Mathias BROECKERS: Herzland, Weltinsel und die “Novichok”-Saga, 07.04.2018

globalcrisis/globalchange NEWS
Martin Zeis 18.04.2018. 19:00
martin.zeis@gmxpro.net

In einem seiner letzten Blogeinträge „Herzland, Weltinsel und die “Novichok”-Saga“ hat Mathias Bröckers zum wiederholten Mal auf die große geopolitische Konzeption hingewiesen, die in letzter Konsequenz den Aktionen Großbritanniens und der USA seit Anfang des 20. Jahrhunderts zugrunde liegt: die geopolitische „Heartland“-Theorie des britischen Geographen und Direktors der „London School of Economics“ Mackinder.

„Wer dieses Herzland, das Zentrum des eurasischen Kontinents beherrscht, beherrscht die Welt, so Mackinders These, und da durch die kommenden Technologien der Eisenbahnen und des Automobils der Handel und Wandel zwischen Europa und Asien unausweichlich sei, wäre das auf seiner Seeherrschaft beruhende britische Weltreich chancenlos, vor allem wenn das rohstoffreiche Russland mit dem industriestarken Deutschland zusammenwachse. »Wer Osteuropa regiert, beherrscht das Heartland; wer das Heartland regiert, beherrscht die Weltinsel; wer die Weltinsel regiert, beherrscht die Welt.«, brachte Mackinder seine Theorie 1919 auf den Punkt, nachdem er zuvor noch erfolglos versucht hatte, die Weiße Armee des Zaren gegen die von Deutschland finanzierten Bolschewiken Lenins aufzurüsten.“

Es geht verstärkt nach der Auflösung der Sowjetunion „noch immer um das Heartland (..), um Mackinders “Weltinsel”, die auf keinen Fall zusammen wachsen darf: mit der globalen Dominanz des anglo-amerikanischen Imperiums hat es ein Ende, wenn auf der Achse Paris – Berlin – Moskau – Peking Friede, Handel und Wandel ausbricht.

Dies mit Nadelstichen, Konfrontationen und Krieg zu verhindern steht nach wie vor auf der Agenda des Imperiums – und bildet auch den logischen Hintergrund von scheinbar irrsinnigen Operationen wie dieser ganzen “Novichok”-Saga …“

Herzland, Weltinsel und die “Novichok”-Saga

Posted on 07/04/2018 by Mathias Broeckers

Wer die “Pivot Area”, den Drehpunkt beherrscht, beherrscht die Welt

In der aktuellen Ausgabe von “Lettre International” (No.120/Frühjahr 2018) ist erstmals auf Deutsch der Aufsatz „Der geographische Drehpunkt der Geschichte“ erschienen, den der britische Geograph und Direktor der “London School of Economics” 1904 veröffentlichte, der Schlüsseltext seiner geopolitischen “Heartland”-Theorie. Wer dieses Herzland, das Zentrum des eurasischen Kontinents beherrscht, beherrscht die Welt, so Mackinders These, und da durch die kommenden Technologien der Eisenbahnen und des Automobils der Handel und Wandel zwischen Europa und Asien unausweichlich sei, wäre das auf seiner Seeherrschaft beruhende britische Weltreich chancenlos, vor allem wenn das rohstoffreiche Russland mit dem industriestarken Deutschland zusammenwachse. »Wer Osteuropa regiert, beherrscht das Heartland; wer das Heartland regiert, beherrscht die Weltinsel; wer die Weltinsel regiert, beherrscht die Welt.«, brachte Mackinder seine Theorie 1919 auf den Punkt, nachdem er zuvor noch erfolglos versucht hatte, die Weiße Armee des Zaren gegen die von Deutschland finanzierten Bolschewiken Lenins aufzurüsten.

