Türkeis Abkommen mit Finnland und Schweden ist nicht gleichbedeutend mit einem Verrat an Russland

Türkeis Abkommen mit Finnland und Schweden ist nicht gleichbedeutend mit einem Verrat an Russland

29. Juni 2022

Von Andrew KORYBKO

Quelle: https://oneworld.press/?module=articles&action=view&id=3028

Türkeis Abkommen mit Finnland und Schweden ist nicht gleichbedeutend mit einer Verleumdung Russlands

Einige Beobachter haben in den sozialen Medien sarkastisch geäußert, dass die Türkei „wieder ihre alten Tricks“ angewandt und Russland „vorhersehbar hintergangen“ habe. Dies ist jedoch eine verdrehte Interpretation der Realität, die dringend geklärt werden muss, um nicht noch mehr Menschen in die Irre zu führen, als es bereits geschehen ist.

Die Türkei hat sich am Dienstag mit Finnland und Schweden auf ein Memorandum geeinigt, um die nationalen Sicherheitsinteressen der beiden Länder in Bezug auf kurdische Gruppen, die sie als Terroristen ansieht, zu gewährleisten und im Gegenzug den Beitrittsantrag der beiden Länder zur NATO zu genehmigen. Der Zeitpunkt fällt mit dem NATO-Gipfel in Madrid zusammen und wird somit unweigerlich dazu führen, dass die beiden Länder eher früher als später Vollmitglieder werden. Einige Beobachter haben in den sozialen Medien sarkastisch geäußert, die Türkei habe „wieder ihre alten Tricks angewandt“ und Russland „vorhersehbar in den Rücken gefallen“, doch dies ist eine verdrehte Interpretation der Realität, die dringend geklärt werden muss, um nicht noch mehr Menschen in die Irre zu führen, als es ohnehin schon geschehen ist.

Zunächst einmal sind die russisch-türkischen Beziehungen bisweilen angespannt, doch haben sie die Hindernisse, die ihrer strategischen Partnerschaft im Wege standen, stets überwunden, weil ihre Führer den gemeinsamen Willen haben, ihre Rivalität verantwortungsvoll zu regeln. Ankaras anfänglicher Einspruch gegen die NATO-Beitrittsanträge Finnlands und Schwedens überraschte viele, die nicht mit einem so heftigen Widerstand zur Verteidigung dessen gerechnet hatten, was es in dieser sensiblen Frage als seine nationalen Sicherheitslinien betrachtet. Es hatte absolut nichts mit den Beziehungen der Türkei zu Russland zu tun, auch wenn dieser Streit indirekt den Soft-Power-Zielen Moskaus diente, indem er die unterschiedlichen Interessen der Mitglieder dieses feindlichen Bündnisses entgegen den Behauptungen ihrer Vertreter hervorhob.

Da es nie selbstverständlich war – geschweige denn erwartet wurde -, dass dieser Streit überhaupt aufkommen würde, gibt es keinen Grund für Russland oder seine Anhänger, enttäuscht zu sein, dass er nun endlich beigelegt wurde. Dies bringt die Analyse zum zweiten Punkt, nämlich dass es unfreundliche dritte Kräfte gibt, die ständig darauf abzielen, die Wahrnehmung der Bevölkerung in beiden Ländern zu manipulieren, um sie zum Vorteil anderer zu spalten und zu beherrschen. In den 24 Stunden seit der Veröffentlichung des trilateralen Memorandums sind sie mit voller Kraft dabei, das falsche Narrativ zu verbreiten, dass die Türkei Russland „hintergangen“ habe, worüber sich die Befürworter ihrer strategischen Partnerschaft im Klaren sein müssen und bereit sein müssen, aktiv dagegen vorzugehen.

Der dritte Punkt ist, dass wirklich multipolare und souveräne Länder wie die Türkei immer das verfolgen, was ihre Führer als ihre objektiven nationalen Interessen ansehen, selbst wenn diese zuweilen mit denen anderer, einschließlich derer von Partnern wie Russland, in Konflikt geraten, obwohl die zweite Beobachtung nicht bedeutet, dass das, was auch immer es gewesen sein mag, mit dieser Absicht motiviert war. In diesem Fall sah die Türkei eine unschätzbare Gelegenheit, ein seit langem bestehendes nationales Sicherheitsproblem mit diesen beiden Ländern politisch zu lösen, was sie auch sofort versuchte, indem sie bei den NATO-Beitrittsgesuchen mit harten Bandagen kämpfte. Dies war ein vernünftiger und pragmatischer Schritt dieses Landes, der in vollem Einklang mit den Interessen des Landes steht, so wie sie von seiner Führung verstanden werden.

