Nicht russische Bots, sondern Hillary Clinton hat die Wahl 2016 verloren

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Nicht russische Bots, sondern Hillary Clinton hat die Wahl 2016 verloren
Von Luke Savage
5-6 Minuten

Inmitten des allgemeinen Medienwirbels, der die Präsidentschaftswahlen 2016 umgab, wurde das Schreckgespenst der „russischen Bots“ schnell zu einem tragenden Begriff. Es hieß, eine von Russland ausgehende Social-Media-Kampagne habe Websites wie Twitter mit gefälschten Konten überschwemmt und so dazu beigetragen, die Wahl zugunsten von Donald Trump zu entscheiden. In liberalen Kreisen wurde diese Geschichte bald zum Selbstläufer. Seitdem spielt sie eine wichtige Rolle in der Berichterstattung der Mainstream-Medien über die Wahl 2016, war Gegenstand von vielbeachteten Anhörungen im Kongress und spielte auch im weltweiten Diskurs über „Fake News“ eine große Rolle.

Dass die russische Regierung Trump gegenüber Hillary Clinton bevorzugt hat und dass mit Russland in Verbindung stehende Akteure im Zusammenhang mit der Wahl digitale Betrügereien betrieben haben, ist eigentlich unbestritten. Ein Großteil der Mainstream-Diskussion über russische Bots basierte jedoch auf ungeprüften Annahmen über das Ausmaß und die Wirksamkeit dieser Bemühungen. Mächtige Staaten, darunter auch die Vereinigten Staaten, betreiben schließlich regelmäßig Online-Propaganda und Sockenpuppen-Kampagnen. Ob sie einen mehr als vernachlässigbaren Einfluss auf das reale Geschehen haben, sei es bei Wahlen oder anderweitig, ist eine andere Frage.

Es ist daher bemerkenswert, dass eine neue, vom Center for Social Media and Politics der New York University veröffentlichte Analyse keinerlei Beweise dafür findet, dass die von Russland ausgehende Twitter-Desinformation irgendeinen bedeutenden Einfluss auf das Wählerverhalten im Jahr 2016 hatte. Anstelle der regelmäßig beschworenen schrecklichen Bot-Armee beschreiben die Forscher stattdessen ein Unternehmen mit minimaler Reichweite oder minimalem Einfluss, das sich überwiegend auf parteigebundene Republikaner konzentriert, die bereits geneigt sind, für Trump zu stimmen.

Sie schätzen, dass bis zu zweiunddreißig Millionen US-Twitter-Nutzer in den acht Monaten vor der Wahl 2016 Tweets von mit Russland verbündeten Konten „ausgesetzt“ gewesen sein könnten. In Zahlen ausgedrückt mag das nach viel klingen, ist es aber nicht, wenn man die schiere Menge an Beiträgen und Informationen berücksichtigt, mit denen die Nutzer sozialer Medien täglich konfrontiert werden. Wie der Bericht es ausdrückt:

Während die Befragten im letzten Monat des Wahlkampfs im Durchschnitt etwa 4 Posts von russischen Konten mit ausländischem Einfluss pro Tag sahen, waren sie im Durchschnitt 106 Posts pro Tag von nationalen Nachrichtenmedien und 35 Posts pro Tag von US-Politikern ausgesetzt. Mit anderen Worten: Die Befragten sahen 25-mal mehr Beiträge von nationalen Nachrichtenmedien und 9-mal mehr Beiträge von Politikern als Beiträge von russischen Konten mit ausländischem Einfluss.

