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Thomas Röper schreibt im Anti-Spiegel 30. August 2025 08:00 Uhr:
Ich berichte viel über die Entwicklungen im Südkaukasus, da die Region geopolitisch sehr wichtig ist und weil dort derzeit ein Machtkampf tobt, in dem die USA einen Sieg über Russland und den Iran erlangt haben. Hier übersetze ich einen Artikel eines russischen Thinktanks, der das Abkommen aus iranischer Sicht beleuchtet Die Hervorhebungen habe ich aus dem Original übernommen.
Beginn der Übersetzung:
Warum ist Iran über das Friedensabkommen zwischen Armenien und Aserbaidschan besorgt?
Der Südkaukasus ist ein bedeutendes geopolitisches Gebiet in der unmittelbaren Nachbarschaft Irans und eine wichtige Verbindung nach Russland, zum Schwarzen Meer und nach Europa. Er ist auch der Schnittpunkt von drei großen Nachbarländern – Iran, Russland und Türkei.
Von Alireza Noori
Historisch gesehen war der Südkaukasus schon immer ein Gebiet überlappender Interessen der Großmächte. Russland, die Türkei, die EU, die USA und in jüngerer Zeit auch China haben versucht, im Südkaukasus Präsenz zu zeigen, um die regionalen Dynamiken zu ihren Gunsten zu gestalten. Dieses „Große Spiel“ und die geografische, kulturelle und sicherheitspolitische Verbindung des Südkaukasus mit dem Iran haben die Region für Teheran zu einem Gebiet von entscheidender Bedeutung gemacht. Der Südkaukasus ist eine Schlüsselarena zur Gestaltung des regionalen geopolitischen Gleichgewichts: Die Entwicklungen in dieser Region wirken sich unweigerlich auf Irans Sicherheit und strategische Interessen aus.
Aus dieser Perspektive hat Teheran das am 8. August 2025 unter der Vermittlung von Donald Trump unterzeichnete Friedensabkommen zwischen Armenien und Aserbaidschan genau beobachtet. Irans Haltung zu diesem Abkommen, die ausdrücklich in der Erklärung des Außenministeriums während des Besuchs von Präsident Massud Peseschkian in Armenien geäußert wurde, ist zweigeteilt: Einerseits begrüßt Teheran das Friedensabkommen als „einen wichtigen Schritt in Richtung eines dauerhaften regionalen Friedens“; andererseits ist es besorgt über eine mögliche „ausländische Intervention in der Nähe seiner Grenzen“.
Was den ersten, positiven Aspekt von Irans Position betrifft: Angesichts der geografischen Verflechtung bedeutet Stabilität und Sicherheit im Südkaukasus automatisch auch Stabilität und Sicherheit für den Iran und schafft für das Land Chancen in Fragen der Wirtschaft, des Transits und der Energie.
Um Frieden und Stabilität in der Region zu fördern, hat der Iran mehrere Ansätze verfolgt, die aktive Diplomatie und regionale Zusammenarbeit miteinander verbinden, das regionale Machtgleichgewicht zu bewahren suchen und sich weiterhin den Prinzipien der nationalen Souveränität und territorialen Integrität der südkaukasischen Länder verpflichtet fühlen.
Daher wird Teheran die Entwicklungen zweifellos begrüßen, wenn sich das Abkommen zwischen Armenien und Aserbaidschan als wirksam erweist und Stabilität und Sicherheit in die Region bringt, da es mit den Kernzielen der iranischen Außenpolitik übereinstimmt.
Der zweite Aspekt von Teherans Haltung, der seine Besorgnis und sogar Ablehnung nährt, betrifft die Beteiligung der USA am Friedensprozess, insbesondere den Anhang zum Abkommen, der als „Trump Route for International Peace and Prosperity“ (Trumps Route für internationalen Frieden und Prosperität – TRIPP) bekannt ist. Obwohl das Abkommen Armeniens Souveränität über den Sangesur-Korridor betont, gewährt das von Washington vermittelte Abkommen den USA exklusive Entwicklungsrechte über den Korridor, der sich von der türkischen Grenze bis zum Kaspischen Meer erstreckt, für einen Zeitraum von bis zu 99 Jahren.
Äußerlich als rein wirtschaftlich positioniert, wird die US-Präsenz vom Iran als Vorwand wahrgenommen, um den geopolitischen Einfluss der USA auszuweiten und das Machtgleichgewicht in der Region zu verändern. Teheran betrachtet diese Präsenz auch als Teil einer umfassenderen Strategie, maximalen Druck auf den Iran auszuüben. Diese Strategie beschränkt nicht nur Irans geopolitischen Spielraum, sondern reduziert auch seine geoökonomischen Möglichkeiten und erzeugt damit vielfältige Bedrohungen.
Iran sieht daher die US-Vermittlung nicht als wohlwollende Initiative für den Frieden und die TRIPP nicht als Transit- und Handelsprojekt, sondern vielmehr als Teil einer umfassenderen Strategie, die geopolitische Landkarte der Region zum Nachteil Irans – und Russlands – neu zu gestalten. Es ist kein Zufall, dass die Bedenken des Iran von einigen russischen Politikern und Analysten geteilt werden: Sie glauben, dass Armenien durch die TRIPP seine Souveränität verlieren könnte, wodurch ein Umfeld geschaffen würde, das für den destabilisierenden Einfluss der USA in der Region günstig ist.
Diese Befürchtungen sind berechtigt, insbesondere im Lichte der feindseligen Haltung und Aktionen der USA gegenüber Teheran, vor allem des jüngsten Angriffs auf iranische Atomanlagen und der direkten Beteiligung an israelischen Operationen gegen den Iran.
