Schweigende Lämmer, getroffene Hunde

Paul Schreyer

WEST_Mausfeld_Warum schweigen die Lämmer?_11.indd1. Dezember 2018   —   Wenn Bücher, die nahe legen, dass Demokratie im Westen nur Fassade ist, zu Bestsellern werden, schweigen die Leitmedien – oder unterstellen, die Autoren wären verwirrte Scharlatane. Jüngste Fälle: Rainer Mausfeld und Dirk Müller.

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Rainer MAUSFELD: „Wir leben in einer Zeit der Gegenaufklärung“ – Interview mit Paul SCHREYER, TP 02.10.2018

Liebe Leute,

in einem Interview mit Paul SCHREYER skizziert Rainer MAUSFELD wesentliche Inhalte seines eben erschienenen Buchs: Warum schweigen die Lämmer? Wie Elitendemokratie und Neoliberalismus unsere Gesellschaft und unsere Lebensgrundlagen zerstören, (Westend-Verlag, 304 S. 24 Euro).

Grüße,
Martin Zeis

– A u s z u g –

02.10.2018 — http://www.heise.de/tp/features/Wir-leben-in-einer-Zeit-der-Gegenaufklaerung-4178715.html?view=print

„Wir leben in einer Zeit der Gegenaufklärung“

02. Oktober 2018 Paul Schreyer

Der Psychologe Rainer Mausfeld über die Illusion des Informiertseins, eine „Verachtung des Volkes“ und Journalisten und Intellektuelle, „die sich wie Eisenspäne in den Kraftfeldern der Macht ausrichten“

Herr Mausfeld, Sie sind vor allem bekannt für Ihre Vorträge [1], in denen es um die ver-deckte Rolle von Machteliten in unserer Gesellschaft geht. Dafür werden Sie von vielen Seiten angegriffen. Der ehemalige ARD-Journalist Hans Jessen wirft [2] Ihnen im Podcast von Tilo Jung ein „geschlossenes Weltbild“ vor, der Amerikanistik-Professor Michael Butter entdeckt in Ihrer Arbeit „verschwörungstheoretische Züge“ – was umgehend in den Wikipe-dia-Artikel zu Ihrer Person eingearbeitet [3] wurde. Überrascht Sie die Vehemenz solcher Kritik?

Rainer Mausfeld: Wir müssen natürlich Kritik und Diffamierung unterscheiden. Kritik zielt auf die Sache, Diffamierung auf die Person. Kritik beruht auf Argumenten, Diffamierung arbeitet mit einem Diffamierungsvokabular. Worum geht es mir in meinen politischen Beiträgen in der Sache? In meinen Vorträgen geht es mir weniger um Vermittlungen konkreter Inhalte und Positionen. Denn hier gibt es wie stets bei der Betrachtung komplexer Systeme einen großen Spielraum für unterschiedliche Perspektiven; ich lege jedoch in meinen Beiträgen stets offen, dass meine Perspektive durch die radikaldemokratische Tradition der Aufklärung geprägt ist.

Mir geht es in meinen Vorträgen vor allem um die Vermittlung einer Denkmethodologie, also gleichsam um das Handwerk des Denkens, mit der wir unsere alltäglichen politischen Erfahrungen wieder in einen Sinnzusammenhang einordnen können. Denn nur so können wir wieder ein Stück Autonomie gewinnen und angemessene Handlungskonsequenzen aus unseren Erfahrungen ziehen.

Was meinen Sie mit „Handwerk des Denkens“?

Rainer Mausfeld: Zum Handwerkszeug des Denkens gehören auch die in der Aufklärung verfeinerten Methoden, durch die sich unbewusste und oftmals tief verborgene politische Vorurteile aufdecken lassen. Somit gehört auch die Ideologiekritik zur Denkmethodologie. Politische Indoktrination zielt ja gerade darauf, in uns die Art von Vorurteilen zu erzeugen, die dazu beitragen, den Status der Machtausübenden zu stabilisieren. Da also Ideologiekritik stets Machtkritik ist, kann man nicht erwarten, dass dies bei den jeweils Mächtigen auf Begeisterung stößt.

Nun ist, wie der große Demokratietheoretiker Sheldon Wolin treffend feststellte, in unseren kapitalistischen Demokratien jede Form von Dissens erlaubt oder als Revolutionsprophylaxe sogar erwünscht, solange der Dissens politisch unwirksam bleibt. Zur Eingrenzung, Neutralisierung und Ächtung von unerwünschtem Dissens gibt es ein großes Spektrum an erprobten Möglichkeiten eines Dissensmanagements.