In “Wir sind die Guten” habe ich ausführlich über die Bedeutung dieses Grundlagentextes der westlichen Geopolitik und die Linien geschrieben, die sich von dort aus über Hitlers Geostrategen Karl Haushofer zu Zbiginew “Zbig To Jail” Brzezinski und die aktuelle Politik des US-Imperiums ziehen, das pünktlich 110 Jahre nach Mackinders Vortrag – und nicht zufällig an einem zentralen Achsenpunkt des “Heartlands” – einen Putsch in der Ukraine inszenierte. Über die Aktualität Mackinders schreibt in “Lettre” jetzt auch der Historiker Alfred McCoy, dessen eminentes Grundlagenwerk “Die CIA und das Heroin -Weltpolitik durch Drogenhandel” für ein Verständnis der aktuellen internationalen Konflikte und Kriege unverzichtbar ist. Ebenso wie eine Kenntnis der Generalstrategie im “Great Game”, die auf Mackinder zurückgeht und im geopolitischen Match auf dem “eurasischen Schachbrett” (Brzezinski) nach wie vor auf der Agenda steht.

Auf diesem Hintergrund kann man dann auch den ganzen Irrsinn der Tagesnachrichten ein wenig besser verstehen, etwa warum aus Afghanistan immer neue Produktionsrekorde für Opium und Heroin gemeldet werden, während in USA Tausende an dieser Überproduktion krepieren; oder warum eine Gas-Pipeline zwischen Russland und Deutschland (Nord Stream 2) ein “Problem” darstellen soll, während der ökonomische und ökologische Hochgrad-Schwachsinn, Fracking-Gas mit Riesentankern von Amerika nach Europa zu schippern, von der EU gefördert wird. Oder warum Polen sich von den USA für irrsinige Milliarden “Patriot”-Luftabwehr andrehen lässt, die “gegen die Russen” und ihre neuen Hyperschall-Raketen sowieso keine Chance haben. (…).

vollständiger Text abrufbar unter: https://www.broeckers.com/2018/04/07/herzland-weltinsel-und-die-novichok-saga

Anmerkung m.z.: Die seit 2013 öffentlich erklärte und zunehmend reale Konturen annehmende eurasische Entwicklungsstrategie/-Politik Chinas in engem Verbund mit Russland über Eisenbahnschnellverbindungen, Wirtschaftskorridore, Öl-/Gas-Pipelines, Seeverbindungen (auch über die arktische Nord-Ost-Passage) ganz Asien mit Europa eng zu vernetzen (Seidenstraßenprojekte zu Land und zu Wasser – OBOR – One Road – One Belt) zeigt an, dass die Eliten dieser Länder nach über einem Jahrhundert der Kriege, Spaltungen und Zerwürfnisse den Kern von Mackinders Weltbeherrschungs-Theorie verstanden haben und deshalb fortgesetzt auf immer erbitterteren Widerstand (militärisch, finanztechnisch, handelspolitisch) des Imperiums stoßen.

In einem kürzlich erschienenen Buch von Stefan Baron und Guangyan Yin-Baron „Die Chinesen – Psychogramm einer Weltmacht“ (Econ – Berlin 2018) schreiben die Autoren im Schlusskapitel „Konvergenz, Koexistenz oder Kampf der Kulturen?“ an die europäischen Eliten gerichtet u.a.:

„Besonders seit Trumps Amtsantritt sind in den USA Kräfte auf dem Vormarsch, die Peking wie einst Moskau niederringen und den endgültigen Sieg als Vormacht des westlichen Lagers und dominierende Weltmacht errichten wollen. ‚,Ich möchte’’ so der ehemalige Präsidentenberater Bannon gegenüber dem Economist, ,,dass die Welt in 100 Jahren zurückschaut und sagt, Chinas merkantilistisches, konfuzianisches System hat verloren. Der liberale jüdisch-christliche Westen hat gewonnen.“