Der vierte Punkt, der beweist, dass die Türkei Russland nicht „hintergangen“ hat, ist die Tatsache, dass selbst der ehemalige Präsident und amtierende stellvertretende Sekretär des Sicherheitsrates Medwedew Anfang des Monats bekräftigte, dass „die NATO-Mitgliedschaft Schwedens und Finnlands – zumindest in der angekündigten Form – eine geringere Bedrohung für Russland darstellt als die Aufnahme der Ukraine“. Erst gestern fügte er hinzu: „Wir haben derzeit keine territorialen Streitigkeiten mit diesen Ländern und erwarten auch keine, es gibt keinerlei Gründe dafür. Wenn sie sich durch den Beitritt zum Bündnis besser und sicherer fühlen, sollen sie es tun.“ Andere Beamte bestätigten jedoch, dass sich die Streitkräfteposition ändert, wenn Finnland zuerst seine eigene ändert. (…)

Der neue Eiserne Vorhang

Die Ukraine-Krise erweist sich als Schmelztiegel Europas und Europa als tiefe Enttäuschung.

Der neue Eiserne Vorhang

Die Ukraine-Krise erweist sich als Schmelztiegel Europas und Europa als tiefe Enttäuschung.

von Patrick Lawrence,  16.05.2022

Wir haben viel über einen neuen Kalten Krieg gelesen, seit die USA den Putsch vom Februar 2014 in der Ukraine kultiviert haben und die Nation auf tragische Weise in sich gespalten war. Einige von uns haben in gedruckter Form, in dieser Veröffentlichung und anderswo über diese aufkommende Realität nachgedacht.

Mit den aufeinanderfolgenden Ankündigungen, dass Finnland und Schweden beabsichtigen, sich um die Mitgliedschaft in der Nordatlantikpakt-Organisation zu bewerben, ist „Kalter Krieg II“ nicht länger nur eine praktische Redewendung für Kolumnisten und diejenigen, die auf Barhockern predigen.

Der Beitritt dieser nordischen Nationen zu Washingtons Hauptinstrument der Machtprojektion ist gesichert und wird in sehr kurzer Zeit abgeschlossen sein. Dies wird die Mauer festigen, auf deren Errichtung Washington und seine europäischen Klienten bestehen, um die Welt noch perverser und zerstörerischer zu spalten, als sie es in den vier Jahrzehnten und einigen des Ersten Kalten Krieges war.

Es ist schwer, die Bedeutung dieser Wendung der Ereignisse zu überschätzen – für Finnen, Schweden und Russen sicherlich – aber auch für alle Europäer und am Horizont für alle auf diesem Planeten, die leben oder noch geboren werden.

Erinnerst du dich an die berühmten Zeilen von Kipling?

Oh, Ost ist Ost und West ist West, und niemals werden sich die beiden treffen,

Bis Erde und Himmel gegenwärtig vor Gottes großem Richterstuhl stehen …

Kipling veröffentlichte The Ballad of East and West im Jahr 1889, dem High Noon des britischen Empire, und betrauerte darin die große Kluft zwischen den imperialen Mächten und ihren Untertanen. Sein tiefstes Bedauern betraf all die verlorene Menschheit, die von der dauerhaften, aber künstlichen Linie der Menschen verdeckt wurde, die vor langer Zeit in die Erde geätzt wurde, um den Westen vom Rest zu unterscheiden.