Methoden und Funktionsweisen eines Dissensmanagements können wir besser verstehen, wenn wir statt auf Personen auf seine strukturellen Eigenschaften fokussieren. Zu diesen gut untersuchten und seit langem bekannten strukturellen Eigenschaften gehört es, dass in allen Machtstrukturen besonders Journalisten, Intellektuelle und Wissenschaftler, die in gesellschaftsrelevanten Bereichen arbeiten, eine Tendenz aufweisen, sich wie Eisenspäne in den Kraftfeldern der Macht auszurichten.

Folglich finden sich in allen Machtstrukturen gerade unter Personen, die über besondere Möglichkeiten verfügen, sich in eine öffentliche Debatte einzubringen, bereitwillige Vertreter, die gleichsam als Bannwarte der Macht agieren und in vorauseilendem Opportunismus alles, was sie für einen unzulässigen Dissens halten, mit Diffamierungsbegriffen belegen.

Da sie auf diese Weise den in Politik und Medien Mächtigen bezeugen, dass sie die herrschende Ideologie tief internalisiert haben, werden sie dafür vor allem im journalistischen und akademischen Bereich oft mit entsprechenden Karrierechancen belohnt. Diese Mechanismen eines Dissensmanagements in kapitalistischen Demokratien sind seit langem wohlbekannt.

Das heißt, Vorwürfe wie „geschlossenes Weltbild“ oder „Verschwörungstheorie“ kommen für Sie nicht gerade unerwartet?

Rainer Mausfeld: Da meine Vorträge darauf zielen, Denkmethoden aufzuzeigen, mit denen sich die Diskrepanz zwischen Ideologie und Realität besser sichtbar machen lässt, und da die Machtausübenden gerade darauf angewiesen sind, politischen Dissens in Bahnen zu halten, die für sie risikofrei sind, überrascht es mich nicht, zum Ziel von Diffamierungsbemühungen zu werden.

Da sich ihre Urheber in den von Ihnen genannten Fällen nicht einmal die Mühe machen, etwas anzuführen, das sie als Argumente oder Belege ansehen, haben diese Anwürfe mit mir und den Inhalten, die ich zu vermitteln suche, nichts zu tun. Das ist eigentlich für jeden, der sich ernsthaft mit meinen Beiträgen beschäftigt, klar erkennbar. Wer nun dennoch meint, eine ernsthafte Auseinandersetzung durch ein paar hingeworfene Schmähwörter ersetzen zu können, wird mit einer solchen intellektuellen Selbstauskunft leben müssen.

Sprache als Herrschaftsinstrument

Damit sind wir schon mitten im Thema – die Rolle der Sprache. Sie sagen: „Wer die Sprache beherrscht, also die Begrifflichkeiten und Kategorien, in denen wir über gesellschaftlich-politische Phänomene nachdenken und sprechen, hat wenig Mühe, auch uns zu beherrschen.“ Da fallen einem schnell beliebte Vokabeln wie „Populismus“ oder eben „Verschwörungstheorie“ ein – Worte, die das Denken beschränken und mit denen bestimmte Ansichten für indiskutabel erklärt werden. Was zur Frage führt: Kann eine Gesellschaft, die ihr eigenes Denken zunehmend beschränkt, überhaupt noch kluge Entscheidungen treffen?

Rainer Mausfeld: Politischer Kampf bedeutet stets Kampf um Definitionsmacht und um die Aneignung von Wörtern. Daher ist Sprache in der Tat neben Panzern das wichtigste Herrschaftsinstrument. Da Demokratien die Möglichkeiten eines Einsatzes physischer Gewalt begrenzen, sind die Machtausübenden darauf angewiesen, die Stabilität von Machtverhältnissen auf anderen Wegen zu sichern. Über die Sprache lässt sich dies besonders wirkungsvoll bewerkstelligen. Beispielsweise über eine orwellsche [5] Neubestimmung sehr grundlegender Begriffe wie Freiheit und Demokratie oder auch durch das riesige Vokabular von neoliberalen Falschwörtern wie Liberalisierung, Globalisierung, Deregulierung oder Reform.

