K H ROTH: Schuld und Schulden: Hypotheken der deutschen Besatzungsherrschaft in Griechenland und Europa

Elke Schenk

globalcrisis/globalchange NEWS

3.12.2017

(1) Rezension des Buches

Karl Heinz Roth und Hartmut Rübner: »Reparationsschuld. Hypotheken der deutschen Besatzungsherrschaft in Griechenland und Europa«, Metropol Verlag, 645 Seiten, 29,90 €

http://www.sopos.org/aufsaetze/58edb891ec542/1.phtml

Gerechtigkeit für Griechenland

Rainer Butenschön

»Erledigt durch Zeitablauf!« – das habe Helmut Kohl handschriftlich an den Rand eines Aktenvermerks geschrieben, als er als Kanzler mit Milliarden schweren Reparationsforderungen der Regierung in Athen konfrontiert wurde, berichtet Karl Heinz Roth. Der Bremer Arzt, Historiker und Mitarbeiter des Instituts für Sozialgeschichte, fordert seit langem Gerechtigkeit für Griechenland und betont: Nichts ist erledigt!

[…]

Roth redet frei, hat Zahlen, Daten, Fakten im Kopf, als er in Hannover im gut besetzten Saal des Kulturzentrums Pavillon referiert, wie die brutale Besatzungsherrschaft der Nazi-Deutschen (1941 bis 1944/45) Griechenland ruiniert und auf den Status eines »Entwicklungslandes« herabgestoßen hat. Er erinnert daran, dass er und andere Experten es gewagt haben, gegen die Austeritätspolitik, die den Griechen seit der Weltfinanzkrise von 2007 von Berlin und Brüssel diktiert wird, mit Gegenvorschlägen zu opponieren. Die dramatische wirtschaftliche und soziale Katastrophe, die die meisten Griechen nunmehr seit Jahren durchleiden, sei nur zu überwinden, so Roth, wenn die Deutschen endlich ihre tabuisierte Schuld aus der Zeit des Faschismus gegenüber den Griechen beglichen; nur dann werde ein Neustart in Griechenland möglich – und der Zerfall der EU aufzuhalten sein.

Unter dem Titel »Reparationsschuld« haben beide die »Hypotheken der deutschen Besatzungsherrschaft in Griechenland und Europa« – so der Untertitel ihres im März erschienenen Buches – umfassend analysiert. Sie skizzieren den Raub- und Vernichtungskrieg der Nazis in Griechenland und nehmen die Reparationspolitik der Alliierten, der Griechen sowie der deutschen Nachkriegsregierungen mit zahlreichen Dokumenten gut belegt aus Sicht der Opfer in den Blick: Da sind noch viele Rechnungen offen, nicht nur in Griechenland. […]

Warum hat beispielsweise Joachim Gauck am 7. März 2014 bei seinem Besuch im griechischen Märtyrerdorf Lyngiades »tiefes Erschrecken und doppelte Scham« bekundet und »im Namen Deutschlands […] um Verzeihung« gebeten, eine Bitte um »Entschuldigung« aber strikt vermieden? Dadurch hätte er rechtliche Schadensersatzansprüche begründen können, die die deutsche Reparationsbürokratie aber negiert, machen Roth und Rübner aufmerksam. […]

Am Ende ihrer politisch brisanten Untersuchungen machen Roth und Rübner eine eigene Rechnung auf: Mit dem »zweiten Griff nach der Weltmacht« hatten die (Nazi-)Deutschen bei ihren Opfern den gigantischen Gesamtschaden von mehr als 5,8 Billionen Euro (in Preisen von 2016) angerichtet; davon ist seit 1945 bis heute nur ein Fünftel (1,2 Billionen Euro) mit Reparationen ausgeglichen worden. Da die Gesamtsumme nicht zu bezahlen ist, sollte über die nächsten zwei Jahrzehnte hinweg im Rahmen einer den faktischen Friedensvertrag (4plus2-Vertrag) ergänzenden Reparationsakte wenigstens ein zweites Fünftel zur Schadensregulierung gezahlt werden, meinen Roth und Rübner. Mindestens aber, so ihre Minimalforderung, müssten weitere 306 Milliarden Euro Entschädigung für die bislang benachteiligten Nazi-Opfer aufgebracht werden. Das sei jene Summe, mit der »die bundesdeutsche Ministerialbürokratie die Veteranen der Wehrmacht und der Waffen-SS sowie die durch die Entnazifizierung um ihre Beamtenkarriere gebrachten NS-Funktionsträger schadlos gehalten hat«. (Hervorh. ES)