Von Europa, insbesondere Deutschland verlangen die Autoren eine der Ostpoltik unter Brandt entsprechende Fernostpolitik, deren Ziel es sein müsse, „den geopolitischen Konflikt zwischen Peking und Washington zu entschärfen und zu verhindern, dass die Thukydides-Falle * zuschnappt oder es auch nur zu einem offenen Handelskrieg bzw. neuen Kalten Krieg kommt. Europa darf bei dem Ringen um die Weltordnung der Zukunft nicht an der Außenlinie verharren und dessen Ausgang abwarten, sondern muss Partei ergreifen. Partei für eine wahrhaft multipolare Ordnung: kein US-Monopol mehr, kein neues China-Monopol, auch kein Duopol von China und den USA, sondern eine Ordnung, die global für mehr Mitbestimmung, Wettbewerb und Gerechtigkeit sorgt und in der auch Deutschland und Europa weiter einen wichtigen Platz einnehmen.“ (Baron, a.a.O., S. 419 – 421)

* In Anlehnung an den „Peloponnesischen Krieg, in dem das um seine Vormachtstellung fürchtende Sparta im Altertum das aufsteigende Athen zerstörte und ganz Griechenland ruinierte. „Was den Krieg unvermeidlich machte, war der Aufstieg Athens und die Angst, die das in Sparta hervorrief“, so der griechische Geschichtsschreiber Thukydides. Diese Konstellation wird daher als „Thukydides-Falle“ bezeichnet. (vgl. Baron, a.a.o., S 12 ff)

Diana JOHNSTONE: U.S. Sanctions Aimed at Russia Strike Western European Allies

Elke Schenk

globalcrisis/globalchange NEWS

https://www.counterpunch.org/2017/07/28/collateral-damage-u-s-sanctions-aimed-at-russia-strike-western-european-allies/

via

http://www.defenddemocracy.press/collateral-damage-u-s-sanctions-aimed-at-russia-strike-western-european-allies/

Collateral Damage: U.S. Sanctions Aimed at Russia Strike Western European Allies

31/07/2017

by Diana Johnstone

Do they know what they are doing? When the U.S. Congress adopts draconian sanctions aimed mainly at disempowering President Trump and ruling out any move to improve relations with Russia, do they realize that the measures amount to a declaration of economic war against their dear European “friends”?

Whether they know or not, they obviously don’t care. U.S. politicians view the rest of the world as America’s hinterland, to be exploited, abused and ignored with impunity.

The Bill H.R. 3364 “Countering America’s Adversaries Through Sanctions Act” was adopted on July 25 by all but three members of the House of Representatives. An earlier version was adopted by all but two Senators. Final passage at veto-overturning proportions is a certainty.

This congressional temper tantrum flails in all directions. The main casualties are likely to be America’s dear beloved European allies, notably Germany and France. Who also sometimes happen to be competitors, but such crass considerations don’t matter in the sacred halls of the U.S. Congress, totally devoted to upholding universal morality.

Economic “Soft Power” Hits Hard

Under U.S. sanctions, any EU nation doing business with Russia may find itself in deep trouble. In particular, the latest bill targets companies involved in financing Nord Stream 2, a pipeline designed to provide Germany with much needed natural gas from Russia.

By the way, just to help out, American companies will gladly sell their own fracked natural gas to their German friends, at much higher prices.

That is only one way in which the bill would subject European banks and enterprises to crippling restrictions, lawsuits and gigantic fines.

While the U.S. preaches “free competition”, it constantly takes measures to prevent free competition at the international level.

Following the July 2015 deal ensuring that Iran could not develop nuclear weapons, international sanctions were lifted, but the United States retained its own previous ones. Since then, any foreign bank or enterprise contemplating trade with Iran is apt to receive a letter from a New York group calling itself “United Against Nuclear Iran” which warns that “there remain serious legal, political, financial and reputational risks associated with doing business in Iran, particularly in sectors of the Iranian economy such as oil and gas”. The risks cited include billions of dollars of (U.S.) fines, surveillance by “a myriad of regulatory agencies”, personal danger, deficiency of insurance coverage, cyber insecurity, loss of more lucrative business, harm to corporate reputation and a drop in shareholder value.

The United States gets away with this gangster behavior because over the years it has developed a vast, obscure legalistic maze, able to impose its will on the “free world” economy thanks to the omnipresence of the dollar, unrivaled intelligence gathering and just plain intimidation.

