Nach Kasachstan ist die Ära der farbigen Revolution vorbei

Quelle: https://thecradle.co/Article/columns/5668

Nach Kasachstan ist die Ära der farbigen Revolution vorbei

Was in Kasachstan geschah, sieht immer mehr nach einem US-amerikanisch-türkisch-britisch-israelisch geführten Putschversuch aus, der von den eurasischen Gegnern auf dramatische Weise vereitelt wurde

Von Pepe ESCOBAR 12.Januar 2022

Das Jahr 2022 begann mit einem Brand in Kasachstan, einem ernsthaften Angriff auf eines der wichtigsten Zentren der eurasischen Integration. Wir beginnen gerade erst zu verstehen, was und wie es passiert ist.
Am Montagmorgen hielten die Staats- und Regierungschefs der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS) eine außerordentliche Sitzung ab, um über Kasachstan zu beraten.
Der kasachische Präsident Kassym-Jomart Tokajew brachte es kurz und bündig auf den Punkt. Die Unruhen seien „hinter ungeplanten Protesten versteckt“. Das Ziel war „die Macht zu ergreifen“ – ein Putschversuch. Die Aktionen wurden „von einem einzigen Zentrum aus koordiniert“. Und „ausländische Kämpfer waren an den Unruhen beteiligt“.
Der russische Präsident Wladimir Putin ging noch weiter: Bei den Unruhen wurden „Maidan-Technologien eingesetzt“, eine Anspielung auf den ukrainischen Platz, auf dem 2013 durch Proteste eine NATO-feindliche Regierung gestürzt wurde.
Putin verteidigte das prompte Eingreifen der OVKS-Friedenstruppen in Kasachstan: „Es war notwendig, ohne Verzögerung zu reagieren.“ Die OVKS werde „so lange wie nötig“ vor Ort sein, aber nach Beendigung der Mission „wird natürlich das gesamte Kontingent aus dem Land abgezogen“. Die Truppen werden voraussichtlich im Laufe dieser Woche abziehen.
Aber jetzt kommt der entscheidende Punkt: „Die OVKS-Länder haben gezeigt, dass sie nicht zulassen werden, dass innerhalb ihrer Grenzen Chaos und ‚farbige Revolutionen‘ durchgeführt werden.“
Putin stimmte mit dem kasachischen Staatssekretär Erlan Karin überein, der als erster die korrekte Terminologie für die Ereignisse in seinem Land verwendete: Es handelte sich um einen „hybriden Terroranschlag“, der sowohl von internen als auch von externen Kräften verübt wurde, um die Regierung zu stürzen.


Das verworrene hybride Netz
Kaum jemand weiß davon. Doch im vergangenen Dezember wurde ein weiterer Putsch in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek diskret vereitelt. Kirgisische Geheimdienstquellen führen die Planung auf eine Reihe von NRO zurück, die mit Großbritannien und der Türkei in Verbindung stehen.
Damit wird ein absolut wichtiger Aspekt des großen Ganzen deutlich: Der mit der NATO verbundene Geheimdienst und seine Mitarbeiter haben möglicherweise eine gleichzeitige Offensive der farbigen Revolution in ganz Zentralasien vorbereitet. (…)

Original Artikel in Engl. und in dt. Übersetzung hier:

„Ein geplanter Staatsstreich,der jetzt offensichtlich niedergeschlagen ist“

https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/516853/Deutsche-Wirtschaft-in-Kasachstan-Ein-geplanter-
Staatsstreich-der-jetzt-offensichtlich-niedergeschlagen-ist
Deutsche Wirtschaft in Kasachstan: „Ein geplanter Staatsstreich,
der jetzt offensichtlich niedergeschlagen ist“
12.01.2022 17:13