Ob dies gegen alle machtpolitische Verdrängung gelingen wird? Roth ist »ein bisschen optimistisch«. Er verweist auf erste Erfolge der zur Zeit in New York laufenden namibische Entschädigungsklage gegen die Regierung in Berlin wegen der Kolonialmassaker des Deutschen Reichs an den Hereros und Namas; und er betont: »Im Völkerrecht gibt es keine Verjährungsfristen.«

[…]

(2) Vortrag und Diskussion von und mit Karl Heinz Roth im NS-Dokumentationszentrum in Köln:

https://lisa.gerda-henkel-stiftung.de/schuld_und_schulden_hypotheken_der_deutschen_besatzungsherrschaft_in_griechenland_und_europa?nav_id=7291

Georgios Chatzoudis | 27.10.2017 | 1438 Aufrufe | Vorträge

Schuld und Schulden: Hypotheken der deutschen Besatzungsherrschaft in Griechenland und Europa

Vortrag von Karl Heinz Roth im NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln

Die Reparationsfrage ist ein besonders umstrittenes Kapitel der europäischen Nachkriegsgeschichte. Während die großen Siegermächte in den ersten Nachkriegsjahren umfangreich entschädigt wurden, gingen die kleineren Länder Europas und zahlreiche Opfergruppen weitgehend leer aus. Zu ihnen gehörte auch Griechenland, das bis auf den heutigen Tag Entschädigungen für die Massakeropfer und die Ausplünderungen seiner Volkswirtschaft einfordert.

Dr. Karl Heinz Roth untersucht Kontexte, strategische Optionen und Taktiken des Vorgehens der deutschen Machtelite, die in der Ausklammerung der Reparationsfrage aus dem De Facto-Friedensvertrag von 1990 („Zwei-plus-Vier-Vertrag“) kulminierte. Die Reparationsfrage bildet die materielle Grundlage unserer gesamten Erinnerungskulur. Sie sollte deshalb, so Roth, im Rahmen eines Zusatzabkommens zum „Zwei-plus-Vier-Vertrag“ abschließend geregelt werden.

Komplette Rede von Gerhard Schröder bei deutsch-russischen Wirtschaftsgesprächen in Bad Pyrmont — RT Deutsch 01.09.2016

Bei den deutsch-russischen Wirtschaftsgesprächen im niedersächsischen Bad Pyrmont, hielt Bundeskanzler a.D. Gerhard Schröder eine aufsehenerregende Dinner-Rede zum deutsch-russischen Verhältnis. RT Deutsch zeigt die ungekürzte Fassung.

Quelle: Komplette Rede von Gerhard Schröder bei deutsch-russischen Wirtschaftsgesprächen in Bad Pyrmont — RT Deutsch

Gestaltungsmacht in Mittelost (I, II)9.12.2015

Gestaltungsmacht in Mittelost (I) 09.12.2015
German foreign politics

BAGDAD/ERBIL/BERLIN (Eigener Bericht) – Deutschland steigt mit seinem Kriegseinsatz in Syrien und im Irak zur „Gestaltungsmacht im Nahen und Mittleren Osten“ auf. Dies erklärt ein Regierungsberater von der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). Demnach werde die in der vergangenen Woche beschlossene Syrien-Intervention der Bundeswehr womöglich zehn Jahre andauern und mit dem Bemühen um „eine langfristige politische Neuordnung“ der gesamten Region verbunden sein. Als Eckpunkte für eine derartige „Neuordnung“ können die militärischen Verbände gelten, die die Bundesregierung als Bodentruppen für den Krieg gegen den „Islamischen Staat“ (IS, Daesh) ausrüstet und trainiert. Im Irak sind dies die Milizen der nordirakisch-kurdischen Regionalregierung, während die regulären Streitkräfte von Berlin kaum unterstützt werden: Die Regierung in Bagdad verfügt über gute Beziehungen zu Iran und zu Russland, während die nordirakisch-kurdische Regionalregierung als loyal gegenüber dem Westen gilt. Der Präsident der Regionalregierung, Masud Barsani, mit dem Außenminister Frank-Walter Steinmeier am gestrigen Dienstag zusammengetroffen ist, hält sich seit August illegal per kaltem Putsch im Amt und lässt Proteste blutig niederschlagen. Die Aufrüstung seiner Peschmerga durch Berlin versetzt ihn auf lange Sicht in die Lage, einen Staat „Irakisch-Kurdistan“ auszurufen. (…)

