Von: Ste B <sbest>
Datum: Dienstag, 13. Mai 2014 11:48
An: Global Crisis <globalcrisis%Martin.zeis>
Betreff: Nachrichtenportale des Mainstreams mit spürbaren Einbrüchen im April
Desinformationsindustrie abgewatscht: Nachrichtenportale des Mainstreams mit spürbaren Einbrüchen im April
veröffentlicht in Gesellschaft, Medien, Wirtschaft
am 12. Mai 2014
von Goeran
Oft wird ja, z.B bei den Mahnwachen für den Frieden, die Frage gestellt: Aber was können wir denn konkret tun? Ken Jebsen hat eine Möglichkeit der Verweigerung mehrmals erklärt: Boykottiert die offiziellen Medien!
Egal ob ARD, ZDF, Dritte oder der Müll von RTL, SAT1, Springer, Spiegel, N24, NTV usw. Erfreulicherweise haben das wohl mittlerweile viele Menschen verstanden oder sie vertrauen den offiziellen Medien instinktiv nicht mehr, weil sie spüren, dass das was gemeldet wird, nichts mehr mit ihrer eigenen Wahrnehmung zu tun. Die Nachrichtenportale der Mainstream-Medien verzeichnen jedenfalls für den April 2014 teils drastische Einbußen hinsichtlich der Besucherzahlen.
Das Medienmagazin DWDL hat nun diese Zahlen veröffentlicht. Quelle ist die IVW – Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V.
Hier die Zahlen im Überblick:

Kräftige Einbußen der Visits bei den offiziellen deutschen Nachrichtenportalen. Quelle: DWDL, IVW
Wie man sieht, haben nur “Express” und “Der Westen” Zuwächse zuverzeichnen. Das allerdings nur im Mobil-Bereich. Bedauerlich, dass das Online-Angebot der “Bild” nur ein Minus von 4,6% an Besuchern zu verzeichnen hat. Aber das wird auch noch. Besonders hervorzuheben sind die herben Verluste von Spiegel Online, Welt, n-tv.de und FAZ.net. 13 bis 16 % weniger Visits im Vergleich zum Vormonat sind schon eine Hausnummer in diesem Geschäft. Das dürfte geschmerzt haben. (…)
*
Die oben sich abzeichnenden Entwicklungen weg von den Mainstream- oder sog. Qualitätsmedien markieren auch einen deutlichen Verlust ihres Einflusses auf die politische Willensbildung. Anders ist jedenfalls nicht zu erklären, dass trotz unausgesetzter einseitiger Berichterstattung und Kommentierung in der Ukraine-Krise eine Mehrzahl von Menschen bei Umfragen völlig anders lautende Antworten gibt, als es nach den Lektüren/TV-Nachrichten zu erwarten wäre. Wenn man den Thesen Wolfgang J. Koschnicks folgt, so könnte sich hinter den beschriebenen Trends ein weit tieferes Problem westlicher politischer Systeme ankündigen.
*
Die entwickelten Demokratien der Welt stehen am Abgrund
Wolfgang J. Koschnick19.12.2013
Eine Demokratie haben wir schon lange nicht mehr – Teil 1
Beginnend mit dieser Ausgabe schreibt der Allensbacher Politologe und Wissenschaftsjournalist Wolfgang J. Koschnick in Telepolis eine Reihe von Artikeln, die sich sehr grundlegend mit der Fundamentalkrise der etablierten Demokratien auseinandersetzt. Die 1. Folge beschreibt und analysiert den Niedergang der entwickelten parlamentarischen Parteiendemokratien. Sie zeigt, dass alle entwickelten Demokratien der Welt in einer Systemkrise gefangen sind, aus der es kein Entrinnen gibt. Das verbreitete Klagen über „die Politiker“ und die allgemeine „Politikverdrossenheit“ verstellt den Blick dafür, dass alle entwickelten Demokratien in einer fundamentalen Strukturkrise stecken.
http://www.heise.de/tp/artikel/40/40546/1.html
*
Koschnick lässt Arundati Roy zu Wort kommen:
(…)
„Die Demokratie, die Heilige Kuh der modernen Welt, befindet sich in der Krise. Und es ist eine tiefgreifende Krise. Im Namen der Demokratie werden alle Arten von Verbrechen begangen. Aus ihrwurde wenig mehr als ein ausgehöhltes Wort, eine hübsche Schale, jeglichen Inhalts oder Sinns entleert. Sie ist so, wie man sie haben will.
Die Demokratie ist die Hure der freien Welt, bereit, sich nach Wunsch an- und auszuziehen, bereit, die verschiedensten Geschmäcker zufrieden zu stellen. Man nutzt und missbraucht sie nach Belieben. Bis vor kurzem, noch in die 1980er Jahre hinein, schien es so, als könnte die Demokratie tatsächlich ein gewisses Maß an echter sozialer Gerechtigkeit gewährleisten.
Aber moderne Demokratien existieren lange genug, und neoliberale Kapitalisten hatten genug Zeit, um zu lernen, wie man sie untergräbt. Sie verstehen sich meisterlich in der Technik, die Instrumente der Demokratie zu infiltrieren – die „unabhängige“ Justiz, die „freie“! Presse, das Parlament – und sie zu ihren Zwecken umzuformen.“
Arundhati Roy, indische Schriftstellerin und Globalisierungskritikerin
Unter den Bedingungen weltweit rasant beschleunigter Kommunikation und der Möglichkeit, rasch und gewissermaßen in Realzeit in alle Prozesse einzugreifen, günstigen und schnellen Reisens und der Auflösung einst homogener Milieus besteht wenigstens technisch die Möglichkeit für alle Bürger, rasch an politischen Entscheidungsprozessen teilzunehmen und in sie einzugreifen.
Das repräsentative System bietet dazu jedoch keinerlei politische Möglichkeit. Es ist schwerfällig, träge und umständlich und löst damit große Frustration bei den Bürgern aus. Sie fühlen sich ausgeschlossen und jeglicher Chance beraubt, ihre eigenen Geschicke und Interessen auch nur zu beeinflussen, geschweige denn in die eigenen Hände zu nehmen. Die repräsentative Demokratie alten Stils schließt ihre Bürger aus allen Entscheidungsprozessen aus.
Vor die Interessen der Bürger haben sich im Zeitalter der repräsentativen Demokratien schwergewichtige, ja schwerfällige und mehr und mehr auch handlungsunfähige Großorganisationen wie politische Parteien, Verbände, Parlamente, Bürokratien und große Konzerne geschoben und über die Bürger erhoben, deren Interessen sie schon lange nicht mehr vertreten und die zunehmend den Interessen der Bürger entgegenstehen. Sie üben politische Herrschaft über die Bürger aus, unddie Bürger wenden sich erst einmal nur von ihnen ab. Die wechselseitige Entfremdung kann in Zukunft nur wachsen.
In der alten Welt der jungen Demokratien, gingen aus dem Wettbewerb der politischen Parteien mitunter noch Lösungen hervor. Das System der parlamentarischen Demokratien basiert auf Gegensatz und Antagonismus: hie Regierung, do Opposition. Wenn die einen dafür sind, sind die anderen dagegen. Aus Prinzip und um sich für die nächste Wahl zu profilieren.
Die entwickelten Demokratien der Welt stehen am Abgrund
Die politischen Parteien sind der größte Klotz am Bein
Aus Politikverdrossenheit ist Volkszorn geworden
Hervorhebungen StB
Hinterlasse einen Kommentar