FAZ-blog: Die Schlafwandler: Deutsche Medien in der Krim-Krise


Elke Schenk stieß im FAZ Blog auf einen interessanten Artikel: ‚WOSTKINDER‘

Am 07.04.14 10:58 schrieb „E.Schenk“ unter :

>Im Folgenden längere Auszüge eines Beitrags aus dem FAZ-blog „Wostkinder“ >von jungen Autoren, die noch in der DDR aufwuchsen und beide Systeme >kennen(gelernt haben),
>zur Ukraine, der Kluft zwischen Bevölkerung einerseits und
>Medien + politischem Establishment andererseits
>sowie zum Verhältnis von EU und USA.
>
>
>http://blogs.faz.net/wost/2014/04/06/die-schlafwandler-deutsche-medien-der >-
>krim-krise-953/
>
>Die Schlafwandler: Deutsche Medien in der Krim-Krise
>
>06.04.2014, 11:11 Uhr · Die Krim-Krise offenbart eine Kluft zwischen >Journalisten und Lesern. Ein Gefühl der unterdrückten Meinungen und >manipulierten Massen greift um sich. Doch wer manipuliert da wen? >Von Marco Herack
>
>Historische Vergleiche scheinen in den Tagen der gefühlten Krim-Annexion >so
>etwas wie der Winterschlussverkauf zu sein. Alle Medienschaffenden wetzen >zu
>ihren Geschichtsbüchern und tun es. Auch Sie, werte Leserin, erinnern >sich
>bestimmt: Wir hatten das alles doch schon einmal. „Der Iwan“ stand vor >den
>Toren Europas und wollte uns Brandschatzen. Meist stand er sogar an der >innerdeutschen Grenze und lechzte danach einzumarschieren. Ständig kam >er,
>„der Russe“. Mittlerweile dürfte die ganze Palette, die das 19. und 20. >Jahrhundert an Vergleichsmöglichkeiten zu bieten hat, durchgekaut sein. >Stilecht kam es am vorläufigen Ende so, wie es immer kommt. Einer sprang >aus
>der Tonne und schrie: „Hitler!“ …
>
>Seit Putin sich als amtierender Staatschef in der Silvesternacht 1999 >nach
>Tschetschenien begeben hat um Jagdmesser an die russischen Soldaten zu >verteilen, ist er hierzulande unten durch. Diese Abneigung gegen Putin >geht so
>weit, dass die deutschen Medienvertreter in Jubelstürme ausbrachen, als >Putin
>einen Verbrecher wie den ehemaligen Oligarchen Michail Chodorkowski aus >dem
>Straflager entlassen hat.
>
>Es drängt sich der Eindruck auf, dass den deutschen Medien jeder >Verbrecher
>recht und billig ist, wenn er nur gegen den bösen Putin agiert. Es ist >auch
>nicht so, dass dem seitens der politischen Klasse widersprochen werden >würde.
>Im Gegenteil, Kanzlerin Angela Merkel pflegt eine offene Abneigung gegen >den
>Herrn aus Russland. Es ist schwierig sich vorzustellen, und das >politische
>Handeln während der Krim-Krise bestätigt dies, dass ein rationales >Handeln
>Deutschlands zu erwarten ist. Diese Irrationalität wird von unserem >großen
>Bruder, dem militärisch-wirtschaftlichen US-Komplex, unterstützt. So goss >John
>Kornblum in dieser Zeitung weiteres, vermutlich aus Fracking gewonnenes, >Öl in
>das deutsche Meinungsfeuer:
>
>Die Ukraine war in vielerlei Hinsicht der europäische 11. September, der >Illusionen in Europa so fundamental zerstörte wie der Anschlag auf das >World
>Trade Center in Amerika.
>
>Man kann aus dieser Aussage herauslesen, dass Putin der neue Osama bin >Laden
>ist. Der gefährlichste Terrorist der Welt, den es mit allen Mitteln zu >töten
>gilt. Und Russland ist demgemäß Afghanistan. Ein Land, in dass der >Westen,
>unter Führung der USA, einmarschierte um Terroristen zu bekämpfen. Es ist >vollkommen egal, ob John Kornblum, der diese Deutung abstreiten würde, es >wirklich so meinte oder nicht. Gleiches gilt für Schäubles nicht so >gemeinten
>Hitler-Vergleich. Es geht vielmehr um die Bilder, die durch solche >Aussagen
>transportiert werden. Diese Bilder werden, soweit muss man Diplomaten und >Politikern misstrauen, nicht unabsichtlich erzeugt.
