global crisis/global change NEWS
- Cornelia KOPPETSCH Der FREITAG
Ausgabe 3515 | 07.10.2015 | 06:00 27
https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/diezurueckgebliebenen?
utm_content=bufferddce4&utm_medium=social&utm_source=faceb
ook.com&utm_campaign=buffer
Die Zurückgebliebenen?
Soziologie Warum wütet die rassistische Gewalt besonders im Osten? Weil die Menschen
dort als Rassisten geboren werden? Nein, bestimmt nicht … der Artikel ist als PDF angehängt.
Nicht erst seit den rassistischen Entgleisungen auf der PEGIDA Kundgebung in Dresden fragen sich viele verschreckte Bürger, woher denn dieser Hass auf Fremde und Hilfesuchende kommt und wie dieser Zulauf in einer Region zu vestehen ist, in der die wenigsten Migranten bisher zugewandert sind. Cornelia Koppetsch drückt mit dieser soziologischen Untersuchung recht gut das Problem in den Mittelpunkt, wie die soziale Deprivation infolge der Schwächung des Staates in ethnische Missgunst und Hass transformiert wird!
Nicht nur die Arbeitsplätze, nahezu alle gesellschaftlichen Bindekräfte haben sich aus dem Gesellschaftskörper zurückgezogen. Dies zeigt sich vor allem in Sachsen, wo das Kollektiv viel zählte und wo Heimatgefühle und Traditionen bis heute eine große Rolle spielen. Fast eine Million Menschen haben das Land seit 1990 verlassen. Schulen, Läden und Arztpraxen müssen schließen. Häuserzüge verwaisen und Dörfer werden zu Geisterstätten. Zurück bleiben oft nur die Alten, die Sozialhilfeempfänger und diejenigen, die sich im Westen keine Zukunft erhoffen.
- Ähnlich wie Frau KOPPETSCH hat schon der Soziologe Herbert SCHUI bei der PEGIDA-Bewegung eine Verschiebung von Aggressionen auf die Falschen ausgemacht und die falschen Misstände:
Die große Aggressionsverschiebung
Über Pegida, diffuse Ängste und die Reaktion der Politik –
Von HERBERT SCHUI, 9. Januar 2014 – HINTERGRUND
(…) “Die Ursache hierfür wird aber nicht in der Globalisierung allgemein gesucht, nicht im geplanten Freihandelsabkommen mit den USA (TTIP), nicht in der EU mit einem eher machtlosen Parlament und einer mächtigen Kommission, nicht in einer internationalen Finanzwirtschaft, der sich alles zu unterwerfen hat. Rational wäre nun, sich gegen diejenigen gesellschaftlichen Kräfte zu wenden, die das Freihandelsabkommen durchsetzen wollen, die Arbeitslosigkeit, geringen Lohn oder niedrige Renten verursacht haben. Der Gegner ist dann die Unternehmerschaft und die politische Parteien, besonders die Volksparteien, die dem Interesse der Unternehmerschaft verpflichtet sind. Den wirklichen Gegner ausfindig zu machen, setzt allgemeine Bildung voraus – und den Mut dazu, den Gegner beim Namen zu nennen. Denn dieser Gegner ist mächtig. An der NPD-Parole „Deutsche Arbeitsplätze für Deutsche“ lässt sich das weiter verdeutlichen. Wer die Arbeitslosigkeit nicht erklären kann mit zu wenig privatem Konsum als Folge niedriger Löhne und die Ursache für die geringe Staatsnachfrage nicht erklärt mit niedrigen Unternehmenssteuern, wer also nicht erkennt, dass unzureichende Nachfrage als Folge der Verteilung des Volkseinkommens zugunsten des Gewinns die Ursache von Arbeitslosigkeit ist, und wer obendrein Angst davor hat, sich mit den Unternehmen anzulegen, der konzentriert sich auf etwas Nächstliegendes, irgendwie Plausiblen, wenngleich Falsches. Da nehmen die Ausländer den Deutschen die Arbeitsplätze weg und machen sich ein schönes Leben zu Lasten der Sozialkassen. Und da sie anders als die Unternehmen keine Macht haben, fällt es leichter, gegen sie zu agitieren.” (…) Hervorhebungen StB (Der vollständige Artikel in PDF: Aggressionsverschiebung Schui 20150115 )
Ursprünglich erschienen:
http://www.hintergrund.de/201501093374/politik/inland/die-grosse-aggressionsverschiebung.html
- Auch von den NachDenkSeiten wird die Fremdenfeindlichkeit als mitverursacht durch ein Versagen des Wohlfahrtsstaates gesehen
Titel: Von der „Willkommenskultur“ zur Fremdenabwehr? Datum: 19. Oktober 2015 um 9:59 Uhr
Zuwanderung als Bewährungsprobe des Wohlfahrtsstaates
Ulrike Herrmann hat in einem Kommentar der taz (v. 12.10.2015) davor gewarnt, Steuererhöhungen zwecks Bewältigung der aktuellen „Flüchtlingskrise“ ins Gespräch zu bringen, weil damit Wasser auf die Mühlen der Rechtspopulisten geleitet würde. Christoph Butterwegge widerspricht der renommierten Journalistin: Seines Erachtens war die Gelegenheit nie günstiger, um Steuererhöhungen auf Kapitalerträge, Vermögen und große Erbschaften durchzusetzen, als derzeit. Er plädiert dafür, die vermehrte Zuwanderung als schlagendes Argument für die Notwendigkeit einer Umverteilung des Reichtums von oben nach unten zu nutzen, und hält es für eine Illusion zu glauben, man könne die Kosten der Aufnahme, Unterbringung und Verpflegung von Asylsuchenden leugnen oder herunterspielen. (…)
Ciao Stephan Best
Hinterlasse einen Kommentar