Die Konflikte in Kasachstan haben zu Jahresanfang die Welt in Atem gehalten. Jetzt erklärt
Hovsep Voskanyan den DWN im exklusiven Interview, was dort tatsächlich los ist und wie
es wohl weitergeht. Der Funktionär ist der Leiter der Delegation der Deutschen Wirtschaft
in Zentralasien.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Herr Voskanyan, Spiegel Online hat heute kurz vor 12
Uhr MEZ berichtet, dass es in der Hauptstadt Almaty weitere 1.700 Inhaftierungen gegeben
habe. „Die Zahl der Festnahmen wurde landesweit zuletzt mit rund 10.000 angegeben“,
schreibt die Publikation, die sich auf einheimische Medien stützt. (…)
Können Sie dies bestätigen?
Hovsep Voskanyan: Es stimmt, dass nach wie vor Festnahmen erfolgen. Die Polizei ist
weiterhin auf der Suche nach versprengten Aufständischen und paramilitärischen Gruppen.
Die Lage ist aber nicht weiter eskaliert, die Zahl der Inhaftierungen dürfte sich nicht allzu
sehr vergrößert haben. Die Statistiken, die derzeit die Runde machen, schwanken. Im
Gegenteil: Die Situation hat sich sogar etwas entspannt, denn in der Stadt Almaty ist es jetzt
relativ ruhig. Wir hören keine Schüsse mehr. Ich war gestern in unserem Stadtviertel
unterwegs. Dort war es ruhig. Allerdings war die Situation in der vergangenen Woche
zwischen dem 6. und 8. Januar schon sehr kritisch.
Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Die USA haben gerade die russischen Truppen
aufgefordert, das Land zu verlassen. Ist der Konflikt denn ein regionales Problem oder gibt
es auch die Gefahr, dass die Auseinandersetzungen einen internationalen Flächenbrand
verursachen?
Hovsep Voskanyan: Die Eskalation, die in Almaty zu beobachten war, ist die Folge eines
internen Machtkampfes innerhalb der politischen und wirtschaftlichen Eliten in Kasachstan
gewesen. Davon gehen wir und andere internationale Beobachter aus. Das war ein
Staatsstreich-Versuch, der gescheitert ist. Die Truppen der OVSK, die auf Bitten der
kasachischen Seite in einer Notsituation ins Land gekommen waren, sind nun mit der
Bewachung strategisch wichtiger Objekte betraut worden. Das hat sehr schnell und deutlich
zur Deseskalation der Lage vor Ort beigetragen. Wir hatten am 5. und am 6. und teilweise
noch am 7. Januar eine Situation, in der große Teile der Stadt unter der Kontrolle von
gewaltbereiten Para-Militärs standen. Diese sind jetzt durch kasachische Spezialkräfte, die
durch die OVSK entlastet worden sind, aus der Stadt gedrängt worden. Wir haben gestern in
der Rede des kasachischen Präsidenten gehört, dass der Einsatz der OVSK-Truppen
morgen, also am 13. Januar enden soll. Sie sollen dann innerhalb von zehn Tagen, also bis
zum 22. Januar, das Land wieder verlassen. Das ist deutlich früher, als wir es erwartet
haben. Das zeigt zum einen, dass sich die kasachische Seite jetzt deutlich sicherer fühlt, den
Staatsstreich überwunden zu haben. Zum anderen wird daraus ersichtlich, dass der Einsatz
der OVSK nicht langfristig angelegt war. Das ist mit Sicherheit ein gutes Zeichen. Eine
Eskalation in Bezug auf die russisch-amerikanischen Beziehungen kann ich hier nicht
vermuten. Wenn, dann müsste dies sehr konstruiert sein. Letztlich hat die OVSK nur das
gemacht, wofür sie gegründet worden ist: nämlich in einer Notsituation den Bündnispartnern
militärisch zur Seite zu stehen. Und jetzt zieht sie sich nach Angaben der kasachischen Seite nach dem Ende des Einsatzes auch wieder sehr schnell zurück. Deshalb sehe ich keine
Grundlage für eine Eskalation. (…)

Das vollständige Interview hier: