Peter BECKER: „Krieg gegen den Terror“: Was heißt das wirklich?; NachDenkSeiten, 11.02.2016

NDS, 11.02.2016 — http://www.nachdenkseiten.de/?p=31074

„Krieg gegen den Terror“: Was heißt das wirklich?

von Peter Becker *

Nach den Attentaten von Paris am 13. November 2015 sprach Präsident François Hollande von einem kriegerischen Akt und kündigte einen entschiedenen „Kampf gegen den Terror“ an. Dazu gehörte die Fortsetzung der Luftangriffe auf den ISIS in Syrien. Deutschland entschied sich aus Solidarität mit Frankreich für deren Unterstützung. Am 13. Dezember stimmte der Deutsche Bundestag mit großer Mehrheit einer Unterstützung dieses ‚Krieges‘ zu.

Die Reihe der Kritiker an dieser Sorte ‚Anti-Terror-Krieg‘ ist lang. Jürgen Todenhöfer verurteilt ihn als „Terrorzuchtprogramm“. Peter Ustinov sagt: „Terrorismus ist der Krieg der Armen gegen die Reichen … und Krieg ein Terrorismus der Reichen gegen die Armen.“ Für Mike Dörries ist die Autobombe „die Air Force des kleinen Mannes“. Noam Chomsky, Linguistik-Professor am Massachusetts Institute of Technology (MIT), spricht vom Terrorismus als „Waffe der Schwachen“ (in: Media Control, 1997, deutsch 2003). Wenn man aber erwarten würde, dass er sich nur aus semantischer Sicht mit dem Terrorismus beschäftigt, irrt man: Chomsky untersucht in dem Buch intensiv das Entstehen des Terrorismus nach dem Zweiten Weltkrieg und prangert den israelischen „Staatsterrorismus“ an.

Über diesen Begriff ‚Staatsterrorismus‘ sollten wir weiter nachdenken. Alle Terrorismus-Definitionen zeigen, dass der Terror eine Reaktion ist. Wenn man den Abläufen weiter nachspürt, drängt sich die Frage nach Recht und Unrecht auf. Beginnen wir mit Israel:

Wie entstand dieser Staat, wie hat er sich entwickelt, was lernen wir? (…)

* Der Autor ist Rechtsanwalt und Co-Präsident der International Association of Lawyers Against Nuclear Arms (IALANA).

BECKER-Krieg-gegen-den-Terror160211.pdf

Vom SAKER Die neunte Woche des russischen Eingreifens in Syrien: das Imperium schlägt zurück

Die neunte Woche des russischen Eingreifens in Syrien: das Imperium schlägt zurück

vom Saker

Week Nine of the Russian Intervention in Syria: the Empire strikes back
(…)

„Also was passiert hier wirklich?

Einfach: das Empire hat die Schwäche der russischen Kräfte in Syrien korrekt erkannt und hat beschlossen, die Türkei zu nutzen, um sich selbst ein Stück weit die Möglichkeit eines glaubwürdigen Abstreitens zu verschaffen. Dieser Angriff ist vermutlich nur der erste Schritt einer weit größeren Kampagne, um Russland von der türkischen Grenze „fortzuschieben“. Der nächste Schritt beinhaltet offensichtlich die Entsendung westlicher Truppen nach Syrien, anfänglich nur als „Berater“, aber womöglich auch als Spezialeinheiten und vorgelagerte Luftraumüberwachung. Die Luftwaffen der USA und der Türkei werden hier die Hauptrolle spielen, mit dazwischen gestreuten deutschen und britischen Flugzeugen, um genug Diversität zu schaffen, dass von einer „internationalen Koalition“ gesprochen werden kann. Was die Franzosen angeht, eingekeilt zwischen ihren russischen Gegenstücken und ihren NATO-“Alliierten“, sie werden so irrelevant bleiben wie immer. Holande hat wieder einmal nachgegeben (was sonst?). Vielleicht wird die NATO einen tatsächlichen sicheren Hafen für ihre „gemäßigten Terroristen“ in Nordsyrien schaffen und diesen als Stützpunkt nutzen, um einen Angriff auf Rakka zu führen. Da eine solche Intervention völlig illegal wäre, wird das Argument genutzt werden, die turkmenische Minderheit müsse verteidigt werden, R2P (right to protect- das Recht zu schützen) und alles. Die Schaffung eines durch die NATO geschützten sicheren Hafens für „gemäßigte Terroristen“ könnte als erster Schritt zur Aufteilung Syriens in mehrere Zwergstaaten dienen.

