Guten Tag,
was die TeilnehmerInnen dieser Liste – in Sonderheit der englisch-sprachigen – seit Langem wissen, ebenso Leute, welche wie die eifrig in den social media recherchierende Autorin des folgenden Handelsblatt-Reports: immer mehr Menschen in der Ukraine, gerade auch wehrfähige Männer, widersetzen/entziehen sich auf verschiedenen Wegen dem Krieg gegen die eigenen Landsleute im Donbass – als ob sie den Aufruf des Theologen Eugen DREWERMANN auf der Abschlusskundgebung des Berliner Bündnisses FRIEDENSWINTER am 13.12.2014 vor Schloss Bellevue, dem Amtssitz Gaucks, gehört hätten: Sagt N E I N !! (siehe: YouTube-Clip, 27:37 min, URL: https://www.youtube.com/watch?v=88xxWfegO_s)
Diese höchst erfreuliche Entwicklung zeigt — wie auch die im Report geschilderten Einstellungen/Urteile jüngerer Menschen zum US-Puppet-Regime in Kiew und seinen oligarchischen Trägern und Vorläufern –, dass die Legitimation des Regimes rapide schwindet und nur mit brutaler Repression über Wasser gehalten werden kann. Die massive Emigration der – v.a. jungen – Fachkräfte beschleunigt diese Aushöhlung.
Grüße,
Martin Zeis
— P.S.: Der vollständige Report von Nina JEGLINSKI ist als pdf-Datei (3 S.) im Anhang verfügbar —
www.handelsblatt.com/politik/international/militaerdienstverweigerer-in-der-ukraine-alles-nur-nicht-in-die-armee/11695580.html
MILITÄRDIENSTVERWEIGERER IN DER UKRAINE
Alles – nur nicht in die Armee
von Nina Jeglinski
HB, 04.05.2015
Hiobsbotschaft Einberufungsbescheid: Allein in Kiew entziehen sich 95 Prozent der Wehrfähigen dem Militärdienst. Firmen machen falschen Angaben, um ihre Mitarbeiter zu schützen. Manche Männer gehen sogar noch weiter.
Kiew Dmitri kann aufatmen. Der junge Mann stammt aus der ostukrainischen Industriestadt Dnipropetrowsk und hat sich über Kiew nach Turin in Italien abgesetzt – „gerettet“, wie er sagt. „Ich hoffe, ich kann im Laufe des Jahres an einer Uni in Italien studieren“, sagt er im Gespräch über Skype. Was er derzeit macht, bleibt unklar. Eine Verwandte habe ihn nach Italien eingeladen.
Dmitri ist 22 Jahre alt und hatte sich mehrere Monate in Kiew versteckt, weil er im Herbst 2014 einen Einberufungsbefehl erhalten hatte. „Ich will nicht in die Armee“, sagte er damals. Ursprünglich wollte er sich in Kiew an einer der vielen Universitäten einschreiben, um der Armee zu entgehen, „doch dann erhielt ich die Möglichkeit, ins richtige Europa zu gehen“, sagt er. 60.000 Soldaten will die Ukraine in den nächsten fünf Monaten ausbilden. Doch allein in Kiew entziehen sich 95 Prozent der Wehrfähigen dem Militärdienst.
Es ist ein offenes Geheimnis, dass sich diejenigen, die es können, vom Militärdienst freikaufen. Erst vor wenigen Wochen wurde im westukrainischen Czernowitz ein Arzt medienwirksam verhaftet, der für die Ausstellung ärztlicher Atteste zur Dienstuntauglichkeit bei den Streitkräften bis zu 3500 Euro pro Unterschrift kassierte.
Doch solche Beispiele schrecken die meisten Männer nicht ab. Vor allem in der West-Ukraine, in den Regionen Transkarpatien, Iwano-Frankiwsk und Lwiw sind in den vergangenen Monaten mehr als 60 Prozent der arbeitsfähigen Männer ausgereist. Markijan ist bereits kurz nach Neujahr in den Bus gestiegen und zu seiner Arbeitsstelle in die EU gefahren. Der Mann heißt eigentlich anders, seine Familie lebt in der Region Lwiw. Markijan arbeitet seit Jahren als Saisonarbeiter in der EU, erst bei einem Spargelbauern und später im Sommer als Erntehelfer.
Das Geld, das er dort in fünf oder sechs Monaten verdient, schickt er zu seiner Familie. Bis zu 70 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung sind in der Westukraine im benachbarten Polen oder in Rumänien tätig. Viele gehen in Italien, Deutschland oder Österreich einer Arbeit nach. (…)
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