Oliver STONE’s „The Putin Interviews“ (Part I- IV – English Subtitles) now generally accessible

globalcrisis/globalchange NEWS
Martin Zeis / martin.zeis@gmxpro.net

Dear all,

since June 16, 2017 the complete series of Oliver STONE’s „The Putin Interviews“ (Part I-IV – English Subtitles) is generally accessible:

Part 1 – 57:50

https://www.youtube.com/watch?v=xejO7e2xUJc

Part 2 – 57:41

https://www.youtube.com/watch?v=E68wDqTfHmg

Part 3 – 57:51

https://www.youtube.com/watch?v=0S6d3wHq5tk

Part 4 – 56:38 min

https://www.youtube.com/watch?v=5wJGB8X3Fb0

„Will the Oliver Stone interview change any minds? It’s too soon to tell“, notes James George JATRAS, former U.S. diplomat and foreign policy adviser to the Senate GOP leadership, in a recent article and evaluates the feedback of the American media:

„… It remains to be seen whether Oliver Stone’s extended interview with Putin on the Showtime network will have any impact. So far the commentary seems to be divided between descriptions of the substance of the discussion and attacks on Stone for talking with such a bad, bad man: «Speaking after the interview, Stone refuted allegations that he became an unwitting messenger of pro-Putin propaganda or of dishonest information given by the president».

With regard to substance, relatively little attention has been accorded in American media to Putin’s flat accusation that U.S. «special services» have supported terrorists, including in Chechnya. Of course anyone paying attention would know that arming jihadists is a standard part of U.S. policy, going back at least to Afghanistan in the 1980s and repeated in Bosnia, Kosovo, Libya, and today in Syria. Indeed, as early as the 1950s the U.S. had established a very close relationship with the Muslim Brotherhood and its terrorist elements as a weapon against Egypt’s Gamal Abdel Nasser and Baathists in Syria and Iraq, who Washington thought were a little too cozy with the Soviet Union and far too socialist and secular for the taste of our pals in Saudi Arabia and the Gulf.

There is a real symbiosis between the anti-Russian imperative in American foreign policy and support for radical Islamic elements. It did not end when the Soviet Union and communism collapsed but rather was intensified. This is why Moscow’s constant calls for a common front against terrorism are always rebuffed. Such cooperation doesn’t make any sense for anomenklatura whose number one goal is hostility to Moscow and for whom jihadists are at worst «frienemies» – people who may be troublesome but useful.

We can only imagine how completely different the world would be if the U.S. were to recognize that Russia is a country that in many respects is not that different from the United States or Europe and that we had common interests. But for the U.S. Deep State, that would amount to switching sides in a global conflict, where we see jihadists essentially as «freedom fighters» against a geopolitical adversary. These same clueless «elites» are then puzzled when their carefully nurtured, cuddly, «moderate» jihad terrorists attack us back here at home. …“ — emphasis, m.z. —

Source: https://www.strategic-culture.org/news/2017/06/16/it-the-russia-stupid.html

Qatar crisis sets in motion realignments | Réseau International (english)

12.06.2017 Four days have passed since the terrorist strikes in Tehran but Iran has not retaliated with any “surgical strike” against Saudi Arabia – and, typically, there isn’t going to be any. The political leadership pointed the accusing finger at Saudi Arabia, US and Israel. Supreme Leader Ali Khamenei said that the terror strikes “will only increase hatred for the governments of the United States and their stooges in the region like the Saudis.” However, Iran will not react in a hurry, given the crisis over the Saudi-Qatar standoff that is fraught with profound consequences for regional politics. (…)

Full text attached:

BHADRAKUMAR Qatar crisis sets realignments 20170612

M K Bhadrakumar

http://blogs.rediff.com/mkbhadrakumar/2017/06/11/qatar-crisis-sets-in-motion-realignments/

 

Quelle: Qatar crisis sets in motion realignments | Réseau International (english)

KenFM-Positionen 10: Trump – Chance oder Katastrophe für Europa?