Sollte das wirklich der Plan sein, dann schickte der Abschuss der SU-24 eine starke Botschaft nach Russland: wir sind bereit, einen Krieg zu riskieren, um euch zurückzudrängen – seid ihr bereit, in den Krieg zu ziehen? Die schmerzhafte Antwort wird sein, nein, Russland ist nicht bereit, um Syrien einen Krieg gegen das ganze Empire zu führen, schlicht, weil es die Möglichkeit dazu nicht hat.“ (…)

Mathias BROECKERS: 9/11 – Terror und Tabu

http://www.heise.de/tp/druck/mb/artikel/45/45945/1.html

Terror und Tabu

Mathias Bröckers 11.09.2015

Die Anschläge des 11. September sind die offene Wunde unserer Zeitgeschichte. Solange eine angemessene Behandlung tabuisiert bleibt, wird der „Great War On Terror“ weiter wuchern

[…]

Der Begriff Verschwörungstheorie stammt aus dem Arsenal der psychologischen Kriegsführung

Während die Inquisition des Mittelalters ihre Dogmen (Dreifaltigkeitslehre, Jungfrauengeburt) gegen Häretiker und Ketzer mit gewaltsamen Methoden verteidigte, sind heute subtilere Methoden notwendig. In Sachen 9/11 wurden dafür jene Waffen der psychologischen Kriegsführung geschärft, die sich schon in den 1960er Jahren bewährt hatten – zur Stigmatisierung und Diffamierung von Kritikern, die die offizielle Version des Kennedy-Mordes anzweifelten. […]

Dies war die Geburtsstunde der Transformation einer neutralen Bezeichnung, „Verschwörungstheorie“ – in den USA („conspiracy“) ein üblicher, neutraler Rechtsbegriff – in einen Kampfbegriff zur Abwehr und Ausgrenzung Andersgläubiger. Nach dem 11. September 2001 feierte dieser Abwehrzauber fröhliche Urstände. In seiner Analyse der Reaktionen der „Qualitätsmedien“ stellte Andreas Anton fest: „Alle abweichenden Erklärungen zu den Ereignissen des 11. September werden pauschal haltlosen „Verschwörungstheorien“ und damit dem Bereich des Irrationalen, Lächerlichen, politisch Bedenklichen oder bisweilen gar Pathologischen zugeordnet“ (Verschwörungstheorien zum 11. September[14]).

Diese Reaktionen sind nicht überraschend angesichts der Tatsache, dass es sich bei der offiziellen Version der Ereignisse um ein auf Foltergeständnissen beruhendes Konstrukt handelt und eben nicht um eine mit Fakten gesättigte, rational nachvollziehbare und mit hoher Wahrscheinlichkeit wahre Darstellung der Realität. Mit den Mitteln der Vernunft, mit guten Argumenten, dem Verweis auf unbestreitbare Tatsachen, lässt sich ein solches Narrativ nicht verteidigen. Die einzige Möglichkeit, es als heilige Wahrheit zu retten, besteht in der radikalen Abwehr jeder Kritik, in der Schaffung eines Tabubereichs und der Bestrafung derjenigen, die ihn verletzen.