Die bloße Exposition ist natürlich nicht unbedingt gleichbedeutend mit Einflussnahme. Wie bei der Werbung können politisch motivierte Inhalte als Hintergrundrauschen fungieren, wenn sie bestimmte Zielgruppen nicht erreichen oder keinen Einfluss auf die Zielgruppen haben. In beiderlei Hinsicht ist die Studie ziemlich eindeutig: Die russischen Twitter-Bemühungen wurden nicht nur durch Posts von Medien und Politikern in den Schatten gestellt, sondern die tatsächliche Exposition gegenüber diesen Inhalten konzentrierte sich stark auf eine Untergruppe von Parteikonservativen:

Die Ergebnisse ... zeigen, dass das Ausmaß der Exposition wesentlich von der selbst identifizierten Parteizugehörigkeit der Nutzer abhängt: Diejenigen, die sich als "starke Republikaner" identifizieren, waren etwa neunmal so vielen Posts von russischen Konten mit ausländischem Einfluss ausgesetzt wie diejenigen, die sich als Demokraten oder Unabhängige identifizieren.

Und selbst dann war es unwahrscheinlich, dass dies zu einer Änderung der Einstellung oder des Verhaltens führte. Die Forscher kommen zu folgendem Schluss:

Wir konnten keine bedeutsamen Zusammenhänge zwischen der Exposition gegenüber Posts von russischen Konten mit ausländischem Einfluss und Veränderungen in der Einstellung der Befragten zu bestimmten Themen, der politischen Polarisierung oder dem Wahlverhalten feststellen.

Auch wenn es, wie die Autoren der Studie eilig anmerken, einige Einschränkungen bei der Analyse gibt (sie beschränkt sich auf Twitter-Beiträge im Gegensatz zu anderen Arten von Medieninhalten oder Beiträgen in anderen Netzwerken), bietet sie dennoch überzeugende Beweise dafür, dass das Narrativ von den „russischen Bots“ bei der Wahl 2016 die Auswirkungen der von Russland ausgehenden Bemühungen in den sozialen Medien auf den Ausgang der Wahl stark überbewertet hat. Das Ergebnis ist eine Darstellung des Jahres 2016, die manchmal nicht mit der Realität übereinstimmt und in der eine in der Praxis relativ unwirksame Operation eine Flut von angstbesetzter und oft rasender Medienberichterstattung hervorgerufen hat.

Wenn die Geschichte mit den russischen Bots an Fahrt gewonnen hat, ohne dass es dafür eine empirische Grundlage gab, liegt das unter anderem daran, dass sie den traumatisierten Liberalen eine saubere und einfache Erklärung für ein Ergebnis bot, das sie im Jahr zuvor für unmöglich gehalten hatten. So unheimlich die Idee auch sein mag, eine ausländische Kampagne mit digitaler Zauberei war immer ein besserer Schuldiger als die Litanei institutioneller und politischer Versäumnisse, die es Donald Trump ermöglichten, Präsident zu werden.

In einer anderen Welt hätte der November 2016 diejenigen, die an diesen Versäumnissen beteiligt waren, vielleicht zu einer echten Selbstreflexion veranlasst. Stattdessen wurde er zu einem Anlass für hyperbolische und oft fadenscheinige parteiische Erzählungen, die es bequemerweise vermieden, die notwendigen Fragen zu stellen – und im Gegenzug die dreieckige Ideologie des Clinton-Liberalismus vom Haken ließen.

Übersetzt mit DeepL

Biden-Laptop: „Eine der erfolgreichsten Desinformations-Kampagnen in der modernen Geschichte amerikanischer Wahlen“

Nachdenkseiten

06.12.2022

Quelle: Biden-Laptop: „Eine der erfolgreichsten Desinformations-Kampagnen in der modernen Geschichte amerikanischer Wahlen“

