Vollgeld-Infobrief der Monetative – Juni 2016 — Bank of England e rmöglicht Nichtbanken den Zugang zu elektronischem Zentralbankgeld


From: Martin Zeis <martin.zeis>
Sent: Mittwoch, Juni 29, 2016 16:42
Subject: Vollgeld-Infobrief der Monetative – Juni 2016 — Bank of England ermöglicht Nichtbanken den Zugang zu elektronischem Zentralbankgeld
To: <globalcrisis%martin.zeis>

Gesendet: Mittwoch, 29. Juni 2016 um 14:30 Uhr
Von: „Monetative e.V.“ <mail>
Betreff: Vollgeld-Infobrief der Monetative

Neuigkeiten und Termine für alle, die sich für das Thema Finanzordnung und die Vollgeldreform interessieren.
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Vollgeld-Infobrief Juni II 2016
Liebe Geldreform-Interessierte,

die Debatte über das Geldsystem erreicht inzwischen auch ein traditionelles Zentrum des weltweiten Finanzsystems – die Bank of England. Sicher nicht zufällig, denn England war immer schon ein wichtiger Finanzstandort, und dort wurden auch früher schon wichtige Reformen angestoßen: Erinnert sei an die Peel’sche Bankakte von 1844, nach der das Drucken von Banknoten nur noch der Bank of England erlaubt war. Die negativen Auswirkungen der Banken-Geldschöpfung sind nirgends so eindrücklich zu beobachten wie in England: Der Großteil neu geschöpften Geldes fließt in den Immobiliensektor, was zu den schwindelerregenden Wohnungspreisen zum Beispiel in London geführt hat. Das ungerechte Geldsystem dürfte auch ein wichtiger Grund sein, der zur wachsenden Unzufriedenheit der englischen Bevölkerung mit ihrer Regierung geführt hat, die jetzt den „Brexit“ ausgelöst hat. Jetzt macht die Bank of England wieder einen wichtigen Reformschritt:

Bank of England ermöglicht Nichtbanken den Zugang zu elektronischem Zentralbankgeld

Unsere englische Schwesterorganisation „Positive Money“ meldete vor kurzem, dass die Bank of England mit Presseerklärung vom 17. Juni 2016 auch Zahlungsdienstleistern, die selbst keine Banken sind, den Zugang zum Zahlungssystem der Zentralbank ermöglichen möchte. Diese Meldung erscheint recht unscheinbar, stellt aber einen Meilenstein in der Politik der englischen Zentralbank dar. Wir begrüßen den erweiterten Zugang zu Zentralbankkonten, da wir davon ausgehen, dass in den nächsten Jahren immer mehr innovative Zahlungsdienstleister (Fintechs) entstehen werden, die zunehmend als Konkurrenz zu Banken betrachtet werden. Es ist daher wichtig, dass die Zentralbanken diese Entwicklung erkennen und diesen jungen und innovativen Unternehmen die Teilnahme am bestehenden Zahlungssystem mit Zentralbankgeld ermöglicht. Schnell könnten sich sonst rein private Zahlungssysteme als Alternative ausbauen und weiter etablieren.

Unsere Forderung lautet daher: Auch die Deutsche Bundesbank sollte Zahlungsdienstleistern einen solchen Zugang gewähren. Das wäre der erste Schritt zu sicheren Konten durch echtes, digitales Geld von der Zentralbank. Der Zahlungsverkehr insgesamt würde an Sicherheit gewinnen und die Entwicklung von innovativen und neuen Zahlungsdienstleistern außerhalb der traditionellen Banken würde gefördert. Auch bestehende Banken und Sparkassen könnten prinzipiell solche „sicheren“ Zahlungsverkehrs-Konten anbieten, wenngleich sie ihren Kunden dann wohl erklären müssten, warum Girokonten nicht prinzipiell sicher sind. Innerhalb unseres Vereins führen wir schon länger eine Debatte über „Sichere Konten“, einige Beiträge dazu sind hier aufgelistet.

Die von unserer englischen Schwesterorganisation „Positive Money“ angeschobene Diskussion in England war erfolgreich. Warum also nicht auch in Deutschland? Für einen Zugang zu elektronischem Zentralbank-Geld für alle bräuchte es nach unserer Einschätzung keine Gesamtreform der Euro-Zone, sondern könnte auch in einzelnen Ländern von den nationalen Zentralbanken umgesetzt werden. Obwohl diese Meldung derzeit in den „Brexit-Wirren“ weitgehend untergeht, darf man nicht unterschätzen, wie wichtig ein Zugang zu elektronischen Zentralbank-Konten für Nichtbanken ist. Solche Finanz-Reformen in nicht EU-Ländern wie Schweiz, Island und jetzt auch England können jedenfalls die Diskussion über das Geldsystem in der Eurozone entscheidend voranbringen. Ein Vertreter der Bank of England, Michael Kumhof, wird auf unserer Jahrestagung 2016 in Frankfurt/Main am 12. November anwesend sein (siehe auch Termine). Dort können auch Sie mit ihm diskutieren.

Zentralbankkonten für alle in der Schweiz?

