Von: Elke Schenk <e.schenk>
Datum: 4. September 2014 13:55:04 MESZ
An: globalcrisis%martin.zeis
Betreff: Aachener Friedenspreis 2014 – Laudatio von Gabriele Krone Schmalz
Guten Tag zusammen,
der Aachener Friedenspreis wurde am 1.9. an CODEPINK und LEBENSLAUTE
verliehen.„CODEPINK ist eine von Frauen initiierte Graswurzelbewegung für Frieden und
soziale Gerechtigkeit, die sich zum Ziel gesetzt hat, die US-finanzierten
Kriege und Besatzungen zu beenden, den globalen Militarismus zu bekämpfen und
die bisher für Rüstung und Kriegszwecke eingesetzten (US-amerikanischen)
Finanzmittel stattdessen in Gesundheit, Bildung, „Green Jobs“ usw. zu
investieren.“„Unter dem Namen LEBENSLAUTE engagieren sich seit 1986 bundesweit rund 300
MusikerInnen in einem Protestorchester, das sich meist einmal jährlich in
Chor- und/oder Orchesterstärke zu einer größeren bundesweiten Protestaktion,
dazwischen auch in kleineren Ensembles zu regionalen Aktionen zusammenfindet:
„Wir machen Musik zu einer gewaltfreien Aktion zivilen Ungehorsams.“Weitere Informationen und die lesenswerten Dankesreden der Preisträger, sind
abrufbar unter:
http://www.aachener-friedenspreis.de/preistraeger/archiv/jahr-2014.htmlDie Laudatio hielt Gabriele Krone Schmalz.
Sie ist – leider in relativ schlechter Bild- und Tonqualität in drei Teilen
auf youtube verfügbar.
https://www.youtube.com/watch?v=-pNkKzaPneEAus der Textfassung wird im Folgenden der Anfang wiedergegeben, die
vollständige Laudatio findet sich als pdf-Datei im Anhang.DOKUMENTIERT:
Aachener Friedenspreis 2014
Laudatio für die Preisträger
Von Gabriele Krone-Schmalz
Preise übergeben zu dürfen ist immer eine freudvolle Sache, „der Ernst des
Lebens“ bleibt vor der Tür, allen ist nach Feiern zumute. Freudvoll ist das
hier heute auch und ich freue mich aus vielen Gründen, über die ich gleich
reden möchte, ganz besonders, aber es hat ja keinen Zweck zu verdrängen, dass
ausgerechnet 100 Jahre nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs der
Antikriegstag wichtiger geworden ist denn je.
Und es hat eine bizarre Symbolik, dass die deutsche Regierung in der
vergangenen Nacht beschlossen hat, an kurdische Milizen im Nordirak Waffen zu
liefern, und der Bundestag – der in dieser Angelegenheit gar nichts zu sagen,
was auch bemerkenswert ist – hat diesen Beschluss mit der erdrückenden
Mehrheit einer großen Koalition unterstützt.
Heute Morgen im Radio hat eine Kollegin einem Politikwissenschaftler die
berechtigte Frage gestellt: was läuft da schief, wenn 70 % der Bevölkerung
gegen diese Waffenlieferungen sind, aber die überwältigende Mehrheit des
Bundestages dafür, und die Antwort ihres Gesprächspartners lief
darauf hinaus, dass wir in Deutschland schließlich keine direkte Demokratie
haben – da läuft also nichts schief – und Abgeordnete und Regierung hätten nun
einmal gegenüber der Bevölkerung eines Wissensvorsprung. Das müsse man
akzeptieren. Pardon, ich akzeptiere das nicht. Und zwar aus einem ganz
einfachen Grund: es sind falsche politische Entscheidungen von denjenigen mit
dem unterstellten Wissensvorsprung, die uns alle erst in solche Situationen
bringen, in denen der moralische Druck unerträglich wird und in der Frage
gipfelt: willst Du etwa durch deine pazifistische Gefühlsduselei dazu
beitragen, dass unschuldige Menschen abgeschlachtet werden.
Nein, das will ich ganz und gar nicht, und jetzt ist es in der Tat im Grunde
unmöglich, das Richtige zu tun, es ist die klassische Situation einer
Tragödie, man kann sich nicht mehr zwischen richtig und falsch entscheiden,
sondern nur noch zwischen falsch und falsch. Aber es wird Zeit, diesen
Teufelskreis zu durchbrechen.
Ob Irak oder Ukraine – falsche politische Entscheidungen des Westens, der mit
Siegermentalität durch die Welt trampelt, sind für einen großen Teil der
Probleme verantwortlich, die uns jetzt um die Ohren fliegen.
…(Forts. s. Datei im Anhang)
Viele Grüße
Elke Schenk
globalcrisis/globalchange-News
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