Vorgänge im Iran – verschiedene Einschätzungen

globalcrisis/globalchange NEWS
Stephan Best
05.01.2018

Guten Abend an die Listen,
die jüngsten Entwicklungen im Iran um den Jahreswechsel herum haben nicht nur in scheinbar spontanen Tweets westlicher Staatsmänner ihren Niederschlag gefunden, sondern auch die beiden deutschen Fernsehanstalten waren sich unisono einig, dass sich ein neuerlicher Umsturz dort anbahne. Einig schienen sich die meisten Medien auch darin zu sein, dass sich der Zorn der Massen gegen das verhasste Mullahregime, fehlende Demokratie und vor allem gegen steigende Preise und zunehmende Arbeitslosigkeit vor allem unter Jugendlichen richte. Ein Regime Change sei daher notwendig und stehe unmittelbar bevor.
Keine Erwähnung dagegen finden die erheblichen Auswirkungen zurückliegender Wirtschaftssanktionen, die teilweise auch nach dem Abschluss des Atomabkommens immer noch aufrechterhalten werden. Der Iran hatte das Abkommen vor zwei Jahren mit den USA, Russland, China, Frankreich, Großbritannien und Deutschland in Wien geschlossen und keine seriöse Nachrichtenquelle bezweifelt bislang, dass das Land sich an die beschlossenen Auflagen halte.

Im Folgenden soll eine Auswahl von Texten dokumentiert werden, die dieses einseitige Bild von den Demonstrationen in einigen Städten des Iran noch aus anderen Perspektiven betrachten:
04.01.2018 — https://deutsch.rt.com/meinung/63101-was-ist-los-in-iran/

1) Was ist los im Iran? Die Hintergründe der Proteste und die westlichen Narrative (I)

Von Rainer RUPP

Die USA, Israel und die Saudis machen sich Sorgen um Demokratie und Menschenrechte im Iran. Deutsche Staatsmedien leisten Schützenhilfe. Obwohl ein Umsturz im Iran unwahrscheinlich ist, scheinen die Ereignisse Teil eines größeren Plans gegen Teheran zu sein. (…)

2)Yavuz ÖSOGUSWas ist los im Iran, was in Israel
Werner Beyer schrieb auf FB: „Es ist doch immer wieder interessant sich auch mal die andere Seite anzuhören. Jenseits des medialen Einheitsbreis betreiben die Brüder Yavuz Özoguz,und Gürhan Özoguz das Portal Muslimmarkt, bei dem ich auch immer wieder mal vorbeischaue und interessante Beiträge entdecke. Bevor mir jemand Einseitigkeit oder gar Verblendung vorwirft: (…)“
http://www.muslim-markt-forum.de/t1471f2-Was-ist-los-im-Iran-und-was-in-Israel.html

3) Communiqué des ZKs der Tudeh Partei (KP) Iran:
Der Kampf des iranischen Volkes, das die Nase von Gewalt, Unterdrückung, Teuerung und Despotie voll hat, ist real. Dieser Kampf darf nicht zugunsten der Interessen der reaktionären Kräfte im In- und Ausland verein
Veröffentlicht: – Jan 02, 2018

Werte Mitbürger!
Die politisch-ökonomische Krise der bankrotten Regierung der Welajate-Faghih (religiöse Obrigkeit) im Iran nimmt täglich größere Ausmaße an. Die Auswirkung dieser Krise kann bei den internen Auseinandersetzungen der Regierenden und infolge dessen in den beispiellosen Enthüllungen der Machtzentren gegeneinander beobachtet werden. (…)

TUDEH-INFO – NR. 101- 01. Januar 2018 in PDF

http://www.tudehpartyiran.org/images/tudehinfo/T_INFO101.pdf

4) Pedram SHAYAR Der Aufstand der Hungrigen
http://www.pedram-shahyar.de/2018/01/03/iran-aufstand-der-hungrigen/

Veröffentlicht am 3. Januar 2018 von Pedram Shahyar

Iran: Aufstand der Hungrigen
Seit einer Woche demonstrieren bei Dunkelheit Menschen im Iran auf den Straßen. Der Staat und Eliten sind gespalten und verunsichert, die geopolitischen Gegner in Washington, Tel Aviv und Riad feiern eine Party. Es sind noch nicht die großen Massen, die in der Dunkelheit Parolen rufen. Doch diese Protestbewegung ist eine große Herausforderung für den iranischen Staat: Anders als die grüne Bewegung 2009 sind die spontanen Protesten sehr radikal und fordern das Ende der politischen Herrschaft des islamischen Klerus. (…)

Allen unseren Mitlesern noch ein gutes und friedliches 2018!
ciao Stephan Best

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Stephan Best
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Ergänzend sei auch noch besonders auf das folgende Interview von Ken Jebsen mit Petra Wild vom 5.01.2018 hingewiesen:

KenFM am Telefon: Petra Wild zu den Massendemonstrationen im Iran

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Der Iran ist der drittgrösste Erdöl-Förderstaat der OPEC und war zwischen 1953 und 1979 der Lieblingspartner des Westens.

Mehr als 30 Jahre verkaufte das Land Öl und Gas zu günstigsten Konditionen und wurde im Gegenzug vor allem von den USA mit sündhaft teueren Waffen hochgerüstet. Freie Presse oder ein demokratisches System existierte im Iran zu dieser Zeit nicht. Stattdessen regierte bis 1979 der Schah von Persien mittels Geheimpolizei Savak.