Gestaltungsmacht in Mittelost (II) 10.12.2015

DAMASKUS/BERLIN (Eigener Bericht) – Am heutigen Donnerstag brechen die ersten Soldaten der Bundeswehr in den Krieg gegen den „Islamischen Staat“ (IS, Daesh) auf. Die Kriegsbeteiligung, die die Bundesrepublik laut Einschätzung von Regierungsberatern zur „Gestaltungsmacht im Nahen und Mittleren Osten“ aufsteigen lässt, sichert Berlin eine stärkere Einbindung in die wichtigsten Kommandozentralen der westlichen Kriegskoalition gegen den IS/Daesh. Darüber hinaus verschafft sie der Bundesregierung stärkeres Gewicht im internationalen Machtkampf um die Neuordnung des Nahen und Mittleren Ostens. Zur Debatte steht unter anderem die Errichtung eines internationalen Protektorats. Für Anfang Januar sind erste Verhandlungen zwischen der Regierung von Präsident Bashar al Assad, der syrischen Opposition und aufständischen Milizen vorgesehen. Unter dem Beifall der Bundesregierung bereiten sich zur Zeit syrische Oppositionelle und Milizionäre in Riad auf die Verhandlungen vor. Nicht eingeladen hat die saudische Führung unter anderem Vertreter der nordsyrisch-kurdischen Kräfte, die eine zentrale Rolle im Krieg gegen den IS/Daesh einnehmen. Statt ihrer nehmen jihadistische Gotteskrieger an den Oppositionsgesprächen in Riad teil. Beide Teilartikel finden sich als Original:

http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/59269

http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/59270

James F. TRACY Die CIA und die Medien: 50 Tatsachen, die in der Welt bekannt werden müssen

globalcrisis/globalchange NEWS

Hallo an die Listen,
den folgenden Literaturhinweis auf eine Übersetzung ins Deutsche, der zuletzt auf dem Blog PROPAGANDASCHAU erschien, möchte ich zur Lektüre dokumentieren und weiter empfehlen.
Besonderer Dank geht an die Autorenschaft der LUFTPOSTBRIEFE, die die Übersetzung besorgten! Siehe PDF im Anhang
Zu den LUFTPOSTBRIEFEN : http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_13/LP18915_051015.pdf (24 S.)

Die CIA und die Medien:

50 Tatsachen, die in der Welt bekannt werden müssen

Von Prof. James F. Tracy
Global Research, 28.08.15
( http://www.globalresearch.ca/the-cia-and-the-media-50-facts-the-world-needs-to- know/5471956 )

Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges übt die Central Intelligence Agency / CIA be- trächtlichen Einfluss auf die Medien in den USA und im Ausland aus und bestimmt zuneh- mend, was die Öffentlichkeit sieht, hört und liest. CIA-Publizisten und Journalisten bestrei- ten das natürlich, aber ihre manchmal durchsickernde Einflussnahme weist in eine ganz andere Richtung, die Medienhistoriker nur nicht untersuchen wollen.

James F. TRACY, PHD, ist außerordentlicher Professor für
Medienwissenschaften an der Atlanic Universität in Florida. Seine
Arbeiten über Mediengeschichte, Politik und Kultur sind in zahlreichen
akademischen Zeitschriften und Sammelbänden sowie alternativen
Nachrichten quellen und Meinungs foren erschienen. Tracy ist
Herausgeber der Zeitschrift Democratic Communiqué der Union for
Democratic Communications und Mitautor von „Censored 2013: The Top
Censored Stories and Media Analysis of 2011-2012“ von Project Censored.

Weitere Schriften und Information können der Website memoryholeblog.com entnommen
werden.
Die CIA und die Medien: 50 Tatsachen, die in der Welt bekannt werden müssen
Global Research, 28.08.15 Übersetzung: luftpost-kl.de

LP18915_051015.pdf

zwei Stimmen aus dem Mainstream zum GR-Unterwerfungsvertrag

http://www.spiegel.de/wirtschaft/wolfgang-schaeubles-diplomatie-ist-rueckfall-in-alte-zeit-kolumne-a-1043404.html

Schäubles Griechenland-Diplomatie: Europas Rückfall
Eine Kolumne von Wolfgang Münchau
13.07.2015

Griechenland hat kapituliert, Deutschland gesiegt – das ist die traurige Bilanz des Wochenendes. Denn die Diplomatie von Wolfgang Schäuble war die Rückkehr Europas zu früheren Machtgefügen, in denen der Stärkere seinen Willen durchsetzt.

Die Bundesregierung hat an einem einzigen Wochenende siebzig Jahre Nachkriegsdiplomatie zunichte gemacht. Der Vorschlag eines vorübergehenden Austritts von Griechenland als Druckmittel während des Marathongipfels vom Wochenende war am Ende der Hebel für eine Kapitulation Griechenlands. Wolfgang Schäubles Taktik hatte einen großen Sieg errungen – ganz im Sinne von Michel Foucault, der die Politik in Umkehrung des berühmten Clausewitz-Zitats als „Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln“ verstand.