Facebook – Cambrigde Analytica und die Erstellung von Psychogrammen

Elke Schenk
globalcrisis/globalchange NEWS 21.3.2018

Guten Tag zusammen,

derzeit schlägt der Missbrauch von Facebook-Daten durch die Firma Cambridge Analytica zur Beeinflussung der US-Wähler zugunsten Trumps hohe Wellen. Der ergiebigste Artikel zum Thema findet sich auf dem Blog Police IT *): „Der Skandal ist nicht das ‚Datenleck‘, sondern die Erstellung von Psychogrammen über Millionen von Nutzern“. Es wird nachvollziehbar erklärt und durch Belege abgesichert, wie das Ganze abgelaufen ist, man erfährt Hintergründe und Personalien zu den beteiligten Firmen. Die Programme zur personalisierten Werbung (Mikrotargeting) an Kunden und Wähler/innen hatten ihre Vorbilder in entsprechenden militärischen Strategien „Information Operations“ oder „Influence Operations“. Nutzerprofile aus allen möglichen verfügbaren Daten erstellen zu können, interessiert nicht nur Werbeleute und Wahlkampfstrategen, sondern auch Geheimdienste und Polizei, die Zugriff auf alle online angefallenen Daten erhalten sollen, wie der Artikel am Beispiel des geplanten bayrischen Polizeigesetzes zeigt.

Schon kurz nach der Wahl Trumps geriet Cambrigde Analytica in den Fokus der Aufmerksamkeit, worüber Stephan Best am 5.12.2016 über diesen Verteiler informierte: https://steven25.com/2016/12/05/ich-habe-nur-gezeigt-dass-es-die-bombe-gibt-das-magazin-das-magazin/

Alle Zitate aus dem police-it-Artikel sind im Anhang verfügbar und abrufbar unter: https://police-it.org/millionen-von-facebook-nutzern-unfreiwillig-psychologisch-vermessen

Der russisch-amerikanische Psychologe namens Aleksandr Kogan, tätig an der Universität in Cambridge, entwickelte ein Modell, das es erlaubt, psychologische Persönlichkeitsprofile von Menschen zu erstellen, Psychografie genannt.

„Sie „vermisst“ das Wesen bzw. Verhalten eines Menschen, indem sie das Individuum vergleicht mit einem Modell der Persönlichkeit, das aus verschiedenen Dimensionen besteht. […] Kogan gründete eine Firma Global Science Research und begeisterte die Firma in der Nachbarschaft – eben Cambridge Analytica – von seiner Idee: Die Persönlichkeitsprofile von Nutzern im Internet zu messen und zu bestimmen. Und damit in der Lage zu sein, deren Verhalten besser einschätzen zu können. Oder, noch besser, um deren Verhalten durch Belieferung mit zielgerichteten Inhalten, die sich am Persönlichkeitsmuster des einzelnen ausrichten, beeinflussen zu können. Die Interessenten am Test mussten sich mit ihrem Facebook-Login anmelden. Die Nutzer hatten eingewilligt, dass ihre Daten zu Forschungszwecken gespeichert werden. […] Die meisten waren sich nicht darüber im Klaren, dass die App von Mr. Kogan (,wie übrigens viele andere Apps auch, achten Sie mal drauf!) u.a. auch die Facebook-Kontaktliste ihrer Freunde und Bekannten auslas. Diese neuen Facebook-Nutzernamen ermöglichten den Zugriff auf weitere Nutzerprofile, quasi im Schnellballsystem. Insgesamt sollen davon 50 Millionen Facebook-Profile amerikanischer Nutzer betroffen sein. […] Diese Daten soll Kogan weitergegeben haben an die Firma SCL/Cambridge Analytica [c]. So steht es in den länglichen Artikeln des Wochenendes bei Observer/Guardian und New York Times [1] [2]. […]“

Cambrdge Analytica habe daraus personalisierte Wahlwerbung zugunsten der Wahl Trumps generiert.

„Der Ansatz ist deshalb so perfide, weil der individuelle Nutzer zum Objekt einer ‚psychografischen‘ Auswertung gemacht wird, ohne dass er davon weiß, geschweige denn zugestimmt hat. Und dass zur Grundlage dieser Auswertung Texte, Kontakte und Interessen des Nutzers gemacht werden, von denen der Nutzer nicht wusste, dass sie zur psychografischen Vermessung herangezogen werden.“

Polit IT verweist insbesondere auf den damit einher gehenden Angriff auf Grundrechte:

„Was wäre eigentlich geschehen, wenn Kogan bzw. Cambridge Analytica die Daten bei Facebook einfach GEKAUFT hätten? Alle Artikel zum Aufreger dieses Wochenendes wären dann nicht geschrieben worden. Denn bisher hat man sich lediglich darüber aufgeregt, dass „Facebook angezapft“ wurde, dass es ein angeblich „riesengroßes Datenleck“ gegeben hätte usw. Dass Millionen von Nutzern ohne ihr Wissen psychografiert werden, regt dagegen niemanden auf.