Über die Sprache lassen sich auch ganze ideologische Denk- und Erklärungsrahmen vermitteln, die wir dann meist unbewusst zur Einbettung unserer täglichen politischen Erfahrungen verwenden. Etwa die Rahmenerzählung einer „westlichen Wertegemeinschaft“ – ein für ihre Millionen Opfer besonders folgenschweres Beispiel. Diese ideologischen Rahmenerzählungen werden durch ein breites Spektrum an politischem Kampfvokabular gegen Einwände abgesichert. Gegenwärtig haben dabei vor allem die Begriffe Populismus und Verschwörungstheorie Hochkonjunktur, mit denen sich der neoliberale „Fanatismus der Mitte“ – übrigens ein Begriff, den der bedeutende Verfassungsrechtler Helmut Ridder schon 1979 verwendete – als alternativlos zu deklarieren sucht.

Wie schätzen Sie die heutige Verwendung des Begriffes „Populismus“ denn ein?

Rainer Mausfeld: Man muss sich nur die Wahlplakate der jeweiligen Regierungsparteien der vergangenen, sagen wir, 40 Jahre ansehen, um den Beitrag zu erkennen, der hier zur Komplexitätsvermittlung geleistet wurde. Die heute mit dem Populismusvorwurf belegten politischen Erscheinungsformen kann man wohl als eine Art Nemesis – also sozusagen als ausgleichende Gerechtigkeit – für die grundlegende Verachtung des Volkes verstehen, die kennzeichnend für alle Eliten westlicher Demokratien ist.

Diese Verachtung des Volkes entlädt sich nun mit populistischer Wucht und Unberechenbarkeit, oft auf der Basis von Affekten, die zu den dunklen Seiten der menschlichen Natur gehören. Bei diesen Affekten handelt es sich oft um Abwehraffekte gegen die eigenen Gefühle politischer Ohnmacht, die sich nun vor allem gegen die sozial Schwächsten entladen. Diese Gefühle politischer Ohnmacht, das sollten wir nicht vergessen, wurden und werden seit Jahrzehnten in sehr systematischer Weise erzeugt, um das Volk von einer politischen Partizipation fernzuhalten.

Können Sie das erläutern?

Rainer Mausfeld: Die neoliberale Phantom-Mitte betreibt seit Jahrzehnten ein Umverteilungsprojekt, das gegen die Mehrheit der Bevölkerung gerichtet ist. Dieses neoliberale Projekt ist nur möglich, wenn zuvor die in langen Jahrzehnten mühsam gewonnene demokratische Substanz abgebaut oder zumindest neutralisiert wird. Die Entmachtung der Legislative, also des Parlaments, durch die Exekutive ist nur ein, wenn auch ein besonders folgenschwerer Aspekt. Eine so massiv gegen die Interessen der Mehrzahl der Bevölkerung gerichtete Politik kann der Bevölkerung auf die Dauer trotz massiver Indoktrinationsbemühungen nicht verborgen bleiben.

Es ist also wenig überraschend, dass immer mehr Menschen die Brüche zwischen Ideologie und Realität erkennen. Entsprechend erhöhen sich in der Bevölkerung das Misstrauen in die politischen Institutionen, das Empörungspotential und damit das Veränderungsbedürfnis. Die neoliberale Phantom-Mitte benötigt daher zur Sicherung ihrer Macht den von ihr wesentlich mithervorgebrachten Rechtspopulismus. Ja, sie ist mittlerweile geradezu symbiotisch auf ihn angewiesen, weil sie ihn als Mittel zur Angsterzeugung benötigt, um mit dieser Drohkulisse das wachsende Veränderungsbedürfnis der Bevölkerung in „alternativlosen“ Bahnen zu halten. So geben sich also de facto die Täter als Retter aus.

Und wie sieht es mit den allgegenwärtigen „Verschwörungstheorien“ aus?

(…)

Volltext über obige URL und als pdf-Datei im Anhang (14 S.).
MAUSFELD-Wir-leben-in-Zeit-der-Gegenaufklärung181002