European leaders reacted indignantly to the latest sanctions. The German foreign ministry said it was “unacceptable for the United States to use possible sanctions as an instrument to serve the interest of U.S. industry”. The French foreign ministry denounced the “extraterritoriality” of the U.S. legislation as unlawful, and announced that “To protect ourselves against the extraterritorial effects of US legislation, we will have to work on adjusting our French and European laws”.

In fact, bitter resentment of arrogant U.S. imposition of its own laws on others has been growing in France, and was the object of a serious parliamentary report delivered to the French National Assembly foreign affairs and finance committees last October 5, on the subject of “the extraterritoriality of American legislation”.

Extraterritoriality

The chairman of the commission of enquiry, long-time Paris representative Pierre Lellouche, summed up the situation as follows:

“The facts are very simple. We are confronted with an extremely dense wall of American legislation whose precise intention is to use the law to serve the purposes of the economic and political imperium with the idea of gaining economic and strategic advantages. As always in the United States, that imperium, that normative bulldozer operates in the name of the best intentions in the world since the United States considers itself a ‘benevolent power’, that is a country that can only do good.”

Always in the name of “the fight against corruption” or “the fight against terrorism”, the United States righteously pursues anything legally called a “U.S. person”, which under strange American law can refer to any entity doing business in the land of the free, whether by having an American subsidiary, or being listed on the New York stock exchange, or using a U.S.-based server, or even by simply trading in dollars, which is something that no large international enterprise can avoid.

In 2014, France’s leading bank, BNP-Paribas, agreed to pay a whopping fine of nearly nine billion dollars, basically for having used dollar transfers in deals with countries under U.S. sanctions. The transactions were perfectly legal under French law. But because they dealt in dollars, payments transited by way of the United States, where diligent computer experts could find the needle in the haystack. European banks are faced with the choice between prosecution, which entails all sorts of restrictions and punishments before a verdict is reached, or else, counseled by expensive U.S. corporate lawyers, and entering into the obscure “plea bargain” culture of the U.S. judicial system, unfamiliar to Europeans. Just like the poor wretch accused of robbing a convenience store, the lawyers urge the huge European enterprises to plea guilty in order to escape much worse consequences.

Alstom, a major multinational corporation whose railroad section produces France’s high speed trains, is a jewel of French industry. In 2014, under pressure from U.S. accusations of corruption (probably bribes to officials in a few developing countries), Alstom sold off its electricity branch to General Electric.

The underlying accusation is that such alleged “corruption” by foreign firms causes U.S. firms to lose markets. That is possible, but there is no practical reciprocity here. A whole range of U.S. intelligence agencies, able to spy on everyone’s private communications, are engaged in commercial espionage around the world. As an example, the Office of Foreign Assets Control, devoted to this task, operates with 200 employees on an annual budget of over $30 million. The comparable office in Paris employs five people.

This was the situation as of last October. The latest round of sanctions can only expose European banks and enterprises to even more severe consequences, especially concerning investments in the vital Nord Stream natural gas pipeline.

This bill is just the latest in a series of U.S. legislative measures tending to break down national legal sovereignty and create a globalized jurisdiction in which anyone can sue anyone else for anything, with ultimate investigative capacity and enforcement power held by the United States.

Wrecking the European Economy

Over a dozen European Banks (British, German, French, Dutch, Swiss) have run afoul of U.S. judicial moralizing, compared to only one U.S. bank: JP Morgan Chase.

The U.S. targets the European core countries, while its overwhelming influence in the northern rim – Poland, the Baltic States and Sweden – prevents the European Union from taking any measures (necessarily unanimous) contrary to U.S. interests.

By far the biggest catch in Uncle Sam’s financial fishing expedition is Deutsche Bank. As Pierre Lellouche warned during the final hearing of the extraterritorial hearings last October, U.S. pursuits against Deutsche Bank risk bringing down the whole European banking system. Although it had already paid hundreds of millions of dollars to the State of New York, Deutsche Bank was faced with a “fine of 14 billion dollars whereas it is worth only five and a half. … In other words, if this is carried out, we risk a domino effect, a major financial crisis in Europe.”

