NUIT DEBOUT – einige Stimmen jüngerer Leute aus der Bewegung

globalcrisis/globalchange NEWS
Martin Zeis, 15.04.2016

Hallo zusammen,

anknüpfend an die vorgestrigen Postings* im Folgenden einige Stimmen jüngerer Leute aus der NUIT-Debout-Bewegung zu ihren Werten. ihrer Wahrnehmung der Bewegung, ihrer Kritik des real existierenden Zustands, ihren Vorstellungen von anderen Formen gesellschaftlicher Organisation und Zusammenlebens.

Aufschlussreich sein dürften die auf den Versammlungen entstehenden „Cahiers de Doléances“, die Beschwerdehefte der Bewegung. Dort kann jede/r „reinschreiben, was er denkt und wünscht. Wir tippen das dann nachher ab und drucken es aus. Denn wir wollen ja, dass von dieser Bewegung etwas für die Nachwelt bleibt.“ – Vanya Chokrollahi, 21, Filmemacher.

– dieser Mailtext ist auch im Anhang verfügbar —

* gc-special-english: Angelique CHRISAFIS: Nuit debout protesters occupy French cities in revolutionary call for change; URL: www.theguardian.com/world/2016/apr/08/nuit-debout-protesters-occupy-french-cities-in-a-revolutionary-call-for-change
* gc-deutsch-Listen: Einige Meldungen zur neuen Bewegung in Frankreich „NuitDebout“ — u.a. Echte Demokratie Jetzt: https://www.facebook.com/Echte-Demokratie-jetzt-210471548985466/?fref=nf – Occupy Vienna mit zahlreichen weiteren Links: https://www.facebook.com/OccupyWien/?fref=photo

Einige Stimmen jüngerer Leute aus der NUIT-Debout-Bewegung
— gesammelt und übersetzt von Lisa LOUIS (1) —

Alys Marchi, 30, Schlangenfrau im Zirkus & Camille, 34, Schauspielerin

Wir haben uns heute Abend bei Nuit Debout verabredet, denn wir haben keine Lust mehr. Man zwingt uns immer irgendwelche Gesetze auf, ohne uns nach unserer Meinung zu fragen – wir leben in einer modernen Diktatur. Eigentlich bestimmt die Finanzwelt doch alles.
Wir waren auch bei dem großen Marsch für die Republik nach den Terrorattacken auf das Satire-Magazin Charlie Hebdo auf der Straße. Da waren allein in Paris zwei Millionen Menschen zusammengekommen, um zu zeigen, dass Frankreich eine Einheit ist. Genau diese Solidarität sollten wir nutzen, um die Dinge voranzutreiben.
Wir müssen zum Beispiel unser Schulsystem reformieren: Den Franzosen wird von klein auf beigebracht, bloß nicht aus der Reihe zu tanzen. Dabei sollten wir uns eher am nordeuropäischen Modell orientieren, bei dem Kindern mehr Kreativität beigebracht wird.

Bérénice Bédouin, 17, Schülerin

Ich bin ein moderner Hippie und träume von einer besseren Welt. Unsere Gesellschaft ist zu sehr auf Materielles ausgerichtet, darauf, immer mehr zu verdienen. Dabei sollten wir uns mehr um unser inneres Wohlbefinden kümmern.
Ich mache seit einer Woche bei den nächtlichen Treffen von Nuit Debout mit. Die zeigen mir, dass es auch andere Menschen gibt, die sich nach einer Alternative zum aktuellen Lebensstil sehnen. Die auch finden, dass endlich etwas getan werden muss gegen die Veruntreuung von Geldern. Die Panama Papers sind da ja nur das jüngste Beispiel – wir müssen endlich aufwachen!
Wir dürfen nicht warten, bis die Welt Präsidenten hat wie Marine Le Pen vom rechtsextremen Front-National oder den Populisten Donald Trump in den USA.

Marc Haussaire, 32, Gründer

Ich hab die Nase gestrichen voll von der Regierung. Das jüngste Arbeitsgesetz ist wirklich nur die Kirsche auf dem Kuchen der Ungerechtigkeit. Ich habe einfach keine Lust mehr auf dieses System, in dem man systematisch alles für große Unternehmen tut, aber gleichzeitig die Bedürfnisse der Bürger ignoriert.
Ich verstehe ja, dass die globale Welt heute anders funktioniert – das Leben ist hart und geprägt von weltweiter Konkurrenz. Aber in einer solchen Welt können wir nur bestehen, wenn wir alle an einem Strang ziehen. Und nicht, wenn die Regierung gegen uns Bürger arbeitet. Wir diskutieren hier in unseren Ausschüssen über Alternativen zur aktuellen Funktionsweise des Staates. Das Ziel ist es, irgendwann konkrete Gesetzesvorschläge zu machen.