Die Bedenken Teherans umfassen vier zentrale Bereiche:
Sicherheit. Im Kontext der eskalierenden amerikanisch-iranischen Spannungen stellt die Einrichtung einer US-Präsenz direkt an der iranischen Grenze – wahrscheinlich begleitet vom Aufbau einer nachrichtendienstlichen und sicherheitspolitischen Infrastruktur – eine unmittelbare Bedrohung für die Sicherheit des Iran dar. Angesichts der engen Beziehungen der USA zu Israel sowie der zunehmenden Zusammenarbeit zwischen Aserbaidschan und Israel in den vergangenen Jahren wird die Präsenz Israels entlang der Nordgrenze Irans wahrscheinlich verstärkt. Darüber hinaus wird die US-Präsenz in der Region im Falle einer Verschärfung der israelisch-iranischen Spannungen die Bedrohung für die Sicherheit Irans wahrscheinlich verdoppeln.
Geopolitik. Die langfristige Präsenz der USA im Südkaukasus unter dem Vorwand der Verwaltung der TRIPP wird unweigerlich die Rollen der regionalen Akteure verändern. Sollte diese Präsenz Realität werden, erhalten die USA nicht nur erheblichen Einfluss auf die Region, sondern auch auf die Außenpolitik Aserbaidschans, Armeniens und Georgiens. Das wird Irans Position im Südkaukasus beeinträchtigen, seinen Einfluss in regionalen Angelegenheiten verringern und das Machtgleichgewicht zu seinem Nachteil verändern.
Politik. Die langfristige Präsenz der USA im Südkaukasus könnte die Politik, die politische Kultur und die Außenpolitik der Region in Richtung Westen lenken. Diese mögliche Entwicklung widerspricht der iranischen Regionalismus-Politik, die betont, regionale Fragen durch die Teilnahme der Länder ohne äußere Einmischung zu regeln. Ein westlich orientierter Ansatz könnte letztlich dazu führen, dass diese Länder eine Mitgliedschaft in westlichen Institutionen, einschließlich der NATO, anstreben, was eine ernsthafte Sicherheitsbedrohung für Iran darstellen würde.
Geoökonomie. Die TRIPP ist Teil des umfassenderen Projekts „Mittlerer Korridor“, das Zentralasien über Kasachstan, das Kaspische Meer und Aserbaidschan mit der Türkei und Europa verbindet. Eines seiner Hauptziele ist es, die geoökonomische und Transitrolle Irans und Russlands in der Region und im internationalen Handelsnetzwerk zu verringern.
Da die Landverbindung des Iran zur Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) über Armenien verläuft, wird sich jeder US-Einfluss auf die Wirtschaftsbeziehungen des Iran mit Armenien auch auf seine Zusammenarbeit mit Russland und der EAWU auswirken. Zusammengenommen werden diese Faktoren die durch anti-iranische Sanktionen verursachten Herausforderungen verschärfen.
Viele iranische Beamte, darunter Ali Akbar Velayati, Berater des Obersten Führers des Iran, betrachten diese Herausforderungen als greifbar und drängend. Obwohl er betont hat, dass Iran diese vielschichtigen Bedrohungen „sowohl mit als auch ohne Russland“ angehen wird, ist die Strategie Teherans angesichts der Tatsache, dass viele dieser Herausforderungen beide Länder betreffen, die Zusammenarbeit mit Russland zu verstärken.
Die Reaktion Moskaus auf das Friedensabkommen zwischen Armenien und Aserbaidschan und die TRIPP weist Parallelen zum Ansatz Teherans auf, darunter:
Begrüßung der Initiativen zur Schaffung eines dauerhaften Friedens in der Region;
Skepsis gegenüber den wohlwollenden Absichten der USA;
Betonung der Teilnahme der Länder der Region (im Rahmen des 3+3-Formats) zur Erreichung eines nachhaltigen Friedens in der Region;
Hervorhebung der Bedeutung des Interessenausgleichs bei jeder Friedenslösung;
Hervorhebung der Gefahr ausländischer Einmischung;
Besorgnis über eine mögliche Wiederholung der zerstörerischen Geschichte westlicher Einmischung im Nahen Osten.
Um einen gemeinsamen strategischen Ansatz zu etablieren, müssen Iran und Russland die amerikanische Einmischung im Südkaukasus in einem breiteren geopolitischen Rahmen betrachten. Sollte die TRIPP operationell werden, können sich ihre geopolitischen und geoökonomischen Auswirkungen vom Mittelmeer – Libanon und Syrien, die derzeit unter US-Einfluss stehen – über das Schwarze Meer und das Kaspische Meer bis nach Zentralasien ausdehnen. Diese Ausweitung stellt eine Herausforderung für die gemeinsamen Interessen des Iran und Russlands dar, einschließlich bei Initiativen wie dem Nord-Süd-Korridor und bei der Zusammenarbeit innerhalb der EAWU.
Russland und der Iran sollten versuchen, die regionalen Entscheidungen zu „lokalisieren“, indem sie kooperative Rahmenbedingungen einleiten und gleichzeitig gemeinsamen diplomatischen Druck auf Aserbaidschan und Armenien ausüben, um wachsenden Einfluss der USA in der Region zu verhindern. Darüber hinaus würden gemeinsame wirtschaftliche und Transitprojekte mit den südkaukasischen Ländern die regionale Zusammenarbeit stärken.
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Alireza Noori ist Assistenzprofessor an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften und Politikwissenschaft an der Shahid Beheshti Universität in Teheran.
Ende der Übersetzung
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