In short, U.S. sanctions amount to a sword of Damocles threatening the economies of the country’s main trading partners. This could be a Pyrrhic victory, or more simply, the blow that kills the goose that lays the golden eggs. But hurrah, America would be the winner in a field of ruins.

Former justice minister Elisabeth Guigou called the situation shocking, and noted that France had told the U.S. Embassy that the situation is “insupportable” and insisted that “we must be firm”.

Jacques Myard said that “American law is being used to gain markets and eliminate competitors. We should not be naïve and wake up to what is happening.”

This enquiry marked a step ahead in French awareness and resistance to a new form of “taxation without representation” exercised by the United States against its European satellites. They committee members all agreed that something must be done.

That was last October. In June, France held parliamentary elections. The commission chairman, Pierre Lellouche (Republican), the rapporteur Karine Berger (Socialist), Elisabeth Guigou (a leading Socialist) and Jacques Myard (Republican) all lost their seats to inexperienced newcomers recruited into President Emmanuel Macron’s République en marche party. The newcomers are having a hard time finding their way in parliamentary life and have no political memory, for instance of the Rapport on Extraterritoriality.

As for Macron, as minister of economics, in 2014 he went against earlier government rulings by approving the GE purchase of Alstom. He does not appear eager to do anything to anger the United States.

However, there are some things that are so blatantly unfair that they cannot go on forever.

* Diana Johnstone is co-author of From MAD to Madness, by Paul H. Johnstone (Clarity Press).
She can be reached at diana.johnstone

US-Wirtschaftskrieg – Aufstand der EU-Vasallen in Sicht?

Elke Schenk

globalcrisis/globalchange NEWS

Mein Artikel zur EU-Energiepolitik im Kontext des geostrategischen Sanktionsregimes der USA erschien am 31.7. unter

https://www.rubikon.news/artikel/der-heimliche-krieg

Der Anfang und Schlussteil sind unten einkopiert, der vollständige Artikel ist unter der o. a. url abrufbar und im Anhang verfügbar.

Montag, 31. Juli 2017, 12:40 Uhr
~21 Minuten Lesezeit

Der heimliche Krieg

Der US-Wirtschaftskrieg gegen Russland wird seit Jahren auf dem Rücken der EU ausgetragen. Diese hat sich als Partner beteiligt und als willfähriger Vasall gebeugt. Leiten die umfassenden neuen US-Sanktionen den Widerstand der EU ein?

Nach dem US-Repräsentantenhaus stimmte am 28. Juli auch der US-Senat nahezu einstimmig für erweiterte Sanktionen gegen Russland. Sie werden mit der angeblichen ‚Annexion‘ der Krim, der „anhaltenden russischen Aggression in Syrien“ sowie der unbewiesenen Behauptung legitimiert, Russland habe in den US-Wahlkampf eingegriffen.

Sanktionen drohen u. a. Personen und Unternehmen, die in den Bereichen Aufklärung, Verteidigung, Bergbau, Infrastruktur (Schiffbau und Eisenbahnen) sowie in Bau, Modernisierung oder Instandhaltung von russischen Exportpipelines mit Investitionssummen von mehr als 1 – 5 Millionen (sic!) USD beteiligt sind. Inhalt und Stoßrichtung der Sanktionen weisen auf einen Wirtschaftskrieg der USA nicht nur gegen Russland und seine geostrategischen Verbündeten wie Iran, sondern auch die EU und insbesondere Deutschland hin.

Seit Kurzem schwappt eine Welle der Entrüstung in das politisch-mediale Sommerloch, von wirtschaftsnahen, national-konservativen Blättern wie dem Fokus, der FAZ oder den Deutschen Wirtschaftsnachrichten bis hin zu Bundesaußenminister Gabriel, der EU-Kommission oder Kanzlerin Merkels Bierzeltrede.

Die jetzigen Beschlüsse sind ein radikalisierter Höhepunkt einer seit Jahrzehnten geübten Praxis, über die Exterritorialisierung der US-Rechtsetzung wirtschaftliche und geopolitische Vorteile zu erzielen bzw. den wachsenden Bedeutungsverlust der USA aufzuhalten und dafür vermeintliche Verbündete zu opfern. Die EU ist allerdings nicht nur Opfer der US-Willkür, sondern auch eigenständiger Akteur sowie freiwilliger Vasall einer von der geostrategischen Agenda der USA geforderten russlandfeindlichen Außen-, Wirtschafts- und Energiepolitik.