Was am Wochenende in Brüssel passierte, war die Rückkehr Europas zurück zu Machtgefügen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, in denen der Stärkere dem Schwächeren seinen Willen aufzwang. Es war nebenbei auch der Anfang vom Ende der Währungsunion. Sie ist zu einem festen System mit gemeinsamem Zahlungsmittel und ohne gemeinsamer Politik degradiert.

Griechenland muss jetzt nicht nur die Sparmaßnahmen erfüllen, die es im Referendum vor einer Woche ablehnte. Es muss alle verpassten Reformen der Vergangenheit umsetzen, auch solche, die selbst in Deutschland nicht diskutierbar wären, wie eine vollständige Abschaffung der Ladenschlusszeiten, das Ende der Privilegien geschützter Berufsstände oder das Ende des Tarifmonopols. Selbst konservative griechische Parteien haben diese Reformen in der Vergangenheit abgelehnt.

(…)

http://www.n-tv.de/wirtschaft/Der-Unterwerfungsvertrag-article15503046.html
n-tv — Montag, 13. Juli 2015

Diese Reformen muss Athen liefern
Der Unterwerfungsvertrag

Von Hannes Vogel

Griechenland und die EU einigen sich auf ein drittes Hilfspaket. Die vereinbarten Reformen zeigen: Angela Merkel hat von Athen die bedingungslose Kapitulation verlangt. Und Alexis Tsipras hat sie unterschrieben.

Am Morgen danach gibt sich Angela Merkel jovial. „Der Weg wird noch ein langer, zum Teil auch noch ein mühsamer sein. Aber es ist aller Anstrengung wert, wenn man dann zu neunzehnt zu einer Einigung kommt“, sagt die Kanzlerin nach den Marathon-Verhandlungen der Euro-Staatschefs in der Nacht.

Eine Einigung? Für Griechenlands Premier Alexis Tsipras muss das wie Hohn klingen. Bis zu 86 Milliarden Euro soll sein Land im geplanten dritten Hilfspaket bekommen. Aber nur, wenn er einen Sparplan erfüllt, der härter ist als der, den die Griechen beim Referendum vor einer Woche eigentlich abgelehnt haben.

Es ist ein historischer Moment für die Europäische Union. Zum ersten Mal hat sie einem Mitgliedsland unverhohlen mit der totalen wirtschaftlichen Zerstörung gedroht, falls es nicht einlenkt. Finanzminister Schäuble hat offen gesagt: Entweder Athen bessert seine Vorschläge massiv nach – oder verlässt die Eurozone. Mit der Einigung hat Athen nun die bedingungslose Kapitulation unterschrieben.

(…)

Hervorh. m.z.

Griechenland – Deutschland: Wer schuldet wem? ERIC TOUSSAINT zum LONDONER SCHULDENABKOMMEN 1953

Griechenland – Deutschland:
Wer schuldet wem?
BEITRAG von ERIC TOUSSAINT
zum LONDONER SCHULDENABKOMMEN 1953
Seit 2010 rühmen sich die stärksten Länder der Eurozone, die Mehrzahl
ihrer politischen Führer, unterstützt von den herrschenden Medien, ihrer
angeblichen Großzügigkeit gegenüber der griechischen Bevölkerung und der
anderer geschwächten Länder der Eurozone (Irland, Portugal, Spanien…).
Sie bezeichnen als „Rettungsplan“ Maßnahmenpakete, die die Wirtschaften
der Empfängerländer noch tiefer in die Krise treiben und eine soziale
Regression beinhalten, wie es sie in den letzten 65 Jahren in Europa nicht
mehr gegeben hat. Hinzu kommt der Betrug mit dem Schuldenschnitt für
Griechenland, der im März 2012 angenommen wurde und der eine
Reduzierung der Forderungen der privaten Gläubigerbanken gegenüber
Griechenland um 50%, während ihre Forderungen bereits 65–75% ihres
Werts auf dem Sekundärmarkt verloren hatte. (…)

STRATFOR Gründer zum geopolitischen Interesse der USA

12.03.15 Der Gründer und Vorsitzende von STRATFOR George FRIEDMAN in einem Vortrag über die geopolitischen Hintergründe der gegenwärtigen Ukraine-Krise und globalen Situation insgesamt. Engl. m. dt. U.

STRATFOR: US-Hauptziel seit einem Jahrhundert war Bündnis Russland+Deutschland zu verhindern – Die vom Referenten so genannte ‚Deutsche Frage‘: Wie verhält sich Deutschland gegenüber diesem eindeutigen Interesse der Vereinigten Staaten?