Vorbemerkung: Der Vortrag von Hauke RITZ, gehalten auf der Konferenz „Image Russland – Mythen und Realität“ am 10. September 2014 in Bonn, zeigt Ursprünge, Urheber, Geschichte, Techniken, Wirkungsweisen (in sprachlicher/bildlicher, emotionaler/psychischer Hinsicht) des „information warfare“ der „Informationskriegsführung“ auf. Sie werden am Beispiel zweiter Golfkrieg (1990/91), NATO-Angriffskrieg gegen Jugoslawien (1999) und Leitmedien-„Berichterstattung“ im Vorfeld und während des (anhaltenden) Ukraine-Konflikts plastisch.
Seine (philosophische) These: „Es gibt keine Kultur, die in den letzten 500 Jahren so erfolgreich gewesen ist wie die europäische. In Europa entstandene Ideen und Zivilisationsmodelle sowie die europäische Kunst und Kultur haben alle anderen Kulturkreise beeinflusst und wurden oft genug von ihnen übernommen.“, wäre zu überprüfen hinsichtlich des Adjektivs „erfolgreich“ (in welcher Hinsicht, für wen, auf wessen und mit welchen Kosten/Folgen), hinsichtlich der Verknüpfung von Kultur und kapitalistischem (fortlaufend nach außen und innen expandierendem) System, hinsichtlich des Doppelcharakters der Aufklärung, d.h. auch ihrer „kalten“ Seite, der Vernunft-abgeleiteten „Beherrschung der Natur“ (Natur umfassend verstanden, die menschliche Spezies inklusive) …
– Der vollständige Vortrag ist im Anhang (pdf-Datei, 12 S.) verfügbar –
Grüße,
Martin Zeis
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gepostet von Stephan BEST am 20.10.2014, 18:21 (globalcrisis-Liste) – Kontakt: sbest@gmx.net
Hauke Ritz: Die Strategie der Informationskriegsführung – und was sie für die Zukunft der europäischen Kultur langfristig bedeutet
Vortrag auf der Konferenz „Image Russland – Mythen und Realität“
(Bonn, 10.09.2014)
Heute werde ich über Informationskriegsführung sprechen. Mein Vortrag wird davon handeln, wie eine neuartige militärische Strategie, nämlich die Informationskriegs-führung, unsere heutige Welt verändert hat. Dabei werde ich auch auf die kulturellen Folgen dieser neuartigen Militärstrategie eingehen. Und ich werde versuchen zu zeigen, wie sich all dies exemplarisch am Beispiel der gegenwärtigen Ukraine-Krise beobachten lässt.
Wir spüren ja in gewisser Weise alle, dass mit der Russlandberichterstattung in die-sem Land etwas nicht stimmt. Die Berichterstattung über Russland in den deutschen Zeitungen, Radio- und Fernsehsendern ist keine, die den Eindruck erweckt, als sei sie aus den unabhängigen Recherchen und den freien Gewissensentscheidungen vieler einzelner Redakteure hervorgegangen. Denn wie sollte es sonst möglich sein, dass immer dieselben Argumentationsketten verwendet werden und dieselben Sprachregelungen und Begrifflichkeiten in den verschiedensten Beiträgen ganz unterschiedlicher Medien auftauchen. In den letzten Tagen war beispielsweise die Sprachregelung zu beobachten, Putin und die islamistische Terrororganisation IS in einem Satz zu erwähnen, so als ob es sich dabei um vergleichbare Phänomene han-deln würde. Etwa in der Wochenzeitschrift „DIE ZEIT“, wo ein Leitartikel von Joseph Joffe mit dem Untertitel versehen war: „Putin und die IS stoßen in ein Vakuum vor und Obama gibt dies auch noch zu.“ 1
Eine ähnliche Vereinheitlichung der Berichterstattung beobachten wir auch, wenn es um Weglassungen geht, also um wichtige Nachrichten und Ereignisse, über die in der deutschen Presse gar nicht oder nur unzureichend berichtet wird. Die Aufarbei-tung der Schüsse auf dem Kiewer Maidan vom 20. Februar 2014 ist hierfür ein Bei-spiel. Auch die genaue Untersuchung des Brandes des Gewerkschaftshauses in Odessa vom 2. Mai 2014 ist hier zu nennen. Und natürlich die Aufarbeitung des Ab-sturzes von Flug MH 17. Über alle drei Ereignisse wurde so lange intensiv berichtet, solange gesicherte Kenntnisse noch nicht vorlagen und es deshalb relativ leicht fiel, Russland die Schuld an ihnen zu geben. Doch sobald die ersten Widersprüche auf-tauchten, sobald das offizielle Narrativ von der Schuld Russlands Risse bekam, ver-schwand das Thema entweder stillschweigend aus der Presse oder aber die Bericht-erstattung wurde sehr einseitig. So wurden z.B. viele der Einwände, die nach dem Absturz von MH 17 von pensionierten Militär-, Geheimdienstmitarbeitern oder auch Piloten im Internet publik gemacht wurden, von der etablierten Presse fast vollständig ignoriert.