Der folgende Beitrag beleuchtet die EU-Energiepolitik im Kontext der US-Sanktionen im ’neuen‘ Kalten Krieg.

Der Brandstifter als Retter? Fazit und Ausblick

Die USA schaffen sich mit dem Argument der EU-Versorgungsanfälligkeit, zu der sie selbst wo immer möglich beitragen, einen abhängigen Vasall und bieten sich dann als vermeintlichen Retter an.

Die EU lässt sich vor den geopolitischen Karren der USA spannen. Indem sie sich gegen Russland in Stellung bringen lässt, gefährdet sie massiv ihre zukünftige Energieversorgung. Denn der bestehende Transit-Vertrag über die Ukraine in die EU läuft 2019 aus und Gazprom will den Vertrag nicht verlängern.

Bis dahin sollten alternative Routen im Interesse der EU liegen. Immerhin „fliesst die Hälfte des Erdgases, das nach Europa und in die Türkei gelangt, durch die ehemalige Sowjetrepublik“ Ukraine. Das TAP/TANAP-Projekt wird die erforderliche Gasmenge nicht liefern können, und Flüssiggas wird die Versorgungslücke nicht schließen, schon gar nicht zu den bisherigen Preisen. Zudem könnte diese Lieferquelle versiegen, wenn sie den Sanktionen zum Opfer fällt.

Ein über Jahrzehnte bewährter zuverlässiger Energielieferant soll durch einen in jeder Hinsicht willkürlich und gewalttätig agierenden Kantonisten ersetzt werden? Welchen Hebel würden die USA bei der Wiederaufnahme der Verhandlungen über das TTIP-Freihandelsabkommen ansetzen können, wenn die EU energiepolitisch vom Goodwill der USA abhängig ist?

Geht das US-Kalkül auf, wird eine Strategie realisiert, die im Jahr 2000 auf einer außenpolitischen Konferenz in Bratislava besprochen wurde und von der ehemalige Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium, Willy Wimmer, als Teilnehmer berichtet.

Die Bratislava-Konferenz war eine Wehrtagung des US-Außenministeriums und des American Enterprise Institutes unter dem Thema: „Is Euro-Atlantic Integration Still on Track? Opportunities and Obstacles“. Teilnehmer waren Ministerpräsidenten, Außenminister, Verteidigungsminister und der persönliche Beauftragte des NATO-Oberbefehlshabers. Darin wurde u. a. als Ziel der US-Außenpolitik genannt, eine Linie von den Baltischen Staaten über Odessa bis ins türkische Diyarbakir zu ziehen. Für das Gebiet westlich dieser Linie beanspruchen die USA die Kontrolle, inklusive der Ausdehnung ihrer Rechtsordnung (Willy Wimmer im Vortrag an der TU Braunschweig, https://www.youtube.com/watch?v=zQju9_PjtI4 ).

Russland findet problemlos andere Abnehmer für sein Gas. Russland und China haben im Vorfeld des G-20-Gipfels ein über 30 Jahre laufendes Energieabkommen abgeschlossen. Der russische Präsident Putin plädiert für eine Integration des chinesischen Projekts Neue Seidenstraße mit der eurasischen Union. Die Absicht, Russland über Sanktionen wirtschaftlich und politisch in die Knie zu zwingen, hat sich im Laufe der letzten drei Jahre ins Gegenteil verkehrt.

Während die eurasische Kooperation Richtung Osten sich von Monat zu Monat vertieft und sich vom US-Erpressungspotential Schritt für Schritt unabhängiger macht, flattern EU-Politiker – abgesehen von Rumsfelds neuem Europa, das sich dem US-Empire zu jeden Bedingungen andient und das mit Freiheit verwechselt – wie vom Fuchs aufgescheuchte Hühner hilflos herum.