28. Pleisweiler Gespräch mit Professor MAUSFELD – 22. Oktober 2017

Am 03.11.2017 veröffentlicht

 
Wie sich die „verwirrte Herde“ auf Kurs halten lässt – Rainer Mausfelds Vortrag zu den Pleisweiler Gesprächen als Video Der Vortrag ist mit gut zwei Stunden recht lang geraten. Aber er war spannend und Rainer Mausfeld präsentierte viel Material, viele Anregungen, viele Daten, viele Zitate, viele Hinweise auf Literatur – der Vortrag enthält ein Bündel von nützlichen Informationen. Sie können dann, wenn Sie sich für eine der vielen benutzten Abbildungen und Folien besonders interessieren das Video anhalten, nachlesen und notieren. Was mir beim Noch-mal-anschauen besonders auffiel: Rainer Mausfeld und mit ihm viele NachDenkSeiten-Leserinnen und -Leser leben in einer anderen Welt als die Mehrheit der in unserem Land dominierenden Personen in Politik und Medienwelt. Wer das Geschehen kritisch betrachtet, ist weit weg von jenen, die in unserer Gesellschaft das Sagen haben. Sie unterscheiden sich vor allem im Blick auf das, was bei uns Demokratie genannt und als solche tagaus tagein gerühmt wird. Da gießt Rainer Mausfeld kübelweise Wasser in den üblichen politischen Bildungswein. Er beschreibt und belegt, wie alt und wie geplant die neoliberal geprägte Zerstörung demokratischen Zusammenlebens ist. Der historische Abriss ist ganz und gar nicht langweilig.
Am Schluss kommt die große Frage: Was tun? Selbst aktiv werden. Das vollständige Thema des Vortrags lautete: Wie sich die „verwirrte Herde“ auf Kurs halten lässt: Neue Wege der „Stabilitätssicherung“ im autoritären Neoliberalismus Nachzutragen bleibt noch eine Bitte an Sie. Unterstützen Sie uns, falls Sie sich das finanziell leisten können, bei der Finanzierung der entstandenen Kosten für Veranstaltung und Videoaufnahmen. Nutzen Sie bitte dazu das Konto des Fördervereins der NachDenkSeiten: http://www.nachdenkseiten.de/?page_id…
Die im Votrag verwendeten Folien lassen sich als PDF öffnen:

Prof. Rainer Mausfeld: Die Angst der Machteliten vor dem Volk – Demokratie-Management durch Soft Power-Techniken, Vortrags-Video + Transkript (ergänzt) 19.02.2017, 02.11.2016

globalcrisis/globalchange NEWS
Martin Zeis, 22.02.2017

auf Hinweis von Jens WERNICKE, 20.02.2017 09:35

Prof. Rainer Mausfeld*

Die Angst der Machteliten vor dem Volk – Demokratie-Management durch Soft Power-Techniken

Vortrag auf einer Veranstaltung der IPPNW-Hamburg (Organisation Jette Limberg-Diers), Steiner-Haus Hamburg, 2. November 2016

Vortrags-Video 1:38:37, Link: https://www.youtube.com/watch?v=Rk6I9gXwack

Inhaltsübersicht des Vortrags mit Zeitliste

00:01:20 Die Metapher von den Schafen und dem Hirten: Die Beziehung zur Demokratie von unten und von oben betrachtet

00:14:25 Eliten und ihre Herrschaftstechniken: Psychische und physische Machtausübung – Basisideologie von Soft-power als Rechtfertigungsideologie

00:29:33 Volk und Elite: Warum das Volk zum eigenen Wohle belogen werden soll

00:36:54 Affektive und kognitive Mentalvergiftung, um Kritik am Zentrum der Macht zu verunmöglichen – Falschwörter und Denuziationsbegriffe

00:45:50 Die amerikanische Ideologie des Exzeptionalismus

00:55:12 Meinungsmanipulation: Aktualindoktrination – Propaganda in den Medien. Tiefenindoktrination – Schulsysteme im Sinne der Herrschaftsideologie

01:00:44 Tiefenindoktrination: Benevolenz – die Idee vom selbstlosen Imperium zur Durchsetzung des hegemonialen Anspruchs

01:18:13 Tiefenindoktrination: Repräsentative Demokratie zur Abwehr von Demokratie und Unsichtbarmachung alternativer Demokratiekonzeptionen

01:28:01 Aufklärung vs Gegenaufklärung: Humanitärer Universalismus und die Gemeinsamkeiten zwischen Neoliberalismus und Faschismus

Prof. Mausfeld hat auf der Basis des von Jette Limberg-Diers erstellten Audio-Transkripts eine schriftliche Fassung Vortrags mit einigen zusätzlichen Ergänzungen und ausführlichen Quellenhinweisen erstellt.