Veröffentlicht am 28.04.2017 Donald Trump!
Das schlichte Erwähnen dieses Namens reicht, um Menschen auf dem gesamten Globus in zwei Lager zu spalten. Entweder man steht Trump wohlwollend gegenüber, wartet ab, was er tun wird oder man verachtet ihn, unabhängig davon, wie er während seiner Amtszeit handelt.Die, die Trump verachten, halten ihn für einen hochgefährlichen, egozentrischen Wirrkopf. Den Dieter Bohlen der USA. Nur, dass Trump nicht als Kopf einer Casting-Show agiert, sondern über die Codes der US-Atombomben verfügt. Trump hat es ins Weiße Haus geschafft. Wie konnte das passieren und was bedeutet sein Wahlsieg speziell für das Schicksal Europas? Anders als die bekennenden Gegner Trumps sind diejenigen, die ihn schlicht als Nachfolger Obamas sehen, nicht automatisch seine Fans. Ihnen fällt nur auf, dass Trump vor allem von den Massenmedien des Westens so dargestellt wird, wie zuvor all jene politischen Führer, die sich nicht bedingungslos den Interessen des amerikanischen Geldadels unterordnen wollen. Trump, das liegt auf der Hand, gehört einer anderen Elite als seine Vorgänger an, was nicht zwingend bedeutet, dass amerikanische Außenpolitik mit ihm besser wird. Entscheidend für die Beobachter ist, die Zeit des politischen Schwarz-Weiß-Denkens ist vorbei, was auch mit dem Aufkommen alternativer Medien und der Dynamik sozialer Netzwerke zu tun hat. Immer mehr Menschen rund um den Globus bilden sich ein eigenes, unabhängiges Weltbild, das deutlich komplexer ist, als von Konzern-Medien bisher vorgegeben. Hier läuft ein Lernprozess, der das, was man politische Analyse nennt, dorthin outsourced, wo es in einer echten Demokratie hingehört: an die Basis. Die Zeit der medialen Bevormundung ist mit dem Netz vorbei und macht die Frage „Trump – Chance oder Katastrophe für Europa?“ erst sinnvoll. Die Antwort darauf muss nämlich komplex sein und darf sich nicht vom Schubladendenken der medialen Gatekeeper manipulieren lassen. In der zehnten Ausgabe von Positionen geht es um weit mehr als Trump. Es geht darum, ob wir, die Bürger, in der Lage sind, uns unserer eigenen Scheuklappen zu entledigen.
Zu all diesen Fragen diskutierten im März diesen Jahres folgende Gäste miteinander:
Hans-Christof von Sponeck – Diplomat der Vereinten Nationen von 1968-2000; tätig u.a. in Pakistan, Ghana, Botswana, Irak
Andreas von Bülow – Mitglied des Deutschen Bundestages von 1969-1994 (SPD); Geheimdienstexperte und SachbuchautorFlorian
Ernst Kirner – a.k.a. Prinz Chaos II; politischer Aktivist und Liedermacher
Hannes Hofbauer – Journalist, Historiker und Verleger bei ProMedia
Inhaltsübersicht:
00:26:43 Die Chancen der Präsidentschaft Donald Trumps
00:35:07 Ist die Konfrontation Europa – Russland nur vertragt? Die Beziehungen zwischen dem Trump Lager und Russland
00:54:33 Wie kann sich der Einzelne einbringen um den Zusammenhalt in der Basisbevölkerung zu stärken?
01:09:17 Das Versagen der UNO und der repräsentativen Demokratie
01:21:33 Trump – sein Verhältnis zum Staat und dem Neoliberalismus
01:28:54 Politisches Handeln im Sinne des Miteinanders – Moralische Grundsätze und eine Aussöhnung mit Russland
01:33:15 Populismus und Politik: Wie sich Rückgrat und der Abbau von Feindbildern auswirken
01:50:30 Das neue Online-Magazin Rubikon
02:04:19 „Planetarismus“ – ein neues Verständnis der Welt
02:18:00 Was bedeutet Trump für Russland?
02:24:56 Wo liegt die Chance bzw. Katastrophe mit Trump?
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Rezension der Nachdenkseiten zu Michael LÜDERS Bestseller 25 April, 2017

Globalcrisis/globalchange NEWS

Stephan Best

24.04.2017

Hallo an die Listen,

Angesichts einer vielkanaligen Schlammschlacht gegen den Autor Michael LÜDERS fällt eine Rezension bei den Nachdenkseiten besonders positiv aus dem Rahmen, den die Verunglimpfer gesteckt haben.

Am Ende seines unbedingt lesenswerten Buches ‚Die den Sturm ernten’ finden sich erstaunliche Feststellungen des Autors:

„Alles in dieser Welt schwitzt das Verbrechen aus: die Zeitung, die Mauern und das Gesicht des Menschen.»

Baudelaire

(…)

„Vieles von dem, was ich, der Autor dieses Buches, im Verlaufe der Recherche erfahren musste, hätte ich am liebsten gar nicht erst gewusst – weil auf einmal vermeintliche Gewissheiten oder längst verinnerlichte Überzeugungen auf dem Prüfstand stehen. Wie geht man damit um, wenn das, was zu den größten Errungenschaften unserer Zeit gehört, nämlich Freiheit und Demokratie, in der Geopolitik zu purem Zynismus verkommt?“

Auszug aus: Lüders, Michael. „Die den Sturm ernten.“

Michael Lüders muss nach der Recherche zu seinem Buch eine nachhaltige Erschütterung heimgesucht haben. Angesichts seiner Einsichten und Fakten, die er vermittelt, erscheint bloße Empörung gegenüber Neokolonialismus und westlicher Geopolitik etwas zu kurz gesprungen. Etwas weiter geht da schon der Leserbriefschreiber Marco Wenzel, der anstatt am Ende seiner Mail dem Empörungsstau eine weitere Empörung hinzu zu fügen zu klaren Handlungskonsequenzen gelangt.

Nachfolgend dokumentiere ich eine gelungene Rezension von Udo BRANDES auf den NachDenkSeiten zusammen mit zwei Leserbriefen.

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DOKUMENTATION

20. April 2017 um 9:22 Uhr | Verantwortlich: Albrecht Müller

Rezension von Michael Lüders neuem Buch über den Syrienkrieg und zwei Lesermails zum Thema

Veröffentlicht in: Rezensionen

Wie bekannt ist, hat der Nahost-Experte Michael Lüders ein weiteres Buch zum Syrienkrieg vorgelegt. Udo Brandes hat es für die Nachdenkseiten gelesen. Sein Fazit: Eine unverzichtbare Lektüre für alle, die sich ein differenziertes Bild vom Syrienkrieg machen möchten. Siehe zum Thema auch das Interview mit Michael Lüders auf den NachDenkSeiten: Anne Will arbeitet mit einer bösartigen Unterstellung, so Michael Lüders im NDS-Interview. – Passend zum Thema folgen als Anlage noch ein Leserbriefe von Bernd Duschner und eine Mail von Marco Wenzel, einem NachDenkSeiten-Leser aus Thailand. Albrecht Müller.