Vanya Chokrollahi, 21, Filmemacher

Ich kümmere mich hier mit ein paar anderen Leuten um die „Cahiers de Doléances“, die Beschwerdehefte unserer Bewegung. Jeder kann hier reinschreiben, was er denkt und wünscht. Wir tippen das dann nachher ab und drucken es aus. Denn wir wollen ja, dass von dieser Bewegung etwas für die Nachwelt bleibt.
Da sprechen sich zum Beispiel Menschen gegen das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP aus oder auch gegen den Präsidenten François Hollande – sie wollen ihn absetzen. Manche setzen sich auch dafür ein, dass Flüchtlinge besser vor der Polizei geschützt werden.
Wo die Reise mit Nuit Debout hingehen wird, das weiß ich noch nicht so genau. Aber jetzt geht es erstmal darum, überhaupt die großen Fragen über das Leben und die Gesellschaft zu stellen. Denn nur gemeinsam können wir die Welt verändern – selbst, wenn das etwas länger dauert.

Mathilde Orgogozo, 26, Logopädin

Ich bin seit dem ersten Abend, seit dem 31. März, dabei. Für mich ist diese Bewegung eine echte Gelegenheit: Ich bin Neo-Marxistin und hoffe mit ganzem Herzen auf eine weltweite Revolution. Denn es scheint, auf friedliche Weise kann man die Welt einfach nicht ändern – die Strukturen sind zu festgefahren!
Auf meinem Schild steht „Ich bin Feministin – fragen Sie mich ruhig etwas“. Denn ich finde die heutige Gesellschaft durch und durch sexistisch – und zwar auf oft subtile Weise. Ich nenne das wohlwollendes Patriarchat. Sexistische Rollenvorstellungen werden in nur scheinbar wohlwollenden Ratschlägen ausgedrückt, zum Beispiel, wenn man mir rät, nicht ohne männliche Begleitung zu Nuit Debout zu gehen.
Aber ich will, dass sich auch andere Dinge ändern: Ich arbeite seit drei Jahren als Logopädin und verdiene gerade mal 1500 Euro im Monat – und das bei fünf Jahren Ausbildung! Ich habe gar keine Zeit, mich um die wirklich wichtigen Dinge im Leben zu kümmern, weil ich kaum über die Runden komme und immer arbeiten muss. Der einzige Ausweg ist da ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle.

Simon, 31, Historiker

Wir müssen aufhören, uns nur über unseren Job und unsere Funktion zu definieren und endlich wieder menschlich werden. Natürlich haben wir als Menschen eine generelle Tendenz zu Hierarchie – das scheint vieles einfacher zu machen. Aber genau dem sollten wir uns entgegen setzen.
Bei uns hier gibt es keine Chefs und Untergebenen, jeder hat die gleichen Rechte. Frankreich als Staat sollte sich daran ein Beispiel nehmen, eine Vielzahl an kleinen Versammlungen sollte das Land regieren. So wie in Zeiten des Mongolenanführers Dschingis Khan, da haben auch Dorfgemeinschaften für sich entschieden. Und bei nationalen Fragen kann man immer noch ein Referendum abhalten.
Wenn Nuit Debout es schafft, ein solches Modell vorzuleben, wird das vielleicht dazu führen, dass andere Länder wie zum Beispiel Deutschland es kopieren.

(1) http://www.bento.de/politik/frankreich-was-wollen-die-jungen-demonstranten-der-bewegung-nuit-debout-496609/#refsponi

gc-NUIT-Debout-statements160415.pdf

Hybrid Wars 4. In the Greater Heartland (IV) | Oriental Review

Hybrid Wars 4. In the Greater Heartland (IV)

Fri, Apr 15, 2016

Central Asia, Hybrid Wars

By Andrew KORYBKO (USA)

Hybrid Wars 4. In the Greater Heartland (IV)

(Please read Parts I, II, and III prior to this article)

The US’ History Of Regional Revolution Attempts

The most significant destabilizing scenario that could ever occur in Central Asia is an “Arab Spring”-like event that ravages the region and irreversibly upsets its existing political balance. The interesting aspect about this possibility is that it was actually attempted twice before, and furthermore, this was even before the “Arab Spring” ever happened. Before delving into the details and reexamining some overlooked aspects of history, it’s important to remind the reader that the US has always been endeavoring to initiate region-wide transformations of power.

The “Spring Of Nations” And “Balkan Spring”:

The first such success in having this happen was the 1989 “Spring of Nations”, which in retrospect can be seen as the ‘first Arab Spring’, albeit much more peaceful than what transpired 22 years later. The series of events much more closely related to the “Arab Spring” are the Yugoslav Wars, which in their own way were a chain reaction of conventional and unconventional conflicts born out of the 1991 independence movements, otherwise defined by the author as the “Balkan Spring”. Because large-scale, anti-government (as in against the federal center of Belgrade) social movements preceded the outbreak of dirty wars, the Balkan Spring can be defined as the spiritual forerunner of the “Arab Spring”. (…)

 

Quelle: Hybrid Wars 4. In the Greater Heartland (IV) | Oriental Review