Der neuen Inquisition stehen damals bewährte Mittel von Daumenschrauben bis Enthauptung nicht mehr zur Verfügung, auch „Predigtverbote“ lassen sich im Internetzeitalter schwer durchsetzen. „Exkommunikation“ aus dem „seriösen“ öffentlichen Diskurs aber geht immer noch, auch in den Oasen „freier“ Wissenschaft und Forschung, wie etwa es die kanadische Dokumentation von Adnan Zuberi 9/11 In The Academic Community[15] (2013) zeigt.

Dass Kritik der beste Freund jeder echten Wissenschaft ist und jede gültige, allgemein anerkannte These der Falsifizierbarkeit standhalten muss, dieser wissenschaftliche Standard hat in Sachen 9/11 auf dem akademischen Parkett keine Gültigkeit. Und wer auf der Bühne der Politik und der Massenmedien unterwegs ist, hält zu Zweifeln am 9/11-Dogma besser ganz den Mund, sofern er nicht mit Vaterlandsverrätern, Terroristenfreunden und verrückten „Verschwörungstheoretikern“ in einen Topf geworfen werden will.

Wie kann es in einer „offenen“ Gesellschaft mit angeblich freier Wissenschaft und freier Presse zu einer derart erfolgreichen Tabuisierung kommen? Was ist der Grund für die massive Diskreditierung von Dissidenz, sobald das Stichwort 9/11 fällt, warum wird jede Abweichung sofort als „Verschwörungstheorie“ gebrandmarkt? Der Grund liegt darin, dass es sich bei der offiziellen Version selbst um eine lupenreine (weil unbewiesene) Verschwörungstheorie handelt – ein Hypothese über Täter, Planung und Ablauf des Verbrechens, die auf Indizien und fragwürdigen Zeugenaussagen, aber nicht auf verifizierbaren oder gerichtsfesten Beweisen beruht.

[…] Wer nun das Tabu der Unantastbarkeit des offiziellen Narrativs verletzt, etwas genauer hinschaut und sieht, dass der Kaiser nackt ist, gerät in ein Dilemma:

Geraten wir in diese von den Psychologen als kognitive Dissonanz bezeichnete Gemütslage, reagieren wir reflexartig immer auf dieselbe Weise: indem wir alle Fakten ausblenden, die unsere fundamentalen Überzeugungen ins Wanken zu bringen drohen. Und je größer die Dissonanz, je größer die Gefährdung unserer Überzeugungen, desto geringer unsere Bereitschaft, die unser Weltbild stützenden „Fakten“ auch nur in Frage zu stellen. Und 9/11 sorgte für eine gewaltige kollektive kognitive Dissonanz, stumm in der Tiefe der westlichen Gedankengebäude widerhallend, im Schlepp einen unwiderstehlichen inneren Befehl: Don’t go there! Don’t even think about it!

So heißt es im Nachwort unseres Buchs, über die Schwierigkeit weltbilderschütternde Tatsachen wahrzunehmen – und bei den Diskussionen, die ich dazu immer wieder habe, geht es oft um diesen Punkt: dass die Belege und Indizien ja durchaus überzeugend sind, warum 9/11 nur als „inside job“ durchführbar war und die Geheimdienste (der USA, Saudi-Arabiens, Israels, Pakistans) darin mindestens so verstrickt sind wie der deutsche Verfassungsschutz in den NSU-Terror, dass man sich das aber dennoch „irgendwie“ nicht vorstellen kann.

Wenn unsere gewählten Volksvertreter solche Verbrechen begehen, um Kriege durchzusetzen, wenn unsere „investigativen“ Medien dabei mitspielen und zu Stenografen der Macht verkommen, wenn wir als Zuschauer systematisch in die Irre geführt und verängstigt werden – wenn das wahr wäre, dann wäre ja nichts mehr wie es war. Da schauen wir am Besten gar nicht hin und halten uns lieber an das, was sie in der „Tagesschau“ erzählen…

Dort freilich sehen wir jetzt gerade jeden Tag, warum es dringend notwendig ist, das 9/11-Tabu zu schleifen, alle Theorien, Hypothesen und Gerüchte aus der Welt zu schaffen und das Verbrechen des Jahrhunderts so zweifelsfrei wie möglich aufzuklären. Es ist die offene und eiternde Wunde unserer Zeitgeschichte, mit ihr fing der „Great War On Terror“ an, der seitdem die Welt überzieht, ganze Regionen entstaatlicht, ins Elend stürzt und Millionen zur Flucht zwingt. Wer nicht nur Symptome, sondern die Ursache dieser Krise kurieren will, wird um eine den Gesetzen des Rechtsstaats und den Geboten der Vernunft entsprechende Behandlung von 9/11 nicht umhin kommen.