„Ich empöre mich, also sind wir“

Eine Rezension von Udo Brandes

Michael Lüders hat seinem neuen Buch (Titel: „Die den Sturm ernten. Wie der Westen Syrien ins Chaos stürzte“) ein Zitat des 2015 verstorbenen SPD-Politiker Egon Bahr vorangestellt:

„Wenn ein Politiker anfängt, über ‚Werte’ zu schwadronieren, anstatt seine Interessen zu benennen, wird es höchste Zeit, den Raum zu verlassen.“

Ich selbst hatte mir vor längerer Zeit ein ähnliches Zitat von Egon Bahr archiviert. Anlässlich einer Diskussion mit Schülern in der Ebert-Gedenkstätte in Heidelberg gab Egon Bahr diesen Folgendes mit auf den Weg:

„In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte. Es geht um die Interessen von Staaten. Merken Sie sich das, egal, was man Ihnen im Geschichtsunterricht erzählt.“ (Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung vom 04.12.2013)

Regime-Change-Politik für geopolitische Interessen

Auch in Syrien, so Lüders, gehe es nicht um Werte, sondern um Interessen:

„Geopolitik ist dabei das Schlüsselwort. (….) Auf syrischem Boden kämpfen die USA und Russland, aber auch der Iran und Saudi-Arabien und nicht zuletzt die Türkei um Macht und Einfluss. Die Hauptakteure allerdings sind seit 2012 Washington und Moskau.“ (S. 11)

Lüders zeigt anhand vieler Beispiele, dass die USA seit Jahrzehnten versuchen, ihre Interessen durch eine Regime-Change-Politik durchzusetzen – obwohl dieser Ansatz regelmäßig gescheitert ist. Aber genauso unbelehrbar wie ein neurotischer Mensch, der seine Konflikte zu lösen versucht, indem er genau das Verhalten verstärkt, das ihm seine Probleme beschert, versuchen die US-Regierungen immer wieder aufs Neue, mit Regime-Change-Politik ihre Interessen durchzusetzen.

Eine wichtige Rolle spielen dabei die Geheimdienste, insbesondere der CIA. Dieser wurde 1947 mit zwei Aufträgen gegründet, so Lüders: Erstens sollte er Informationen sammeln sprich spionieren. Und zweitens sollte er verdeckte Operationen ausführen, um unliebsame Regierungen zu stürzen, die die Interessen der USA stören. Was nur wenigen Menschen bewusst sei: Diese Art von Interventionen habe Millionen von Menschen das Leben gekostet.

„Wer etwa die endemische Bandengewalt im heutigen Zentralamerika, den Putsch gegen Chiles Präsidenten Allende 1973, den Aufstieg Pol Pots in Kambodscha in der 1970er Jahren, den Staatszerfall im Kongo oder die iranische Revolution verstehen will, landet unweigerlich in Washington oder Langley, dem Sitz der CIA. Syrien reiht sich ein in diese Chronik – seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges, als die USA die vormaligen Kolonialmächte Großbritannien und Frankreich als entscheidender Machtfaktor im Nahen und Mittleren Osten abzulösen begannen.“ (S. 13)

Das Muster der US-Politik sei immer gleich: Es werden oppositionelle Gruppen unterstützt, die das bestehende Regime bekämpfen – womit die US-Regierungen sich regelmäßig höchstselbst neue Feinde heranzüchteten. So zum Beispiel in Afghanistan. Dort finanzierten und bewaffneten die USA mit saudischer und pakistanischer Unterstützung die Mudschahedin, also Glaubenskämpfer, die gegen die sowjetischen Truppen kämpften. Genau aus diesen Glaubenskämpfern gingen später Al-Quaida und die Taliban hervor. Auch Osama Bin Laden gehörte zu diesen Glaubenskämpfern.

Werte: Chiffre für die Legitimation militärischer Gewalt

Die USA schreckten bei ihrer Regime-Change-Politik auch nicht davor zurück, demokratische Regierungen zu stürzen. So wurde 1953 der demokratisch gewählte iranische Ministerpräsident Mossadegh durch einen von britischen und US-Agenten inszenierten Putsch gestürzt. Sein Fehler war: Er hatte es gewagt, die Erölindustrie zu verstaatlichen. Durch den Staatsstreich kam der Schah an die Macht – und wurde seinerseits von der Islamischen Revolution hinweggefegt, was Lüders als

„zeitversetzte, radikale Antwort auf den Putsch von 1953“ (S. 18)

einordnet. Man kann Lüders also beim besten Willen nicht widersprechen, wenn er sagt:

„Im Kontext von Geopolitik sind ‚Werte’ wenig mehr als eine Chiffre, die der Eigenlegitimation militärischer Gewalt dient – zur Durchsetzung hegemonialer Macht. Ähnlich wie in kolonialen Zeiten das Wort von der ‚Zivilisation’, an die heranzuführen es die Eingeborenen angeblich galt – um mit Hilfe dieser Umschreibung so unschöne Begriffe wie Ausbeutung oder Landraub zu vermeiden.“ (S. 164)

Die Fakten, mit denen Lüders seine Position begründet, sind erdrückend. Dies war erst jüngst bei der Talkshow Anne Will zu beobachten, zu der auch Michael Lüders als Experte eingeladen war. Dort wurde schnell die argumentative Hilflosigkeit des medialen und politischen Mainstreams sichtbar. Anne Will sah sich genötigt, Michael Lüders als Person zu diffamieren, weil sie offensichtlich nicht wusste, wie sie seine Argumente entkräften sollte. Ebenso der ehemalige US-Botschafter John Kornblum, der zum stigmatisierenden Schlagwort „Verschwörungstheorie“ griff. (Siehe dazu auch auf den Nachdenkseiten hier und hier).

