ploppas Buch nicht in systemkonformen Medien besprochen wird, liegt auf der Hand. Bei KenFM kommt der Autor ausführlich zu Wort.

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Interview von J. WERNICKE mit M. HARTMANN über „Die globale Wirtschaftselite“, NDS, 25.11.2016

globalcrisis/globalchange NEWS

Martin Zeis, 25.11.2016

Hallo zusammen,

Jens Wernicke hat heute auf NDS ein – gerade für die konzern-/kapitalismuskritischen sozialen Bewegungen – interessantes Interview mit dem Soziologen Michael Hartmann* zum Thema „Die globale Elite“ veröffentlichen lassen (vgl. www.nachdenkseiten.de/?p=35985 und pdf-Datei im Anhang).

Die zentrale, empirisch sehr gut belegte These Hartmanns ist, dass es nicht d i e globale Wirtschaftselite gibt, ebenso nicht d i e eine globale Kapitalistenklasse. Vielmehr rekrutiere sich der zu dieser sozialen Schicht zugehörige Personenkreis jeweils aus nationalen Systemen, bleibe überwiegend dort basiert (rechtlich, Wohnsitz, Zentralen + Steuerungsknoten der Konzerne …) und die Handlungsspielräume auf nationaler Ebene seien wesentlich höher als die seit 30 Jahren von interessierter Seite gestreute Behauptung von der Über-/Allmacht einer globalen (einheitlichen, organisierten) Wirtschaftselite suggeriere.

„… Die Eliten existieren natürlich, aber eben auf nationaler Ebene. Was den Angriff auf die Sozialsysteme oder die steuerliche Begünstigung von Großkonzernen und Reichen angeht, waren und sind sich die Eliten aus den westeuropäischen Ländern und Nordamerika auch weitgehend einig. Die Ursache dafür liegt aber nicht in Absprachen untereinander und in einem koordinierten Vorgehen. Sie ist vielmehr in erster Linie in den veränderten politischen Kräfteverhältnissen in den einzelnen Ländern zu suchen. (…)

Der Sieg des neoliberalen Denkens ist zwar von interessierten Kreisen vorbereitet worden, er verdankt seinen Erfolg aber dem Niedergang all jener Kräfte, die für die dominierende Rolle des Keynesianismus in den meisten westlichen Staaten nach 1945 gesorgt haben. Nach dem 2. Weltkrieg waren die herrschenden Klas-sen in diesen Ländern diskreditiert, die Gewerkschaften und die klassischen sozialdemokratischen, sozialistischen und kommunistischen Parteien in West-europa waren dagegen außergewöhnlich stark und die Existenz des Ostblocks zwang die Herrschenden zu Zugeständnissen. All das hat sich seit den 1980er Jahren Stück für Stück geändert.“
(…)

Was bedeuten die Ergebnisse Ihrer Analyse für linke Bewegungen und Parteien?

Sie zeigen, dass die Handlungsspielräume auf nationaler Ebene viel größer sind, als es das jahrelange Gerede von der Übermacht der globalen Wirtschaftselite und der daraus resultierenden Alternativlosigkeit der herrschenden Politik vermuten lässt.

Das gilt besonders für das Problem der Besteuerung von Großkonzernen und Reichen. So wohnen von über 300 US-Bürgern unter den 1.000 reichsten Menschen der Welt nur drei im Ausland. Von den 67 Deutschen sind es dagegen 19. Der wesentliche Grund dafür ist ganz einfach: Die USA besteuern alle US-Bürger nach den US-Steuersätzen, egal, wo diese leben. Wenn sie andernorts weniger Steuern zahlen, müssen sie den Differenzbetrag eben an die USA abliefern. Geben sie die Staatsbürgerschaft ab, fällt eine sogenannte Exit-Tax von gut 20 Prozent auf das gesamte Vermögen an. So etwas könnte auch die Bundesrepublik machen. Dann würde die Anzahl der in der Schweiz residierenden deutschen Milliardäre und Multimillionäre mit Sicherheit drastisch sinken.

Bei den Unternehmen ist es komplizierter. Sie können natürlich Investitionen in ein anderes Land verlagern. Bei den Zentralen der Unternehmen ist das aber sehr viel schwieriger. Es hat schon einen Grund, dass die Verlagerung von Firmensitzen so gut wie immer nur juristisch erfolgt, nicht aber tatsächlich.