Der vollständige Text im Anhang.

Viele Grüße

Elke Schenk

globalcrisis/globalchange NEWS

BROECKERS-9-11-Terror-und-Tabu-tp2015_09_11.pdf

Zwei Interviews: mit Daniele Ganser und Prof. Rothfuß

Guten Tag zusammen,

nach Veröffentlichung des Aufsatzes „Malaysian Airlines Flug MH-17 — Beispiel eines macht- und medienpolitischen „Ereignisses““* auf dieser Liste kamen einige Nachfragen, ob der dort in Fußnote 5, S.2 angesprochene Vortrag von Dr. Daniele Ganser verfügbar sei?

Ja, der Vortrag von Daniele Ganser ist seit dem 03.02.2015 im Netz verfügbar. Ebenso ein Interview mit Prof. Dr. Rainer Rothfuß, der Ganser nach Tübingen eingeladen hatte und den Vortrag trotz massivem Gegenwind stattfinden ließ. Beide absolut sehenswerten Video-Aufzeichnungen werden weiter unten vorgestellt.

* Der Aufsatz (38 S.) und der dazugehörige Foliensatz (49 Folien) können unter folgenden URLs abgerufen werden:
https://steven25.files.wordpress.com/2015/02/mh17-aufsatz150130.pdf
https://steven25.files.wordpress.com/2015/01/mh17_f3_folien150130.pdf

Grüße,
Martin Zeis

I.

Medial vermittelte Feindbilder und die Anschläge vom 11. September 2001 –
Vortrag von Daniele Ganser
15.12.2014
Universität Tübingen
Dauer: 1:31:30 h

Veröffentlicht am 03.02.2015
Als am 11. September 2001 zwei Flugzeuge in den Nord- und den Südturm des World Trade Centers rasten, und beide Türme nach kurzer Zeit einstürzten, war die gesamte Welt geschockt. Die mediale Aufmerksamkeit war zunächst bei den eingestürzten Zwillingstürmen, nicht jedoch bei dem ebenfalls eingestürzten WTC-Gebäude 7, das weder von einem Flugzeug getroffen wurde, noch mit einer einzigen Silbe im offiziellen Untersuchungsbericht zu den Anschlägen erwähnt wurde. Die Aufmerksamkeit lag dann sehr schnell bei der Frage, wer für diese Attacke verantwortlich sei, und die Antwort wurde überraschend schnell präsentiert – Osama bin Laden und sein Terrornetzwerk Al-Kaida. Seither steht jeder Moslem unter Generalverdacht, und wer das Wort Terrorist hört, denkt in aller Regel an einen bärtigen Turban-Träger, und nicht an einen RAF- oder ETA-Terroristen.

Warum ist das so? Wer lanciert diese Feindbilder und profitiert davon? Welcher Zusammenhang besteht zu den aktuellen Kriegen des 21. Jahrhunderts? Sind diese Einsätze wirklich „Demokratie-Exporte“? Und kann man die Vereinigten Staaten von Amerika als Imperium bezeichnen? All das sind Fragen, auf die der Schweizer Historiker und Friedensforscher Dr. Daniele Ganser in seinem Vortrag „Die Terroranschläge vom 11. September 2001 und der ‚Clash of Civilizations‘ – Warum die Friedensforschung medial vermittelte Feindbilder hinterfragen muss“ am 15. Dezember 2014 im voll besuchten Hörsaal der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen einging. Neben über 500 interessierten Zuhörern aller Altersklassen wurde der Vortrag auch von KenFM-Kameras verfolgt und aufgezeichnet, und nun hier, wie bereits im letzten Interview angekündigt, veröffentlicht.