Ob die EU mehrheitlich ihrem Vasallentum gegenüber den USA treu bleibt und den daraus folgenden eigenen politischen wie wirtschaftlichen Niedergang noch beschwichtigen wird, oder wie viel widerständige Substanz die Empörung und Androhung von Gegensanktionen von politischer Seite hat, wird sich in naher Zukunft zeigen. Noch nicht erkennbar ist der entschiedene Wille, aus dem wirtschaftlichen und währungspolitischen Schwitzkasten des US-Imperiums auszubrechen und – der Vision Gorbatschows folgend -, ein Wirtschafts- und Sicherheitsbündnis von Lissabon bis Wladiwostok zu schaffen sowie der Neuen Seidenstraße von Westen entgegen zu kommen.

US-Wirtschaftskrieg-gg-Russland-EU-Vasallen-rubikon2017_07_31.pdf

geopolitics — Northern Route outpaces Southern Route; Natural Gas Europe, Sep 21, 2015

http://www.naturalgaseurope.com/northern-route-outpaces-southern-25399
Natural Gas Europe – News & Analysis on European Natural Gas Matters, Sep 21, 2015

Northern Route outpaces Southern Route

The Nord Stream 2 pipeline project is approaching a final deal as Gazprom and its EU partners have been dealing with loose ends. On the 5th of September in the Eastern Economic Forum of Vladivostok, the Russian gas company and its partners, namely: E.ON, BASF/Wintershall, OMV, Royal Dutch Shell, Engie agreed on percentages for each one for this route. Thus, Gazprom will lead the project with a 51% share, whilst the rest of the participants will get 10%, barring French Engie receives 9%.

This project is of outmost importance in circumventing Ukraine’s highly unstable territory and be able to deliver around 55 bcm per annum directly into EU markets. Together with Nord Stream 1 and an additional 55 bcm yearly capacity, Northern EU states and primarily Germany are clearly leading the way in the pan-European natural gas market and strive to reap considerable profits in the coming decades as the primal redistribution hub for gas across the Continent.

Amongst things to consider is that this route is being supported by the major energy companies of the states of Germany, France, the UK, Austria and Russia in a clear sign of defiance of Cold War geopolitical logic that has gripped most EU countries due to the Ukrainian crisis since early 2014. Moreover, it leverages the Russian diplomatic position vis-a-vis Kiev which stands to lose at least 2 billion euros per year from transit fees, and most importantly, its strongest leverage both against Moscow and the rest of the European countries. Concurrently a summit including the heads of states of Russia, Ukraine, France and Germany, will take place in early October 2015 in Paris to discuss an end to the crisis. The Nord Stream 2 project plays a crucial role in ending the brinkmanship by establishing a new „energy security order“ in the Continent.

Furthermore this new agreement neutralizes the Turk Stream project which in essence was the Southern-leg of the Ukrainian by-pass. Since large consumers for the Russian gas are to be found in Central-North and West Europe and the quantities to be transferred are rather fixed for the foreseeable future, a project that will deliver an envisaged 63 bcm such as Turk Stream was planned, seems unreasonable and could be even be considered non-realistic. (…)

Geopolitics-Northern-Route-outpaces-Southern150921.pdf

Zu große Nähe zu den USA: Russland traut Polen beim Gas-Transit nicht

Zu große Nähe zu den USA: Russland traut Polen beim Gas-Transit nicht.

Nach Aussagen des russischen Präsidenten Wladimir Putin werde die Pipeline Nord Stream „die Leistung von elf Atomkraftwerken“ haben. Diese Worte fallen zu einem Zeitpunkt, an dem Deutschland den Ausstieg aus der Kernenergie wagt.

Für Putin hat die 1224 Kilometer lange Leitung große geostrategische Bedeutung: Sie macht die Rohstoffmacht unabhängig von Transitländern wie Weißrussland oder der nach Westen strebenden Ukraine. Als der Kremlchef und der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder 2005 eine Absichtserklärung zum Bau der Pipeline unterzeichneten, war das Projekt alles andere als unumstritten. (…)