»WIR HABEN IHRE MACHT UNTERSCHÄTZT«: Ein Insider der griechischen Regierung berichtet ; LUXEMBURG, Juli 2015

gepostet von Stephan BEST
am 17.07.2015, 23:46:47
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Der folgende Insiderbericht eines führenden Mitglieds der griechischen Delegation zu den Verhandlungen in Brüssel ergänzt und vertieft die auf dieser Liste in den letzten zwei Wochen publizierten Texte von Yanis VAROUFAKIS. Der von Andrei Draghici ins Deutsche übersetzte Bericht stammt vom 8. Juli 2015. Er ist vollständig (8 S.) im Anhang verfügbar.

Grüße,
Martin Zeis

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http://www.zeitschrift-luxemburg.de/wir-haben-ihre-macht-unterschaetzt-ein-insider-der-griechischen-regierung-legt-details-aus-fuenf-monaten-erniedrigung-und-erpressung-offen/

LUXEMBURG – Juli 2015

»WIR HABEN IHRE MACHT UNTERSCHÄTZT«: EIN INSIDER DER GRIECHISCHEN REGIERUNG LEGT DETAILS AUS FÜNF MONATEN »ERNIEDRIGUNG« UND »ERPRESSUNG« OFFEN

Von Christian Salmon

Ein führendes Mitglied der griechischen Delegation, die mit den europäischen Geld-gebern verhandelte, hat sich zu einem Treffen mit dem Mediapart-Korrespondenten Christian Salmon letzte Woche in Athen bereit erklärt. Unter der Bedingung, dass sein Name nicht veröffentlicht wird, sprach er detailliert über die langwierigen und harten Verhandlungen zwischen der im Januar gewählten radikal-linken Syriza-Regierung und den internationalen Geldgebern. Bei den Verhandlungen geht es hauptsächlich um die Bedingungen eines neuen Hilfspakets für das von Schulden geplagte Land.

Das fast zweistündige auf Englisch durchgeführte Interview fand nur einige Tage vor dem griechischen Referendum über die damals von den Geldgebern angebotenen Bedingungen für ein im Kern drastisches Sparmaßnahmenprogramm statt. Der Re-gierungschef Tsipras stand dem Programm ablehnend gegenüber. Dieses wurde dann letzten Endes auch von 61,3 Prozent der griechischen WählerInnen abgelehnt.

Ich war schon sehr früh nicht mit der Ansicht einverstanden, dass das wirkliche Ver-handlungen wären. Es gab einige Verhandlungen zu einigen fiskalpolitischen Details, über Bedingungen usw. Während dieser Diskussionen war es die griechische Regie-rung, die sich mehr und mehr auf die Troika zubewegte. Aber diese machte keinen Schritt auf uns zu. Sie wollte auch nie über die Schulden diskutieren, z.B. über eine Schuldenrestrukturierung, Schuldentragfähigkeit und eben Finanzierung. Gibt es eine neue Finanzierung? Wird die EZB all diese Beschränkungen aufheben, all diese Re-striktionen darüber, wie viel Geld die Banken sich leihen können, wie viel der Staat sich von den Banken leihen kann? Es war uns nicht möglich an Geld zu kommen.

Noch bis Februar konnten wir Schatzanweisungen ausgeben. Aber dieser Regierung wurde das nicht erlaubt, die EZB hat sie gestoppt. Also konnte der Staat dann auch nichts mehr von den Banken leihen. (…)

Der Original-Text
http://www.mediapart.fr/journal/international/080715/we-underestimated-their-power-greek-government-insider-lifts-lid-five-months-humiliation-and-blackm?page_article=1

ECONOMIE DOCUMENT
‚We underestimated their power‘: Greek government insider lifts the lid on five months of ‚humiliation‘ and ‚blackmail‘
08 JUILLET 2015 | PAR CHRISTIAN SALMON

In this interview with Mediapart, a senior advisor to the Greek government, who has been at the heart of the past five months of negotiations between Athens and its international creditors, reveals the details of what resembles a game of liar’s dice over the fate of a nation that has been brought to its economic and social knees. His account gives a rare and disturbing insight into the process which has led up to this week’s make-or-break deadline for reaching a bailout deal between Greece and international lenders, without which the country faces crashing out of the euro and complete bankruptcy. He describes the extraordinary bullying of Greece’s radical-left government by the creditors, including Eurogroup president Jeroen Dijsselbloem’s direct threat to cause the collapse of the Hellenic banks if it failed to sign-up to a drastic austerity programme. “We went into a war thinking we had the same weapons as them”, he says. “We underestimated their power”. (…)

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Martin Zeis
globalcrisis/globalchange NEWS
martin.zeis

SALMON-Haben-Ihre-Macht-unterschätzt150708.pdf

Bankenskandal: „Das sind geile Hunde“; Tageblatt.lu, 12.11.2014

– der nachfolgende, anschauliche Text ist auch als pdf-Datei im Anhang verfügbar, m.z. –