So sind alle britischen und US-Konzerne, die wie Allergan oder Seagate ihren offiziellen Sitz in Irland haben, mit ihren Hauptquartieren nicht wirklich dorthin gezogen. Sie sind in Großbritannien und den USA geblieben. Der wesentliche Grund dafür ist, dass sie in regionale oder nationale Netzwerke eingebunden sind, die sie nicht einfach ohne große Einbußen an Qualität und Leistungsfähigkeit aufgeben können.

Und Apple spart zwar Steuern über seine Niederlassung in Irland, das Headquarter mit allen entscheidenden Abteilungen ist aber im Silicon Valley. Das Angebot an hochqualifizierten Arbeitskräften dort, die Kontakte zu Stanford und Berkeley, die informellen Netzwerke etc. lassen sich eben nicht nach Irland transferieren.

Ähnliches gilt auch für deutsche Autokonzerne und den deutschen Maschinenbau. Für Unternehmen, die wie die russischen oder chinesischen enger an den Staat beziehungsweise an die Märkte bzw. Rohstoffe in einem Land gebunden sind, trifft das noch stärker zu.“

* Michael Hartmann, Jahrgang 1952, war von 1999-2014 Professor für Soziologie an der TU Darmstadt. Arbeitsschwerpunkte: Eliten-, Management- und Hochschulforschung im intern-ationalen Vergleich. Im Jahr 2002 erhielt er den Thyssen-Preis für den besten sozialwissen-schaftlichen Aufsatz des Jahres, 2010 den Thyssen-Preis für den zweitbesten sozialwissen-schaftlichen Aufsatz des Jahres und 2008 den Preis der Deutschen Gesellschaft für Sozio-logie für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der öffentlichen Wirksamkeit der Sozio-logie. Wichtige Buchveröffentlichungen: Der Mythos von den Leistungseliten (2002); Elite-soziologie (2004); Eliten und Macht in Europa (2007); Soziale Ungleichheit – Kein Thema für die Eliten? (2013); Die globale Wirtschaftselite (2016).

Michael Hartmann
Die globale Wirtschaftselite – eine Legende
Broschiertes Buch
September 2016
Campus Verlag
24,95 Euro

Leseprobe: http://www.buecher.de/shop/globalisierung/die-globale-wirtschaftselite/hartmann-michael/products_products/detail/prod_id/45001821

HARTMANN-die-globale-Elite_NDS-Interview161125.pdf

KRYSMANSKI-Nachrufe von Rilling und Zurawski + ein weiterer Krys-Text

Anlässlich des für viele überraschenden und von wenigen zur Kenntnis genommenen Todes von Hans Jürgen Krysmanski stieß Martin Zeis auf einige Texte, die den Forschungsansatz und das Andenken an diesen Forscher sehr gut kennzeichnen.
Stephan Best
++++

Eröffnungsreferat zur Tagung ‚Neue Formen der Überwachung’, Universität Hamburg, 8./9.9.2005 H.J. Krysmanski
… und wer überwacht die Herrschenden?

Ohne vom Thema dieser Tagung ablenken zu wollen, möchte ich Ihre Aufmerksamkeit auf die amerikanische Forschungstradition des Power Structure Research lenken. Power Structure Research spielt in der deutschen Soziologie eine Randrolle – trotz eines gewissen Interesses für einen der Gründer dieser Forschungsrichtung, C. Wright Mills (1916-1962). PSR hat aber ganz zentral mit den theoretischen und praktischen Problemen kontrollierender sozialer Beobachtung zu tun. PSR lenkt den Blick auf den großen Bruder, auf ‚die da oben’, auf die Herrschenden, letztlich auf den Souverän, welcher über die kontrollierenden Beobachtungspraktiken eines Gemeinwesens verfügt oder verfügen sollte.

Mit anderen Worten, PSR beschäftigt sich mit Herrschaftshandeln im Sinne der berühmten Frage: what does the ruling class do when it rules? Für die Bearbeitung dieser Frage eignet sich der Begriff der Machtelite besser als der Begriff der herrschenden Klasse. Und hier beginnen die Schwierigkeiten, die Carl Schmitt so ausgedrückt hat: „Elite sind diejenigen, deren Soziologie niemand zu schreiben wagt.“
Soziologen haben zwar die Risikogesellschaft erfunden und mögen folglich risikobereit sein. Doch wagemutig sind die wenigsten. Zu diesen wenigen gehören die Vertreter des PSR.

(…)

KRYSMANSKI-wer-überwacht-die-Herrschenden050909.pdf
KRYS-Nachrufe -Rilling-Zurawski160701ff.pdf