Wenn der Tag des Jüngsten Gerichts nicht unmittelbar bevorsteht, werden uns viele Jahreszeiten des Bedauerns bevorstehen, während Washington die Infrastruktur aufbaut, die den Zweiten Kalten Krieg bestimmen wird. Die Beitritte der Finnen und Schweden zur NATO deuten auf ein Gebäude hin, das dauerhafter ist als entweder der Eiserne Vorhang oder, auf der anderen Seite der Welt nach 1949, seine Bambusvariante. Es wird wenige Türen und Fenster in dieser Wand geben – dies von Washingtons Design. Es wird schwer sein, hinein oder hinaus zu sehen. (…)

Es ist eine Dummheit, dass Finnland und Schweden der NATO beitreten – Von Jan Oberg (The Transnational) — CO-OP NEWS

https://transnational.live/2022/05/12/it-is-foolish-for-finland-and-sweden-to-join-nato-and-ignore-both-the-real-causes-and-consequences/ Sie ignorieren sowohl die wahren Ursachen als auch die Folgen. Folgendes kann der Westen – inmitten seiner grenzenlos selbstgerechten, militaristischen Stimmung – intellektuell nicht sehen: Die Expansionspolitik der NATO hat den Konflikt geschaffen – und ist dafür verantwortlich . Russland hat den Krieg  geschaffen – und ist dafür verantwortlich . Es gibt keine Gewalt, die nicht in zugrunde liegenden […]

Es ist eine Dummheit, dass Finnland und Schweden der NATO beitreten – Von Jan Oberg (The Transnational) — CO-OP NEWS

ARTE-DOKU: „Komitee für Täuschungsoperationen“ geheime Kriegführung gegen UdSSR + Europa

Täuschung – Die Methode Reagan

Video im Internet unter: http://www.arte.tv/guide/de/050296-000/taeuschung-die-methode-reagan

Dienstag, 12. Mai um 8:55 Uhr (53 Min.)

Wiederholung am Montag, 18.05. um 8:55 Uhr

Erstausstrahlung am Dienstag, 05.05. um 23:00 Uhr

Zur Doku der Text von der Arte-Webseite:

Mit Reagans Machtantritt ändert sich die Strategie der USA im Kalten Krieg grundlegend: Angriff statt Verteidigung. Sein geheimes „Komitee für Täuschungsoperationen“, dessen Existenz in dieser Dokumentation zum ersten Mal von Zeitzeugen bestätigt wird, plante brillante und perfide Geheimdienst-Operationen – gegen die Sowjets, aber auch gegen die Entspannungspolitik.

Mit seinem Machtantritt im Jahre 1981 bestimmt Ronald Reagan die Strategie der USA im Kalten Krieg neu: Angriff statt Verteidigung. Sein „Komitee für Täuschungsoperationen“ ist neben der Aufrüstung eines der wichtigsten Instrumente im Kampf gegen die Sowjetunion. Gasleitungen werden mit eingeschleusten Computerchips und Trojanern sabotiert, Flug- und Seemanöver vor dem wichtigsten Stützpunkt der Sowjets in Murmansk durchgeführt.

Das Ziel: Verunsicherung und Demütigung bei gleichzeitiger Demonstration von Stärke und technischer Überlegenheit. Diese Aktionen bringen die Welt an den Rand des Atomkrieges.

Als in den 80er Jahren der schwedische sozialdemokratische Ministerpräsident Olof Palme mit Willy Brandt und Egon Bahr seine Strategie der gemeinsamen Sicherheit vorschlägt und Schweden nicht mehr als „unsinkbaren Flugzeugträger“ der Nato zur Verfügung stellen will, macht er sich nicht nur die konservativen Machteliten im eigenen Land zum Feind. Sein Ansatz ist auch Reagan schon früh ein Dorn im Auge, denn ein Einlenken der Sowjetunion im Wettrüsten des Kalten Krieges wäre für seine Strategie kontraproduktiv. So werden die Annäherungsgespräche sabotiert und die Person Palme diskreditiert. Im Februar 1986 wird Palme von einem unbekannten Täter ermordet.

Der Film zeigt die Bedeutung der geheimen Kriegsführung der USA im Kalten Krieg unter Bezugnahme auf hochkarätige Zeitzeugen und exklusives Filmmaterial. Einmal mehr wird deutlich, dass die USA zur Durchsetzung eigener Interessen auch vor der Souveränität demokratischer Staaten nicht Halt machte. Eine Thematik, die gerade in Anbetracht der aktuellen politischen Lage und der jüngsten Geheimdienstskandale von beachtenswerter Aktualität ist.

