Der „Panama-Scoop“

Jens Wernicke

Seit Veröffentlichung der sogenannten „Panama Papers“ fegt ein regelrechter Sturm durch den medialen Blätterwald. Allerorts ist von Panama und Briefkastenfirmen die Rede. Kaum thematisiert wird hingegen, dass EU und Bundesregierung selbst Banken, Reiche, Mächtige und andere Kriminelle umfassend schützen: „Deutschland belegt auf dem Schattenfinanzindex des Netzwerkes Steuergerechtigkeit Platz 8 – fünf Plätze vor Panama. Mafiosi können bei uns Geld waschen. Beliebt sind etwa Investitionen in Objektgesellschaften für Immobilien, die dann weitgehend steuerfrei wieder verkauft werden“, weiß dazu etwa der linke Europaabgeordnete Fabio de Masi zu berichten. Warum also läuft ein Gros der medialen Debatte am eigentlichen Thema vorbei? Warum spricht niemand einmal wirklich über die oftmals sogar legale Schattenwirtschaft der Mächtigen weltweit? Darüber, dass Deutschland „nicht bloß Opfer der Steueroasen, sondern längst selbst Teil des Problems ist“? Und darüber, dass die Debatte um „Steuerbetrug“ einer gut angelegten falschen Fährte folgt, die vom Eigentlichen ablenken soll? Zu diesem sowie zu den…

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„Oh wie schön ist/war Panama“ – Recherchestand: 06.04.2016 09:30 Uhr

globalcrisis/globalchange NEWS 6. März 2016

 

„Oh wie schön ist/war Panama“ – Recherchestand: 06.04.2016 09:30 Uhr

 

von Stephan Best, Elke Schenk, Martin Zeis

 

Hallo zusammen,

 

nach zweieinhalb Tagen Hype um die sog. „Panama-Papers“ lichtet sich der Nebel. Viele in dieses Thema eingearbeitete JournalistInnen und an diesem Thema interessierte kritische Websites / Blogs / Institutionen haben sich zu Wort gemeldet und in den westlichen Massenmedien verschwiegene Fakten und Hintergründe des Panama-Leaks veröffentlicht.

 

Wir fassen hier einige wesentliche Punkte aus diesem Fundus zusammen und stellen im Anhang wichtige Texte/Quellen – auszugsweise – zur Verfügung; des Weiteren die sprachkritische Analyse eines Artikels aus der Süddeutschen Zeitung vom 04.04.2016: „Putins beste Freunde“

 

1.)

Die Art und Weise und der inhaltliche Fokus der Präsentation des Themas Panama-Papers in den westlichen Massenmedien, die vorgenommene Filterung des Datenbestands nach festgelegten Kriterien sollen der Diskreditierung bestimmter Länder, dortiger Privat- und Regierungspersonen dienen, welche insbesondere den USA ein Dorn im Auge sind. Diversifizierendes Beiwerk ist dabei das Bloßstellen von Privat-/Regierungs-/Wirtschaftsleuten auch aus befreundeten Ländern oder von nicht mehr interessanten, ehemaligen pawns (Bauer / Schachfigur), deren Fallenlassen nichts kostet.

 

Die demagogischen Methoden, die bar substanzieller Beweise in den SZ-Artikeln über behauptete, geheime Offshore-Finanzierungen von Putin und Assad Anwendung finden, sprechen jeder seriösen journalistischen Recherche Hohn. Sie entlarven die geopolitische Stoßrichtung der Initiatoren des Panama-Leaks.

* vgl. die Sprachkritik eines SZ-Artikels in der Dokumentation und ein weiterer SZ-Text: www.sueddeutsche.de/politik/panama-papers-briefkastenfirmen-helfen-bei-assads-krieg-1.2935675

 

 

2.)