II.

Interview mit Prof. Dr. Rainer Rothfuß*
der Ganser nach Tübingen eingeladen hatte und den Vortrag trotz massivem Gegenwind stattfinden ließ.
Veröffentlicht am 05.02.2015
Dauer: 1:05:41 h

*Prof. Dr. Rainer Rothfuß arbeitet seit vielen Jahren an der Universität Tübingen im Forschungsbereich
Geowissenschaften. In dieser Funktion organisiert er immer wieder Vortragsreihen, die sich mit Feindbildern
beschäftigten.

„Wenn man weiß, wer der Böse ist, hat der Tag Struktur.“

Dieser Satz stammt von einem der bekanntesten politischen Kabarettisten des Landes, Volker Pispers und führt immer zu garantierten Lachern im Publikum. Dabei handelt es sich bei diesem Satz keineswegs um einen Gag, sondern um eine schlichte Bestandsaufnahme der menschlichen Psyche.

Menschen, fast alle und fast überall, haben ein Feindbild. Bei einigen wird dieses täglich sichtbar zu schau getragen und prägt das tägliche Verhalten, andere hingegen gehen davon aus, ihre hohe Bildung wäre ein Garant, um nicht selber Opfer des eigenen Feindbildes zu werden.

Dies ist ein Irrtum. Feindbilder sind oft derart tief in uns verankert und werden, kaum sind wir auf der Welt, von unserem Umfeld derart subtil vermittelt, dass sie auch für Menschen, die auf diesem Gebiet sehr sensibel sind, fast unsichtbar sind.

Feindbilder haben eine Funktion. Vor allem, wenn man Macht ausüben will. Feindbilder sorgen dafür, Massen zu lenken. Daher ist das Kreieren von Feindbildern die Voraussetzung, wenn man plant, einen Krieg zu beginnen. Vor allem, wenn man es bei der eigenen Bevölkerung mit Menschen zu tun hat, die Krieg vollständig ablehnen. Und doch ist niemand sicher davor, in Mitleidenschaft gezogen zu werden, wenn in seinem Umfeld ein frisch gezimmertes Feindbild greift.

Schon Joseph Goebbels empfahl, über den Hebel „Feindbild“ auch die Pazifisten in einem Volk mental fit für den Krieg zu machen. Alles, was man tun müsse, sei einen äußeren Feind zu erfinden, und jeden, der diesen Feind nicht bestätigen würde, als Vaterlandsverräter zu brandmarken. Diesem sozialen Druck würde jeder Pazifist früher oder später nachgeben. Ein massiv vermitteltes Feindbild hat also enorme Kraft und ist in der Lage, selbst Weltkriege der Bevölkerung schmackhaft zu machen.

Aus diesem Grund sind Feindbilder und deren Genese immer auch Forschungsgegenstand an Universitäten. Feindbilder kann man aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln untersuchen. Aus der Sicht der Psychologie natürlich, aber eben auch im Hinblick, wie Feindbilder in der Geschichte der Menschheit immer wieder variieren. Wie sie in unterschiedlichen Kulturen unterschiedlich eingesetzt werden.

Prof. Dr. Rainer Rothfuß untersuchte z.B. schlicht die Tatsache, dass die Intoleranz weltweit massiv zunimmt. Der „Clash of Civilizations“ in etwa kann Teil eines geopolitisch bewusst gewählten Konfrontationskurses sein, bei dem es im Kern um Bodenschätze geht. Aber auch religiös motivierte Kriege nehmen zu. Wo immer unterschiedliche Kulturräume aufeinander prallen, kommt es zu Spannungen.

Nur wie will der Mensch mit diesen Konflikten in Zukunft umgehen?
Ist die klassische Form, Krieg, noch eine Option auf einem Planeten, auf dem immer mehr Staaten über Kernwaffen verfügen?