Die Folterkeller des Landes waren über Jahrzehnte rappelvoll, aber das störte in der westlichen Wertegemeinschaft niemanden, solange der Diktator seine Lieferdeals einhielt und die Region stabil blieb.

Als es 1979 zur Revolution kam und das Land vom schiitischen Geistlichen Ajatollah Chomeini übernommen wurde, fiel der Iran in Ungnade. Seither gilt er als Teil der Achse des Bösen und wird politisch isoliert und sanktioniert. Die Mangelwirtschaft soll das Land von innen zerrütten und das Volk gegen die Regierung aufbrigen. Immer wieder kommt es deshalb zu Unruhen, die in der West-Presse als Befreiungsschlag verkauft werden, was sie nicht sind.

Das persische Volk möchte innerstaatliche Reformen, aber misstraut jeglicher Hilfe aus dem Ausland, mit der es in der Vergangenheit keine guten Erfahrungen gemacht hat. Wie soll man die aktuellen Unruhen, bei denen rund 20 Personen umgekommen sind, geopolitisch bewerten? Ist die Regierung Rohani tatsächlich angezählt oder deutet hier der Westen eine Entwicklung um, um vor ganz anderen Problemen in der Region abzulenken, die den Iran zwar betreffen, aber weit über ihn hinausgehen?

Die Lage ist komplex. Islamwissenschaftlerin Petra Wild bringt im Gespräch mit KenFM Licht ins Dunkel. Sie bewertet nicht. Sie analysiert.

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ESCOBAR: Why there won’t be a revolution in Iran

Elke Schenk

globalcrisis/globalchange NEWS

5.1.2018

http://www.atimes.com/article/wont-revolution-iran/

Why there won’t be a revolution in Iran

Regime change is unlikely but what is in play is setting the scene for a further renewal of economic sanctions

By Pepe Escobar January 3, 2018 5:01 PM

Iranian President Hassan Rouhani did the right thing going on television and at least acknowledging popular anger over hard economic times. Inflation is high at 12% but down from 40% at the start of Rouhani’s first term. And the recent increase in fuel and food prices by up to 40% has hardly helped.

That was part of Team Rouhani’s 2018 budget, which cuts subsidies for the poor – a key feature of the previous Ahmadinejad administration.

Then there is youth unemployment, which hovers around the 30% mark. Similar figures recently came out of Spain, a member of the European Union. Of course, that explains why the bulk of the protesters are under 25 from working class backgrounds.

What Rouhani should have explained to Iranians in detail is the direct consequences of hard economic times and United States sanctions, which are affecting the country.

These were coupled with financial threats against western firms now back in business, or at least contemplating opening up operations, in Iran.

Rouhani did promise after signing the Joint Comprehensive Plan of Action, also known as the Iran nuclear deal, in the Austrian capital of Vienna in 2015 that it would lead to more jobs and stimulate the economy.

While that has not been the case, legitimate protests singling out economic problems have never gone away. In fact, they have been part of the Iranian picture for decades.

If we consider the Islamic Republic experiment, a sort of “theocracy with democratic characteristics,” the most striking element is how deeply rooted it is in the country.

I learned this during my many trips to Iran and it has a great deal to do with the basij, or voluntary militias. They have permeated all aspects of social life from unions to student bodies and civil servant groups.

In this respect, there is a strong similarity to China, where the Communist Party is embedded in the very fabric of society.

Talking to young people in places such as Kashan or Mashhad showed me how solid the popular base was behind the Islamic Republic experiment. It was certainly more thought-provoking than listening to ayatollahs in Qom.

Still, what is happening now in Iran is that legitimate protests related to economic hardships have been hijacked by the usual suspects in a move to influence the minority. After all, Rouhani’s administration is comparatively liberal compared to the populist Ahmadinejad government.

So, what we have is a concerted attempt to turn legitimate protests into a “revolutionary” movement with the aim of bringing about a regime change. In all practical purposes, this would be civil war.

Well, it will simply not work. Anyone familiar with Iran knows the country’s civil society is far too sophisticated to fall into such a crude and obvious trap.

For a clear take on the foreign influence angle, you should watch Professor Mohammad Marandi, of the University of Tehran, an academic of absolute integrity, arguing with a former BBC employee on the Qatari-owned Al Jazeera television network.

( https://www.youtube.com/watch?time_continue=6&v=dFn4O5xTkpE )

Indeed, what is certain is that foreign elements are acting as provocateurs to influence the protests. This “whole world is watching” tone is meant to intimidate Tehran’s response.

Yet there has to be a crackdown against the violence as Rouhani strongly hinted. Imagine the police response if the level of violence seen on Iranian streets was happening in France or Germany?

Regime change is unlikely but what is in play is setting the scene for a further renewal of economic sanctions against Iran. Possibly, in this case by the EU. Hopefully, it will not fall into this trap.

Anyway, Tehran is already gearing up to increase business across Eurasia through China’s new Silk Roads, the Belt and Road Initiative, and the Eurasia Economic Union.

In the end, it is up to Team Rouhani to be creative in alleviating the burden on the economic front.