Geopolitische Interessen in Syrien

Was konkret sind nun die geopolitischen Interessen, um derentwillen diverse Mächte in Syrien Krieg führen? Zum einen geht es dabei um eine Erdgaspipeline. Das Golfemirat Katar gab im Jahr 2000 Pläne für den Bau einer Pipeline bekannt, die zehn Milliarden Dollar kosten sollte und über 1500 Kilometer durch Saudi Arabien, Jordanien und Syrien bis in die Türkei führen sollte.

„Die Katar/Türkei-Pipeline, sollte sie je gebaut werden, würde den wirtschaftlichen und politischen Einfluss der sunnitischen Herrscherhäuser am Golf gegenüber Teheran stärken. Entsprechend wurden die katarischen Pläne in Washington umgehend begrüßt. Und auch die Europäische Union, die rund ein Drittel ihres Bedarfs aus Russland bezieht, stand dem Projekt aufgeschlossen gegenüber.“ (S. 71)

Aus westlicher Sicht bedeutet der Bau einer solchen Pipeline überdies, dass die Gaspreise sinken würden und die Abhängigkeit von russischem Gas für die Europäische Union geringer würde. Von den sinkenden Preisen würde auch die Türkei profitieren, und zudem noch von Transitgebühren, die bei einer Pipeline über türkisches Gebiet fällig würden. Deshalb kommt Lüders zu dem Schluss:

„Es verwundert nicht, dass Moskau die Pipeline als existentielle Bedrohung ansieht. (…) Alternativ schlug Russland den Bau einer ‚Islamischen Pipeline’ vor, die von der iranischen Seite des Gasfeldes über Irak und Syrien in den Libanon führen sollte. “ (S. 71)

2009 kam dann das endgültige Aus für die Katar/Türkei-Pipeline, als Assad erklärte, dass er dem Verlauf der Pipeline über syrisches Gebiet nicht zustimmen werde. Stattdessen wurde der Bau einer sogenannten „Islamischen Pipeline“ vorangetrieben.

„Im Juli 2012, als der Krieg in Syrien auch Damaskus und Aleppo erreicht hatte, verständigten sich die Regierungschefs Syriens, Iraks und Irans auf ein ‚Memorandum of understanding’ für Investitionen in Höhe von 10 Milliarden Dollar – für den Bau einer ‚islamischen’ Pipeline-Variante.“ (S. 72)

Michael Lüders legt in seiner Darstellung nahe, dass diese Entscheidung ein wichtiges Motiv für die USA gewesen sei, das Assad-Regime zu stürzen. Er verweist dazu auf einen Artikel von Robert F. Kennedy junior, einen Neffen von John F. Kennedy.

Aber der Konflikt in und um Syrien sei keineswegs allein auf das Pipeline-Projekt zurückzuführen. Er sei vielmehr Teil eines noch viel größeren geopolitischen Puzzles. Es sei den USA seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion darum gegangen, das Machtvakuum zu nutzen, um ihre Vormachtstellung im Nahen und Mittleren Osten auszubauen. Er zitiert dazu den ehemaligen Staatssekretär im Pentagon, Paul Wolfowitz. Der habe 1991 gesagt:

„Ich denke mal, dass wir noch fünf bis zehn Jahre Zeit haben, um unter den alten sowjetischen Klientelregimen aufzuräumen – Syrien, Iran, Irak. Bis dann die nächste Supermacht auf den Plan tritt und uns Grenzen setzt.“ (S. 75)

Genau diesen Widerstand und die Grenzen ihrer Macht erlebten die USA nun in Syrien. Moskau habe in Afghanistan einen Regime Change hingenommen, ebenso im Irak 2003. Aber spätestens 2011 beim Sturz Ghaddafis sei aus Moskaus Sicht die rote Linie überschritten worden. Hieraus erkläre sich die harte Haltung Moskaus, das Syrien niemals aufgeben werde, weil dieses genau wie die Ukraine der Hinterhof Russlands sei.

Auch wenn man nicht jede einzelne These von Michael Lüders teilen sollte: Nach der Lektüre seines Buches wird man nur noch milde lächeln können, wenn Ursula von der Leyen oder Angela Merkel mal wieder von der „westlichen Wertegemeinschaft“ sprechen. Und der Öffentlichkeit weismachen wollen, diese „Wertegemeinschaft“ würde in Syrien oder anderswo Freiheit, Demokratie oder Menschenrechte militärisch verteidigen. Es geht immer um knallharte Interessen. Wenn wirklich die genannten Werte eine Rolle spielten, würden westliche Länder nicht ein Land wie Saudi Arabien mit Waffen beliefern. Ein Land, auch das beschreibt Michael Lüders in seinem Buch, das einen grausamen Krieg gegen Jemen führt und dort bewusst zivile Strukturen wie Schulen, Krankenhäuser oder die Wasserversorgung zerstört. Dort habe es bis Ende 2016 schon mehr als 10.000 Todesopfer gegeben. Humanitär sei die Lage vergleichbar katastrophal wie in Syrien. 14 Millionen Menschen litten unter Mangelernährung. Warum wird dieser Krieg in westlichen Medien kaum zur Kenntnis genommen? Vielleicht weil die „westliche Wertegemeinschaft“ dort das Gegenteil von Freiheit, Demokratie und Menschenrechten unterstützt?