Der Forschungsgegenstand der „Feindbildgenese“ ist hochaktuell und immens wichtig, um das Überleben der Menschheit auf diesem Planeten zu sichern.

Gerade daher erstaunte die Tatsache, dass Prof. Dr. Rainer Rothfuß im Rahmen dieser Forschung immer wieder Probleme aus dem eigenen Haus bekam.

Als er Ende 2014 im Rahmen seiner Forschung Wladimir Michailowitsch Grinin, Botschafter der Russischen Föderation, einlud, um dessen Sicht auf die Krim-Krise zu hören – sein Vortrag trug die Überschrift „Wege in eine partnerschaftliche Beziehung zwischen Ost und West: Die Perspektive Russlands“ – begann es im Lehrkörper der Uni Tübingen heftig zu brodeln.

Dieses Brodeln entwickelte sich zu einem heftigen Überkochen, als Rothfuß darauf bestand, auch den Schweizer Historiker Dr. Daniele Ganser einzuladen. Sein Vortrag, den KenFM Anfang Februar veröffentlichte, trug den Titel „Die Terroranschläge vom 11. September 2001 und der „Clash of Civilizations“: Warum die Friedensforschung medial vermittelte Feindbilder hinterfragen muss“.

Die gesamte Vortragsreihe von Rothfuß war extrem erfolgreich.
‪http://www.tuepps.de/events/view/date…

(…)

Wir trafen Prof. Dr. Rainer Rothfuß am 15.12. in Tübingen, um mit ihm nach dem Vortrag von Daniele Ganser ein Interview über die Motive seiner Arbeit zu führen.

Obwohl das Gespräch nachts um zwei Uhr geführt wurde, erlebten wir einen extrem wachen Geist, der vor die Entscheidung gestellt, moralisch einzuknicken und Karriere machen oder Rückgrat bewahren und einen Knick der Karriereleiter hinzunehmen, nie auf die Idee kommen würde, die eigenen Ideale, die der Geisteswissenschaften zu verraten. — Hervorh. m.z. —

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Martin Zeis
globalcrisis/globalchange NEWS
martin.zeis@gmxpro.net

Die gestrige Manifestation von Paris wird, so eindrucksvoll sie auch war, die Möglichkeit zur Sozial- und Medienkritik um Jahre zurückwerfen

http://www.nachdenkseiten.de/?p=24536

12. Januar 2015 um 14:22 Uhr

Die gestrige Manifestation von Paris wird, so eindrucksvoll sie auch war, die Möglichkeit zur Sozial- und Medienkritik um Jahre zurückwerfen

Verantwortlich: Albrecht Müller
Die gestrige Manifestation von Paris wird, so eindrucksvoll sie auch war, die Möglichkeit zur Sozial- und Medienkritik um Jahre zurückwerfen
Es ist großartig, dass sich so viele Menschen gegen die Ermordung von 17 Menschen wenden und für Pluralität, für Pressefreiheit und Verständigung zwischen den Religionen eintreten. Ich habe das Geschehen und die mediale Behandlung gestern und heute nicht mit Genugtuung und Bewunderung verfolgt, sondern mit Sorgen. Die Überschrift eines ersten Textentwurfs von gestern lautete: „Vom schamlosen Missbrauch der Morde von Paris durch Politik und Medien.“ Jetzt will ich den unterlassenen Einwurf mit einigen kritischen Fragen und Feststellungen nachholen. Albrecht Müller.