Tageblatt.lu, 12.11.2014 — http://www.tageblatt.lu/nachrichten/story/22600936

Bankenskandal
„Das sind geile Hunde“

Sie agierten streng geheim und gaben sich Namen wie „The Players“ oder „Das A-Teamt“ – Händler internationaler Großbanken sollen die Finanzmärkte über Jahre ausgetrickst haben. (1)

Die Protokolle sprechen Bände: „Ich sag dir, wenn wir fertig sind – halt es absolut geheim, Bruder“. Die Chats der in den jüngsten Bankenskandal verwickelten Händler zeigen neue Abgründe der Branche auf. Die von der Schweizer Finanzaufsicht veröffentlichten Zitate offenbaren eine Macho-Subkultur, die an Gruppenchats bei Online-Killerspielen erinnert: „Das sind geile Hunde […] krank, was die da machen“, heißt es da. „Nennt mich Legende!!“ brüstet sich ein Händler, den Markt ausgetrickst zu haben.

Kaum etwas im Finanzgeschäft scheint vor den selbsternannten Herren des Universums sicher gewesen zu sein. Geldwäsche, Insider-Geschäfte, Zinsmanipulationen, dubiose Hypothekendeals – ein Skandal folgte in den letzten Jahren auf den anderen. Diesmal geht es um geheime Preisabsprachen: Per Knopfdruck verschieben einige wenige Händler von Banken binnen Sekunden Milliarden und nehmen damit massiven Einfluss auf Geschäfte von unzähligen Menschen und Unternehmen. Dabei spielten viele Banker offenbar nach ihren ganz eigenen Regeln, um sich einen Vorteil für die Geschäfte ihrer Häuser zu verschaffen.

Hohe Bußgelder
Laut Ermittlungen der britischen Finanzaufsicht schlossen sich Händler verschiedener Banken in diskreten Kreisen zu Gruppen mit Namen wie „Das A-Team“, „Die drei Musketiere“, „The Players“ oder „1 team, 1 dream“ zusammen, um gemeinsam den restlichen Devisenmarkt auszutricksen. Aufsichtsbehörden in Großbritannien, den USA und der Schweiz verhängten am Mittwoch Bußgelder von insgesamt knapp 4,3 Milliarden Dollar (3,5 Mrd Euro) gegen die Citigroup, HSBC, JPMorgan, die Royal Bank of Scotland (RBS), die UBS und die Bank of America.
Das dürfte erst der Anfang sein: Analysten rechnen mit Gesamtstrafen im zweistelligen Milliardenbereich. Dabei schien gerade die Beeinflussung von Währungskursen praktisch unmöglich. Täglich werden rund fünf Billionen Dollar in diesem Bereich umgesetzt, allein das schiere Ausmaß sollte Manipulationen verhindern oder zumindest extrem schwer machen, hieß es lange von Experten. Als Argument wurde gern angeführt, dass selbst Notenbanken, die unbegrenzt Geld drucken können, kaum zuverlässig frei schwankende Devisenkurse kontrollieren können. Doch um große Kurssprünge ging es den Händlern auch nicht.

Exlusiver Kreis
Ihnen genügten bereits winzige Kursveränderungen, um eigene Geschäfte zu fördern. Dazu sollen sie geschickt den kurzen Moment rund um das sogenannte Londoner Fixing von 16 Uhr genutzt haben, um sich abzusprechen. Bei dem Termin werden in exklusivem Kreis die Referenzkurse ermittelt, an denen sich dann die internationalen Währungsmärkte orientieren – Finanzgeschäfte in Billionenwert hängen von diesen sogenannten Benchmark-Daten ab.
Durch ihre Absprachen konnten die Händler dem Gesamtmarkt zuvorkommen – eine Praxis, die im Slang der Finanzprofis als „Front Running“ bezeichnet wird. „Nennt mich Legende!! Front-Run-Legende“ – mit diesen Worten feierte sich ein UBS-Händler den Chatprotokollen zufolge nach erfolgreicher Marktmanipulation. Um das Vertrauen wieder herzustellen, bemühen sich die Banken jetzt um interne Verbesserungen. Allein die US-Großbank JPMorgan will in diesem Jahr vier Milliarden Dollar in bessere Kontrollen stecken, bei der Deutschen Bank sind bis 2015 dafür eine Milliarde Euro vorgesehen.

Ein Einfallstor
Experten sehen aber vor allem die Politik gefordert, stärker in den Markt einzugreifen. Viele halten es für einen Fehler, dass sich die Zentralbanken aus der Festsetzung von Währungskursen weitgehend verabschiedet haben. Zudem gilt die zunehmende Konzentration des Marktes auf wenige Banken als Einfallstor für Absprachen. Darüber hinaus beruht ein Teil der Kurse auf der freiwilligen Zulieferung von Marktteilnehmern. Dass damit der Bock zum Gärtner gemacht werden kann, zeigen die Chats überdeutlich.

(1) weitere interessante Informationen siehe URL: http://www.tageblatt.lu/nachrichten/dossier/luxleaks

Bankenskandal-Das-sind-geile-Hunde141112.pdf