80 Jahre Überfall auf die Sowjetunion – Rede des Bundespräsidenten Frank-Walter STEINMEIER zum 80. Jahrestages des Überfalls der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion

18.06.2021

(…) Hundertausende Zivilisten in der Ukraine, in Belarus, in den baltischen Staaten und in
Russland wurden Opfer von Bombenangriffen, wurden als Partisanen unerbittlich gejagt und
ermordet. Städte wurden zerstört, Dörfer niedergebrannt. Auf alten Fotografien ragen nur
noch verkohlte steinerne Kamine aus einer verwüsteten Landschaft.
Es werden am Ende 27 Millionen Tote sein, die die Sowjetunion zu beklagen hat. 27
Millionen Menschen hat das nationalsozialistische Deutschland getötet, ermordet,
erschlagen, verhungern lassen, durch Zwangsarbeit zu Tode gebracht. 14 Millionen von
ihnen waren Zivilisten.

Niemand hatte in diesem Krieg mehr Opfer zu beklagen als die Völker der damaligen
Sowjetunion. Und doch sind diese Millionen nicht so tief in unser kollektives Gedächtnis
eingebrannt, wie ihr Leid, und unsere Verantwortung, es fordern.
Dieser Krieg war ein Verbrechen – ein monströser, verbrecherischer Angriffs- und
Vernichtungskrieg. Wer heute an seine Schauplätze reist, wer Menschen begegnet ist, die
von diesem Krieg heimgesucht wurden, der wird an den 22. Juni 1941 erinnert – auch ohne
Gedenktag und Mahnmal.
Spuren dieses Tages finden sich in alten Menschen, die ihn als Kinder erlebten, und in den
jüngeren, in ihren Enkeln und Urenkeln. Man findet sie von der Weißmeerküste im Norden
bis zur Krim im Süden, von den Ostsee-Dünen im Westen bis Wolgograd im Osten. Es sind
Zeichen des Krieges, Zeichen der Zerstörung, Zeichen des Verlustes. (…)

https://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Frank-Walter-Steinmeier/Reden/2021/06/210618-D-Russ-Museum-Karlshorst.html?nn=9042544