Neben Weglassungen und sprachlicher Vereinheitlichung gibt es ein weiteres Merk-mal, das die deutsche und letztlich die gesamte westliche Presse in unseren Tagen kennzeichnet. Und das ist die allgemeine Hysterie, von der ihre Berichterstattung ge-tragen wird. Dem Mangel an Analyse entspricht ein Übermaß an Emotion. Besonders deutlich wird dies wiederum an katastrophalen Ereignissen, die zugleich Schlüsseler-eignisse sind, wie eben der Absturz von Flug MH 17. Denn wenn in einem solchen Moment unmittelbar nach der Katastrophe, zu einem Zeitpunkt, da die einzige Ge-wissheit der Tod vieler unschuldiger Menschen ist, aber man ansonsten kaum etwas weiß, die Mehrzahl der Zeitungsredakteure, der Nachrichtenmoderatoren und mit ih-nen viele Politiker scheinbar synchron mit dem Finger auf Moskau zeigen, dann bleibt diese Anschuldigung in den Köpfen der Fernsehzuschauer haften. Sie bleibt deshalb haften, weil unser Gehirn nun einmal so strukturiert ist, dass wir uns Sach-verhalte umso eher merken, je mehr sie mit starken Gefühlen verbunden sind. Und der Schrecken im Angesicht einer Katastrophe wie dem Absturz einer Passagierma-schine ist eine besonders starke Emotion, die daher auch starke Eindrücke hinter-lässt.
Wenn dann einige Wochen später, nachdem der Schreckmoment längst verebbt ist, Zweifel an dieser Schuldzuweisung auftauchen und vielleicht sogar die eine oder an-dere Zeitung vorsichtig eine relativierende Aussage abdruckt, dann wird diese Infor-mation kaum noch von jemandem wahrgenommen. Sie wird nicht mehr im gleichen Maße erinnert wie die Schuldzuweisung im Moment der unmittelbaren Betroffenheit. Mit anderen Worten, wir haben es heute in den westlichen Ländern und neuerdings vereinzelt auch in Russland mit Medien zu tun, die den Schwächen der menschli-chen Psyche nicht etwa entgegenwirken, sondern sie nutzen. Die den Augenblick des Schreckens, wenn Menschen besonders empfänglich sind für äußere Eindrücke, nicht respektieren und mit Zurückhaltung begegnen, sondern ausbeuten. Zwar ist nicht immer klar, wie bewusst diese Manipulation im Einzelfall erfolgt. Doch dass hier insgesamt ein manipulatives Muster der Berichterstattung vorliegt, ist offensichtlich. 2
Nun leben wir innerhalb der westlichen Welt in republikanisch verfassten Staaten. Diese besitzen hochentwickelte Rechtssysteme. In diesen ist die Freiheit und Unab-hängigkeit der Presse garantiert. So findet sich beispielsweise im deutschen Grund-gesetz in Artikel 5 der Satz: „Eine Zensur findet nicht statt.“ Doch wenn eine Zensur nicht stattfinden soll und die Rechtslage in dieser Hinsicht eindeutig ist, warum haben wir es dann trotzdem mit einer Medienkultur wie der eben beschriebenen zu tun?
Wie alles begann – der Vietnamkrieg …
Die Logik der Informationskriegsführung …
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Quelle:
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Martin Zeis
globalcrisis/globalchange News
martin.zeis@gmxpro.net
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