Megalopolis x Russland: Totaler Krieg

Megalopolis x Russland: Totaler Krieg

VERÖFFENTLICHT VON LZ ⋅ 9. MAI 2022 ⋅ 2 KOMMENTARE

von Pepe Escobar – https://thesaker.is

Übersetzung LZ

Nach sorgfältiger Abwägung ordnet der Kreml das geopolitische Schachbrett neu, um die unipolare Hegemonie der „unverzichtbaren Nation“ zu beenden.

Doch uns ist gegeben,

Auf keiner Stätte zu ruhn,

Es schwinden, es fallen

Die leidenden Menschen

Blindlings von einer

Stunde zur andern,

Wie Wasser von Klippe

Zu Klippe geworfen,

Jahr lang ins Ungewisse hinab.

Hölderlin, Hyperions Schicksalslied

Operation Z ist die erste Salve eines titanischen Kampfes: Drei Jahrzehnte nach dem Unter-gang der UdSSR und 77 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ordnet der Kreml nach sorgfältiger Abwägung das geopolitische Schachbrett neu, um die unipolare Hegemonie der „unverzichtbaren Nation“ zu beenden. Kein Wunder, dass das Imperium der Lügen völlig durchgedreht ist und davon besessen ist, Russland vollständig aus dem westlich ge-prägten System zu verdrängen.

Die USA und ihre NATO-Welpen können unmöglich mit ihrer Ratlosigkeit fertig werden, wenn sie mit einem erschütternden Verlust konfrontiert werden: keine Berechtigung mehr, die exklusive geopolitische Gewaltanwendung zur Aufrechterhaltung „unserer Werte“ zu-zulassen. Keine Dominanz über das gesamte Spektrum mehr.

Auch das Mikrobild ist klar. Der „Deep State“ der USA melkt seinen geplanten Ukraine-Schachzug bis zum Gehtnichtmehr, um einen strategischen Angriff auf Russland zu tarnen.

Das „Geheimnis“ bestand darin, Moskau in einen innerslawischen Krieg in der Ukraine zu zwingen, um Nord Stream 2 zu unterbrechen – und damit die deutsche Abhängigkeit von russischen Rohstoffen. Das beendet – zumindest für die absehbare Zukunft – die Aussicht auf eine bismarcksche deutsch-russische Verbindung, die letztlich dazu führen würde, dass die USA die Kontrolle über die eurasische Landmasse vom Ärmelkanal bis zum Pazifik an einen entstehenden China-Russland-Deutschland-Pakt verlieren würden. (…)

Die Geopolitik wandelt sich in jedem Augenblick

strategic-culture.org

Die Geopolitik wandelt sich in jedem Augenblick

Alastair Crooke

34-43 Minuten

28. März 2022

Während Europa und die USA nie enger zusammenstanden, war der „Westen“ paradoxerweise auch nie mehr allein.

Gelegentlich kann eine einzige Anekdote einen historischen Moment fast vollständig zusammenfassen. Und das ist hier der Fall: Im Jahr 2005 setzte sich Zbig Brzezinski, der Architekt Afghanistans als Sumpf für die Sowjetunion und Autor des Buches The Grand Chessboard (das das Mackinder-Diktum „Wer das asiatische Kernland kontrolliert, kontrolliert die Welt“ in die US-Außenpolitik einbettete), in Washington mit Alexander Dugin, dem russischen politischen Philosophen und Verfechter einer kulturellen und geopolitischen Renaissance des „Kernlandes“, zusammen.

Brzezinski hatte bereits in seinem Buch geschrieben, dass Russland ohne die Ukraine nie zur Kernlandmacht werden würde, aber mit ihr kann und würde es das. Das Treffen wurde mit einer Fotoreportage eines Schachbretts zwischen Brzezinski und Dugin inszeniert (um für Brzezinskis Buch zu werben). Dieses Arrangement mit einem Schachbrett veranlasste Dugin zu der Frage, ob Brzezinski Schach als ein Spiel für zwei Personen betrachte: „Nein, Zbig schoss zurück: Es ist ein Spiel für einen. Sobald eine Schachfigur bewegt wird, dreht man das Brett um und bewegt die Schachfiguren der anderen Seite. In diesem Spiel gibt es ‚keinen anderen'“, beharrte Brzezinski.

Natürlich war das einhändige Schachspiel in Mackinders Doktrin implizit enthalten: Das Diktum „Wer das Kernland kontrolliert“ war eine Botschaft an die englischen Mächte, niemals ein geeintes Kernland zuzulassen. (Das ist natürlich genau das, was sich in jedem Moment entwickelt).

