Das Feld nicht den gewalttätigen Extremisten überlassen – TP 05.01.20105


Marcus Klöckner 05.01.2015

Daniele Ganser geht davon aus, dass die verdeckte Kriegsführung noch immer betrieben wird

Im Interview mit Telepolis geht der Schweizer Historiker und Friedensforscher Daniele Ganser auf die aktuelle Entwicklung über das Oktoberfestattentat, das Feindbild Islam und die Auseinandersetzung zwischen dem Westen und Russland ein. Ganser spricht sich dafür aus, dass die Ukraine neutral bleibt und keinen Beitritt zur NATO anstreben sollte. Daniel Ganser ist Leiter des Swiss Institute for Peace and Energy Research.

(…) „Die verdeckte Kriegsführung ist für Sie als Historiker eines Ihrer Arbeitsgebiete. Wie sieht es heute damit aus? Findet die verdeckte Kriegsführung auch heute noch Anwendung?

Daniele Ganser: Davon müssen wir leider ausgehen. Nehmen wir zum Beispiel die Ukraine. Dort hat es am 20. Februar 2014 auf dem Maidan in Kiew ein Massaker durch Scharfschützen gegeben. Das Massaker führte zum Sturz von Janukowitsch und danach zum Ausbruch des Krieges in der Ukraine. Ein Politologe in Kanada, Ivan Katchanovski, hat nun zu diesem 20. Februar geforscht und herausgefunden, dass vermutlich nicht Janukowitsch, sondern Verbündete der jetzigen Regierung hinter dem Anschlag stehen (siehe dazu in Telepolis: Scharfschützenmorde in Kiew). Wenn das so stimmt, und das wäre ungeheuerlich, dann hätten wir hier ein sehr aktuelles Beispiel von False Flag Strategy of Tension, also genau dieser Technik, welche ich in meinem Buch zu den NATO-Geheimarmeen für den Kalten Krieg beschrieben habe.

Was hat es mit dem „Feindbild Islam“ auf sich?

Daniele Ganser: Leider nehmen die Spannungen zwischen Christen und Muslimen zu. Das ist sehr bedauerlich. Denn wir haben mehr als 2 Milliarden Christen und mehr als 1,5 Milliarden Muslime auf der Welt. Es darf nicht sein, dass nun die Extremisten in beiden Gruppen zum Kampf der Religionen aufrufen.

Im Nordsudan hat der muslimische Diktator Omar al Bashir seine Gegner als „Insekten“ und „giftiges Ungeziefer“ bezeichnet. Viele Christen wurden getötet. Das heißt in einigen muslimischen Ländern wird die Religionsfreiheit nicht geschützt, wie das in Deutschland und der Schweiz der Fall ist. Das ist sehr besorgniserregend und schürt die Spannungen. Auch die ISIS in Syrien und Irak hat keinen Respekt für andere Religionen, das sind Fanatiker. Auf der anderen Seite haben wir aber auch in den USA christliche Hassprediger, die zum Kampf gegen den Islam aufrufen. Auch das sind Fanatiker. Zudem ist es in den USA weiterhin sehr schwierig, die Terroranschläge vom 11. September 2001, welche den Kampf der Religionen stark anfachten, kritisch zu untersuchen, vor allem den Einsturz von Gebäude WTC7, das damals nicht von einem Flugzeug getroffen wurde.

Kurzum: Es ist aus der Sicht der Friedensforschung sehr wichtig, dass man das Feld nicht den gewalttätigen Extremisten aus welcher Religion auch immer überlässt. Wir brauchen mehr Stimmen für Frieden, Gewaltlosigkeit und Toleranz.“ (…)
http://www.heise.de/tp/artikel/43/43757/1.html

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