Das Dokument (pdf, 39 S.) ist über folgenden Link verfügbar:

http://www.uni-kiel.de/psychologie/mausfeld/pubs/Mausfeld_Die_Angst_der_Machteliten_vor_dem_Volk.pdf

* Rainer Mausfeld (* 22. Dezember 1949 in Iserlohn)[1] ist ein deutscher Psychologe und Hochschullehrer. Mausfeld studierte von 1969 bis 1979 Psychologie, Mathematik und Philosophie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und Mathematische Psychologie an der Universität Nijmegen. Anschließend war er bis 1981 Referent am Institut für Test- und Begabungsforschung der Studienstiftung des deutschen Volkes in Bonn. Im Jahr 1984 promovierte er an der Universität Bonn. Drei Jahre später wurde er Visiting Research Professor an der University of California, Irvine. Im Jahr 1990 habilitierte Mausfeld an der Universität Bonn.
1992 wurde er Professor für Allgemeine Psychologie an der Universität Mannheim und ein Jahr später Professor für Allgemeine Psychologie an der Universität Kiel.
2004 wurde er zum Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina gewählt.
(Quelle: https://de.wikipedia.org )

Machtkampf in den US-Herrschaftsfraktionen

globalcrisis/globalchange NEWSMartin Zeis, 17.02.2017

 

Hallo zusammen,

 

in dem Text „Brutaler Machtkampf: Geheimdienste nehmen US-Präsident Trump ins Visier“ fassen die DWN – gestützt auf vorlaufende Texte bei zerohedge (1) – die jüngere Emtwicklung der inneroligarchischen Auseinandersetzung zwischen dem Trump-Lager und dem seit eineinhalb Jahren dagegen hämmernden Clinton-Neocon-Feld (inklusive Fraktionen in CIA, FBI, Pentagon + Parteioligarchien der Demokraten / Republikaner + Wallstreet + IT-Industrien). Die dabei zugrundeliegenden unterschiedlichen Strategie-Varianten können hier nicht vertieft werden: (a) die bereits verlorengegangene globale Vorherrschaft des USA-Imperiums mit allen Mitteln des Währungs-/Handelskriegs und militärischer Konfrontation, ggf. größerer Regionalkriege, rasch wiederzugewinnen bzw. (b) zu versuchen, das strategische Bündnis Russland-China-Iran aufzusprengen und einige Jahre Zeit zu gewinnen, die (1995 – heute) in Kernsektoren deindustrialisierte US-Wirtschaft (gefährlich abhängig von globalen Lieferketten!!) wieder auf eigene Füße zu stellen.

 

DWN stellt nun eine in den letzten eineinhalb Wochen sichtbare Verschärfung des Machtkampfs fest: Mordaufrufe gegen Trump im Netz (in den US ca. 15.000), die von den Geheimdiensten gesammelt/archiviert, aber nicht weiter verfolgt werden (darunter findet sich vielleicht ein handhabbarer „Verrückter“, der schießt); in den letzten Tagen die Hochverrats-Variante mit dem angkündigten Tod Trumps im Gefängnis.

 

Nebenbei: Auf deutscher Seite schoss in dieser Hinsicht Zeit-Herausgeber Josef Joffe den Vogel ab, als er recht früh im ARD-Presseclub vom 22. Januar 2017 den “Mord im Weißen Haus” als mögliches Mittel in die Runde warf, um Trump vor Ablauf seiner Amtszeit aus dem Weißen Haus zu „entfernen“ (vgl. http://www.ardmediathek.de/tv/Presseclub/Trump-im-Amt-K%C3%B6nnen-wir-uns-auf-Amerik/Das-Erste/Video?bcastId=311790&documentId=40096658 — ab 46:00 min in der Diskussion, dass ein Impeachment-Verfahren gegen Trump doch umständlich sei und hohe Hürden aufweise).

 

Die Nicht-Neocon-Fraktionen (oft als die „realistischen“ bezeichnet) in den Diensten (FBI, CIA) + Pentagon schweigen bei diesem Treiben bisher — man wartet ab. Der Vorschlag von Wikileaks, die gesamten Telefonmitschnitte* von Flynn und anderen komplett zu veröffentlichen, verhallt bisher. (* in den Massenmedien der US- und D wird mit Behauptungen und aus dem Zusammenhang gerissenen Teilsätzen gearbeitet – eine bekannte „Lenkungs“-Methode).