>
>Dass Bilder wie diese in den Diskurs hineinwirken, wollte wohl Klaus >Kleber im
>Interview mit dem Siemens-Vorstandsvorsitzenden Joe Kaeser beweisen. Doch >nicht nur das. Kleber, seines Zeichens Angestellter des staatlichen >TV-Senders
>ZDF, dem das Bundesverfassungsgericht eine zu große Nähe zur Politik >bescheinigte, untermauert mit seinem Interviewstil die Bedenken gegenüber >dem
>Sender. Ein Vorwurf, den sich in den letzten Wochen nicht nur die >öffentlich-
>rechtlichen TV-Sender- und Radiostationen gefallen lassen mussten, >sondern
>auch die privatwirtschaftlich betriebenen Zeitungen des Landes. >
>Und fürwahr, es gab in den letzten Jahren wohl nur wenige Diskurse, in >denen
>die Meinung zwischen den Gatekeepern und den Bürgern soweit >auseinanderging
>wie in Bezug auf die Ukraine. Während die Artikel klar gen bösen Putin >weisen,
>erschöpfen sich viele Leserkommentare in genau dem Gegenteil. Nicht Putin >ist
>der Böse, man äußert ein gewisses Verständnis und zweifelt an dem Treiben >der
>eigenen Regierung. Umfragen deuten darauf hin, dass es sich hierbei >keineswegs
>um Russen handelt, die im Auftrag von Putin die Kommentarspalten >bevölkern.
>Die öffentliche Meinung, die Bürger dieses Landes, sind schlichtweg >anderer
>Meinung und äußern sie.
>
>Die Reaktion auf diese andere Meinung der Bürger war im Politik-Bereich >dieser
>Zeitung genau das, was man der Lesermeinung vorwarf.
>Verschwörungstheorie,
>geäußert von Julian Staib. Aber auch andere Zeitungen zogen nach, zum >Beispiels Jens Bisky in der Süddeutschen. Das zeigt vor allem, dass man >nicht
>bereit ist den Fehler bei sich selbst zu suchen. Und warum Worte wie >„Systemmedien“ in Mode sind. Es kommt nicht von ungefähr, dass die >Bestsellerlisten Büchern führen, die davon handeln, dass Meinungen >unterdrückt
>werden. …
>
>Die Auswüchse dieser Entwicklung sind sicher nicht immer positiv, aber >dass es
>nicht mehr so einfach ist, dieses Volk auf Konfrontation einzustimmen, >muss
>zunächst positiv bemerkt werden. Es ist durchaus eine Ansage mit Gefühl >für
>die Realität, wenn die Bevölkerung sich wünscht, die EU möge neutral >agieren
>und Deutschland insbesondere eine Vermittlerrolle einnehmen. >
>Die Konsequenzen dieser Forderungen sind weitreichend. So müsste die >Europäische Union, wollte sie dem gerecht werden, ihre Expansion nicht >nur
>beschränken, sondern einstellen. Sie müsste ihre von Ausdehnung geprägte >Politik hin zu einer integrativen wandeln, oder anders formuliert, sich >um ihr
>Inneres kümmern. Nicht in Form einer bürokratischen Selbstbeschäftigung, >sondern im Behandeln der großen Themen wie der innereuropäischen >Demokratie,
>der Ausgestaltung der wirtschaftlichen und politischen Union (oder auch >nicht)
>oder der Schaffung eines europäischen Sozialsystems. Themen, die dank der >steten Expansion der Grenzen Europas immer weiter in die Zukunft >geschoben
>werden. Im Bewusstsein der Bürger sind sie jedoch vorhanden und schwelen >daher
>unter Oberfläche, wo sie nur Skepsis zu potenzieren vermögen. Ein nicht >expansives Europa, das die Schaffung eines Gesamtkonstruktes in den >Vordergrund stellt, könnte den Schmerz des Zusammenwachsens nicht mehr >verdrängen.
>…
>Es ist jedenfalls nicht zu übersehen, dass die USA sehr viel dafür tun, >damit
>die Stimmung in Europa konfrontativ gegenüber Russland bleibt. Es ist in >ihrem
>Sinne, dass eine Emanzipation europäischer Politik nicht stattfindet. >…
>
>
>Viele Grüße
>
>Elke Schenk
>

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..