WDR-Monitor: Todesschüsse von Kiew: Ermittlungsergebnisse werden unterdrückt

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Von: „E.Schenk“ <e.schenk>
Datum: 10. April 2014 13:11:56 MESZ
An: globalcrisis%martin.zeis
Betreff: WDR-Monitor: Todesschüsse von Kiew: Ermittlungsergebnisse werden unterdrückt

PM von WDR-Monitor zur Sendung heute, 10.4., 21.45:
http://www.wdr.de/tv/monitor/

Pressemeldung vom 10.04.2014:
Todesschüsse von Kiew: Ermittlungsergebnisse werden unterdrückt

Das WDR-Magazin MONITOR berichtet von schweren Vorwürfen gegen die
Staatanwaltschaft. Sieben Wochen nach den tödlichen Schüssen von Kiew, die zum
Sturz der Regierung Janukowitsch führten, mehren sich Hinweise, die erhebliche
Zweifel an der offiziellen Version der Ereignisse aufkommen lassen.

Nach Recherchen des WDR-Magazins MONITOR (Donnerstag, 21.45 Uhr, im Ersten)
erscheint es unwahrscheinlich, dass die tödlichen Schüsse auf Demonstranten
ausschließlich von Seiten des alten Regimes ausgingen.
Generalstaatsanwaltschaft und Übergangsregierung hatten sich auf einer
Pressekonferenz vor einer Woche dahingehend festgelegt. Zwölf Mitglieder der
mittlerweile aufgelösten Spezialeinheit „Berkut“ wurden festgenommen und als
Hauptschuldige präsentiert. Ein hochrangiges Mitglied des Ermittlerteams der
ukrainischen Regierung, der an den Untersuchungen beteiligt ist, zieht die
Aussagen der Generalstaatsanwaltschaft in Zweifel. Der Ermittler, der anonym
bleiben will, berichtet MONITOR: „Meine Untersuchungsergebnisse stimmen nicht
mit dem überein, was die Staatsanwaltschaft in der Pressekonferenz erklärt hat
MONITOR.“ liegt zudem ein Mitschnitt des Funkverkehrs von Scharfschützen vor,
die dem Lager von Ex-Präsident Janukowitsch zuzurechnen sind und am Vormittag
des 20. Februar offenbar auf verschiedenen Dächern im Zentrum von Kiew
stationiert waren. Dieses Gespräch wurde von einem ukrainischen Amateurfunker
mitgeschnitten, den MONITOR getroffen hat. Darauf ist zu hören, wie ein
Scharfschütze seine Kollegen über Funk fragt: „Wer hat da geschossen? Unsere
Leute schießen nicht auf Unbewaffnete.“ Kurze Zeit später sagt ein anderer:
„Den hat jemand erschossen. Aber nicht wir.“ Und dann: „Gibt es da noch mehr
Scharfschützen? Und wer sind die?“ Auf Videos ist außerdem zu erkennen, dass
die Oppositionellen auf der Institutska-Straße nicht nur aus Richtung der
Regierungsgebäude beschossen wurden, sondern auch vom Hotel „Ukraina“, das in
ihrem Rücken lag. Im Interview mit MONITOR bestätigt das ein Augenzeuge, der
sich am betreffenden Tag zwischen dem Hotel und den Regierungsgebäuden
aufgehalten hatte und auf mehreren Videos auszumachen ist: „Wir wurden von
vorn beschossen und auch von hinten, etwa aus der achten oder neunten Etage
des Hotel ‚Ukraina‘. Das waren auf jeden Fall Profis.“

Das Hotel, in dem auch zahlreiche Medienvertreter untergebracht waren, befand
sich an jenem Tag fest in der Hand der Opposition. Am Morgen des 20. Februar
hatte sie Einlasskontrollen eingeführt, in das Hotel kam nur noch, wer einen
Zimmerschlüssel hatte oder sich ausweisen konnte.
Auch die Anwälte von Angehörigen und Verwundeten erheben schwere Vorwürfe
gegen die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft. Die bisherigen Ergebnisse der
Ermittlungen würden ihnen fast komplett vorenthalten: „Wir haben nicht gesagt
bekommen, welcher Typ Waffen verwendet wurde, wir bekommen keinen Zugang zu
den Gutachten, wir bekommen die Einsatzpläne nicht. Die anderen
Ermittlungsdokumente haben wir auch nicht. Wir können gar nicht sagen, was aus
Sicht der Staatsanwaltschaft eigentlich passiert ist.“ Einer der Anwälte
vergleicht das sogar mit den Zuständen in der Sowjetunion und unter
Janukowitsch: „Die Staatsanwaltschaft ermittelt nicht richtig. Die decken ihre
Leute, die sind parteiisch, so wie früher.“
Der 20. Februar war der blutigste Tag der Unruhen rund um den
Unabhängigkeitsplatz in Kiew. Nach offiziellen Angaben starben in allein an
diesem Tag auf der Institutska-Straße mehr als 30 Menschen.

Viele Grüße

Elke Schenk