Die westliche Politik nutzt das Verbrechen, um ideologisch aufzurüsten: die Morde waren ein Anschlag auf unsere „Werte“, auf die Freiheit und insbesondere auf die Pressefreiheit, auf die Demokratie. – Damit wird vergessen gemacht, wie wertlos, wie wenig orientiert an Grundwerten der Menschlichkeit und Brüderlichkeit die Politik geworden ist. Es wird vergessen gemacht, dass es die vielbeschworene Wertegemeinschaft gar nicht gibt. Wo ist denn die Brüderlichkeit bei der Übertragung der sogenannten Reformpolitik auf Griechenland und andere Länder? Wo ist denn die Brüderlichkeit im Umgang mit den Menschen in Staaten, die der Westen destabilisiert hat? Wo ist denn die Gerechtigkeit geblieben? Und wo ist die Freiheit in Guantanamo geblieben? Und an vielen anderen Orten der Welt?
Die Überschriften und Botschaften lauten wie gestern in der Tagesschau/Tagesthemen: „Gemeinsam gegen den Terror“, „Die Welt rückt zusammen“; in meiner Zeitung: „Europa vereint gegen den Terror“. Was bleibt als Hauptbotschaft bei solchen Schlagzeilen und den entsprechenden Berichten über: „Wir sind die Guten“. – Merken die Bewunderer der großen Solidarität von gestern nicht, dass hier zugleich die Sauce des Einvernehmens über die überall sichtbare Ungerechtigkeit und über Gängelung und Überwachung und auch über die gängige Korruption im Westen gekippt wird?
Sowohl in der Übernahme des Sprachgebrauchs – „Terror“ – als auch in auffallend oft hinterlassenen Bemerkungen zur angeblichen Notwendigkeit besserer Kooperation mit den USA und im Westen insgesamt muss doch klar werden, dass diese schrecklichen Ereignisse von Paris benutzt werden, den Schulterschluss zwischen den USA und Europa fester zu machen und überall einzuüben und in den Köpfen und Herzen zu verankern. Die Bild-Zeitung hat das ja schon am 9. Januar schamlos zum Ausdruck gebracht: „Zwischenruf zum Anschlag in Paris – warum wir die Überwachung der NSA gegen den Terror brauchen“. Und die europäischen Innenminister haben in den Gesprächen mit dem amerikanischen Innenminister in die gleiche Kerbe gehauen.
Der Kampf gegen TTIP und andere Vorhaben wird nach der einvernehmlichen Manifestation von gestern schwieriger. Da sollte man sich keine Illusionen machen.
Die Kritik am Umgang mit Russland in der Ukraine-Krise und die Forderung nach Strukturen der gemeinsamen Sicherheit in Europa einschließlich Russlands werden es viel schwerer haben. Der Widerstand gegen Krieg wird es schwerer haben.
Die Kritik an den zerstörerischen und menschenverachtenden Kriegen des Westens, der USA und der NATO – von Libyen über den Iran bis nach Afghanistan – wird es nach den gestrigen Manifestationen noch schwerer haben. Das haben vermutlich die meisten der Demonstranten nicht gewollt; aber so wird es kommen.
Die Kritik an der Geopolitik der USA (und des Westens) wird abprallen an der Solidarität der Europäer im Kampf gegen den Terror. Wer wird denn noch an Kleinigkeiten wie den folgenden von a bis g herummeckern, wenn es um das große Ganze geht? Hier ein paar Hinweise auf die „Kleinigkeiten“:
der Folterbericht – siehe unter anderem hier.
der Bericht über die Beeinflussung der internationalen Finanzmärkte durch den Präsidenten und seinen Zuarbeiter Mister Glaser: „Die Superwaffe des Mr. Glaser“
die Überwachung durch die NSA
die Verfolgung der Whistler-Blower, von denen ARTE letzthin berichtet hat.
die Ächtung Snowdens
der Drohnenkrieg
die Aktivitäten der US-Sondereinheit im Kampf gegen den Terror. (Terror, das ist der gleiche Begriff, der in den Berichten über die Demonstrationen von gestern gebraucht wird.)