 

Falls Trump fällt, steht die B-Version mit dem Vize-Präsidenten (siehe Lyndon B. Johnson nach dem Mord an JFK) und den bestätigten knallharten, stahlgesichtigen Generälen (i.R.), den Business-Leuten aus der oberen Etage (Rust Belt – Old Industries, Oil & Military) sowie den vorausschauend installierten Goldmännern (Aktie seit Amtsantritt um 40% nach oben geschossen) zur Verfügung …

 

(1) zerohedge-texte vom 16.02.2017 zum Machtkampf in den USA

 

http://www.zerohedge.com/news/2017-02-16/swamp-strikes-back

The Swamp Strikes Back

… The tawdry Michael Flynn soap opera boils down to the CIA hemorrhaging leaks to the company town newspaper, leading to the desired endgame: a resounding victory for hardcore neocon/neoliberalcon US Deep State factions in one particular battle. But the war is not over; in fact it’s just beginning. …

 

http://www.zerohedge.com/news/2017-02-16/civil-war-control-us-government-has-erupted-between-deep-state-and-donald-trump

A Civil War For Control Of The US Government Has Erupted Between „The Deep State“ And Donald Trump

 

http://www.zerohedge.com/news/2017-02-16/wake-america-dennis-kucinich-defends-trump-issues-dire-warning-about-deep-state

„Wake Up America“ Dennis Kucinich Defends Trump, Issues Dire Warning About „Deep State“

… In the interview, Kucinich blamed factions of the US intelligence community for wanting to end any positive relationship between Russia and the US, hoping for a return of the cold war.

„…the American people have to know that there’s a game going on inside the intelligence community… at the bottom of all this is the fact that there are those that seek to separate US from Russia to reignite the cold war… wake up America!!“

Kucinich did not see this as an anti-Trump game, but rather an anti-Russia game:

“It’s not just this administration. I want to remind the views and all those who are on the panel that in the closing months of the Obama administration, they put together a deal with Russia to create peace in Syria. A few days later, a military strike in Syria killed a hundred Syrian soldiers and that ended the agreement. What happened is inside the intelligence and the Pentagon there was a deliberate effort to sabotage an agreement the White House made.”

This is like “Deep State” said Kucinich. …

 

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 Brutaler Machtkampf: Geheimdienste nehmen US-Präsident Trump ins Visier

 

 
 
Die US-Geheimdienste schießen sich mit immer schwererem Geschütz auf US-Präsident Donald Trump ein. Sie werfen ihm Hochverrat vor, sagen ihm den Tod im Gefängnis voraus.
Zwischen den US-Geheimdiensten und US-Präsident Donald Trump eskaliert. Nach dem Abgang von Michael Flynn sprechen die Dienste von „Kreml-Gate“ (Kremlingate) und wollen nun Trump persönlich des „Hochverrats“ überführen. So schreibt der Observer unter Berufung auf Spekulationen aus dem Geheimdienst-Apparat: „Es ist schwierig sich vorzustellen, wie Flynn beschlossen haben soll, mit Moskau zu marschieren, ohne einen wie immer gearteten Auftrag von Donald Trump zu haben. Wir wissen nicht, ob dies der Fall war und können daher darüber nicht spekulieren. Aber während Flynn zweifellos ein unberechenbarer Typ ist, versteht er als Karriere-Soldat die Befehlskette mit völliger Klarheit. Die Annahme, dass der künftige National Security Advisor alle Kanäle der Kommunikation mit dem Kreml alleine erschlossen hat, ist ebenso glaubwürdig wie die Vorstellung, dass die Klempner beschlossen haben, ohne größere Befehle in das Watergate Gebäude einzudringen.“

Der frühere CIA-Agent Evan McMullin sagte auf CNN, dass „Donald Trump eine Bedrohung für das Land“ darstelle. Die CIA-Agenten würden die Dokumente leaken, damit die Agenten ihrem Eid Rechnung tragen, die Sicherheit des Landes zu schützen. In einem Tweet sagte McMullin, dass mit Trump „der größte Feind der USA“ (Russland) den Posten des US-Präsidenten erobert habe. Die USA seien nun destabilisiert, weil der russische Präsident Putin es geschafft habe, die USA mit Trump zu destabilisieren.
Evan McMullin

✔ @Evan_McMullin

So, the real scandal isn’t that the President of the United States of America appears to have been co-opted by America’s greatest adversary? https://twitter.com/realdonaldtrump/status/831853862281699331
3:36 PM – 15 Feb 2017

 

Der frühere NSA-Spitzenmann John Schindler feuert daher über Twitter mit scharfem Geschütz. Schindler ist in der weltweiten Geheimdienst-Community (IC) sehr gut vernetzt und reflektiert daher vermutlich sehr zutreffend, was Trumps Gegner denken und worauf sie ihre nächste Attacken aufbauen werden. Er wirft Trump Hochverrat vor und sagt ihm voraus, dass er im Gefängnis sterben werde:

 

John Schindler

✔ @20committee

IC thinks Trump is a traitor. I’ll leave to actual lawyers to assess that, but it’s quite a day in any democracy when the spies think such.
5:49 AM – 16 Feb 2017

 

 John Schindler

✔ @20committee

US intelligence is not the problem here.