Die Fratze, die uns ein Spiegelbild vorhält

Ich kann Michael Lüders Fazit nur zustimmen:

„Der ‚Islamische Staat’ und andere dschihadistische Gewalttäter sind nichts weniger als die Fratze, die uns ein Spiegelbild vorhält, die Quittung präsentiert für ein Jahrhundert Unterwerfung. Baschar al-Assad darf sicherlich als Schwerverbrecher gelten. Aber sind George W. Bush, Dick Cheney, Paul Wolfowitz, Tony Blair oder Nicolas Sarkozy, um eine beliebige Auswahl zu treffen, so viel besser? Wer andere Länder systematisch und gezielt zerstört, der sollte sich nicht wundern, wenn eines Tages die Bomben auch im eigenen Vorgarten hochgehen. Auf diesen Zusammenhang hinzuweisen rechtfertigt keinen Terror, aber es hilft, ihn zu verstehen.“ (S. 166/167)

Was also tun? Diese Frage stellt auch Michael Lüders und empfiehlt, Medien, Politiker und sogenannte Denkfabriken immer wieder kritisch zu hinterfragen. Und verweist auf ein Zitat von Albert Camus: „Ich empöre mich, also sind wir.“

Wer sich nicht von dem moralisierenden Gut/Böse-Schema des medialen und politischen Mainstreams den Blick vernebeln lassen will und sich ein differenziertes Bild vom Syrienkrieg machen möchte, für den ist dieses Buch eine unverzichtbare Lektüre. Es informiert umfassend über die Hintergründe des Syrienkrieges sowie über historische, politische und soziale Entwicklungen der Staaten im Nahen und Mittleren Osten. Ich kann es nur empfehlen.

Michael Lüders: Die den Sturm ernten. Wie der Westen Syrien ins Chaos stürzte, C. H. Beck-Verlag, München 2017, 176 Seiten, 14,95 Euro

Anlage:Zwei Lesermails zum Thema:

1. Leserbrief von Bernd Duschner im Donaukurier

Anbei ein am 19.4.2017 veröffentlichter Leserbrief von Bernd Duschner zum US-Angriff auf Al-Schairat. Dazu schreibt er: „Leider wird die schändliche Rolle der Führung der syrischen Kurden als Handlanger der USA bei der Zerlegung des syrischen Staates bei weiten Teilen der Friedensbewegung nicht erkannt.“

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2. Ein Übersichtsartikel von Marco Wenzel aus ThailandVon roten Linien und Giftgas in Syrien

Ciao Stephan Best

Albrecht MÜLLER: „Trump: Berlin soll NATO-Schulden zahlen“ – Diese dreiste Forderung sollten wir mittelfristig mit dem Austritt aus der NATO beantworten.

Elke Schenk

globalcrisis/globalchange NEWS 22.3.2017

Auszüge aus dem Beitrag von Albrecht Müller, Herausgeber der „Nachdenkseiten“, sind unten einkopiert, der vollständige Text im Anhang und unter der angegebenen url.

Einige Anmerkungen von mir am Schluss der Mail.

http://www.nachdenkseiten.de/?p=37517

22. März 2017 um 9:20 Uhr | Verantwortlich: Albrecht Müller

„Trump: Berlin soll NATO-Schulden zahlen“ – Diese dreiste Forderung sollten wir mittelfristig mit dem Austritt aus der NATO beantworten.

„Berlin soll NATO-Schulden bezahlen“ – das war die Titelschlagzeile der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom vergangenen Sonntag. Trump hatte in einem Tweet verlautbart: „Deutschland schuldet der NATO große Summen & die Vereinigten Staaten müssen mehr Geld für die starke und sehr teure Verteidigung erhalten, die sie Deutschland zur Verfügung stellen.“ Das ist eine unglaubliche Einlassung, sie stimmt hinten und vorne nicht. So geht der Chef eines Imperiums mit dem Vasallen um, er fordert Tribut. Ohne Rücksicht auf die wahren Verhältnisse. Albrecht Müller.

Deutschland hat keine Schulden an die NATO. Dass die USA so hohe Militärausgaben haben (2016: 664 Milliarden $, zum Vergleich Deutschland: 41,67 und Russland 2015: 66,4 Milliarden $), ist die Folge dessen, dass sie unentwegt Kriege in der Welt führen. Das ist die eigene Entscheidung der bisherigen Regierungen der USA.

Die NATO war eindeutig als Verteidigungsbündnis gegründet. (1)

Dieser NATO sind wir beigetreten. Mit dem Ende des West-Ost-Konfliktes 1989/1990 war diese Funktion beendet. Zwischen dem Westen und dem größten Nachfolgestaat des Warschauer Paktes, Russland, bestand damals die Absicht, die gegenseitige Aggression zu beenden und gemeinsam für Sicherheit zu sorgen. (2) Die Rüstungsetats hätten dann in allen Staaten Europas einschließ-lich Russlands und der NATO-Staaten USA und Kanada sinken können. […]

Auf Betreiben der USA ist die NATO vom Verteidigungsbündnis an der Grenze nach Osten zu einem weltweit tätigen Militärbündnis umgebaut und auch in den Dienst imperialer Absichten der USA gestellt worden. Das lag und liegt nicht in deutschem Interesse und auch nicht in europäischem Interesse. […]

Deutschland hat sich auf Wunsch und Drängen der USA an den Militäraktionen beteiligt. Die USA und die NATO-Administration haben uns um die sogenannte Friedensdividende gebracht. […]

Unsere Sicherheit kann nicht auf Rüstung und Militär gründen. Wir brauchen dauerhaft die Verständigung mit Russland und wir müssen das nach dem Fall von Mauer und Konfrontation formulierte Projekt verwirklichen: Gemeinsame Sicherheit. […]

Die Konsequenz für unser Land: wir müssen uns aus der Umklammerung durch die USA lösen. Das kann nur mittelfristig gehen. Aber wir müssen heute mit der Planung beginnen. Dabei ist vieles zu bedenken. Aber das Ziel ist nach den Erfahrungen der letzten Jahre und der deutlich erkennbaren Fehlentwicklung der USA ziemlich klar und unumstößlich. […]

NATO-Austritt undenkbar?