Es regt auch niemanden auf, dass Facebok und Google (und andere) persönliche Mitteilungen aus Messenger-Diensten oder Emails ganz selbstverständlich mitlesen und auswerten. Dass viele Apps ganz selbstverständlich die Standortdaten nutzen wollen (wichtig für das Einkaufen in den

Geschäften!), auf die Kontaktliste oder auf Fotos und Videos zugreifen wollen. […] Wozu, bitteschön?!?!

Steckt hinter dieser Nonchalance und Duldsamkeit gegenüber permanent stattfindenden Eingriffen in die Privatsphäre ein im Kapitalismus generierter Fehlglaube, dass wer dafür bezahlt auch ein Recht darauf hat?! […]

Und bei den Polizeibehörden und Nachrichtendiensten träumt man natürlich auch davon, was – wie uns Edward Snowden berichtet hat – die Amerikaner mit XKEYSTROKE, PRISM & Co längst können. Profile anlegen über nahezu jeden Menschen – weltweit, solange er nur irgendwo im Telefonverkehr, Email oder beim Chatten, auf Blogs, Foren oder sonstigen Plattformen seine Spuren hinterlassen hat. Palantir (hervorgegangen aus Ebay und Paypal) sagt, sie hätten dafür eine Lösung. […]

Und nun kommen wieder Facebook, Google & Co ins Spiel. Denn den totalen Rundum-Blick auf Bürger, Gefährder und Straftäter erreicht Polizei doch erst dann, wenn sie auch umfassend die Daten „aus dem Internet“ nutzen darf, also Nutzungsdaten von Google, Facebook & Co. Das halten

Sie für weit hergeholt?! Nicht so weit, wie Sie denken: Denn im Entwurf zum neuen bayerischen Polizeiaufgabengesetz [7] ist vorgesehen, dass die Polizei von Telemedienanbietern (= Gesetztext-Lingo für Google, Facebook & Co) „Auskunft über dort gespeicherte Nutzungsdaten verlangen kann und dass sich dieses Auskunftsverlangen auch auf künftige Nutzungsdaten erstrecken kann.“

Der bayerische Landesvater, unter dessen Regentschaft dieses Polizeiaufgabengesetz im Bayerischen Landtag eingebracht wurde, wurde soeben Bundesinnen-, Bau- und Heimatminister.“

*) Aus der Selbstdarstellung des Blogs: „Nachrichten, Hintergründe und Analysen über Polizei, ihre Informationen und Informationssysteme“

https://police-it.org/ueber-police-it

Mein Name ist Annette Brückner und ich bin der verantwortliche Herausgeber dieser Seite. Mein Berufsfeld seit 1993 waren polizeiliche Informations-systeme. Ich war mitverantwortlich für die Konzeption und Entwicklung von Polygon, das als informationstechnische Plattform für die Sachbearbeitung, Analyse und Auswertung von komplexen Verfahren seit 1993 bei großen Polizeibehörden im Ausland (Ungarn, Slowakei, u.a. im Auftrag des Bundesministerium des Innern) und in Brandenburg eingesetzt wurde bzw. wird. Als Designer der Anwendungen war ich sehr „dicht und direkt“ dran an der Bedarfslage der Polizeibeamten – und manchmal auch an deren Gemütslage. Und als Projektleiter kenne ich die vertrieblichen bzw. administrativen Seiten, wie Beschaffung, Vertragsgestaltung und – vor allem – das laufende Projektmanagement.

Facebook-Cambridge-Analytica-Psychogramme-police-it-2018_03_19.pdf