Und am Montag ließ Biden Brzezinski lauthals zu Wort kommen, als er vor dem Business Roundtable in den USA sprach. Seine Bemerkungen kamen gegen Ende seiner kurzen Rede, in der er über Russlands Einmarsch in der Ukraine und Amerikas wirtschaftliche Zukunft sprach:

„Ich denke, dies bietet uns einige bedeutende Möglichkeiten, einige echte Veränderungen vorzunehmen. Wissen Sie, ich glaube, wir stehen an einem Wendepunkt in der Weltwirtschaft: [und] nicht nur in der Weltwirtschaft – in der Welt, [der] alle drei oder vier Generationen auftritt. Wie einer meiner hochrangigen Militärs mir neulich in einer sicheren Sitzung sagte, starben zwischen 1900 und 1946 60 Millionen Menschen; und seitdem haben wir eine liberale Weltordnung geschaffen, wie es sie schon lange nicht mehr gegeben hat. Es sind viele Menschen gestorben, aber bei weitem nicht so viel Chaos. Und jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem sich die Dinge verschieben. Es wird eine neue Weltordnung geben, und wir müssen sie anführen, und wir müssen den Rest der freien Welt dabei vereinen.“ (…)

Im Anhang in deutscher und engl. Sprache

Putins Verzweiflung, Merkels Hörigkeit – und die SPD als letzter Strohhalm

(…) Zum Beispiel sollte Frau Merkel wissen, dass die Geschichte der US-Operationen in der Ukraine bereits kurz nach dem 2. Weltkrieg begann und bis zum heutigen Konflikt reicht. Warum die USA gerade die Ukraine im geopolitischen Focus hat, veröffentlichte Präsidenten-Berater Zbigniew Brzezinski im Jahr 1997 in seinem Buch „The Grand Chessboard 1997“, welches heute noch als Hauptwerk des US-Strategen gilt. In Deutschland erschien das Buch unter dem Titel „Die einzige Weltmacht“. Um die Welt als einzige Weltmacht dominieren zu können, müsse die USA im eurasischen Raum die Vorherrschaft gewinnen, so heißt es in diesem Buch. Die Ukraine sei »das Schachbrett, auf dem der Kampf um globale Vorherrschaft auch in Zukunft ausgetragen wird«. (S. 57)

Man könnte entgegensetzen, dass die Strategieempfehlung von Brzezinski veraltet wäre. Putin müsste sich dann aber fragen, welches Motiv die USA mit dem Raketenabwehrschirm vor Russlands Tür verfolgt, warum sich die NATO entgegen der Abmachung weiter nach Osten ausdehnte oder wie es zu verstehen ist, dass sofort nach dem Umsturz in Kiew der amerikanische Geheimdienst CIA, Berater des US-Militärs und amerikanische Söldner vor Ort waren und es bis heute sind, um die nicht gewählte Regierung im Kampf gegen die Unabhängigkeitsbestrebungen der Ost-Ukraine zu unterstützen. (…)

Putin wird dankend gelesen haben, dass Steinmeier in einem kurz zuvor veröffentlichten Interview mit der WELT AM SONNTAG darauf hinwies, dass der Westen auf Russland angewiesen ist und dass die Konflikte im Nahen Osten, der Kampf gegen die Terrorgruppe IS nur zusammen gelöst werden können. Und auch über die Ukraine-Krise müsse man Russland auf Augenhöhe begegnen, so Steinmeier. Darüber wird sich Putin mit Steinmeier sicher näher unterhalten und ihm seine Bereitschaft dazu bestätigt haben. Vielleicht – und das ist jetzt nochmal rein spekulativ – hat Putin dem SPD-Mann dazu noch die folgende Situation dargelegt: Die SPD ist zwar derzeit in Regierungsverantwortung, schwächelt in den Wählerumfragen aber weiterhin deutlich. Wenn das Freihandelsabkommen TTIP – mit all seinen katastrophalen Konsequenzen für das Arbeitsrecht und das Sozialsystem nach dem Solidarprinzip – beschlossen werden sollte, trotz der mehrheitlichen Kritik in der deutschen Bevölkerung, dann wäre die SPD als Regierungspartei endgültig Geschichte. Aber wenn sich die SPD auf ihre sozialdemokratischen Prinzipien, die vor Schröder noch galten – besinnen, sich gegen TTIP stellen, sich für einen Kurswechsel gegenüber Russland einsetzen und eine souveränere Haltung gegenüber den USA vertreten würde, dann hätte Frank-Walter Steinmeier und die SPD alle Chancen, das Kanzleramt zu besetzen.

Das klingt vielleicht naiv, zumindest überraschend. Doch die Geschichte ist voll von Ereignissen, mit denen niemand gerechnet hatte.

Denkland

Das TV-Interview mit Putin vor einer Woche und das Gespräch mit Merkel sind Teil eines verzweifelten Zuges. Doch die Front gegen den russischen Präsidenten will keine Risse zeigen. Die deutsche Kanzlerin demonstrierte übertrieben deutlich, welche Ziele sie unterstützt. Nun scheinen die Sozialdemokraten Putins letzte Hoffnung zu sein.

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Washington wiederbelebt sein Projekt der Spaltung des Irak – Voltaire Netzwerk | 16. Juni 2014

http://www.voltairenet.org/article184301.html Wer zitiert hier wen? (Bzw. nicht explizit)

www.voltairenet.org

Der plötzliche Zusammenbruch des irakischen Staates wird von der internationalen Presse als Folge des Angriffs der Terrororganisation EIIL dargestellt. Aber wer kann denn glauben, dass ein mächtiger von Washington bewaffneter und organisierter Staat, in weniger als einer Woche vor einer islamistischen, offiziell vollkommen unabhängigen Gruppe zusammenbrechen könnte? (…)