Vermutlich halten selbst Leserinnen und Leser der NachDenkSeiten die Empfehlung, den Austritt aus der NATO zu erwägen und zu planen, für zu radikal. Für die große Mehrheit unserer sogenannten Eliten gilt das sowieso. Das ist schon aus einem einfachen Grund sehr eigenartig:

Die Zugehörigkeit zu einem Krieg führenden Militärbündnis ist ja kein Pappenstiel. Zu einem solchen Bündnis, verbunden mit einer Beistandsverpflichtung in absehbar kritischen Situationen zu gehören ist gefährlich und setzt eine bewusste Entscheidung voraus. Wann ist diese Entscheidung in Deutschland demokratisch diskutiert worden? Wann ist sie demokratisch gefällt worden?

Es gab in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts eine ausführliche Debatte um den NATO Beitritt Deutschlands. Immerhin. […]

Über die Veränderung der NATO hin zu einem militärischen Interventionsbündnis wurde in Deutschland weder ausführlich debattiert noch demokratisch entschieden. […]

Auch im Bundestagswahlkampf für die Wahl im September 1998 kam dieses Thema nach meiner Erinnerung nicht zur Sprache. Die zum Bundeskanzler und zum Vizekanzler nominierten Personen Gerhard Schröder und Joschka Fischer wurden offensichtlich bei einem Besuch in Washington, der im Oktober 1998 nach der Bundestagswahl und vor der Wahl der beiden Personen zum Kanzler und Vizekanzler durch den Deutschen Bundestag stattfand, auf die Veränderung des Charakters der NATO eingeschworen.(3) Im März 1999, also ein halbes Jahr später, beteiligte sich Deutschland an der militärischen Intervention außerhalb des NATO-Bereichs gegen Restjugoslawien, dem sogenannten Kosovokrieg. Dabei spielten erkennbar US-amerikanische Interessen eine besondere Rolle. So haben die USA danach im Kosovo eine ihrer großen Militärbasen außerhalb ihres eigenen Landes aufgebaut. […] (4)

Wenn wir uns jetzt auf den Weg machen würden, die nicht demokratisch zustande gekommene Entscheidung, einem Bündnis anzugehören, das in erster Linie nicht mehr Verteidigungsbündnis, sondern militärisches Interventionsbündnis ist, zu korrigieren, dann ist das keine radikale Tat, sondern eher eine Selbstverständlichkeit.

Anmerkungen Elke Schenk:

(1) Schon an diesem Selbstbild der NATO sind Zweifel berechtigt. Die Nato wurde 4 Jahre nach der UNO mit ihrer friedenspolitischen Grundlagencharta gegründet. Die Gründung steht im Zusammenhang mit dem Kalten Krieg und dem Ziel des „containments“ bzw. „roll-back“ des kommunistischen, d. h. antikapitalistischen Systems. Den Warschauer Pakt gab es erst 1955.

(2) Vgl. die „Charta von Paris“: Das „Zeitalter der Konfrontation und der Teilung Europas (ist) zu Ende gegangen“, so dass in „Europa ein neues Zeitalter der Demokratie, des Friedens und der Einheit“ anbricht.

(3) Müller nimmt die bundesdeutschen Regierungen in Schutz und stellt sie m. E. zu sehr als Opfer des US-Drucks dar. Ich warte auf den Tag, an dem eine deutsche Regierung sich öffentlich hinstellt und, wie de Gaulle, der eigenen Bevölkerung berichtet, welche Methoden die USA anwenden, um Gefolgschaft zu sichern, und die Bevölkerung aufruft, sie zu schützen in ihrem Widerstand gegen illegale Machenschaften der USA / NATO.

(4) Bei der Militärbasis handelt es sich um das Camp Bondsteel. Über diese US-Interessen schreibt Willy Wimmer in einem Offenen Brief an Kanzler Schröder in seinem Bericht über eine Tagung des US-Außenministeriums und des American Enterprise Institutes im Mai 2000: „Der Krieg gegen die Bundesrepublik Jugoslawien sei geführt worden, um eine Fehlentscheidung von General Eisenhower aus dem 2. Weltkrieg zu revidieren. Eine Stationierung von US-Soldaten habe aus strategischen Gründen dort nachgeholt werden müssen.“ Die NATO-Osterweiterung sei Teil einer Strategie, Russland aus Europa herauszudrängen und eine westliche Einflusssphäre von St. Petersburg über Ost- und Südost-Europa bis Anatolien sicherzustellen.

MUELLER-Austritt-aus-der-Nato-NDS2017_03_22.pdf

Norbert HÄRING Warum die Bundesbank nicht mehr Gold aus New York abziehen darf 09.02.2017

Guten Morgen an die Listen.
Die Bundesbank hat nach eigenen Angaben 2016 die Teilmenge von 300 Tonnen Gold aus NEW York nach Frankfurt geholt. Dabei stellt sich die berechtigte Frage, weshalb denn nur so wenig und nicht vielleicht sogar sämtliche Bestände? Die Zahlen und die Gründe für ein Verbot von weiterer Ausfuhr von ‚eigenem‘ Gold durch nicht-amerikanische Mächte spricht Bände. Allerdings erscheint es inzwischen leichter angesichts einer aus europäischer Sicht vertragsuntreuen US-Regierung eigene Sicherheitserwägungen stärker als bisher ins Spiel zu bringen.