Kommentar Albrecht Müllers auf den Nachdenkseiten: http://www.nachdenkseiten.de/?p=25975

Was man aus dieser Dokumentation lernen kann:

  1. US-Präsident Ronald Reagan war kein Trottel. Im Gegenteil, er war hoch intelligent und umsichtig, leider für die falschen Ziele.
  2. Die Politik der Entspannung und des Aufbaus einer Ordnung gemeinsamer Sicherheit in Europas einschließlich Russlands, also zwischen Ost und West, wurde nicht erst ab 1990 durch Präsident Clinton unterlaufen.
  3. Reagan wollte keinen Frieden mit der Sowjetunion bzw. Russland als Partner. Ihm ging es um die Destabilisierung und dabei vor allem um die ökonomische Destabilisierung durch Zwang zu immer größeren militärischen Ausgaben. Reagan legt es darauf an, die Sowjetunion ökonomisch und technologisch nieder zu konkurrieren. In der Dokumentation wird die Überlegenheit demonstriert.
  4. In der Dokumentation wird sichtbar, welche tödliche Rolle Deutschland bei einer kriegerischen Auseinandersetzung hätte spielen müssen – es wäre so vernichtet worden, dass nicht einmal Flugplätze für die vom Atomkrieg zurückkehrenden Flugzeuge des Westens übrig geblieben wären. Das neutrale Schweden war als alternativer Flugzeugträger vorgesehen.
  5. Die USA haben unter Reagan in die Innenpolitik und in die Außenpolitik Schwedens hinein regiert. Indem sie mit NATO Partnern zusammen einen sowjetischen U-Boot Einsatz inszenierten, beeinflussten sie zusammen mit den schwedischen Militärs und Medien die Stimmung in Schweden und untergruben die Mehrheit für Olof Palmes entspannungspolitische Linie.
  6. Der Film zeigt, wie stark die Stimmung in der Bevölkerung eines Landes manipuliert werden kann. Vor der Operation des „Komitees für Täuschungsoperationen“ fühlten sich nach Umfragen 27 % der Schweden von der UdSSR bedroht; nach Auftauchen der vermeintlich sowjetischen U-Boote stieg der Anteil der Verängstigten auf 83 % (im Film beginnend bei Minute 37).
  7. Die Dokumentation zeigt, wie eine nichtgewählte Gruppe finanziell, medial und politisch Mächtiger die politischen Entscheidungen und die politische Linie eines Landes beeinflussen kann. Diese Gruppe und das schwedische Militär konspirierten gegen den eigenen Ministerpräsidenten.
  8. Wenn man rechtzeitig und clever genug dafür sorgt, die Belege für eine solche Verschwörung zu beseitigen, dann kann man sogar in der bewunderten schwedischen Demokratie einer Anklage und Verurteilung entgehen.
  9. Die Dokumentation ist ein weiterer Beleg dafür, wie albern und wirklichkeitsfremd die geläufigen Vorwürfe sind, Vorgänge, wie in der Dokumentation geschildert, seien das Produkt von Verschwörungstheoretikern. Wieder einmal wird belegt: die Wirklichkeit ist viel schlimmer, als sich dies fantasievolle Verschwörungstheoretiker vorstellen könnten.

Ergänzung E.S.:

Erkenntnisse und Dokumente zur Geheimen Kriegführung der USA belegen in Hülle und Fülle, dass die im Film gezeigten Vorgänge, Strukturen und Mechanismen nicht nur gegenüber der SU und Schweden angewendet wurden und nach dem Ende des Kalten Krieges fortgesetzt wurden (s. bspw. die opulente, nach Ländern chronologisch angelegte Zusammenstellung von William Blum: „Killing Hope. Zerstörung der Hoffnung. Globale Operationen der CIA seit dem 2. Weltkrieg“. Frankfurt 2. erw. Aufl. 2014; s. Regine Igel: „Terrorjahre. Die dunkle Seite der CIA in Italien“. München 2006 oder Seymour Hersh über „Cheneys Killertruppe“ Joint Special Operations Command JSOC http://www.hintergrund.de/20090814467/globales/kriege/cheneys-killertruppe-und-das-grosse-schweigen.html)

Viele Grüße

Elke Schenk

globalcrisis/globalchange News