Beschämende Einladungspraxis Polens: Poroschenko statt Putin

Es ist beschämend, dass die Gedenkfeier zum 70sten Jahrestag der Auschwitzbefreiung von allen Seiten zu PR-Zwecken ausgeschlachtet wird. Im Hinblick auf die historische Bedeutung dieses Ereignisses ist es völlig nebensächlich, wer wann welche diplomatischen Verrenkungen gemacht hat, um wen nicht einladen zu müssen, zu sollen, zu wollen, zu können.
Eine aktuelle Meldung der polnischen Nachrichtenagentur pap genügt, um die Nebelschwaden dieser ganzen Wer-ist-schuld-Diskussion auf die Sphäre der Realpolitik zu kondensieren: Die polnische Ministerpräsidentin Ewa Kopacz hat ihren ukrainischen Amtskollegen Poroschenko persönlich und ganz öffentlich zur Auschwitz-Gedenkfeier eingeladen. Kopacz hat „ihrer Hoffnung Ausdruck verliehen“, dass Poroschenko zur Gedenkfeier kommt. „Ich möchte Sie gerne fragen, ob Sie uns beehren […]“ wird sie zitiert. Und Poroschenko ist natürlich gekommen.
Einiges deutet darauf hin, dass der Westen tief in die diplomatische Trickkiste gegriffen hat, um Putin dezent seine Unerwünschtheit zu nahezulegen. Aber Putin drehte auch hier den Spieß um. Er markiert den Chef im Ring und gibt zu verstehen: „Wer nicht will, der hat schon gehabt! Dann spricht in Auschwitz eben nicht die Befreiernation (Putin), sondern die Betreibernation (Gauck)!“
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