Medienkritik wird schwieriger. Wir haben ja Pressefreiheit so der Gesamteindruck. Der Satz des früheren Gründungsherausgebers der FAZ Paul Sethe vom 5. Mai 1965: „Pressefreiheit ist die Freiheit von zweihundert reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten“, klingt wie die irrelevante Erkenntnisse lang vergangener Zeiten. Es ist ja auch nicht mehr nötig, solche Erkenntnisse zu haben, weil ja gar nichts im Argen liegt. Über 1 Million Menschen haben sich mit ihren Plakaten und Buttons „Je suis Charlie“ zu der Meinung bekannt, dass es hier einen Anschlag auf die vorhandene Pressefreiheit gegeben habe. Die Existenz von Charlie, die Existenz dieses kritischen Blattes wird als Existenz von pluraler Meinungsbildung gewertet. Das ist grotesk.
Im Kapitel 21 meines Buches „Meinungsmache“ habe ich auf über 60 Seiten im Detail beschrieben, warum man davon ausgehen muss, dass die Medien als kritische Instanz verschwunden sind. Mit dieser Aussage würde ich bei den Teilnehmern der gestrigen Manifestation nur noch ungläubiges Kopfschütteln auslösen. Ja, „wir“ haken uns jetzt ein und marschieren so zusammen gegen die Zweifel an jeglicher Sozial- und Medienkritik. Aufklärung ist nicht mehr angesagt. Wir stehen zusammen!
Zur Vertiefung: Stellen Sie sich vor, morgen, am Dienstagabend zur üblichen Zeit würde die „Anstalt“ vom ZDF mit dem folgenden Programm daherkommen (ab Minute 37), also mit einer kritischen Würdigung des Wirkens einiger besonders einflussreicher Journalisten und ihrer atlantischen Vereinigungen – die Macher dieser Sendung und vermutlich auch das ZDF würden von der Politik als pietätslos und von den Medien als unkollegial und unsolidarisch mit „Charlie“ niedergemacht.
Medienkritik ist stigmatisiert, das zeigt auch die zuvor eingeklinkte Illustration, die gestern die erste Seite der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung geziert hat. Aus dem Mund eines der Terroristen von Paris schallt der Ruf: „Lügenpresse!“. – Wehe, wir versuchen weiter die Glaubwürdigkeit vieler Medien zu hinterfragen. Die im Gegenangriff gebrauchte Assoziation steht.
Aufklärung auch im Sinne der Suche danach, was die Terroristen von Paris zu ihren Taten tatsächlich getrieben hat und welche sozialen Hintergründe es möglicherweise gibt, ist nicht sonderlich aktuell. Gefragt wird nicht mehr, nicht nach den Hintergründen, auch nicht nach den Ungereimtheiten. Wer in diesen herumrührt, stellt sich außerhalb der geschlossenen Reihen.
Auf eine mir gestern begegnete Ausnahme will ich hinweisen und zugleich sichtbar machen, dass unsere Medienkritik keineswegs pauschal ist. Der Reporter der ARD in Paris, Matthias Werth, hat gestern neben vielem anderen immerhin auch geraten, sich über die Ursachen Gedanken zu machen und dem Sinne nach gefragt: Wie geraten junge Menschen in diesen Strudel? – Nach meinem Eindruck ist er mit dieser richtigen Frage ziemlich einsam.

Es gebe noch viel anzufügen, manche Leser werden meine Anmerkungen hinterfragen. Warum nicht! Die NachDenkSeiten sollen ein Medium für Menschen sein, die sich noch eigene Gedanken machen. So ist es gedacht. Deshalb auch dieser Text.

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Martin Zeis
globalcrisis/globalchange News
martin.zeis@gmxpro.net

Großes Schachspiel in Paris?

http://www.rationalgalerie.de/…/wir-alle-sind-charlie-ali.h…
Charlie sein zu wollen ist nachzuvollziehen, aber reicht das? Wovon sollen wir gerade abgelenkt werden? Grand chessboard in Paris!

Auf Rationalgalerie wird versucht die berechtigte Betroffenheit über den Mord an 12 Menschen in Paris auszuweiten auf Bevölkerungsgruppen der Menschheit , die in den vergangenen Jahrzehnten wiederholt den größten Blutzoll westlicher Aggressionsakte zu bezahlen hatten.