Von dem – inzwischen – erfolgreichen aus dem Weg-Räumen der Steueroase Panama profitiert u.a. der Rothschild-Clan, der im Vorfeld vorausschauend in Reno (Nevada) mehrere Trusts (Briefkastenfirmen) aufgemacht hat, um die Gelder/das Vermögen (super)-reicher, auch ausländischer Klienten, Steuerflüchtiger, dirty-money-gangsters in dieser vom US-Gesetz geschützten Bundesstaat-Steueroase einträglich zu verwalten.*

*Inzwischen sind die USA global das Steuerparadies Nr.1. Neben Nevada fungieren weitere US-Bundesstaaten als Steueroasen – schon lange Delaware, weiters South Dakota, Wyoming. Dort gilt ein uneingeschränktes Bankgeheimnis, keine Stammkapitalpflicht, keine Buchführungs- und Bilanzierungspflicht, keine Aufbewahrungspflicht für Belege und Nachweise zur Mittelverwendung und – bei entsprechender anwaltlicher Beratung – keine Betriebsprüfungen. Kein Wunder, dass sich in diesen Gefilden Hunderttausende Briefkastenfirmen angesiedelt haben, um einen zunehmenden Teil der weltweit mindestens 20 Billionen offshore gebunkerten Dollar zu „managen“. (vgl. Schumann-, Wolff-Text in der Dokumentation)

 

 

3.)

Das „Center for Public Integritiy“ betreibt das „Internationale Konsortium investigativer Journalisten“ (ICIJ). Dieses wertet den Datenbestand „Panama-Papers“ aus und veröffentlicht daraus selektiv.

 

Finanziert wird das „Center for Public Integrity“ u.a. von der Open Society-Foundation (des US-Spekulanten George Soros, der Milliarden in die Farbenrevolutionen in Osteuropa investiert hat), von der Ford-Foundation und vom Rockefeller Family Fund.

 

 

4.)

Inzwischen hat die Sprecherin von WikiLeaks, Kristinn HRAFNSSON, gefordert, den 2,6 Terrabyte Datenbestand „Panama-Papers“ vollständig online zu stellen und der unabhängigen Auswertung zugänglich zu machen – vgl. ‪#PanamaPapers‪: WikiLeaks‘ Kristinn Hrafnsson calls for data leak to be released in full – URL:

http://www.belfasttelegraph.co.uk/news/world-news/panama-papers-wikileaks-kristinn-hrafnsson-calls-for-data-leak-to-be-released-in-full-34601909.html

 

Auf eine diesbezüglich von WikiLeaks am 04.04.2016 online gestellte Frage, „Sollten die elf Millionen „Panama-Papers“ freigegeben werden, damit sie jede/r durchforsten kann wie die anderen Publikationsorgane auch?“, antworteten innerhalb eines Tages 83.370 Leute – davon 95% Prozent mit „Yes, make them searchable“ und 5% mit „No, let media cherry pick“.

Oh-wie-schön-ist-war-Panama160406  (DOCX)

Oh-wie-schön-ist-war-Panama160406 (PDF)

 

Die « Panama Papers »! – Warum?, von Thierry Meyssan

„Ganz im Gegensatz zum Anschein, wird die Kampagne der „Panama Papers“ die finanziellen Unterschlagungen nicht einschränken und die Gestaltungspielräume nicht erweitern, sondern ganz im Gegenteil. Das System wird sich etwas mehr rund um Großbritannien, die Niederlande, die USA und Israel zusammenziehen, der Art, dass nur diese die Kontrolle haben. Unter Verletzung der Gleichheit vor dem Gesetz und ihrer Berufsethik, haben die Mitglieder des internationalen Konsortiums investigativer Journalisten sich zum Handlanger der Feinde der Freiheit und der Verteidiger des Großkapitals gemacht, und die Tatsache, dass sie im Vorbeigehen den ein oder anderen Ganoven aufgepickt haben sollen, ändert daran rein gar nichts. Erläuterungen.“ (…)

| Damaskus (Syrien) | 7. April 2016

Quelle: Die « Panama Papers »! – Warum?, von Thierry Meyssan