The President’s collusion with Russian intelligence is.

Many details, but the essence is simple.
3:21 PM – 15 Feb 2017

John Schindler

✔ @20committee

Now we go nuclear. IC war going to new levels. Just got an EM fm senior IC friend, it began: „He will die in jail.“https://twitter.com/JWal077/status/831871381570781184
3:27 PM – 15 Feb 2017

 

John Schindler

✔ @20committee

Trump’s deep, long-term Kremlin ties are ultimately about money. Involves much RIS+ROC. Everything else is peripheral to the central story.
2:00 PM – 16 Feb 2017

 

 

Trumps Reaktionen zeigen, dass er getroffen ist. Obwohl er noch im Wahlkampf nicht das geringsten Problem mit den Leaks über Hillary Clinton hatte, attackiert er nun die Geheimdienste:

 

 

Donald J. Trump

✔ @realDonaldTrump

Leaking, and even illegal classified leaking, has been a big problem in Washington for years. Failing @nytimes (and others) must apologize!
12:58 PM – 16 Feb 2017

 

Donald J. Trump

✔ @realDonaldTrump

Information is being illegally given to the failing @nytimes & @washingtonpost by the intelligence community (NSA and FBI?).Just like Russia
1:19 PM – 15 Feb 2017

 

Das Wall Street Journal berichtet, dass die Geheimdienste bewusst Informationen zurückhalten und nicht an Trump weitergeben. Die Zeitung zitiert anonyme Geheimdienstkreise. Der Grund für dieses außergewöhnliche Verhalten liege darin, dass die Geheimdienste sich vor der „Nähe Trumps zu Putin“ fürchten. Die Geheimdienstkreise führen an, dass Trump während des Wahlkampfs gesagt habe, Putin solle weiter Hillary Clintons Emails hacken. Diese Aussage gebe den Diensten Anlass zur Sorge, dass Trump geheime Informationen an die Russen weitergeben könne. Dies sagte der demokratische Abgeordnete Adam Schiff unter Berufung auf Gerüchte und anonyme Quellen.
Das Material für die einzigartige Eskalation liefert die New York Times, die in der Regel über exzellente Informationen aus den Geheimdiensten verfügt. Zwischen dem Wahlkampf-Team von US-Präsident Donald Trump und russischen Geheimdienstmitarbeitern hat es demnach im Jahr vor der US-Wahl eine Vielzahl von Kontakten gegeben. Das gehe aus Telefonmitschnitten von US-Ermittlern und -Geheimdiensten hervor, berichtete die Times am Dienstag unter Berufung auf vier amtierende und ehemalige Mitarbeiter der Regierung. Nicht nur Wahlkampf-Manager, sondern auch andere Personen aus dem Umfeld Trumps haben demnach wiederholt mit russischen Agenten kommuniziert. Um was es dabei ging, wurde der Zeitung zufolge nicht bekannt. Bei der US-Regierung war zunächst keine Stellungnahme zu bekommen.
Die „New York Times“ berichtet weiter, die US-Ermittler und -Geheimdienste hätten die Telefonate ungefähr zur selben Zeit mitgeschnitten, zu der sie Beweise für die Beeinflussung des US-Wahlkampfs durch Russland gefunden hätten. Es seien aber keine Hinweise darauf aufgetaucht, dass das Umfeld des Republikaners Trump mit den Russen bei Hacker-Angriffen auf die Demokraten konspiriert habe. Allerdings habe die Ermittler die schiere Menge der Kontakte alarmiert – in einer Zeit, in der sich der damalige Präsidentschaftskandidat Trump besonders positiv über Russlands Präsident Wladimir Putin äußerte. Russland weist die im Wahlkampf aufgekommenen US-Vorwürfe zurück, versucht zu haben, den Ausgang des Votums zu beeinflussen.
Die Zeitung räumt ein, dass die Kontakte mit dem russischen Geheimdienst auch durch Geschäftsbeziehungen von Trumps Wahlkampf-Managern – möglicherweise auch unwissentlich – zustande gekommen sein könnten. Die Telefonmitschnitte haben laut „New York Times“ nichts mit den abgehörten Gesprächen zu tun, die Trumps ehemaliger Sicherheitsberater Michael Flynn mit dem russischen US-Botschafter Sergej Kisljak geführt hatte. Flynn war in der Affäre um diese Unterredungen zurückgetreten.
 