Ciao Stephan Best
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Globalcrisis/globachange News
Stephan Best 15.02.2017

Quelle: Warum die Bundesbank nicht mehr Gold aus New York abziehen darf

09.02.2017

Warum die Bundesbank nicht mehr Gold aus New York abziehen darf

Norbert Häring

Die Bundesbank hat am 9. Februar mit großer Fanfare verkündet, dass sie ihre geplanten Goldverlagerungen von 300 Tonnen aus New York nach Frankfurt 2016 bereits abgeschlossen hat. Die Erfolgsmeldung lenkt davon ab, dass nun entgegen deutschem Interesse dauerhaft ein sehr großer Teil des deutschen Goldes in New York bleiben wird, verwahrt von einer Organisation, die den Wall-Street-Banken gehört, in einem Land, dessen Präsident rechtsstaatliche Grundsätze für eine Zumutung hält. Weshalb das so ist, ist nicht allzu schwer zu erraten.

Ich will die Bundesbank nicht kritisieren. Sie hat so viel Gold aus New York geholt, wie man dort bereit war, ihr zu geben. Sie dürfte hart verhandelt und dafür sogar tief in die Trickkiste gegriffen haben. Jedenfalls hat der 2012 an die Öffentlichkeit gelangte kritischen Rechnungshofbericht, der sie unter Zugzwang setzte, ihrer Verhandlungsposition gegenüber New York alles andere als geschadet. Denn die Federal Reserve of New York wurde auch im eigenen Land bereits verdächtigt, dass mit dem Gold etwas nicht stimmen könnte, das sie nicht nur gegen Kriminelle, sondern auch gegenüber den Besitzern hermetisch abschirmt. Der Verdacht schwirrte durch die notorisch viel gelesenen Medien der Gold-Bugs, dass sie deshalb nicht bereit sei, den Eigentümern etwas davon herauszugeben. In dieser Situation konnte sie ohne massiven Reputationsverlust der unter Druck der Öffentlichkeit stehenden Bundesbank unmöglich eine Teilherausgabe des deutschen Goldes verweigern.

Die Informationen darüber, wann die Bundesbank und andere Notenbanken wie viel Gold aus New York ausgehändigt bekamen, und die diversen Widersprüche, in die sich die Bundesbank verstrickte, sind alle kaum mit der offiziellen Lesart in Einklang zu bringen, dass die Bundesbank einfach sagen durfte, wie viel Gold sie haben wollte, und die New York Fed dieses bereitwillig aushändigte. Sie passen dagegen sehr gut zu folgender Lesart.

Die Niederländer funken dazwischen

Im Sommer 2013 fing die Bundesbank mit einem ersten Transport von 5 Tonnen an. Dann kamen die Niederländer und mindestens ein anderer und erklärten, wenn die Deutschen Gold abziehen dürfen, wollen wir unseres auch ausgehändigt bekommen. Daraufhin stoppten die Amerikaner die Aktion, bis eine Formel gefunden war, die es erlaubte, die Abzüge eng zu begrenzen, ohne jemanden etwas verwehren zu müssen, was man anderen gestattete. Diese Formel scheint etwas nach der Art gewesen zu sein wie: Jeder der will, darf die Hälfte seines Goldes im Heimatland verwahren und wir geben so viel raus wie dafür unbedingt nötig ist.

Als das geklärt war, waren zuerst die Niederländer dran, und erst als diese im Sommer 2014 die 90 Tonnen abgezogen hatten, die sie abziehen durften, konnte die Bundesbank wieder loslegen und kam im Rest des Jahres 2014 immerhin auf 85 Tonnen. Im Jahr 2015 gab es neben der Bundesbank noch einen unbekannten Eigentümer, der knapp 30 Tonnen abzog. Die Bundesbank bekam 99 Tonnen.

2016 schließlich gab es außer der Bundesbank niemand mehr, der Gold abzog, was wohl erklärt, warum die Amerikaner in diesem Jahr freigiebiger waren als die Bundesbank eigentlich erwartet hatte. Sie händigten ihr die ganzen noch zugeteilten 111 Tonnen aus. Während sich die Bundesbank nach ihrem revidierten zweiten Lagerstellenkonzept bis 2020 Zeit lassen wollte, bis die Hälfte des Goldes in Frankfurt ist, wird sie nun den aktuellen Verlautbarungen zufolge schon 2017 so weit sein.

Man kann nicht genug betonen: Die Zusage der Bundesbank an die Deutschen, 300 Tonnen Gold aus New York zu holen, ist vor allem als Zusage an die Amerikaner zu lesen, nicht mehr als 300 Tonnen aus New York zu holen.

Denn dafür, 1236 Tonnen Gold in New York zu lagern, verwahrt von einer Organisation, die den Wall-Street-Banken gehört, in einem Land, dessen Präsident rechtsstaatliche Grundsätze für eine Zumutung hält, gibt es aus deutscher Sicht keinen vernünftigen Grund.