Einen interessanten Beitrag zur Schweizer Vollgeld-Debatte gibt es in der Neuen Züricher Zeitung von Dirk Niepelt, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bern und Direktor am Studienzentrum Gerzensee. Er hält es für ausreichend, dass elektronische Zentralbankkonten für alle angeboten werden, dass also das gesetzliche Zahlungsmittel allen Bankkunden auch in elektronischer Form zugänglich ist. Er befürchtet, dass das Verbot privater Geldschöpfung in einer Vollgeldreform zu einschneidend wäre und von den Banken umgangen würde. Theoretisch wäre es möglich, dass die Schweizer Regierung einen solchen Vorschlag als Alternative zu einer Vollgeldreform zur Abstimmung stellt. Das wäre unserer Meinung nach jedenfalls schon ein großer Schritt in die richtige Richtung. Der Teufel liegt dann im Detail, zum Beispiel bei der Frage, ob der Staat Steuerzahlungen nach wie vor in Banken-Giralgeld akzeptieren würde, oder ob diese dann in Zentralbankgeld geleistet werden müssten. Auch der Rechtsstatus von Banken-Giralgeld bliebe ungeklärt, wie auch die Art und Weise der Verbuchung dieses Geldes in den Bankbilanzen. Eine vertiefte Stellungnahme zum Vorschlag von Prof. Niepelt folgt im nächsten Rundbrief.

Neues Monetative-Logo

Nach längerer interner Diskussion haben wir uns entschlossen, das obige neue Logo für unseren Verein einzuführen. Ursprünglich war einmal gedacht, dass die diversen europäischen Vollgeld-Initiativen ein ähnliches Logo mit ihrer jeweils eigenen Landesflagge verwenden. Es hat aber jede Initiative ein ganz eigenes Logo entwickelt. Deutschland-Flagge und „halboffizielle“ EU-Sterne in unserem Logo haben aber zu manchen Missverständnissen geführt. Deswegen jetzt ein neues, moderneres Logo, und wir hoffen, dass es Ihnen gefällt. Wie Sie sicher schon bemerkt haben, haben wir in den letzten Wochen auch das allgemeine Design des Infobriefs aufpoliert und nun an das neue Logo angepasst.

Neues aus Presse und Medien

– Es gibt eine neue Veröffentlichung vom IMF zur Geldschöpfung der Banken, „The Truth about Banks“ von Michael Kumhof und Zoltán Jakab: „Banks are not intermediaries of real loanable funds, as is generally assumed in the mainstream neoclassical macroeconomics literature.“

– Der Kreditopferverein Österreich hat einen „Offenen Brief“ an die Rektorin der Wirtschaftsuniversität Wien verfasst in dem er zu Stellungnahme zur Geldschöpfung in der Lehre auffordert. Die eher enttäuschende Antwort der Rektorin und eine Stellungnahme dazu findet sich hier.

– Stefan Schulmeister vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung kritisiert Vollgeld in seinem Beitrag „Das Vollgeldsystem – notwendige Reform oder gefährliches Allheilmittel?“. Unser österreichisches Mitglied Raimund Dietz hat sich die Mühe gemacht, hierzu eine Replik zu verfassen..

– Unser Mitglied Dr. Timm Gudehus hat beim renommierten Springer-Verlag in der Reihe „Springer-Essentials“ seinen Beitrag Neue Geldordnung als kurze Broschüre veröffentlicht.

Geplante Aktionen und Professionalisierung der Monetative

In naher Zukunft möchten wir verstärkt kampagnenorientiert arbeiten und im Verein auch einige Schritte in Richtung Professionalisierung gehen, da der Arbeitsumfang für solche Aktionen und auch für die Verwaltung unseres wachsenden Vereins kaum mehr ehrenamtlich zu bewältigen ist. Zeitnah werden wir daher in einem gesonderten Rundbrief unsere Pläne für zukünftige Projekte vorstellen und für Ihre Unterstützung werben.

Viele Grüße
Klaus Karwat und Lino Zeddies

Nächste Termine
04.07. 14 Uhr: Monetative-Vorstandssitzung (für Mitglieder öffentlich),
und ab 19:00: Monetative Infoabend „Einführung in das Vollgeldsystem“, Merseburger Str. 14, 10823 Berlin

27.08. Workshop: „Wem gehört unser Geld? Potentiale einer Vollgeldreform“ durch Lino Zeddies als Teil des Eigentumskongresses in Berlin

01.09., 18 Uhr: Vortrag „Vollgeld: Ein Weg zu einem krisenfesten und modernen Geldsystem“ von Klaus Karwat in Chemnitz, im Rahmen der Ausstellung „Geld“ im Staatlichen Museum für Archäologie, Stefan-Heym-Platz 1, 09111 Chemnitz

07.10, 18 Uhr: Einführung in das Vollgeldsystem, ab 20 Uhr dann „Monetärer Liederabend“, Merseburger Str. 14, 10823 Berlin

12.-13.11.: Monetative-Jahrestagung in Frankfurt/Main zum Thema Bargeld/Digital Cash/Fintechs (mit u.a. Michael Kumhof von der Bank of England und Norbert Häring, Journalist beim Handelsblatt)

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Dies ist der offizielle Infobrief von: Monetative e.V. Merseburgerstr. 14
Berlin 10823 Germany

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