 
 

KenFM im Gespräch mit: Hermann Ploppa (Die Macher hinter den Kulissen)

Veröffentlicht am 28.07.2015

Wir leben in einem System, das sich „Der Westen“ nennt und vorgibt, demokratisch organisiert zu sein. Eine Gesellschaft, die den Anschein erweckt, durch das Volk regiert zu werden. Die Realität sieht jedoch völlig anders aus. In Wirklichkeit ist das, was man uns als Demokratie verkauft, ein gigantisches Täuschungsmanöver, um einer sehr kleinen Geldelite die Möglichkeit zu geben, global ihren Willen durchzusetzen.

Damit das möglichst ohne großen Widerstand geschieht, werden alle Entscheidungsträger in allen Bereichen der Gesellschaft über entsprechende Think-Tanks, Stiftungen oder Kaderschmieden auf Linie gebracht. Nur wer hier besteht, wird in eine Führungsposition durchgereicht. Diese subtile Gehirnwäsche durch das System selbst ist derart geschickt gemacht, dass selbst diejenigen, die in den bekanntesten Think-Tanks mitmischen, permanent bestreiten, dass es einen solchen Einfluss gibt.

Fakt ist: Wer den Eliten auch nur ansatzweise die Macht streitig macht, wird zeitnah aussortiert. Sollte er es dennoch zu gesellschaftlichem Einfluss bringen, sieht er sich einer durch die Bank embeddeten Pressemaschine gegenüber, die ihn wann immer es nötig ist, diffamiert, jobbt und ins völlige gesellschaftliche wie finanzielle Abseits bugsiert. Isolation als Strafe für nicht geleistete Unterwürfigkeit. Das größte Tabu-Thema in dieser gelenkten Demokratie ist das Hinterfragen der tatsächlichen Machtstrukturen.

Hermann Ploppa erläutert in seinem Buch „Die Macher hinter den Kulissen“ die einzelnen Think-Tanks und Kaderschmieden en detail und legt offen, was die Elite am liebsten weiterhin verschleiern würde. Dass Ploppas Buch nicht in systemkonformen Medien besprochen wird, liegt auf der Hand. Bei KenFM kommt der Autor ausführlich zu Wort.

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KRYSMANSKI-Nachrufe von Rilling und Zurawski + ein weiterer Krys-Text

Anlässlich des für viele überraschenden und von wenigen zur Kenntnis genommenen Todes von Hans Jürgen Krysmanski stieß Martin Zeis auf einige Texte, die den Forschungsansatz und das Andenken an diesen Forscher sehr gut kennzeichnen.
Stephan Best
++++

Eröffnungsreferat zur Tagung ‚Neue Formen der Überwachung’, Universität Hamburg, 8./9.9.2005 H.J. Krysmanski
… und wer überwacht die Herrschenden?

Ohne vom Thema dieser Tagung ablenken zu wollen, möchte ich Ihre Aufmerksamkeit auf die amerikanische Forschungstradition des Power Structure Research lenken. Power Structure Research spielt in der deutschen Soziologie eine Randrolle – trotz eines gewissen Interesses für einen der Gründer dieser Forschungsrichtung, C. Wright Mills (1916-1962). PSR hat aber ganz zentral mit den theoretischen und praktischen Problemen kontrollierender sozialer Beobachtung zu tun. PSR lenkt den Blick auf den großen Bruder, auf ‚die da oben’, auf die Herrschenden, letztlich auf den Souverän, welcher über die kontrollierenden Beobachtungspraktiken eines Gemeinwesens verfügt oder verfügen sollte.

Mit anderen Worten, PSR beschäftigt sich mit Herrschaftshandeln im Sinne der berühmten Frage: what does the ruling class do when it rules? Für die Bearbeitung dieser Frage eignet sich der Begriff der Machtelite besser als der Begriff der herrschenden Klasse. Und hier beginnen die Schwierigkeiten, die Carl Schmitt so ausgedrückt hat: „Elite sind diejenigen, deren Soziologie niemand zu schreiben wagt.“
Soziologen haben zwar die Risikogesellschaft erfunden und mögen folglich risikobereit sein. Doch wagemutig sind die wenigsten. Zu diesen wenigen gehören die Vertreter des PSR.

(…)

KRYSMANSKI-wer-überwacht-die-Herrschenden050909.pdf
KRYS-Nachrufe -Rilling-Zurawski160701ff.pdf