Bedenken des Rechnungshofs weitgehend ignoriert

Den massiven Bedenken des Rechnungshofs an der Goldlagerung in New York wird durch die bescheidenen Goldverlagerungen nach Frankfurt nicht ernsthaft Rechnung getragen. Nach wie vor gilt, obwohl die Bundesank zwischenzeitlich anderes behauptete, dass sie keinen Zugang zu dem eigenen Gold in New York hat, und nicht prüfen kann, ob dort alles mit rechten Dingen zugeht.

Grund zum Zweifeln hat die Bundesbank durchaus geliefert. So schmolz sie 2013 und 2014 insgesamt 55 Tonnen des Goldes ein, und vernichtete damit alle Beweise, falls etwas damit nicht gestimmt haben sollte. Sie sagte, es gebe externe Zeugen, aber sie benennt diese nicht. Wir sollen ihr einfach glauben, dass alles in Ordnung war. Dabei könnte die Bundesbank, wenn das nicht stimmen würde, dies unmöglich zugeben. Das würde das Vertrauen in die New York Fed und letztlich in das dollarbasierte Weltfinanzsystem zerstören. Bevor die Bundesbank diese atomare Option zündet, wird sie zehnmal lügen, wenn es sein muss. Umgekehrt wäre es ihr ein leichtes gewesen, zu beweisen, dass alles in Ordnung war.

Die großen New Yorker Bestände rechtfertigt die Bundesbank (notgedrungen) damit, dass bei der dortigen Federal Reserve, viele Länder und Institutionen Goldlagerräume hätten. Man kann dort also Gold an offizielle Adressen übertragen, ohne dass es die Tresorräume verlassen muss. Aber, auch Zürich, wo Österreich einen Teil seines Goldes lagert, ist ein wichtiger Goldhandelsplatz. Die Schweiz ist ein Nachbar und ein kleines, neutrales Land. Anders als die USA hat es nicht die Macht und kaum das Interesse, Deutschland die Herausgabe des Goldes zu verweigern. Dennoch verzichtet die Bundesbank darauf, hier einen Teil ihres Goldes zu lagern.

Wichtiger aber: Gold ist Geld, dessen hervorstechende Eigenschaft darin besteht, dass es auf (physischen) Besitz basiert, nicht auf dem Vertrauen in die Bereitschaft und Fähigkeit eines anderen, seine Verpflichtungen zu erfüllen. Andersfalls hat man nur einen Zettel, auf dem steht, dass man das Gold haben kann, wenn man will. Die USA sind viel zu mächtig, als dass man sich auf so ein Versprechen verlassen sollte. Sie haben die übrige westliche Welt schon einmal 1971 enteignet, indem sie ihr Versprechen brachen, die bunten Dollarscheine, die sie uns für unsere Waren gegeben hatten, jederzeit auf Verlangen in Gold einzutauschen. Sie haben uns also schon einmal in großem Umfang das uns versprochene Gold verweigert. Wir sind trotzdem Freunde geblieben, weil wir nicht anders konnten.

Der Rechnungshof hatte es als rechtswidrig bezeichnet, dass die Bundesbank noch nie eine Inventur ihres Goldes in New York vorgenommen hat, und zwar, weil sie die Lagerräume nicht betreten darf, wie der Rechnungshof feststellte. Der Bundesbank-Vorstand hat bei der Vorstellung seiner Verlagerungspläne der Öffentlichkeit und dem Parlament in Aussicht gestellt, von den Amerikaner schon bald Prüfrechte eingeräumt zu bekommen. Davon hat sich aber nichts bewahrheitet. Der Rechnungshof hatte auch moniert, dass die New York Fed keinerlei Haftung für das Gold in ihrer Obhut übernimmt. Sollte sich irgendwann herausstellen, dass es ganz oder teilweise fehlt, haben wir Pech gehabt. Auch daran hat sich ziemlich sicher nichts geändert. Trotzdem schweigt der Rechnungshof; ein Indiz dafür, das der Bericht von 2012 nur der Unterstützung der Verhandlungen mit New York diente.

Vitales Interesse der USA an unserem Gold

Für die USA ist durchaus wichtig, die Kontrolle über möglichst viel des weltweit vorhandenen Notenbankgoldes zu behalten. Denn eine goldgedeckte Währung wäre eine große Bedrohung für die Führungsrolle des Dollar im Weltfinanzsystems. Deshalb hat der Internationale Währungsfonds seinen Mitgliedern 1978 auf Betreiben der USA ausdrücklich verboten, ihre Währungen mit Gold zu decken. So eine Verpflichtung lässt sich allerdings relativ leicht abschütteln, weil der IWF keine Armee hat. Tut man es allerdings, bricht man internationale Abkommen und hat damit den USA den perfekten Vorwand gegeben, die Herausgabe des Goldes zu verweigern, das für die Golddeckung nötig wäre. Darum geht es, nicht um den Marktwert des Goldes in New York, der im Verlustfall durchaus verschmerzbar wäre. [9.2.17]

Änderungshinweis (10.2.): Anders als in der ersten Fassung geschrieben, lässt Österreich einen Teil seiner Goldreserven nicht bei der BIZ verwahren, sondern in Zürich.

Dossier zum Gold

Stephan Best
mail steven25.com
+49 178 170 56 71

TRUMP Inaugural Rede 20.01.2017

Globalcrisis/globalchange NEWS

Stephan Best
22.01.2017

Guten Morgen an die Listen,
obwohl schon die ersten Entscheidungen des neuen US Präsidenten unterzeichnet wurden, lohnt es sich doch seine Rede im Wortlaut genau zu lesen. Im Anhang findet sich die englische und darunter die deutsche Fassung.
Ciao Stephan

Stephan Best
mail steven25.com

TRUMP-Inaugural-Address-Speech170120.docx